Helga & Lena
Veröffentlicht amDie Luft draußen schmeckt nach kaltem Eisen und nassem Asphalt. Ich halte den Autoschlüssel in der einen Hand, mit der anderen greife ich nach Lenas Arm, knapp über dem Ellbogen, wo der Mantel aufgeht. Sie zuckt nicht zusammen. Sie ist längst daran gewöhnt.
Mein Mantel ist schwarz, lang, aus Wollfilz, knöchellang und am Kragen hochgeschlossen. Darunter trage ich einen dunkelgrauen Hosenanzug, die Bluse weiß, das oberste Knöpfchen offen. Nicht aus Versehen. Ich mag den schmalen Spalt Haut an meinem Hals, den ich den Blick darauf lenke. Die Schuhe sind schwarze Lederpumps, sieben Zentimeter, schmal, leise auf dem Gehweg. Ich brauche keine Aufmerksamkeit durch Lärm. Die Leute drehen sich sowieso um.
Neben mir geht Lena. Drei Schritte hinter mir, wie immer, wenn wir zusammen auf der Straße gehen. Der Mantel, den sie trägt, ist der meine — der alte, dunkelgrüne, mit den hornfarbenen Knöpfen. Er ist ihr zu groß. Die Schultern ragen hinaus, die Ärmel hängen über ihre Hände, und
der Saum berührt fast die Rückseite ihrer Knie. Darunter nichts als ein Paar halterlose Strümpfe, schwarz, mit breitem Spitzenband, das bei jedem Schritt unter dem Mantelsaum hervorblitzt. Und die Schuhe. Schwarze Stilettos, neun Zentimeter, spitz, mit einer winzigen silbernen Schnalle außen am Knöchelriemen. Sie hat schmale Fußgelenke. Die Riemen sitzen eng.Und das Halsband.
Es ist breit, mindestens vier Zentimeter, aus mattschwarzem Leder, mit einer doppelten Reihe silberner Nieten. Es liegt fest an ihrem Hals, nicht lose, nicht dekorativ — es ist ein Instrument. Ich habe es ihr selbst angelegt, vor einer halben Stunde, im Flur meiner Wohnung, während sie still dastand und den Mantel bereits trug. Ich habe das Leder durch die Dornenschließe gezogen, es auf das letzte Loch eingestellt, und dabei ihren Puls unter meinen Fingerspitzen gespürt. Schnell. Flach. Warm.
Der Weg von der Wohnung zur Bar dauert zwölf Minuten. Lena hat die ganze Strecke keinen Ton gesagt. Sie hat auch nicht geschaut, ob jemand sie beobachtet. Sie hat auf meine Fersen geschaut, das ist alles.
Die Bar liegt in einer Seitenstraße, die nach Bratfett und altem Bier riecht. Das Schild über der Tür ist abblätternd, die Buchstaben kaum lesbar. Es ist kein Ort, zu dem man versehentlich gerät. Man muss ihn kennen oder von jemandem dorthin gebracht werden. Ich kenne ihn seit vierzehn Jahren.
Ich drücke die Tür auf. Warme Luft schlägt mir entgegen, schwerer Tabakgeruch, obwohl hier niemand raucht — der Geruch ist in die Wände eingezogen, in das dunkle Holz, in die Kissen der Bänke. Die Beleuchtung ist spärlich, drei Lampen mit bernsteinfarbenen Glühbirnen hängen über der Theke, das restliche Raumlicht kommt von Kerzen auf den Tischen und dem Spielautomat im Hintergrund. Drei, vier Gäste sitzen verstreut, ein Pärchen in der Nische ganz links, ein Mann allein am Fenster, eine Gruppe von dreien am runden Tisch hinten rechts. Niemand dreht sich um.
