Familienchronik

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Kapitel 1

Die Busscheibe zitterte leicht, als der öffentliche Nahverkehr über die letzten hundert Meter der staubigen Zufahrtsstraße zu den Hügeln von Aurelia Beach holperte. Lukas presste die Stirn gegen die kühle Scheibe, seine Augen verfolgten die vorbeiziehenden Eukalyptusbäume, deren Silhouetten sich bereits gegen den blutroten Himmel des späten Nachmittags zeichneten. Es war Dienstag, 16:45 Uhr – eigentlich hätte er bis sechs in der Bibliothek sitzen sollen, die letzten Seiten seiner Hausarbeit über Betriebswirtschaftslehre tippen sollen, aber der alte Laptop hatte den Geist aufgegeben. Schwarzer Bildschirm. Tot.

„Scheiße”, hatte er nur gemurmelt, während er den Stecker gezogen und das Gerät zusammengeklappt hatte.

Nun saß er hier, in dem stickigen Bus, der nach abgestandenem Parfüm und heißem Plastik roch, und starrte auf das Haus

am Ende der Sackgasse. Das Haus seiner Eltern. Nein – das Haus seiner Mutter. Denn der Vater, Harald mit seinem ergrauenden Haar und seinen müden, freundlichen Augen, war seit Montagmorgen unterwegs. Frankfurt erst, dann München, vielleicht noch Hamburg. Die übliche Route. Bis Freitagabend würde er nicht zurück sein.

Der Bus hielt mit einem pneumatischen Seufzer an der Haltestelle „Aurelia Heights”, und Lukas stieg aus. Die warme Spätsommersonne traf sein Gesicht, als er die Treppe hinunterstieg, seinen Rucksack über eine Schulter geworfen. Er war neunzehn, schlank, fast zu dünn für seine Größe von 1,80, und seine hellblauen Augen blickten unter den dunkelblonden, leicht gewellten Haaren hervor, die er sich aus dem Gesicht strich. Ein junger Mann im Übergang, halb Junge, halb erwachsen, mit den langen Beinen und den breiten Schultern, die ihm seine täglichen Klimmzüge verliehen hatten.

Er ging die Auffahrt hinauf, Kies knirschte unter seinen abgetragenen Sneakern. Das Haus lag still da. Zu still? Nein, das war Unsinn. Es war Dienstagnachmittag. Seine Mutter würde wahrscheinlich in der Küche stehen oder oben im Schlafzimmer, umgeben von ihren teuren Cremes und den Yoga-Magazinen, die sie nie wirklich las. Elena. Die Mutter, die wie eine ältere Schwester aussah, die alle seine Freunde anstarrten, wenn sie sie das erste Mal sahen.

Lukas griff in seine Hosentasche nach dem Schlüsselbund.

Die Haustür war nicht abgeschlossen.

Das war merkwürdig. Elena war penibel was Sicherheit anging, besonders wenn sie allein war. „Ein verschlossenes Haus ist ein sicheres Haus”, pflegte sie zu sagen, wenn sie abends die Runde durch die Räume machte und jedes Fenster kontrollierte. Lukas drückte die Klinke nach unten und schob die schwere Eichentür auf. Sie ging lautlos, gut geölt, wie alles in diesem Haus.

„Mama?”, rief er, und seine Stimme hallte im hohen Flur wider.

Keine Antwort.

Er trat ein. Der Flur roch nach… nach etwas. Nicht nach dem üblichen Lavendel von Elenas Diffusern. Nach etwas Schwermütigem, Sinnlichem. Ein Parfum, das er nicht kannte. Männlich. Holzig. Er runzelte die Stirn und ließ seinen Rucksack auf den Boden gleiten. Der Klang war zu laut in der Stille.

„Ich bin’s”, rief er wieder, lauter diesmal. „Ich bin früher gekommen. Der Laptop ist kaputt.”

Nichts. Nur das leise Surren der Klimaanlage, die aus irgendeinem Grund lief, obwohl es draußen angenehm warm war.

Lukas ging den Flur entlang, seine Turnschuhe auf dem polierten Marmor fast lautlos. Er passierte das Gästezimmer – Tür zu. Das Arbeitszimmer seines Vaters – Tür zu. Die Küche lag leer vor ihm, die Granitplatten blank geputzt, eine einzelne Tasse Kaffee stand in der Spüle. Halb voll. Kalt.

