DACH im Schatten der US-Charts: Wie deutschsprachige OnlyFans-Creator ihr Publikum finden
Veröffentlicht amDACH im Schatten der US-Charts: Wie deutschsprachige OnlyFans-Creator ihr Publikum finden
Ranglisten zur Plattform sind amerikanisch geprägt, und was sich über den deutschsprachigen Raum sagen lässt, ist begrenzt, aber nicht nichts.
Amerikaner gaben 2025 insgesamt 2,63 Milliarden Dollar für OnlyFans aus, berichtete die Nexstar Media Wire auf The Hill unter Berufung auf einen Bericht von OnlyGuider. Wer Ranglisten zur
Plattform liest, trifft deshalb fast immer auf amerikanische Städte, Bundesstaaten und Durchschnittswerte.Deutschland, Österreich und die Schweiz tauchen darin selten auf, obwohl der deutschsprachige Raum zu den größeren europäischen Märkten gehört. Was sich über ihn sagen lässt, ist begrenzt, aber nicht nichts.
Der Maßstab: eine Rangliste mit US-Schlagseite
Nach denselben Daten lag der US-Durchschnitt 2025 bei 77.334 Dollar je 10.000 Einwohner, schrieb der Autor Nick Jachim im Februar 2026. Spitzenreiter unter den Städten war Atlanta mit 525.475 Dollar je 10.000 Einwohner.
Solche Werte sind Schätzungen. Nach Angaben des Berichts hat OnlyGuider ein Finanzmodell gebaut, es handelt sich also nicht um geprüfte Bilanzen. Wer die Angaben liest, sollte sie als Größenordnung nehmen.
Deutschland im Vergleich der europäischen Märkte
In Europa führt Großbritannien. Das Land kam 2025 auf 531 Millionen Dollar, wie die griechische Zeitung Protothema unter Berufung auf OnlyGuider berichtete. Auf Rang zwei bis fünf folgen Italien, Deutschland, Frankreich und Spanien, in dieser Reihenfolge.
Deutschland ist damit der drittgrößte europäische Markt, hinter Großbritannien und Italien. Weltweit lag der Umsatz der Plattform laut derselben Quelle 2025 bei 7,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Tabelle, die Forbes Chile im Dezember 2025 unter Berufung auf OnlyGuider veröffentlichte, führt Deutschland auf Platz acht der Welt, mit rund 236,6 Millionen Dollar und einem Zuwachs von 16,97 Prozent.
Für Österreich und die Schweiz nennt keine der geprüften Quellen eigene Werte. Wer von einem DACH-Markt spricht, spricht damit zunächst über Deutschland.
Pro Kopf bleibt der Norden vorn
Teilt man Gesamtausgaben
durch Einwohner, verschiebt sich das Bild. Laut Protothema gab Finnland 2025 knapp 127.000 Dollar je 10.000 Einwohner aus und führte damit weltweit. Das Blatt nennt das rund 50 Prozent mehr als in den USA.Legt man den oben genannten US-Durchschnitt von 77.334 Dollar daneben, wären es eher 64 Prozent (eigene Rechnung: 127.000 geteilt durch 77.334). Woher die Abweichung kommt, erklären die Quellen nicht, vermutlich liegen unterschiedliche Bezugsgrößen zugrunde.
Für Deutschland gibt es keinen veröffentlichten Pro-Kopf-Wert. Eine Überschlagsrechnung zeigt die Größenordnung: 236,6 Millionen Dollar geteilt durch rund 83,3 Millionen Einwohner, die das Statistische Bundesamt nennt, ergeben etwa 28.000 Dollar je 10.000 Einwohner. Das wäre gut ein Drittel des US-Durchschnitts. Es ist eine eigene Rechnung auf Basis der Forbes-Tabelle und kein Ergebnis von OnlyGuider.
Wachstum, wo der Heimatmarkt ausgereizt ist
Interessanter als der Abstand ist die Richtung. Laut Protothema bleiben die USA, Großbritannien und Australien Kernmärkte, doch ihr Wachstum hat sich auf ein bis zwei Prozent im Jahr verlangsamt. Länder im Süden Europas und in Lateinamerika legten dagegen jeweils um mehr als 20 Prozent zu.
Deutschland liegt mit seinen knapp 17 Prozent laut Forbes-Tabelle zwischen diesen beiden Gruppen, über dem globalen Plus von 9 Prozent. Wer daraus eine Prognose ableiten will, sollte vorsichtig sein: Ein einzelnes Jahr zeigt keinen Trend.
Große Märkte, Zahlerquote
Ein hoher Gesamtbetrag sagt wenig darüber, wie viele Fans tatsächlich zahlen. In einer Studie, die OnlyGuider im Mai 2025 als bezahlte Pressemitteilung verbreitete, zahlten nur 4,2 Prozent der untersuchten Abonnenten überhaupt etwas, im Schnitt 48,52 Dollar je Creator. 95,8 Prozent zahlten nichts.
Dieselbe Mitteilung nennt, dass die obersten 0,1 Prozent der Creator 76 Prozent aller Einnahmen auf sich vereinen. Eine Aufschlüsselung nach Ländern enthält die Mitteilung nicht, ob sie für den deutschsprachigen Raum gilt, bleibt also offen.
Für Creator, die vor allem deutschsprachige Fans erreichen wollen, ist das eine nüchterne Randbedingung: Ein Markt in der Größenordnung von rund 237 Millionen Dollar, wie ihn die Forbes-Tabelle für Deutschland ausweist, verteilt sich demnach sehr ungleich.
Wie deutschsprachige Fans Creator finden
Hier wird die Datenlage dünn. Nach unserer Recherche gibt es keine belastbare, veröffentlichte Erhebung dazu, wie Fans im deutschsprachigen Raum neue Creator entdecken. Aussagen darüber, ob Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder Empfehlungen überwiegen, wären Spekulation.
Sicher ist nur, dass Sprache im Alltag eine Rolle spielt. Verzeichnisse bieten Sprachfilter an, und wer auf Deutsch kommunizieren möchte, dürfte gezielt danach suchen. Für Fans, die zunächst nur vergleichen wollen, ordnet die deutschsprachige Seite von OnlyGuider ihre Einträge als beste Models im Überblick nach Kategorien und Filtern.
Das ersetzt kein eigenes Urteil, und es beantwortet nicht, warum jemand ein bestimmtes Profil wählt. Verzeichnisse zeigen, wer gelistet ist, nicht, ob ein Angebot zum eigenen Geschmack und Budget passt.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Der deutschsprachige Markt wächst, wenn man den vorliegenden Zahlen folgt, schneller als der amerikanische, bleibt aber in den Ranglisten unsichtbar, solange Berichte vor allem US-Städte vergleichen. Eine eigene Auswertung für Deutschland, Österreich und die Schweiz würde zeigen, ob die Lücke real ist oder nur ein Effekt der Datenlage.
Dafür bräuchte es getrennte Werte für Städte wie Berlin, Wien oder Zürich und eine Angabe, wie viele deutschsprachige Creator es überhaupt gibt. Beides ist in den bisher veröffentlichten Berichten nicht zu finden.
Bis dahin gilt: Ranglisten sind ein Anfang, und die ehrliche Antwort auf die Frage nach dem deutschsprachigen Publikum lautet vorerst, dass niemand sie genau kennt.