Ich gehe voran. Mein Griff wandert von Lenas Arm an den Rand ihres Mantelkragens, fühle den steifen Stoff unter den Fingerspitzen. Ich schieb sie leicht vor mich her, durch den schmalen Gang zwischen Tischen und Theke. Lena geht. Ihre Absätze bohren sich in den dunklen Holzboden, jedes Mal ein scharfer Ton, der über die Musik drängt — etwas Altes, Bass und Saxophon, leise genug, um Gespräche zuzulassen.
Ich halte am Rand der Theke an. Zwei Barhocker dort, einer frei, der andere von einer Jacke blockiert, die jemand achtlos hingeschmissen hat. Ich nehme die Jacke, lege sie auf die Theke, setze mich. Der Hocker ist aus Holz, dunkel, mit einer Messingstange als Fußstütze. Ich rücke ihn zurecht, ziehe eine Zigarette aus der Schachtel in meiner Innentasche und lege sie neben das Glasuntersetzer auf die Theke, ohne sie anzuzünden. Noch nicht.
Lena steht neben mir. Etwas hinter mir, eine halbe Schrittbreite versetzt, so dass ihr Körper die Fortsetzung meiner Schulter bildet. Der Mantel hängt noch geschlossen, aber der Kragen hat sich verschoben, und das Halsband schimmert darunter, das Leder dunkel gegen ihre blasse Haut, die Nieten fangen das Bernsteinlicht. Ich strecke die Hand aus und ziehe den Mantelkragen zurück, schiebe ihn über ihre Schulter, leg das Halsband frei. Sie senkt den Kopf. Nicht nach unten, sondern zur Seite, so dass ihr Kinn mein Handgelenk berührt. Ich lasse es für den Bruchteil einer Sekunde zu, dann nehme ich die Hand weg.
„Mantel auf”, sage ich. Leise. Nicht mehr als eine Silbe zu laut für die Person am nächsten Tisch, aber die Entfernung ist ausreichend.
Lena öffnet den Mantel. Keine Knöpfe — er hat einen Bindegürtel, den sie mit einer Hand löst, während die andere den Saum festhält. Sie lässt ihn offen fallen. Die beiden Stoffhälften weichen auseinander, und was darunter sichtbar wird, ist ihr Körper: schmal, klein, weiß. Die Strümpfe beginnen knapp unterhalb ihrer Hüften, das Spitzenband schneidet sich in die weiche Haut ihrer Oberschenkel, das Muster ein Geflecht aus Blüten und Ranken, das sich bei jedem Atemzug dehnt. Darüber nichts. Kein Höschen, kein BH, kein Schmuck außer dem Halsband. Der Mantel hängt wie ein Vorhang an ihren Schultern, offen, zur Schau gestellt.
Ich wende den Blick nicht von der Theke ab. Ich weiß, was sie sieht: mein Profil, meinen Kiefer, meine grauen Haare, kurz geschnitten, hinten asymmetrisch, die linke Seite länger als die rechte. Ich weiß, dass sie auf der Stelle steht, die Füße zusammen, die Zehenspitzen nach innen gedreht, eine unbewusste Geste, die sie immer macht, wenn sie sich beobachtet fühlt.
Die Barkeeperin kommt aus dem Hinterzimmer. Sie heißt Margit. Zweiundfünfzig, breite Schultern, kurze dunkle Haare, die an den Schläfen grauen. Sie trägt ein weißes Hemd, aufgerollt, das zweite Knöpfchen geöffnet, eine schwarze Schürze darüber, die tief um die Hüften gebunden ist. Ihre Hände sind groß, die Finger kurz, die Nägel kurz geschnitten, ohne Farbe. Sie trocknet ein Glas mit einem Tuch, als sie um die Theke herumkommt, und sieht mich an.
Das Grinsen kommt langsam. Es beginnt am rechten Mundwinkel, zieht sich nach oben, falte für falte, bis es das ganze Gesicht erfasst. Die Augenbrauen heben sich, die Augenbrauen sind dunkel, buschig, und die Augen darunter sind braun, warm, wissend. Sie legt das Glas und das Tuch auf die Theke, stützt sich mit beiden Händen ab, beugt sich vor.
