Das Geheimnis der Fischerkate

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Das Geheimnis der Fischerkate

Heinrich „Heini“ Heise war ein Mann wie aus Eichenholz geschnitzt – geprägt von den rauen Winden der Nord- und Ostsee, sturmfest, zäh und von einer unverfälschten, bodenständigen Sinnlichkeit durchdrungen. 1950 als Nachkriegskind in Elmshorn geboren, lag das Erbe seiner Vorfahren wie ein unlöschbares Feuer in seinen Adern.

Seine Familie stammte ursprünglich aus Kolberg in Hinterpommern; im bitterkalten Januar 1945 flohen sie vor der anrückenden Roten Armee und retteten nur das nackte Leben und das, was sie in den Händen tragen konnten. Nach einer kräftezehrenden Odyssee fanden sie schließlich in Elmshorn ein neues Zuhause.

Heinis Familie mochte die neue Heimat, liebten die Elbe und die nahe Nordsee und so lernte Heini von der Pike auf das Handwerk des Bootsbauers. Auf den Werften an der Unterelbe formte er mit seinen schwieligen, kraftvollen

Händen jahrelang schwere Hölzer, bis er schließlich den Meisterbrief erwarb und stolz die eigene Heise-Werft für Jollenbau gründete.

Doch so sehr die Elbe seine Arbeit prägte, so sehr sehnte sich sein Herz nach der unberührten, wilden Romantik der Ostseeküste. In den späten 1990er-Jahren – die Wendewirren lagen noch nicht lange zurück – durchstreifte Heini zusammen mit seiner großen Liebe, seiner Ehefrau Monika, regelmäßig die verträumten Landschaften des Darß. Bei einer ihrer ausgedehnten Wanderungen durch die friedvolle Boddenlandschaft stieß er am ruhigen Ortsrand von Born auf eine alte, stark vernachlässigte Fischerkate aus den 1920er-Jahren. Der Vorbesitzer, ein betagter Boddenfischer ohne Erben, konnte dem schleichenden Verfall des Anwesens nichts mehr entgegensetzen.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Die verwitterte Kate verströmte eine Sehnsucht, der Monika und Heinrich nicht widerstehen konnten. Mit ihren hart erarbeiteten Ersparnissen erwarben sie 1998 das Anwesen samt Scheune, weitläufigem Grundstück und direktem Bootshaus. In jahrelanger, akribischer und liebevoller Detailarbeit hauchten sie den alten Mauern neues Leben ein.

Ein traditioneller Reetdecker hüllte das Dach in duftendes, goldenes Schilf. Die prachtvolle Darßer Tür schnitzte der Bootsbaumeister in unzähligen Stunden selbst: Ein bunt bemalter Lebensbaum, voller Symbolik, flankiert von den kunstvoll ausgearbeiteten Wappen seiner alten Heimat Kolberg und seiner neuen Heimat Elmshorn, schmückte fortan den Eingang.

Die Kate wurde zu einem behaglichen, urigen Refugium eingerichtet – bewusst ohne Fernseher oder Telefonanschluss, um die Außenwelt vollkommen auszusperren. Im weitläufigen Garten erblühten im Sommer leuchtend blaue und blutrote Stockrosen neben alten, duftenden Apfelsorten.


Das idyllische Anwesen wurde zum Mittelpunkt der Familie, ein Zufluchtsort voller Wärme, Lachen und sommerlicher Leichtigkeit. Doch das Schicksal schlug unerbittlich zu: Als im November 2023 seine geliebte Monika völlig überraschend verstarb, riss es Heini das Herz aus der Brust. Von tiefer Trauer erfüllt, hielt ihn nichts mehr in Elmshorn; er packte seine Siebensachen und verlegte seinen Wohnsitz endgültig in die einsame Fischerkate auf dem Darß.

Einzig Amor, eine gewaltige, gefleckte Deutsche Dogge mit treuem Blick und imposanter Statur, leistete dem einsamen Witwer Gesellschaft.


Erst sein langjähriger Weggefährte Kuddel – ein segelbegeisterter Urtyp, mit dem Heini schon als- die Unterelbe unsicher gemacht hatte – schaffte es, den von Schmerz gelähmten Freund aus seiner Lethargie zu reißen. Er überredete ihn zu einer sechswöchigen sommerlichen Segeltour quer durch die schimmernde Ostsee, die Ende Juli 2025 starten sollte.

Einziges Hindernis: Für das Sanftmut-Kraftpaket Amor war auf der engen Segeljolle schlichtweg kein Platz. Ein verlässlicher „Gutsverwalter“ musste her, um die Kate und den mächtigen Hund sechs Wochen lang zu hüten. Und hier trat Nele auf den Plan. Die 2002 geborene Elmshornerin was nicht nur Heinis bildhübsche

Enkelin, sondern studierte mittlerweile Betriebswirtschaftslehre in Hamburg. Der Törn fiel exakt in ihre vorlesungsfreie Zeit. Für Nele war die Fischerkate seit ihrer frühesten_Kindheit das Synonym für unbeschwerte Sommerferien, meeresfrische Brisen und Geborgenheit. Sie willigte überglücklich ein, ihren Großvater zu unterstützen und ihn endlich wieder aufblühen zu sehen.

Damit Nele die einsamen Sommernächte auf dem Hof nicht alleine verbringen musste, durfte sie ihre beste Freundin Lena Köster mitbringen. Die beiden vertrauten Seelen kannten sich seit Kindertagen aus dem und studierten nun sogar gemeinsam an der HafenCity Universität Hamburg. Lena – eine wahre Augenweide mit feinen Gesichtszügen, verträumten Sommersprossen, elegant aufgesetzter Brille und einer atemberaubenden, sinnlichen Ausstrahlung – brannte darauf, die sommerliche Auszeit am Bodden zu genießen.