Er hörte ein Geräusch. Oben. Ein Knarren. Das alte Dielenholz im Obergeschoss, das unter Gewicht achzte. Dann ein Lachen. Tief. Männlich.

Lukas erstarrte. Sein Herz setzte einen Schlag aus, dann hämmerte es gegen seine Rippen, als hätte jemand einen Faustschlag gegen seine Brustkorb

geworfen. Ein Mann. Oben. Im Obergeschoss. Wo die Schlafzimmer waren.

Er wollte rufen. Wollte „Wer ist da?” brüllen, wie man es in Filmen tat, wie die Helden es taten. Aber seine Kehle war wie zugeschnürt. Stattdessen griff er nach dem Geländer der breiten Eichentreppe und begann, langsam nach oben zu steigen. Jeder Schritt war ein bewusster Akt, seine Hand glitt über das glatte Holz, während er lauschte. Jetzt hörte er mehr. Bewegung. Ein Rascheln von Stoff. Und dann – Stimmen. Gedämpft, aber deutlich genug.

„…musst du wirklich schon gehen?” Die Stimme seiner Mutter. Dieses tiefe, rauchige Timbre, das er seit seiner kannte. Aber anders. Verändert. Schwerer. Schläfrig. Sexuell.

„Muss ich, Schatz.” Die männliche Stimme, näher jetzt. Die Schlafzimmertür würde sich gleich öffnen. „Der Termin ist in einer Stunde. Aber nächste Woche…”

„Nächste Woche”, hörte Lukas seine Mutter sagen, und es klang wie ein Versprechen, wie ein Stöhnen.

Lukas stand nun oben auf dem Treppenabsatz. Er konnte die Schlafzimmertür sehen – sie stand einen Spaltbreit offen. Drei Meter entfernt. Nicht mehr. Er hätte zurückgehen sollen. Hätte die Treppe hinunterlaufen, das Haus verlassen, eine Runde um den Block gehen sollen. Aber etwas hielt ihn fest. Etwas in seinem Bauch, ein Ziehen, ein Brennen, das ihn wurmte und ihn gleichzeitig erstarren ließ.

Die Tür ging auf.

Ein Mann trat heraus. Groß, breit, Mitte vierzig vielleicht, mit einem Bauch, der über den Gürtel seiner teuren Anzughose hing. Sein Hemd war nicht richtig zugeknöpft, das Krawattenknoten hing lose, und seine Haare – dunkel, ergrauend – waren zerzaust. Er roch nach Schweiß und nach jenem Parfum, das Lukas unten gerochen hatte. Der Mann hielt sich gerade an der Tür einen Moment lang, griff nach hinten, und Lukas sah eine Hand herauskommen – eine weibliche Hand mit lackierten Fingernägeln – die sich in das Hemd des Mannes krallte.

„Bis bald, Elena”, sagte der Mann, und seine Stimme war ein Grunzen, zufrieden, dominant.

„Bis bald, Markus”, flüsterte seine Mutter aus dem Inneren des Raumes.

Markus. Der Name war wie ein Schlag. Ein Bekannter? Ein Freund des Vaters? Lukas kannte keinen Markus. Der Mann ging die Treppe hinunter, vorbei an Lukas, der wie erstarrt an der Wand lehnte, unsichtbar im Schatten des Treppenabsatzes, der von einer hohen Zimmerpflanze verdeckt wurde. Der Mann sah ihn nicht. Er war zu sehr damit beschäftigt, sein Hemd in die Hose zu stopfen, sein Handy zu checken, zu lächeln – dieses selbstzufriedene Lächeln von Männern, die gerade gefickt hatten.

Die Haustür fiel unten ins Schloss. Der Wagen des Mannes – ein schwarzer Mercedes, sah Lukas durch das Fenster – sprang an. Dann Stille. Absolute, dröhnende Stille.

Lukas stand immer noch da. Seine Beine waren wie Blei. Er sollte weggehen. Sofort. Aber seine Augen waren auf die Schlafzimmertür geheftet, die noch immer offen stand. Ein Spalt. Vielleicht zehn Zentimeter breit. Genug, um hineinzusehen, wenn er näher käme. Wenn er nur einen Schritt machte. Zwei.

Er machte den ersten Schritt. Der Boden knarrte nicht – Gott sei Dank für die guten Teppiche, die Elena immer bestellt hatte. Der zweite Schritt. Er war nun direkt vor der Tür. Er konnte atmen. Er konnte riechen. Das Zimmer roch nach Sex. Nach diesem unverwechselbaren, schweren Duft von vermischten Körperflüssigkeiten, nach verbrauchtem Parfum und nach… nach ihr. Nach Elena.

