Bauer sucht Frau … Teil 6
Veröffentlicht amEs war also beschlossene Sache, es wird geheiratet. Die Resi übernahm die Sache mit dem Notar. Sie suchte den gleich in der Woche noch auf und besprach mit ihm, was alles in dem Ehevertrag und in dem Zusatz zum Ehevertrag festgehalten werden sollte. Der Miche ging zur Gemeindeverwaltung und machte den Termin der standesamtlichen Trauung fest. Weil das Standesamt am Samstag, an dem die Hochzeit stattfinden sollte geschlossen war, würde die standesamtliche Trauung am Freitag vorher stattfinden.
Dann ging der Miche zum Pfarrer und bestellte das Aufgebot. Die kirchliche Trauung sollte also am ersten Samstag im September um 10:00 Uhr stattfinden. Das war für so ein Fest auf dem Dorf ein guter Zeitpunkt. Die Ernte war bereits eingefahren und die jetzt noch notwendigen Feldarbeiten drängten nicht mehr, so dass auch die Hochzeitsgäste Zeit haben würden. Beim Wirt zur “oaaugatn Gams”
(zur einäugigen Gemse) reservierte der Miche den Saal für die Hochzeitsfeier und bestellte das Festmahl. Und damit es auch zünftig wird engagierte er noch die Besetzung der Thalhamer Blaskapelle. Es sollte also alles passen.Vor der Hochzeit mußte ja noch der Ehevertrag geschlossen werden, und so fuhren Ende August die Resi und der Miche zum Notar nach Rosenheim. Mit dem Notar war ja schon alles besprochen, so dass dieser nur mehr den Vertrag im Wortlaut vorlas und dann vom Michi und der Resi unterschreiben ließ. Wegen der finanziellen Vereinbarungen und dem lebenslangen Wohnrecht für die Resi würde die Sache auch im Grundbuch eingetragen. Dann ging es noch zu dem Zusatz zum Ehevertrag. Da hatte der Notar folgende Formulierung gefunden:
“Die vor mir erschienenen Herr Michael Staller und Frau Therese Holzmüller vereinbaren nach der standesamtlichen Trauung eine sogenannte offene Ehe zu führen. Jeder Ehepartner gestattet dem anderen sexuelle Aktivitäten mit dritten Personen und wird solche Aktivitäten nicht zum Anlass für eine Auflösung der Ehe nehmen.” So war es also ausgemacht und auch diesen Vertrag unterschrieben der Miche und die Resi.
Dann kam der große Tag. Der Miche hatte sich etwas besonderes ausgedacht: er würde die Resi nicht mit einem Brautauto, sondern mit seinem Hanomag R12 zur Kirche fahren! Dazu hatte er in der Gärtnerei schon den Blumenschmuck bestellt und ließ ihn dort auch am Freitag schon anbringen. Die Resi kam am Samstag früh auf den Staller-Hof und staunte nicht schlecht, als sie den geschmückten Hanomag sah. “des schaugt ja guat aus, do fahre gern mit!” Sie hatte sich auch herausgeputzt mit einem neu gekauften Hochzeitsdirndl und auch der Miche hatte sich neu eingekleidet und trug zur Hochzeit jetzt eine Kniebund-Lederhose, die sonstige ‘Kurze’ wäre dem Anlaß nicht angemessen gewesen. Dann stieg man auf und fuhr los.
Doch irgendjemand mußte von Miches Überraschung Wind bekommen haben, denn als der Miche vom Hof her kommend auf die Straße zum Dorf einbiegen wollte kam er nicht weiter. Da standen so ungefähr 15 Oldtimer-Schlepper! Die Bulldogfreunde Tahlham hatten sich ausgemacht, den Michi mit seinem Hanomag zur Kirche zu eskortieren. So wie bei wichtigen Politikern eine Motorrad-Eskorte der Polizei vorausfährt, wenn es vom Flughafen zum Rathaus geht. Also fuhren jetzt die 15 alten Traktoren vor dem Michi her zur Kirche.
Nach der Trauung ging es in die ‘oaaugate Gams’, die Thalhamer Blasmusik spielte, das Essen schmeckte und die Stimmung wurde immer besser. Bei einer Hochzeit darf ja die Braut keinem der männlichen Hochzeitgäste einen Tanz abschlagen und der Bräutigam muß mit jeder Frau unter den Gästen mindestens einmal tanzen, und so waren die beiden, die Resi und der Miche gut beschäftigt und konnten sich gar nicht so viel miteinander unterhalten.
Unter den Gästen war auch die Marie, eine sehr gute Freundin der Resi. Sia war alleine da, da ihr Mann einen wichtigen Posten beider Waldbauernvereinigung hatte und ausgerechnet
an diesem Samstag an einer Versammlung teilnehmen mußte. Nachdem der Miche mit der Marie getanzt hatte setzte er sich noch mit ihr an den Tisch und unterhielt sich mit ihr, wenn sie schon alleine da sein mußte. Die Marie war gut in Stimmung und plötzlich spürte der Miche wieder eine Hand in seiner Hose. Die Marie befühlte seinen Zipfel! Der Miche war froh, dass er sich schon so daran gewöhnt hatte die Lederhose ohne Unterhose zu tragen, dass er auch heute keine angezogen hatte.“An scheena Zipfe host,” befand die Marie, “des denk i ma, das der da Resi gfoit.” “Jaa …,” weiter kam der Miche nicht, “Psst, du woast doch, dass de Weiba über so wos redn, und d’Resi hot ma ois erzäit.” “Wos ois?” “Na, ois hoit.” und die Marie nahm einen Schluck aus dem Krug vor ihr. In dem Moment begann die Musik wieder zu spielen, der Miche bedankte sich bei der Marie noch für den Tanz und machte sich auf, die nächste Frau aufzufordern.
Fortsetzung folgt wieder
nikolaus