Opa Heini war voller Vorfreude auf die gemeinsame Zeit vor dem Aufbruch. Vier Tage lang wollte er die zwei jungen Frauen verwöhnen. Er schrubbte die Kate blitzblank, richtete das gemütliche Gästezimmer mit den zwei Holzkojen her, bunkerte Köstlichkeiten sowie Wein, Bier und hochprozentigen Darßer Kräuterlikör für eine ganze Kompanie und deckte reichlich Hundefutter ein. Die selbstgebaute Jolle Monika glänzte frisch gewässert im Schilf, sein geliebter, tief grollender 1979er Chevrolet Cheyenne K10 Pickup (V8, 400er Motor) stand glänzend fahrbereit in der Scheune, und der fünfjährige Amor hatte frische Wurmkuren sowie eine bunt gestrichene Hütte erhalten.

Mit prall gefüllten Koffern, verlockenden Sommer-Bikinis, reichlich Urlaubstaschengeld von Neles Vater und purem Abenteuerdurst im Gepäck machten sich die beiden bildschönen Studentinnen an einem sonnigen Julisonntag auf den Weg. Ihr Gefährt: ein sportlicher, 231 PS starker MINI JCW (John Cooper Works), Baujahr 2020, im elegant-klassischen Rebel Green.

Während der MINI über die Landstraßen schnurrte, sprach Nele über die süßen Erinnerungen an früher, aber auch über Heinis schmerzhaften Verlust und seine nächtliche Eigenheit: seinen ausgeprägten Somnambulismus, der ihm seit jeher im Schlaf komplexe Handlungen abverlangte und sich seit Monikas Tod intensiviert hatte.


Kapitel 1: Sommerwind und geheimnisvolle Nächte
Die Juli-Sonne brannte heiß über der Boddenlandschaft, als der MINI JCW über die schmalen Küstenstraßen brüllend schnurrte. Nele saß am Steuer, während Lena auf dem Beifahrersitz die Sonnenbrille zurechtrückte und aus dem Fenster auf die schimmernden Schilfgürtel blickte.

„Ich sag’ es dir, Lena, dieser Ort ist magisch“, schwärmte Nele und strich sich eine blonde Strähne aus dem sonnengebräunten Gesicht. „Seit meiner bedeutet die Kate pure Geborgenheit. Aber seit Omas Tod ist Opa verändert… Seine Trauer sitzt tief, auch wenn er versucht, es sich nicht anmerken zu lassen. Und sein Schlafwandeln ist wieder schlimmer geworden.“

Lena sah ihre Freundin aufmerksam an. „Somnambulismus, richtig?“

„Genau. Er steht nachts auf und führt komplexe Handlungen aus, ohne aufzuwachen. Wenn du ihn nachts triffst, wecke ihn auf keinen Fall abrupt! Sprich sanft mit ihm und führe ihn einfach zurück ins Bett.“

Als sie auf das Grundstück einbogen, empfing sie der Duft von Reet, blühenden rosa und blauen Stockrosen und frischem Meerwind. Die restaurierte Fischerkate wirkte wie aus einem Märchenbuch. Aus der frisch gestrichenen Hundehütte schoss Amor hervor – die gewaltige Deutsche Dogge wedelte begeistert mit dem Schwanz, als sie Nele wiedererkannte.

Opa Heini hatte bereits alles für das Eintreffen der beiden „Gutsverwalterinnen“ vorbereitet: Die Kojen im Gästezimmer waren frisch bezogen, Vorräte für eine halbe Kompanie eingekauft, kühler Wein und Darßer Kräuterlikör standen bereit, und der wuchtige 1979er Chevrolet Cheyenne K10 Pickup glänzte verborgen in der Scheune.

Der Begrüßungsabend mit Opa Heini und seinem Kumpel Kuddel war voller Lachen, Seemannsgarn und Bier und Schnaps. Doch als die Nacht hereinbrach und die Stille über das Reetdach zog, lag Lena in ihrer Koje wach. Ein leises Knarren der Holzdielen ließ sie aufhorchen. Schrittgeräusche führten in Richtung Küche.

Lena schlich auf leisen Sohlen aus dem Zimmer.

Im dämmerigen Mondlicht der Küche stand Heini, bekleidet mit einer Shorts. Seine Augen waren offen, aber ihr Blick ging ins Leere. He bewegte sich mit traumwandlerischer Präzision.

Lena erinnerte sich an Neles Worte. Behutsam trat sie an ihn heran, legte sanft eine Hand auf seinen kräftigen Unterarm und flüsterte leise: „Heini… komm, wir gehen zurück ins Bett.“

Der ältere, aber immer noch sehr statthafte und durch das Handwerk durchtrainierte Mann reagierte auf ihre sanfte Stimme, wandte sich langsam um und ließ sich ohne Widerstand von Lena zurück in sein Schlafzimmer führen.

Als er sich ins große, selbstgefertigte Ehebett legte, berührte Heinrich ihre Wange. „Schlaf gut, meine Monika“, flüsterte er. Lena spürte für einen kurzen Moment ein Knistern in der Luft – eine unbewusste, reife Männlichkeit ging von ihm aus, die ihr das Herz höherschlagen ließ und ihr Blut in den Adern erwärmte.