„Na”, sagt sie. „Bist wieder in Spiellaune?”
Ich nehme die Zigarette vom Untersetzer, drehe sie zwischen Daumen und Zeigefinger. „Margit.”
Sie lacht, kurz und trocken. „Schön, dass du auch mal wieder Hallo sagst.” Ihr Blick wandert von mir zu Lena, bleibt dort hängen. Sie mustert sie von oben bis unten, langsam, gründlich, wie man ein Gemüsestück auf dem Markt begutachtet, das man vielleicht kaufen könnte. Der Mantel, offen, die Strümpfe, die Schuhe, das Halsband. Margit richtet sich auf, kreuzt die Arme vor der Brust, das Grinsen wird breiter.
„Die ist ja süß.” Sie beugt sich wieder vor, diesmal näher an Lena heran. „Wie heißt du, ?”
Lena öffnet den Mund. Ich hebe die Hand, einen Zentimeter, nicht mehr. Sie schließt ihn.
„Sie heißt Lena”, sage ich. „Und sie spricht, wenn ich es erlaube.”
Margit pfeift leise durch die Zähne. „Gut dressiert.” Sie sieht mich an, und ich sehe, wie ihre Pupillen sich weiten, nur einen Hauch, wie ihre Zunge über die Unterlippe streicht, schnell, beinahe unbewusst. „Was trinkst du?”
„Einen Whisky. Eis.” Ich lege die Zigarette zurück auf den Untersetzer. „Und für sie ein Glas Wasser. Ohne Eis.”
Margit dreht sich um, greift nach der Flasche auf dem Regal hinter der Theke. Ich kenne sie — ein schottischer Single Malt, den sie nur für Stammgäste herausholt. Sie gießt großzügig, mehr als einen Daumen breit, lässt einen einzelnen Eiswürfel hineinfallen. Das Glas riecht nach Eiche und Rauch, als sie es vor mich stellt. Das Wasserglas für Lena ist klein, schmal, ohne Verzierung.
Ich nehme den Whisky, trinke einen Schluck, lasse ihn im Mund, schmecke das Holz, das Feuer, die Süße. Schlucke. Setze das Glas ab.
Lena steht noch immer neben mir. Ich höre sie atmen, langsam und gleichmäßig, aber ich höre auch, wie der Atem schneller wird, wenn Margit sie ansieht. Ich greife nach dem Wasserglas und reiche es ihr. „Trink.”
Sie nimmt es mit beiden Händen, weil ihre Finger zittern, trinkt, stellt es auf die Theke zurück. Ich beobachte, wie sich ein Tropfen Wasser von ihrem Unterlippe löst, an ihrem Kinn hinabgleitet, am Halsband hängen bleibt.
Margit hat sich zurückgelehnt, an die Rückwand der Theke gestützt, die Arme wieder verschränkt. „Wie lange hast du die schon?”
„Acht Monate.”
„Acht Monate.” Margit pfeift wieder. „Und sie läuft immer noch wie ein Reh auf der Jagd.”
Ich drehe mich zu Lena. Sie steht da, die Hände an den Seiten, die Finger leicht gekrümmt, die Fingerspitzen berühren den Mantelstoff. Ihre Füße sind noch immer nach innen gedreht, die Knöchel fast berühren sich. Die Schuhe sind perfekt, keine Flecken, keine Kratzer, die Spitze poliert, die Absätze gerade. Ich habe sie heute Abend selbst poliert, mit einem weichen Tuch, während Lena auf dem Bett saß und zusah. Ich habe die Schuhe an ihren Füßen angezogen, den Riemen geschlossen, die Schnalle angepasst. Ich habe dabei ihr Fußgelenk gehalten, den Daumen auf die Innenseite, wo die Pulsader ist.