Er legte die Hand an den Türrahmen. Sein Herz hämmerte so laut, dass er fürchtete, sie würde es hören. Er drückte die Tür einen Millimeter weiter auf. Dann noch einen.

Und er sah sie.

Seine Mutter lag auf dem Ehebett. Auf den weißen Laken, die er seit seiner kannte, auf denen er manchmal als gesessen hatte, wenn seine Eltern am Sonntagmorgen Kaffee tranken. Sie lag auf dem Rücken, die Arme ausgebreitet, die Beine leicht gespreizt. Sie war nackt. Völlig nackt. Und sie war… sie war…

Lukas’ Atem stockte.

Sie war nicht die Mutter, die er kannte. Nicht die Frau in den engen Jeans und den eleganten Blusen, die beim Elternabend saß oder im Supermarkt einkaufte. Diese Frau hier war… sinnlich. Üppig. Mollig. Ihr Körper breitete sich auf der Matratze aus, weich und weiß und unglaublich weiblich. Ihre Brüste – Gott, er hatte nie gewusst, dass sie so groß waren – lagen schwer auf ihrem Brustkorb, riesig, mit großen, dunklen Warzen, die noch hart zu sein schienen, leicht zur Seite fallend, natürlich, ungehemmt. Ihr Bauch war nicht flach, er wölbte sich sanft, weiß und weich, mit Dehnungsstreifen, die wie silberne Fäden darüber liefen, Zeugnis ihrer zwei Geburten.

Und ihr Unterleib…

Lukas schluckte schwer. Er konnte nicht anders. Er musste hinschauen. Ein dichter, schwarzer Busch bedeckte ihre Scham, ungestutzt, wild, ein Dreieck dunkler Haare, das sich zwischen ihren Schenkeln ausbreitete. Ihre Beine waren dick, weiß, die Oberschenkel fleischig, und dazwischen, dort wo der Mann gewesen war, sah er etwas glitzern. Feuchtigkeit. Samen? Ihr eigener Saft? Die Spuren des Akts.

Elena bewegte sich. Sie streckte sich wie eine Katze, die Arme über den Kopf, wodurch ihre Brüste noch mehr herausgedrückt wurden, wackelten schwer. Ihr Haar – das dunkelbraune, schulterlange Haar – lag zerzaust auf dem Kissen. Sie lächelte. Ein selbstzufriedenes, geiles Lächeln. Ihre Augen waren noch geschlossen, die Wimpern auf den Wangen. Sie genoss es. Genoss die Nachwirkung. Genoss das, was dieser Markus ihr angetan hatte.

„Mmmh”, hörte Lukas sie stöhnen, leise, fast unhörbar, aber in der Stille des Hauses war es wie ein Donnerschlag.

Sie rollte sich zur Seite. Ihr Po – Gott, dieser Arsch – kam zum Vorschein. Er war riesig. Ein runder, praller, unglaublich fleischiger Hintern, der wie ein weißer Mond im Halbdunkel des Zimmers leuchtete. Ein Stutenarsch, dachte Lukas, obwohl er den Begriff nie zuvor bewusst gedacht hatte. Breit, kräftig, mit tiefen Pobacken, die sich beim Bewegen wellten. Er konnte sehen, wie sie sich zusammenzog, als sie sich auf den Bauch rollte, die Beine leicht anzog, den Hintern in die Höhe streckte, sich reckte.

Sie öffnete die Augen.

Lukas erstarrte. Er war direkt im Türrahmen, sie konnte ihn sehen, wenn sie nur nach links schaute, wenn sie den Kopf drehte. Aber sie tat es nicht. Stattdessen griff sie nach ihrem Handy auf dem Nachttisch – das Handy ihres Mannes, das dort immer lag, mit dem Familienfoto als Hintergrund – und tippte etwas. Ein Lächeln spielte um ihre Lippen. Dann legte sie es weg und stand auf.

Lukas wich zurück. Schnell, lautlos, auf Zehenspitzen den Flur entlang, in sein Zimmer, die Tür hinter sich schließend, den Riegel vorschiebend. Er lehnte sich gegen die kalte Holztür und atmete schwer. Sein Herz raste. Sein Kopf schwirrte. Und in seiner Hose – er schämte sich dafür, aber er konnte es nicht ändern – war er steinhart.