Der nächste Morgen begann mit strahlendem Sonnenschein. Der Geruch von frischem Kaffee zog durch das Haus. Nach dem Frühstück stiegen alle in den bulligen Chevrolet Pickup, um zum Hafen zu fahren, wo Kuddels Segelboot lag. Amor thronte stolz auf der offenen Ladefläche.

Während der V8-Motor tief grummelte, wurde Heini ernst und blickte über die Schulter zu den beiden jungen Frauen.

„Passt gut auf, ihr hübschen Deerns“, begann er mit fester Stimme. „Amor ist euer Wachhund. Lasst ihn bitte unter keinen Umständen ins Haus! Draußen kennt er sein Revier, aber innerhalb der Kate verändert sich sein Wesen. Solltet ihr draußen in Gefahr geraten, zeigt einfach auf das Ziel und ruft klar: »Amor, eum cape«! Er regelt dann schon den Rest. Wenn er wieder hören soll, reicht ein einfaches »Amor, aus«, und er legt sich flach hin.“
Lena und Nele waren verwundert, nickten aber aufmerksam.

„Und noch etwas“, fügte Heini besorgt hinzu. „Die Lokalzeitung berichtet seit Wochen von einem hageren Typen – einem echten Sittenstrolch – der sich am FKK-Strand herumtreibt, seinen Schwanz zeigt, wichst und Badegäste belästigt. Ich habe diese Gestalt selbst noch nicht gesehen, aber seid vorsichtig, wenn ihr am Strand seid!“

Am Hafen angekommen, zeigte Heini den beiden Grazien stolz das Segelboot von Kuddel für den gemeinsamen Törn.

Amor schaute unterdessen gelangweilt von der Ladefläche des Chevys und gähnte herzhaft.

Lena blickte auf das glitzernde Wasser der Ostsee, dann zu Nele und schließlich zu Heini. Der Sommer auf dem Darß hatte gerade erst begonnen, doch die nächste Nacht sollte hereinbrechen – eine verlockende, knisternde Spannung lag bereits unübersehbar in der Luft…

Der Nachmittag verlief fröhlich, die beiden Frauen spielten mit Amor im Garten und besprühten den Hund mit kaltem Wasser aus dem Gartenschlauch. Nele und Lena trugen nur ihre knappen Bikinis. Dann kam der Abend. Neles Opa hatte einen einfachen, aber schmackhaften Salat angerichtet, dazu gab es bachfrisches Baguette, Aufschnitt aus der Region und gekühlten Weißwein sowie einen scharfen Wacholderbrand.

Die Julinacht auf dem Darß war eine Decke aus tiefem Samt, durchwirkt mit dem Zirpen unzähliger Grillen und dem fernen, rhythmischen Rauschen der Ostsee. In der alten Fischerkate war die Stille nach dem geselligen Abend fast ohrenbetäubend. Die Luft roch nach altem Holz, nach Reet und einer Spur des scharfen Wacholderbrandes, den sie getrunken hatten. Erst spät am Abend hatten sich alle – die beiden jungen Frauen und der alte Bootsbauer – in ihre jeweiligen Zimmer zurückgezogen.

Nele und Lena teilten sich das gemütliche Gästezimmer mit den zwei Holzkojen, Heini schlief in dem großen, selbstgefertigten Ehebett, das er einst für sich und Monika gebaut hatte. Draußen, in seiner frisch gestrichenen Hütte auf dem Hof, schlummerte Amor, die gewaltige Deutsche Dogge. Jedes Ohr des Tieres war auf die kleinste verdächtige Regung in der Dunkelheit gerichtet, jeder Muskel seines massigen Körpers entspannt, aber bereit, sich in ein hundertpfündiges Geschoss zu verwandeln, sollte ein Fremder das friedliche Gehöft betreten.

In ihrem Bett lag Lena wach. Nicht weil das Bett unbequem war – im Gegenteil, die mit frischer Bettwäsche bezogene Koje war weich und einladend. Etwas anderes hielt sie gefangen. Ein Pochen, tief in ihrem Unterleib, ein fast unhörbares Summen in ihrem Blut, das seit dem Abendessen nicht verstummt war. Es war die Erinnerung an Heinis bloße Unterarme, an die Art, wie sein Lachen aus der Brust kam, an den Blick, den er ihr beim Abschied zugerichtet hatte – einen Blick, der nichts von den Lebensjahren des Mannes zu wissen schien.

Dieser Blick hatte sich in ihr eingenistet, zusammen mit dem prickelnden, verbotenen Wissen um seine nächtlichen Wanderungen. Eine unruhige Hitze hatte sich in ihr ausgebreitet, die nicht von der sommerlichen Wärme kam. Sie spürte einen leisen Druck auf ihrer Blase und eine unbestimmte Trockenheit in ihrer Kehle. Durst. Und etwas anderes. Etwas, das sie nicht benennen wollte.

Schließlich gab sie dem Drang nach. Sie schob die leichte Baumwolldecke beiseite. Das Holz des Fußbodens war kühl unter ihren nackten Fußsohlen. Sie trug nur ein sehr knappes, Nachthemd aus Seide, das kaum mehr als ein dünner Schimmer auf ihrer Haut war, und darunter einen winzigen String aus demselben Material. Leise, auf Zehenspitzen, wie eine Diebin im eigenen Haus, schlich sie aus dem Zimmer, vorbei an der schlafenden Nele, deren Atem tief und regelmäßig ging, und durch den dunklen Flur zur Toilette.