Ich strecke die Hand aus und lege sie auf Lenas Hüfte, über dem Mantelstoff. Sie ist schmal, die Knochen fühlen sich an unter meiner Hand. Ich schiebe den Mantel weiter zurück, bis er von ihrer rechten Schulter gleitet und an der linken hängen bleibt. Ihre Brust ist frei, klein, die Brustwarzen hart, von der Kälte oder von etwas anderem. Das Licht fällt auf sie, bernsteinfarben, und ich sehe, wie Margit den Blick nicht abwendet.
Ich ziehe meine Hand zurück. „Zigarette.”
Margit legt ein Aschenbecher vor mich, klein, aus Messing, mit einem geriffelten Rand. Ich nehme die Zigarette vom Untersetzer, stecke sie zwischen die Lippen, greife nach dem Feuerzeug in meiner Hosentasche. Klicke. Die Flamme züngelt, gelb, klein, ich neige die Zigarette hinein, ziehe. Der Tabak knackt leise, der Rauch füllt meinen Mund, heiß und trocken, ich inhaliere, halte, lasse los. Der Rauch strömt aus meinem Mund, eine graue Linie, die sich in der Luft über der Theke ausbreitet.
Lena hat den Kopf gedreht, leicht, kaum merklich, in meine Richtung. Ich sehe es im Spiegel hinter der Flaschenreihe, wie ihr Blick der Zigarette folgt, wie ihre Nasenflügel sich weiten, als der Rauch ihre Richtung kommt. Sie mag den Geruch. Ich weiß das. Ich habe es herausgefunden, vor drei Monaten, als ich nach dem Sex im Bett lag und rauchte und sie neben mir lag und der Rauch über ihr Gesicht zog und sie die Augen schloss und der Atem stockte und die Pupillen sich weiteten, obwohl sie schon gekommen war.
Ich drehe die Zigarette zwischen den Fingern, halte sie vor mich, betrachte die glühende Spitze, die Rille aus Asche, die sich aufbaut. Ich nicke Lena zu. „Komm her.”
Sie tritt einen Schritt vor, stellt sich zwischen meine Knie, so nah, dass ich den Wärmestrahl ihres Körpers spüre. Ich lege die linke Hand auf ihren unteren Rücken, über dem Mantel, und ziehe sie noch näher. Ihr Becken berührt die Theke, der Holzrand drückt in ihren Unterbauch. Sie stützt sich nicht ab. Ihre Hände bleiben an den Seiten.
Ich hebe die Zigarette, nehme einen Zug, langsam, tief. Der Rauch füllt meine Lunge. Ich beuge mich vor, mein Gesicht nah an ihrem, so nah, dass ich den feinen Flaum auf ihrer Wange sehen kann, die kleinen Adern unter der Haut an ihren Schläfen. Ich puste den Rauch in ihr Gesicht, langsam, direkt auf ihren Mund, ihre Nase, ihre Augen. Sie schließt die Augen nicht. Sie hält den Blick, die Pupillen groß, dunkel, und der Rauch zieht zwischen uns hindurch, kriecht über ihre Haut, legt sich auf ihre Lippen.
Sie atmet ein. Tiefer als nötig.
Margit steht hinter der Theke und sieht zu. Ich sehe sie im Spiegel, wie sie die Arme verschränkt hat, wie der Kaugummi in ihrem Mund langsamer wird, wie ihre Zunge stillsteht. Sie beobachtet. Ich weiß, dass sie es mag.
Ich nehme noch einen Zug, diesmal kürzer, und puste den Rauch auf Lenas Brust, auf die Mulde zwischen den Schlüsselbeinen, wo die Haut am dünnsten ist. Der Rauch legt sich auf die Haut, zieht nach unten, über die Brust, über die harte Brustwarze, die sich weiter zusammenzieht. Lena atmet schneller. Ich sehe es an der Bewegung ihres Brustkorbs, an der Art, wie sich die Rippen unter der Haut abzeichnen.
Ich lege die Zigarette auf den Aschenbecher, die Spitze zeigt zu Lena. Ich greife mit der rechten Hand an ihr Kinn, drehe ihren Kopf zu mir, mein Daumen auf ihrer Unterlippe, drückt sie leicht nach unten, öffnet ihren Mund. Ich sehe die Zunge, feucht, klein, die Zähne dahinter, gleichmäßig, weiß. Ich halte den Mund offen, betrachte ihn, wie man einen Apfel betrachtet, bevor man hineinbeißt.