Er stand da, in seinem Zimmer, in dem Halbdunkel, das durch die Jalousien fiel, und starrte auf seine Hände. Sie zitterten. Was hatte er gerade gesehen? Was war das gewesen? Seine Mutter. Elena. Nackt. Gefickt. Von einem fremden Mann. Im Ehebett. Während sein Vater in irgendeinem Hotelzimmer in München saß und an nichts Böses dachte.

Und sie hatte es genossen. Dieses Lächeln. Dieses Stöhnen. Die Art, wie sie sich gestreckt hatte wie eine gesättigte Raubkatze.

Lukas ging zum Fenster und öffnete es. Frische Luft strömte herein. Er brauchte das. Er brauchte Klarheit. Aber das Bild brannte sich in seine Netzhaut. Ihre Brüste, die schweren, hängenden Euter. Ihr Bauch, weich und weiß. Der schwarze Busch zwischen ihren Beinen. Der riesige, wackelige Arsch.

Er schloss die Augen. Aber er sah sie immer noch.

Unten im Garten bewegte sich etwas. Lukas blickte hinunter. Elena war aus dem Haus getreten, eingewickelt in einen dünnen, weißen Morgenmantel, der ihre Kurven nur verschleierte statt sie zu verbergen. Sie trug nichts darunter – er konnte es sehen an der Art, wie sich der Stoff über ihre Brüste spannte. Sie ging barfuß über die Terrasse, eine Zigarette in der Hand – sie rauchte? Seit wann rauchte seine Mutter? – und blickte auf ihr Handy. Sie lächelte wieder. Tippte etwas. Dann legte sie den Kopf zurück und blies den Rauch in den abendlichen Himmel.

Sie sah glücklich aus. Erregt. Lebendig.

Lukas beobachtete sie. Er konnte nicht anders. Und während er sie beobachtete, dieses mollige, sinnliche Wesen in dem weißen Gewand, das seine Mutter war und doch nicht war, spürte er etwas in sich wachsen. Etwas Dunkles. Etwas, das er nicht benennen konnte, aber das ihn zugleich ekelte und faszinierte. Das ihn wütend machte und ihn brennen ließ.

Er würde es nicht bei diesem einen Mal belassen. Das wusste er plötzlich, mit einer Klarheit, die ihn erschreckte. Er wollte mehr wissen. Wollte mehr sehen. Wollte verstehen, wer diese Elena war, diese fremde Frau im Körper seiner Mutter.

Er würde sie beobachten. Er würde herausfinden, wer dieser Markus war. Und ob es noch andere gab.

Lukas trat vom Fenster zurück und setzte sich an seinen Schreibtisch. Er öffnete eine Schublade und nahm ein altes Notizbuch heraus. Mit zitternder Hand begann er zu schreiben. Das Datum. Die Uhrzeit. Der Name.

Dienstag, 16. September. 17:15 Uhr. Markus. Schwarzer Mercedes. Im Ehebett. Sie war nackt. Sie hat es genossen.

Er schloss das Buch und steckte es unter seine Matratze. Dann legte er sich auf sein Bett, starrte an die Decke und lauschte. Lauschte auf die Geräusche des Hauses. Auf die Dusche, die oben ansprang – seine Mutter wusch sich ab. Wusch den Mann aus ihrem Körper. Aber nicht die Erinnerung. Nicht das Gefühl.

Lukas legte eine Hand auf seinen Bauch. Die andere wanderte tiefer. Er konnte nicht anders. Das Bild war zu stark. Zu präsent. Er schloss die Augen und sah sie wieder, wie sie dalag, die Beine gespreizt, der schwarze Busch feucht, die riesigen Titten schwer atmend…

Er stöhnte auf, presste die Lippen zusammen, damit sie es nicht hören konnte, und gab sich dem Bild hin. Dem ersten Mal. Aber nicht dem letzten. Das wusste er. Das wusste er ganz genau.

Draußen wurde es dunkel. Und in dem großen Haus auf dem Hügel begann etwas, das weder Lukas noch Elena in dieser Form je erwartet hätten. Eine Spirale. Ein Abstieg. Eine Entdeckung, die beide verändern würde.

Aber das wussten sie noch nicht.

Alles, was Lukas in diesem Moment wusste, war: Nichts würde mehr so sein wie zuvor.

Nie wieder.