Das Bad war nur vom fahlen Licht des halben Mondes erhellt, das durch das schmale Fenster fiel. Sie schloss die Tür nicht ganz, aus Angst, das Geräusch könnte jemanden wecken. Sie zog den knappen String bis zu ihren Knöcheln herunter, spürte die kühle Luft auf ihrer plötzlich entblößte Vulva. Sie setzte sich auf die kalte Toilettenbrille. Für einen Moment passierte nichts. Dann, mit einem tiefen, erleichternden Seufzer, ließ sie los. Ein scharfer, heißer, goldgelber Strahl schoss aus ihr heraus und traf mit einem lauten, plätschernden Geräusch auf das Wasser in der Schüssel. Die Entspannung, die sich von ihrer Blase aus durch ihren ganzen Unterleib ausbreitete, war fast sinnlich. Sie beobachtete, wie der Strahl nachließ und zu einem einzelnen, klaren Tropfen wurde.

Erleichtert erhob sie sich, zog den String wieder hoch, der sich wie eine zweite Haut in die Ritze zwischen ihren Pobacken schmiegte, und betätigte die Spülung. Das laute Rauschen des Wassers schien in der nächtlichen Stille zu hallen. Sie verweilte einen Moment, die Hände auf dem kalten Waschbecken abgestützt, und lauschte. War da ein Geräusch gewesen? Ein Knarren? Ein Schritt? Sie hielt den Atem an, und ihr Herz, das gerade erst zur Ruhe gekommen war, begann wieder zu pochen, diesmal schneller, bis sie den Schlag bis in ihre Halsschlagader spürte. Sie konzentrierte sich, spitzte die Ohren. Aber nichts. Nur das letzte Gluckern der Toilettenspülung und dann… Stille. Tiefe, ungestörte Stille.

Eingebildet, dachte sie bei sich und schüttelte den Kopf über ihre eigene Nervosität. Schlaftrunken, von den Eindrücken des Tages und dem Alkohol noch etwas benebelt, schlurfte sie Richtung Küche. Ihr Durst war noch nicht gestillt. Die kühle Luft des Flurs streifte ihre nackten Beine und ließ die feinen Härchen zu Berge stehen.

Die Küche war noch dunkler, die schweren Möbel waren zu undefinierbaren Massen verschwommen. Sie öffnete den Kühlschrank, und das einsetzende Licht war für einen Moment blendend. Sie blinzelte, griff ins Regal und fand eine halbvolle Glasflasche mit frischem, trüben Apfelsaft – selbstgemacht von Heini. Sie schloss den Kühlschrank, und die Dunkelheit umfing sie wieder, noch tiefer als zuvor. Sie setzte die Flasche an ihre Lippen und trank. Der Saft war kühl, süß-säuerlich und wunderbar erfrischend. Sie trank gierig, ihre Kehle arbeitete, während sie die Flasche ansetzte.

Und dann, zwischen den Schlucken, hörte sie es eindeutig. Nicht von draußen. Von innen. Vom Flur her. Ein leises, schleifendes Geräusch. Ein Schritt. Ein Atemzug, der nicht ihrer war.

Panik, eiskalt und greifbar, schoss in ihr hoch. Sie erstarrte, die Flasche noch an den Lippen. Sie wollte sich umdrehen, wollte fliehen, aber ihre Glieder gehorchten nicht.

Es war zu spät.

Plötzlich wurde sie von hinten umfangen. Nicht grob, aber mit einer überraschenden, unnachgiebigen Stärke. Zwei große, warme, raue Hände legten sich von beiden Seiten auf ihren Körper und umfassten ihre Brüste durch den dünnen Seidenstoff ihres Nachthemdes. Es war keine tastende, unsichere Berührung. Es war eine Besitzergreifung. Die Hände kneteten das weiche Fleisch mit einer leidenschaftlichen, fast ehrfürchtigen Hingabe, die Finger drückten die prallen Brustwarzen zusammen, die sich sofort steinhart aufrichteten. Ein Schauer des Schocks, aber auch einer sofortigen, lodernden Erregung jagte durch Lena.

Sie erstarrte. Dann erkannte sie die Stimme, die hinter ihr, dicht an ihrem Ohr, ein sanftes, schlaftrunkenes Murmeln begann.

„Monika…“

Es war Heini. Seine Stimme war tiefer als am Tag, von Schlaf und Traum verwaschen, aber unverkennbar. Der Großvater ihrer Freundin. Er stand direkt hinter ihr, sein Körper, warm und massiv, presste sich gegen ihren Rücken. Der Geruch von ihm – saubere Baumwolle, eine Spur von Holz, Schnaps und der dumpfe, intime Duft eines schlafenden Mannes – überflutete ihre Sinne.

„Kannst du auch nicht schlafen?“, flüsterte er, und seine Hände hörten nicht auf, ihre Brüste zu kneten, zu streicheln, als wäre es das vertrauteste, natürlichste Ding der Welt. „Deine Haut… sie ist so jung. So glatt. Du fühlst dich an… wie in unseren besten Jahren. Ich vermisse dich… ich vermisse dich so sehr.“

Lena stand wie angewurzelt. Ihr Verstand schrie. Er schläft! Er denkt, ich sei seine Frau! Neles Worte: Bloß nicht aufwecken! Aber ihr Körper reagierte auf eine völlig andere, primitive Ebene. Unter dem Kneten seiner Hände wölbten sich ihre Brüste ihm entgegen. Die Hitze zwischen ihren Beinen, die schon die ganze Nacht geschwelt hatte, explodierte zu einem lodernden Feuer. Sie spürte, wie sich ihre Möse öffnete, wie Feuchtigkeit aus ihr heraussickerte und den dünnen Stoff ihres Strings durchtränkte.