„Schön”, sage ich. Nicht zu ihr. Zu Margit.
Margit lacht leise. „Du hast es echt drauf, Helga.”
Ich lasse Lenas Kinn los, greife nach dem Whiskyglas, trinke einen weiteren Schluck, diesmal größer. Der Alkohol brennt im Hals, wärmt den Magen. Ich stelle das Glas ab und lege meine Hand wieder auf Lenas Hüfte, diesmal auf der bloßen Haut, zwischen Mantel und Strumpfband. Die Haut ist kühl, leicht Gänsehaut unter meinen Fingern. Ich streiche mit dem Daumen nach innen, über den Beckenkamm, langsam, und spüre, wie sich Lenas Bauch anspannt, wie die Muskeln unter meiner Hand hart werden.
Ich drehe mich auf dem Hocker, wende mich Margit zu. „Gibt es hier einen ruhigen Ort?”
Margit hebt die Augenbrauen, das Grinsen wird schief, eine Seite höher als die andere. Sie deutet mit dem Kopf nach hinten. „Hinten rechts. Der Raum mit der grünen Tür. Der ist frei.” Sie macht eine Pause, kaut auf dem Kaugummi. „Wollt ihr allein sein?”
„Nein”, sage ich. „Komm mit.”
Margit stockt. Ich sehe, wie sich ihre Kehle bewegt, wie sie schluckt. Sie legt das Tuch ab, das über der Schulter hängt, knöpft das zweite Hemdknopfchen zu, dann wieder auf. Ihre Hände zittern nicht, aber sie sind langsamer als sonst.
Ich stehe vom Hocker auf, nehme den Whisky, die Zigarette, das Feuerzeug. Greife nach Lenas Mantel und ziehe ihn wieder hoch, schließe ihn nicht, aber bedecke ihre Brust, ihre Hüften. Ich schiebe sie vor mich her, um die Theke herum, durch den schmalen Gang zum Hinterzimmer. Margit folgt, mit dem Tuch in der Hand, als wüsste sie nicht, wohin damit.
Der Raum mit der grünen Tür ist klein, vielleicht zwölf Quadratmeter, mit einem alten Sofa, einem niedrigen Tisch, einer Lampe mit rotem Schirm. Kein Fenster. Die Luft riecht nach Staub und altem Leder. Ich schließe die Tür hinter uns, lege den Riegel vor.
Ich stelle den Whisky auf den Tisch, die Zigarette daneben, das Feuerzeug daneben. Ich setze mich auf das Sofa, das Leder knarrt unter meinem Gewicht, die Federn ächzen. Ich lege den Arm über die Rückenlehne, strecke die Beine aus, überkreuze die Knöchel.
„Mantel aus”, sage ich zu Lena.
Sie zieht den Mantel ab, lässt ihn auf den Boden fallen, das grüne Wollfilz auf dem dunklen Holzboden. Sie steht da, in nichts als den Strümpfen, den Schuhen und dem Halsband. Klein, schmal, weiß, die Haut leicht gerötet an den Stellen, wo der Mantelstoff gescheuert hat. Sie hält die Hände vor sich, die Finger verschränkt, die Unterarme aneinander. Die Füße zusammen, die Zehenspitzen nach innen.
Margit lehnt an der Tür, die Arme verschränkt, das Tuch über die Schulter. Sie hat die Lippen geöffnet, atmet durch den Mund. Ich sehe, wie ihr Blick über Lenas Körper wandert, von den Füßen nach oben, über die Knöchel, die Waden, die Knie, die Oberschenkel, wo das Spitzenband einschneidet, über das Becken, den Bauch, die Brust, die Schultern, den Hals, das Halsband. Sie schweigt.