 

Lukas lag wach. Die Dunkelheit in seinem Zimmer war nicht vollständig, denn das Mondlicht fiel durch die schmalen Spalten zwischen den Jalousien und zeichnete silberne Streifen auf seinen Boden, auf seine Bettdecke, auf seine nackte Brust. Er hatte die Bettdecke vor Stunden weggestoßen, die Hitze in seinem Körper war zu groß gewesen, ein brennendes Feuer, das nichts mit der Temperatur im Raum zu tun hatte. Sein T-Shirt lag zerknüllt neben dem Bett, seine Jogginghose war die einzige Barriere, die seine Haut noch bedeckte, und selbst die schien zu eng, zu kratzig, zu sehr.

Er starrte an die Decke. Die weiße Fläche war im Dunkeln grau, eine leere Leinwand, auf der sich Bilder projizierten, die er nicht wegwischen konnte. Immer wieder sah er sie. Elena. Seine Mutter. Wie sie auf dem Ehebett gelegen hatte, die Beine gespreizt, der schwarze Busch feucht im Mondlicht, die schweren Brüste zur Seite fallend, der riesige, weiße Himmel ihres Bauchs, der sich sanft wölbte. Und dieser Arsch. Dieser unglaubliche, pralle Stutenarsch, der sich bewegt hatte, als sie sich streckte, diese tiefen Pobacken, die Fleischfalten, die…

Lukas schloss die Augen. Aber das machte es nur schlimmer. Dann sah er sie noch deutlicher. Hörte ihr Stöhnen. Dieses tiefe, rauchige „Mmmh”, das sie ausgestoßen hatte, als sie noch im Nachglühen lag. Ein Geräusch, das er nie zuvor von ihr gehört hatte. Ein Geräusch, das er nie hätte hören sollen.

Es war drei Uhr morgens. Dann vier. Dann halb fünf. Die Zeit verging in einem Nebel aus Schuld und Erregung. Er berührte sich selbst nicht wieder – das hatte er nach dem ersten Mal, direkt nachdem er in sein Zimmer zurückgekehrt war, getan, und die Scham danach war zu groß gewesen, zu heiß, zu verwirrend. Aber sein Körper reagierte dennoch. Stand ständig. Pochte. Verlangte.

Als die ersten Vogelstimmen draußen begannen, als das Grau des Morgens die schwarze Nacht durchdrang, stand Lukas auf. Er ging barfuß über den kalten Holzboden zu seinem Schreibtisch und öffnete die Schublade. Das Notizbuch lag noch dort, unter einigen Schulheften versteckt. Er nahm es heraus, blätterte die leeren Seiten um bis zur ersten, auf der er gestern Abend geschrieben hatte.

Dienstag, 16. September. 17:15 Uhr. Markus. Schwarzer Mercedes. Im Ehebett. Sie war nackt. Sie hat es genossen.

Er starrte auf seine eigenen Worte. Sie sahen fremd aus, wie die Handschrift eines anderen Menschen. Er griff nach dem Stift, der neben dem Buch lag, und hielt ihn über das Papier. Er wollte mehr schreiben. Wollte die Details festhalten, bevor sie verblassten. Aber wo sollte er anfangen?

Er setzte den Stift an.

Sie hat riesige Titten. Größer als ich dachte. Hängend. Mit großen braunen Warzen. Ihr Bauch ist weich. Weiß. Sie hat einen dichten schwarzen Busch. Ungeschoren. Ihr Arsch ist…

Er hielt inne. Atmete schwer. Schrieb weiter.

…enorm. Rund. Wackelt wenn sie sich bewegt. Sie hat Dehnungsstreifen. Sie ist nicht perfekt. Sie ist besser als perfekt.

Er schloss das Buch schnell, als hätte er etwas Illegales getan, und steckte es zurück in die Schublade. Dann ging er zum Fenster und öffnete die Jalousien. Der Morgen war grau und feucht, Nebel lag über den Hügeln von Aurelia Beach und hüllte die Baumwipfel in Watte. Unten im Garten war niemand. Die Terrasse war leer, die Liegestühle noch nicht aufgestellt. Aber er sah die Zigarettenstummel, die Elena gestern Abend hinterlassen hatte, weiße Tupfer auf dem grauen Stein.

Er musste duschen. Musste sich waschen. Das Gefühl der Schuld klebte an seiner Haut wie ein Film.