Bevor sie auch nur einen Laut der Verteidigung formen konnte, spürte sie seine Hände an ihrer Hüfte. Er schob den Stoff ihres Nachthemdes nach oben, bis ihr nackter Rücken und der obere Teil ihres Pos frei waren. Dann griffen seine Finger an ihre Hüften, in die Seidenbündchen ihres Slips. Mit einer entschlossenen Bewegung zog er ihn nach unten, nicht komplett aus, aber bis zu ihren Kniekehlen, wo der Stoff sich festsetzte und ihre Beine leicht fesselte. Die kühle Nachtluft traf ihre vollkommen entblößte Vulva. Sie war völlig ausgeliefert.

Und dann spürte sie ihn. Nicht mit den Händen. Mit ihrem ganzen Rücken, ihrem Gesäß. Etwas Hartes, Heißes, unglaublich Massives drückte sich gegen die Ritze zwischen ihren Pobacken. Es war kein sanftes Erwachen. Es war ein steinharter, pulsierender Widerstand, der nichts Altes, Gebrechliches an sich hatte. Im Gegenteil. Er fühlte sich an wie das Geschlecht eines Mannes in der Blüte seiner Kraft – dick, aufgedunsen von Blut, heiß und fordernd. Die breite, geschwollene Eichel suchte den Eingang zu ihrem Körper, rieb sich durch die Feuchtigkeit, die bereits zwischen ihren Schamlippen heraustropfte.

Lenas Mund öffnete sich zu einem stummen Protest. Sie wollte sich wegdrehen, wollte Nein sagen, wollte ihn sanft wecken und zurück ins Bett führen. Aber dann sah sie im Geiste Neles ernstes Gesicht, hörte ihre Warnung: Wecke ihn auf keinen Fall abrupt! Und tiefer, viel tiefer, spürte sie den aufwallenden, sündhaften Wunsch, zu erfahren, was als Nächstes kommen würde. Die Feuchtigkeit an ihrem Eingang kam nicht nur von Angst. Es war Erregung. Pure, schamlose Erregung. Sie ließ es geschehen. Sie gab nach. Sie lehnte sich sogar ein winziges Stück vor, drückte ihren Hintern gegen ihn.

Er interpretierte ihre passive Hingabe als Einladung. Mit einem tiefen, kehligen Seufzer, der nach „Monika“ klang, umfasste er mit beiden Händen ihre Hüften. Seine Griffe waren nicht zart. Sie waren die Griffe eines Mannes, der sein Leben lang Holz geformt hatte – sicher, stark, unerbittlich. Er hielt sie fest, positionierte sich, und dann, ohne jede weitere Vorwarnung oder Rücksicht, schob er seinen alten, aber ungeheuerlich harten Männerschwanz Stück für Stück in sie hinein.

„Ahhh!“ Ein erstickter Laut, halb Schmerz, halb ungläubige Ekstase, entwich Lenas Lippen.
Die Fülle war überwältigend. Er war breit. Viel breiter, als sie erwartet hatte. Und er drang tief ein, füllte sie in einem einzigen, brutalen Stoß bis zum Anschlag aus. Sie fühlte sich gespreizt, ausgeweitet, von ihm besetzt. Ihr Kopf flog nach vorne, ihre Hände krallten sich an der Kühlschranktür fest, die noch kühl von der Berührung war. Und dann spürte sie es: eine warme Flut, die aus ihr herausströmte. Ihr eigener Saft, dick und klar, lief sofort an den Innenseiten ihrer muskulösen Oberschenkel herunter, tropfte mit leisen, feuchten Geräuschen auf den kalten Steinboden der Küche. Sie war klatschnass geworden, sofort, als Antwort auf seine Invasion.

Heinrich begann zu stöhnen. Kein leises Murmeln mehr, sondern tiefe, heftige Laute, die im Rhythmus seiner Hüften aufstiegen und fielen. Er zog sich fast ganz aus ihr zurück, bis nur noch die dicke Eichel in ihr steckte, und rammte sich dann wieder bis zum Heft in sie hinein. Jeder Stoß war ein kraftvoller, vollständiger Akt. Klatsch. Klatsch. Klatsch. Das Geräusch seines Schambeins, das auf ihren Hintern traf, hallte in der stillen Küche wider.

„Monika… meine Moni…“, keuchte er zwischen den Stößen, während er seinen Kopf an ihren Hals legte. Seine Lippen fanden ihre Haut. Er knabberte an ihrem Ohrläppchen, dann, mit einer plötzlichen, tierischen Geste, biss er sanft in die zarte Stelle ihres Halses, wo Schulter und Nacken zusammentrafen. Es war kein schmerzhafter Biss, aber ein besitzergreifender, der einen winzigen Schmerz hinterließ, der sich sofort in Lust verwandelte.

Er fickte sie. Nicht wie ein alter Mann. Wie ein Jüngling. Wie ein Berserker. Sein Schwanz war ein stählerner Kolben, der in ihrer nassen, heißen Möse ein und aus fuhr. Seine Hände verließen ihre Hüften nicht, aber eine wanderte nach vorne, unter ihr hochgeschobenes Nachthemd, und fand ihre nackte Brust. Seine Finger umschlossen eine Brustwarze, kneteten, zupften, während er weiter in sie hineinstieß. Die doppelte Stimulation war beinahe zu viel.
Und dann, langsam anfangs, fast unbemerkt, begann sich etwas in Lena aufzubauen. Nicht von außen.