Ich greife nach der Zigarette, zünde sie an, ziehe. Der Rauch steigt zur Decke, zieht sich unter die Lampe, färbt sich rötlich. Ich puste ihn in den Raum, langsam, und sehe, wie er sich ausbreitet, wie er Lena erreicht, wie er sich auf ihrer Haut legt.
„Margit”, sage ich. „Komm her.”
Margit löst sich von der Tür, kommt näher, stellt sich vor das Sofa. Ich sehe von unten zu ihr auf, sie ist groß, breit, die Schultern füllen den Raum. Ich greife nach ihrem Handgelenk, ziehe sie neben mich auf das Sofa. Sie setzt sich, das Leder knarrt, ihre Hüfte berührt meine. Sie riecht nach Waschmittel und Schweiß und etwas Süßem, vielleicht Parfüm, vielleicht nur Haut.
Ich drehe mich zu Lena, die vor uns steht, und nicke nach unten. „Knie.”
Sie kniet. Langsam, die Knie zuerst, dann die Hände, dann setzt sie sich auf die Fersen, die Hände auf den Oberschenkeln, die Handflächen nach oben. Die Schuhe ragen hinter ihr heraus, die Absätze bohren sich in den alten Teppich. Das Halsband sitzt noch immer fest, die Nieten fangen das rote Licht der Lampe.
Ich strecke den Fuß aus, meine Schuhspitze berührt Lenas Knie. Ich schiebe ihre Knie auseinander, langsam, bis ihre Oberschenkel einen Winkel bilden, bis ich zwischen ihnen sehen kann, was sie zu verbergen hat. Sie ist glatt, rasiert, und ich sehe den feuchten Glanz, der sich bereits gebildet hat, eine schmale Linie, die von ihr ausgeht.
Margit atmet scharf ein.
Ich ziehe die Zigarette aus dem Mund, halte sie vor mich, betrachte die glühende Spitze. Ich beuge mich vor, tippe die Asche über Lenas ausgestrecktem Oberschenkel ab, beobachte, wie die graue Asche auf die Haut fällt, sich verteilt, liegen bleibt. Lena zuckt nicht.
Ich richte mich auf, wende mich Margit zu. Sie sitzt neben mir, starrt auf Lena, die Hände auf den Knien, die Finger gekrampft. Ich lege meine Hand auf ihren Oberschenkel, über dem Stoff der Hose, und drücke leicht zu.
„Gefällt dir, was du siehst?”
Margit schluckt. „Ja.”
„Sag es lauter.”
„Ja.” Ihre Stimme ist heiser, rau, als hätte sie den ganzen Abend schon geschrien.
Ich nicke. Ich nehme einen letzten Zug von der Zigarette, halte den Rauch in der Lunge, dann beuge ich mich vor und puste ihn direkt auf Lenas Gesicht, diesmal aus nächster Nähe, so dass der Rauch ihre Haut trifft, heiß, beißend. Lena schließt die Augen, öffnet den Mund, atmet ein.
Ich drücke die Zigarette im Aschenbecher aus, lege mich zurück, den Arm über die Rückenlehne, die Finger spielen mit Margits Nacken, unter dem kurzen Haar. Ich sehe auf Lena herab, die dort kniet, offen, wartend, bereit, und ich spüre die vertraute Wärme in meinem Bauch, die sich ausbreitet, langsam, wie ein Glas Whisky, das sich erwärmt.
Ich strecke die Hand aus, greife nach dem Halsband, zwei Finger unter das Leder, ziehe Lena näher, bis ihr Gesicht über meinem Schoß ist. Ich halte sie fest, spüre ihren Puls unter den Fingern, schnell, hämmernd, und ich warte.
Wir haben die ganze Nacht.
deine Geschichte gefällt mir. Ich genieße die steigende erotische Spannung. Ich weiß, dass es erst der Anfang ist. Dominanz und Unterwerfung schimmern noch vorsichtig durch, aber sie werden sich ihren Weg suchen. Es wird wohl noch hart werden.