Die Dusche war heiß, fast zu heiß, und er stand lange darunter, ließ das Wasser über seinen Kopf, über seine Schultern, über seinen noch immer erigierten Schritt laufen. Er duschte kalt, dann wieder heiß, aber nichts half. Das Bild war in seinem Kopf eingebrannt.

Als er gegen sieben Uhr die Treppe hinunterging, frisch geduscht, in einem sauberen T-Shirt und einer Jogginghose, die er extra locker gewählt hatte, roch es im Haus nach Kaffee und Toast. Normalerweise ein vertrauter, wohltuender Geruch. Heute war er alarmierend.

Die Küche lag im warmen Licht der Unterbaulampen. Elena stand am Herd. Sie trug einen Morgenrock – nicht den weißen, dünnen von gestern Abend, sondern einen dickeren, mintgrünen Frotteemantel, der bis zu den Knien ging und mit einem Gürtel zugebunden war. Ihre Haare waren zu einem lockeren Knoten gebunden, einige Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Sie drehte sich um, als sie ihn hörte.

„Guten Morgen, Schatz”, sagte sie. Ihre Stimme war heiser, tiefer als sonst. Rauchig. Wahrscheinlich von der Zigarette gestern Abend. Oder von dem, was sie danach getan hatte. Oder von dem, was Markus ihr angetan hatte.

„Morgen”, murmelte Lukas und ging zum Kühlschrank. Er öffnete die Tür, mehr um etwas zu tun zu haben, um nicht hinschauen zu müssen. Aber er sah sie im Spiegel der Küchenzeile. Der Mantel war vorne leicht geöffnet, und darunter trug sie ein Nachthemd – ein weißes, ärmelloses Top, das ihre Brüste eng umschloss. Zu eng. Er konnte die Formen sehen, die Rundungen, die Schwere. Ihre Brustwarzen zeichneten sich als dunkle Schatten durch den Stoff ab.

„Du bist früh auf”, sagte Elena und drehte sich wieder zum Herd. Sie bewegte sich, und der Mantel öffnete sich weiter. Ihre Beine waren nackt bis zu den Oberschenkeln, weiß, fleischig. Sie trug keine Strümpfe, keine Socken. Barfuß auf den Fliesen. „Ist der Laptop immer noch kaputt?”

„Ja”, sagte Lukas. Seine Stimme klang seltsam, zu hoch. Er räusperte sich. „Ich muss ihn in die Reparatur bringen. Oder einen neuen kaufen.”

„Wir kaufen dir einen neuen”, sagte Elena und nahm eine Pfanne vom Herd. Sie drehte sich wieder zu ihm, und jetzt stand sie im Profil, und Lukas konnte sehen, wie ihr Bauch sich gegen den Gürtel des Morgenrocks drückte, wie sich die Rundung ihrer Hüften unter dem Stoff abzeichnete. „Dein Vater hat letzte Woche erst eine Prämie bekommen. Ein neuer Laptop ist kein Problem.”

Sie lächelte. Ein normales Mutterlächeln. Warm, liebevoll, alltäglich. Aber jetzt, nachdem er wusste, was er wusste, sah er etwas anderes darin. Etwas Geheimnisvolles. Etwas Sündiges. Wie konnte sie so normal sein? Wie konnte sie hier toasten und lächeln, als hätte sie nicht gestern Nachmittag einen fremden Mann im Ehebett empfangen, als hätte sie nicht nackt auf den Laken gelegen, den Schritt feucht von fremdem Samen?

„Setz dich”, sagte sie und deutete auf den Küchentisch. „Ich mache dir Rührei. Oder willst du nur Toast?”

„Nur Toast”, sagte Lukas und setzte sich. Er musste sich setzen. Seine Beine zitterten leicht. Er legte die Hände auf den Tisch, die kühle Oberfläche tat gut.

Elena stellte einen Teller mit zwei Scheiben Toast vor ihm ab. Dann setzte sie sich ihm gegenüber. Ihr Morgenrock öffnete sich beim Sitzen weiter, und er sah mehr von ihren Beinen, die weißen, fleischigen Oberschenkel, die sich unter dem Tischtisch berührten. Sie hatte die Beine übereinandergeschlagen, und ihr Fuß baumelte leicht, die Zehen lackiert in einem hellen Rosa, die Fußnägel gepflegt.

„Du guckst so komisch”, sagte Elena und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. Ihre Lippen hinterließen einen Abdruck auf der weißen Tasse. „Alles okay?”