Von innen.

Eine urgewaltige Hitze, die in ihrem Unterleib begann, genau dort, wo sein Schwanz sie traf, und sich dann ausbreitete. Sie füllte ihren Bauch, ihre Brust, ihre Glieder. Es war keine sanfte Welle. Es war ein Vulkan, der erwacht war. Zuerst nur ein Glühen, dann ein Brodeln, und dann, urplötzlich, brach die Welle über sie herein. Es war kein Orgasmus, wie sie ihn kannte. Es war eine Explosion. Eine intensive, alles verzehrende Woge der puren, ungefilterten Begeisterung für diesen Akt, für diese verbotene Vereinigung, für die Kraft, die sie von hinten nahm.

Ihr Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei. Sie presste ihre Lippen zusammen, biss sich auf die Unterlippe, bis sie metallisch nach Blut schmeckte, nur um den Laut zu ersticken, der aus ihrer Kehle drängte. Ihr Körper verkrampfte sich, ihre Muskeln um seinen eindringenden Schwanz zogen sich krampfhaft zusammen, und ein weiterer Schwall ihrer eigenen Feuchtigkeit schoss aus ihr heraus, mischte sich mit dem klatschenden Geräusch seiner Stöße.
Sie kam, und es war so gewaltig, dass ihr die Sinne schwanden, dass sie sich nur noch an der Kühlschranktür festhalten konnte, während ihr Körper unter der Wucht seines Rhythmus und ihres eigenen Höhepunkts zitterte.

Heini schien ihren Orgasmus zu spüren. Seine Stöße wurden noch heftiger, noch tiefer, noch fordernder. Er hielt sie fest, als wollte er sie aufspießen, und fickte sie weitere zwanzig, dreißig Sekunden mit dieser unerbittlichen, animalischen Energie. Dann änderte sich sein Rhythmus. Die Stöße wurden unregelmäßiger, ruckartiger. Ein kehliges, gutturales Grunzen kam aus seiner Brust.

„Ich komme… Moni… ich komme in dir!“

Und dann spürte sie es. Das heiße, pulsierende Pochen tief in ihr, gefolgt von der ersten Flut. Sein Sperma schoss aus ihm heraus, Strahl um Strahl, warm und dick, und füllte ihre bereits überflutete Vagina. Es fühlte sich an, als würde sie bis in den letzten Winkel mit ihm ausgegossen werden. Fünf, sechs heftige, pumpende Stöße, und mit jedem spürte sie eine neue Welle seiner warmen Ladung in sich. Es war eine urtümliche, befriedigende Befruchtung.

Als er fertig war, blieb er einen Moment in ihr stecken, sein ganzer schwerer Körper lehnte sich gegen sie, sein Atem ging schwer und heiß gegen ihren Nacken. Dann, mit einem schmatzenden Geräusch, das in der Stille unanständig laut klang, zog er seinen weichen, aber immer noch beeindruckenden Schwanz aus ihr heraus. Sofort lief eine Mischung aus seinem Sperma und ihrem Saft aus ihrer geöffneten, geschwollenen Möse, rann an ihren Innenschenkeln herunter und tropfte auf den bereits feuchten Boden.

Bevor er sich abwandte, tat er etwas Unerwartetes. Er gab ihr einen kräftigen, aber nicht unfreundlichen Klaps auf ihren nackten, prallen Arsch. Die Berührung brannte auf ihrer Haut.

„Ich liebe dich, Monika“, sagte er, und seine Stimme war jetzt wieder sanft, voller Zufriedenheit und schlafender Zärtlichkeit.

Dann hörte sie seine schweren, schleifenden Schritte, wie er sich langsam, träge, immer noch im Bann seines Traumes, aus der Küche entfernte und zurück in Richtung seines Schlafzimmers schlurfte.

Lena blieb zurück, an den Kühlschrank gelehnt, ihre Beine zitterten so stark, dass sie kaum stehen konnte. Ihre Hände waren feucht von Schweiß. Ihre Möse pulsierte, wund und erfüllt. Der Geruch von Sex – ihr Sex, sein Sperma – hing schwer in der dunklen Küche. Sie atmete stoßweise, versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Was war gerade geschehen? Sie hatte sich von ihrer besten Freundin Großvater, einem 75-jährigen Witwer, im Schlafwandeln in der Küche ficken lassen.

Und sie war gekommen. Sie hatte es genossen. Mehr als das. Sie hatte es begehrt.

Langsam, mit wackeligen Knien, zog sie ihren String wieder hoch. Das Gefühl des feuchten, verschmierten Stoffes gegen ihre überempfindliche Haut war eine ständige Erinnerung. Sie wischte sich mit einem Küchentuch grob die Beine ab, schlich zurück ins Badezimmer, um sich notdürftig zu säubern, und dann zurück ins Gästezimmer. Nele schlief immer noch. Lena kroch unter ihre Decke, ihr Möse brannte, ihr Geist war ein einziger Wirbel aus Scham, Erregung und ungläubigem Staunen. Sie schlief erst am frühen Morgen wieder ein.

Der nächste Tag brach an, strahlend und klar. Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee und knusprigem Speck zog durch die Kate. Lena, mit dunklen Ringen unter den Augen, half beim Decken des großen Holztisches in der Wohnküche. Sie war nervös, vermied es, Heini direkt anzusehen.

Heini bewegte sich mit der ruhigen, bedachten Sicherheit vom Vortag. Als er ihr eine Handvoll Besteck zum Verteilen reichte, berührten sich ihre Hände für einen Moment. Seine Haut war warm, trocken, schwielig. Die Haut, die ihre Brüste geknetet hatte.

Er sah sie an, und in seinen blauen Augen war nichts als freundliche, fast väterliche Fürsorge.

Dann, als sie gemeinsam die Teller neben die Gedecke legten, stellte er die Frage. Leise, fast beiläufig, mit einem kleinen, gutmütigen Lächeln auf den wettergegerbten Lippen.

„Lena, hast du letzte Nacht gut geschlafen?“

Die Frage traf sie wie ein Schlag in die Magengrube. Die Erinnerung an seine Stöße, an seinen Samen in ihr, an ihren eigenen erstickten Schrei schoss zurück. Sie musste einen klaren Kopf bewahren. Sie sah ihn an, zwang sich zu einem Lächeln, das ihr Gesicht schmerzte.

„Ja… sehr gut, Opa Heini“, sagte sie, und ihre Stimme klang erstaunlich ruhig. „Die Luft hier ist so erholsam. Ich habe wie ein Stein geschlafen.“

Sie hielt seinen Blick stand, während sie log. Und sie sah, wie in seinen Augen nichts ahnende Zufriedenheit aufblitzte. Sie bemerkte auch, wie sein Blick für eine Sekunde auf ihrem Hals verweilte, wo vielleicht noch die undeutliche Erinnerung an seine Lippen oder Zähne von der Nacht zuvor auf ihrer Haut brannte.

Dann nickte er zufrieden und wandte sich wieder der Küche zu. „Das freut mich. Man schläft hier wie in Abrahams Schoß“, und ging zum Herd, um den Speck zu wenden.

Lena blieb mit dem letzten Messer in der Hand zurück und spürte, wie zwischen ihren eigenen noch immer leicht zitternden Beinen die Erinnerung an ihn brannte – und die unausweichliche, schuldige Erkenntnis, dass sie auf die nächste Nacht wartete.

Nele schlüpfte in die Küche, noch im Morgenmantel, ihr Haar ein wilder, blonder Wirbel „Guten Morgen! Hat jemand Amor schon gefüttert?“

Der einfache, alltägliche Satz ließ die surreale Spannung für einen Moment platzen. Doch während sie frühstückten, das frische Brot mit Butter und Marmelade bestrichen, konnte Lena ihren Blick nicht von Heini abwenden. Jetzt, bei Tageslicht, sah sie den Mann neu. Sein Körper, unter dem einfachen Baumwollhemd, war nicht der eines gebrechlichen Alten. Die Jahrzehnte harter Arbeit auf der Werft hatten breite Schultern und kräftige Unterarme hinterlassen.

Seine Hände, die jetzt sanft die Kaffeetasse umfassten, waren dieselben, die in der Dunkelheit ihre Hüften mit einer brutalen Entschlossenheit umklammert hatten. Sein Gesicht, von Wind und Sonne gegerbt, zeigte tiefe Furchen, die von Lachen und Schmerz erzählten. Und zwischen seinen Beinen, unter der groben Leinenhose, verbarg sich der Schwanz, der sie in der Küche gefickt und mit seiner heißen, dicken Ladung gefüllt hatte – ein Schwanz, der nichts von der Müdigkeit des Alters zu wissen schien.

Eine schamvolle, prickelnde Hitze stieg in ihr auf, die nichts mit der Morgensonne zu tun hatte. Sie erinnerte sich an das Gefühl, als er in sie eindrang – die anfängliche Überraschung über die Größe und Härte, gefolgt von der überwältigenden Welle der Erregung, die jeden Protest erstickt hatte. Sie erinnerte sich an das Klatschen seiner Hüften gegen ihren Hintern, an den Geruch von männlichem Schweiß und ihrer eigenen nassen Möse in der Küche, an das dumpfe, tierische Grunzen in ihrem Ohr. Und sie erinnerte sich an den Moment, als sein Sperma in sie geschossen war, warm und reichlich, ein Gefühl der Füllung, das sie bis in diesen Morgen hinein spürte.

„Lena? Alles okay? Du siehst so verträumt aus.“ Neles Stimme riss sie aus ihren Gedanken.
„Ja, ja, alles gut“, sagte Lena schnell und nahm einen großen Schluck Kaffee, der ihr fast die Zunge verbrühte. „Ich denke nur… der Strand heute. Sollen wir hin?“

Der Vormittag verging in einer Art tranceartigem Nebel für Lena. Während sie und Nele das Geschirr spülten, die Betten machten und Amor streichelten, war ihr Geist in der Küche der vergangenen Nacht gefangen. Jedes leise Knarren des alten Holzfußbodens ließ ihr Herz schneller schlagen. Jedes Mal, wenn Heini den Raum betrat, um etwas zu holen, spürte sie seinen Blick wie eine körperliche Berührung auf ihrer Haut.

Gegen Mittag beschlossen sie, zum nahegelegenen FKK-Strand am Bodden zu fahren – nicht der große, offizielle, sondern ein verstecktes, von Einheimischen genutztes Stückchen Schilf und Sand, das Heini ihnen beschrieben hatte.

„Aber passt auf euch auf“, mahnte Heini noch einmal, als sie ihre Strandtücher packten. „Denkt an den Kerl aus der Zeitung. Und nehmt Amor mit. Er bleibt bei euch, auch am Strand. Vergesst die Kommandos nicht.“

Amor, als hätte er verstanden, stupste Lena mit seiner riesigen Schnauze an die Hand und wedelte langsam mit dem Schwanz.