„Ja”, sagte Lukas schnell. Zu schnell. „Ich hab nur schlecht geschlafen. Der Laptop und so.”

„Mhm”, machte Elena. Sie musterte ihn über den Rand ihrer Tasse. Ihre Augen – haselnussbraun, groß, mit langen Wimpern – schienen ihn zu durchbohren. Konnte sie es sehen? Konnte sie sehen, dass er wusste? Dass er sie gesehen hatte? Dass er sie nackt gesehen hatte, ausgebreitet, gefickt, glücklich?

„Ich habe heute Nachmittag einen Termin”, sagte Elena leichthin und stellte die Tasse ab. „Im Haus. Ein Kunde. Für meine… Beratung.”

Lukas’ Herz setzte einen Schlag aus. „Beratung?”

„Ja, du weißt schon. Die Life-Coaching-Sache. Ich habe dir doch erzählt, dass ich das mache. Seit ein paar Monaten. Für diese reichen Frauen – und manchmal Männer – die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen.”

Sie lächelte wieder. Aber diesmal war etwas anderes in dem Lächeln. Etwas Herausforderndes. Oder bildete er sich das nur ein?

„Ein Mann?”, fragte Lukas. Seine Stimme war ruhig, fast zu ruhig. „Heute?”

„Ja”, sagte Elena und nahm einen Bissen von ihrem Toast. Sie kaute langsam, und er sah ihre Kiefermuskeln arbeiten, sah ihren Hals sich bewegen, als sie schluckte. „Herr Bergmann. Ein Geschäftsführer. Er hat Probleme mit seiner Work-Life-Balance. Kommt um vier. Du solltest dann vielleicht weg sein. Oder in deinem Zimmer bleiben. Es wird eine Stunde dauern, vielleicht zwei.”

Sie sah ihn an. Direkt. Ihre Augen hielten seine fest.

„Ist das okay für dich, Lukas? Dass ich hier arbeite?”

Er starrte zurück. Er konnte nicht wegschauen. Ihre Augen waren so groß, so dunkel, so… wissend? Nein, das war absurd. Sie wusste nichts. Sie konnte nichts wissen.

„Klar”, sagte er. „Ist okay.”

„Gut”, sagte Elena und stand auf. Der Morgenrock fiel offen, und für einen Sekundenbruchteil sah er das Nachthemd, das eng an ihrem Bauch spannte, die Rundung ihrer Brüste, die Spitze, die sich gegen den Stoff drückte. Dann drehte sie sich um und ging zum Spülbecken.

Lukas aß seinen Toast. Er schmeckte nichts. Er starrte auf ihren Rücken, auf die Formen unter dem Morgenrock, die sich bewegten, wackelten, lebendig waren. Herr Bergmann. Um vier. Ein Mann. Eine Stunde, vielleicht zwei.

Er wusste, was das bedeutete.

Der Tag verging wie in Zeitlupe. Lukas ging in sein Zimmer, schloss die Tür, lag auf dem Bett und starrte an die Decke. Um elf rief er einen Kommilitonen an, fragte nach den Notizen für die Vorlesung. Um eins aß er ein Sandwich, das er selbst gemacht hatte, während Elena oben war – er hörte sie duschen, die Wasserpumpe surrte durch die Wände, und er stellte sie sich vor, nackt unter dem Strahl, das Wasser über ihren molligen Körper laufend, über die schweren Brüste, durch den schwarzen Busch.

Um halb vier saß er wieder in seinem Zimmer. Die Tür war einen Spaltbreit geöffnet. Er hörte jedes Geräusch im Haus.

Um vier Uhr fuhr ein Auto die Auffahrt hoch. Ein silberner BMW, nicht schwarz wie der Mercedes von gestern. Eine Tür öffnete sich. Männliche Stimmen. Gelächter. Elenas Stimme, hoch, gespielt, kokett.

„Herr Bergmann, wie schön, dass Sie pünktlich sind.”

„Frau Elena, immer ein Vergnügen.”

Die Haustür fiel ins Schloss. Schritte im Flur. Dann die Treppe. Nach oben. Ins Gästezimmer? Oder ins Schlafzimmer?

Lukas wartete. Zehn Minuten. Zwanzig. Dann stand er auf. Er musste es wissen. Musste sehen.

Er schlich den Flur entlang. Das Gästezimmer lag am Ende, Tür geschlossen. Aber er hörte Geräusche. Nicht Worte, sondern Bewegung. Ein Kichern. Dann ein Stöhnen. Tief. Männlich. Dann Elenas Stimme, aber anders. Nicht die Mutterstimme. Die Hurenstimme. Heiser. Flehend.

„Ja… genau so…”

Lukas legte die Hand an die Türklinke. Sie war nicht abgeschlossen. Er drückte sie langsam, millimeterweise, bis er einen Spalt hatte. Einen Zentimeter. Zwei.

Er sah das Bett. Das Gästezimmerbett, weiß, ordentlich gemacht, für Besucher. Elena lag darauf. Auf dem Bauch. Der Morgenrock war weg. Sie trug nur das weiße Nachthemd, das jetzt hochgeschoben war über ihren Rücken, über ihren riesigen, weißen Arsch, der entblößt war, der Slip zur Seite geschoben, die Pobacken gespreizt, und zwischen ihnen…

Ein Mann. Groß, behaart, mit einem Riesenbauch. Nackt. Er kniete hinter ihr, seine Hände auf ihren Hüften, und er stieß. Wieder und wieder. Der Geräusch war jetzt deutlich. Das Schmatzen, das Klopfen von Fleisch auf Fleisch, das quietschende Bettgestell.

„Geil”, stöhnte der Mann. „Du bist so geil, Elena, du Fickbraten. So eine geile, fette Sau.”

„Ja”, keuchte sie. „Fick mich. Hart. Bitte. Ich brauche es.”

Lukas starrte. Er konnte nicht wegschauen. Ihr Arsch wackelte bei jedem Stoß, die Fleischmassen bebten, weiß und weich und unglaublich. Der Mann griff unter sie, zu ihren hängenden Brüsten, die unter ihrem Körper schaukelten, und er knetete sie, grob, ohne Zartheit.

„Dein ist im Haus?”, fragte der Mann plötzlich, ohne aufzuhören.

„Ja”, keuchte Elena. „Oben. Er weiß nichts. Er denkt, ich berate dich.”

Der Mann lachte. Ein tiefes, hämisches Lachen. „Und ich berate gerade deine Muschi. Mit meinem Schwanz. Geil. Das macht mich an. Dass er da ist. Dass er nichts weiß.”

„Ja”, stöhnte Elena lauter. „Ja, fick mich. Mach es mir. Ich bin so geil. Ich brauche es jeden Tag. Mein Mann ist nie da. Ich brauche Schwänze. Große Schwänze.”

Herr Bergmann zog seinen Schwanz heraus, umfasste ihn und zog die Haut zurück. Eine dicke rote Eichel kam zum Vorschein. Er setzte die Spitze langsam am und rammte zu. Elena schrie leise auf. Wieder und immer wieder, härter und fester.

Lukas wich zurück. Seine Hand zitterte an der Türklinke. Er schloss die Tür so leise wie möglich und taumelte den Flur zurück. In sein Zimmer. Die Tür hinter sich schließend. Den Riegel vorschiebend.

Er lehnte sich gegen die Tür und atmete schwer. Sein Herz raste. Sein Schwanz war so hart, dass es schmerzte.

Draußen, im Gästezimmer, stöhnte seine Mutter laut auf. Ein Orgasmus. Oder gespielt. Dann das Geräusch des Mannes, ein tiefes Grunzen, das Ende.

Lukas ging zum Bett. Legte sich. Starrte an die Decke.

Er wusste es jetzt. Wusste es ganz genau. Es war kein Einzelfall gewesen. Keine Ausrutscher. Seine Mutter war eine Hure. Eine richtige, bezahlte Hure, die Männer ins Haus ließ, während sein Vater unterwegs war, die sich im Gästezimmer ficken ließ, im Ehebett, überall. Die es genoss. Die es brauchte.

Und er würde zusehen. Würde alles sehen. Würde alles wissen.

Er griff unter die Matratze und holte das Notizbuch hervor. Mit zitternder Hand schrieb er:

Mittwoch, 17. September. 16:20 Uhr. Herr Bergmann. Silberner BMW. Im Gästezimmer. Von hinten. Sie hat es genossen. Sie braucht es jeden Tag.

Er schloss das Buch und lächelte. Ein seltsames, dunkles Lächeln.

Die Beobachtung hatte begonnen.

 

 

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Felted
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3 Std. vor

Der arme Junge, er entspand sich erst, wenn er mal richtig mitmachen darf.

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