Im Pickup, auf der kurvenreichen Straße zum Strand, brach es schließlich aus Lena heraus.

Sie konnte es nicht länger in sich behalten.

„Nele… ich muss dir etwas erzählen. Etwas Verrücktes. Und du musst mir glauben.“

Nele warf ihr einen besorgten Blick zu, während sie den Wagen in eine sandige Parkbucht lenkte. „Was ist los? Du wirkst den ganzen Morgen schon so… angespannt.“

Lena atmete tief durch. „Letzte Nacht… dein Opa. Er ist schlafgewandelt. Wieder.“

Nele seufzte. „Oh Gott. Ist er wieder in die Küche gegangen? Hat er dich erschreckt?“

„Mehr als das“, flüsterte Lena. Ihre Wangen brannten. „Nele… er hat mich… er hat mich in der Küche gefickt.“

Für einen Moment war ein Schweigen im Pickup. Nur das bullige Dröhnen des V8 war zu hören. Dann riss Nele die Augen auf. „Was? Lena, das ist nicht lustig.“

„Es ist kein Witz“, sagte Lena, und ihre Stimme brach. „Ich bin aufgewacht, bin auf Toilette gegangen, dann in die Küche, um was zu trinken. Und plötzlich war er da. Hinter mir. Er dachte, ich wäre… Monika. Er hat mich angefasst, hat meinen Slip runtergezogen und… und dann ist er in mich eingedrungen. Er hat mich richtig gefickt, Nele. Hart. Und ich…“

Sie verstummte, beschämt von dem, was als Nächstes kommen würde.

„Und du?“ Nele sah sie ungläubig an. Ihr Gesicht wurde aschfahl.

„…ich, ich bin gekommen“, gestand Lena, die Worte kamen als beschämtes Flüstern heraus.

„Es war… Gott, es war so intensiv. Ich konnte nichts machen. Ich dachte an das, was du gesagt hast – ihn nicht aufwecken. Und dann… dann hat er einfach… es war so verdammt gut.“

Nele starrte sie an, als sähe sie ein Gespenst. Dann, langsam, begann ein seltsamer Ausdruck in ihre Augen zu kriechen. Nicht Empörung. Nicht Ekel. Sondern eine Art fasziniertes, schockiertes Verständnis.

„Mein Opa…?“ Sie schüttelte den Kopf. „Er ist 75, Lena.“

„Das spürt man nicht“, sagte Lena trocken, und ein hysterisches Lachen blubberte in ihr auf. „Überhaupt nicht. Er ist… Gott, er ist unglaublich hart. Und groß. Und er kam in mir, Nele. Er hat mir einen Creampie verpasst, mitten in der Küche, und ist dann zurück ins Bett geschlafwandelt.“

Sie saßen schweigend da. Die Information pendelte zwischen ihnen, schwer und ungeheuerlich.

„Und heute Morgen?“, fragte Nele schließlich mit leiser Stimme. „Er hat gefragt, ob du gut geschlafen hast.“

„Ja was denn, Nele, ich habe gelogen, was hätte ich denn sagen sollen?“, sagte Lena. „Er weiß von nichts. Er schlief ja. Es war sein schlafwandelndes Ich… das mich wie seine Frau behandelt und gefickt hat.“

Ein langes Schweigen. Dann, unerwartet, sagte Nele: „Willst du… dass es wieder passiert?“

Lena zuckte zusammen. Die Frage traf sie wie ein Schlag. Sie hatte sie sich selbst noch nicht gestellt. Aber jetzt, ausgesprochen, wusste sie die Antwort sofort, tief in ihrem knisternden, schuldigen Unterleib.

„Ich weiß nicht“, log sie. Doch ihr Körper kannte die Wahrheit. Die Erinnerung ließ sie zwischen den Beinen feucht werden. „Es ist pervers. Er ist dein Opa. Er ist 75. Er trauert um seine Frau. Und er weiß es nicht einmal.“

„Aber es hat dir gefallen“, stellte Nele fest, keine Frage, eine Feststellung.

Lena senkte den Kopf. „Ja.“

Nele atmete scharf aus. „Okay. Okay. Das ist… das ist zu viel. Lass uns erstmal zum Strand gehen. Frische Luft tut gut. Wir… wir reden später weiter.“

Der Strand war, wie versprochen, menschenleer. Ein schmaler Streifen feinen, hellen Sandes erstreckte sich entlang des Ufers, geschützt von hohem Schilf, das im Wind leise raschelte und sich in wellenden Bewegungen neigte. Das Wasser des Boddens lag glatt und silbrig da, kaum mehr als ein sanftes Kräuseln auf der Oberfläche.

Die Hitze flimmerte über das Wasser, und abgesehen vom Zirpen der Zikaden und dem leisen Plätschern der Wellen war es still.

Nele – mit langem, hellem, von der Sonne gebleichtem Haar, zarten Sommersprossen im Gesicht und prallen, festen Brüsten, deren Warzen in der Wärme hart aufstanden – lag auf dem Rücken, die Beine leicht angewinkelt. Neben ihr lag Lena, ebenfalls mit wunderschönem, vollem blonden Haar und feinen Gesichtszügen, die ihre schmale Brille trug; sie lag auf dem Bauch und hatte den Kopf zur Seite gedreht.

Beide hatten sich komplett ausgezogen. Ihre Kleidung lag in einem kleinen Haufen neben ihnen. Die Sonne brannte auf ihre nackte Haut, und der Schweiß perlte auf Neles Schultern und ihrem flachen Bauch.

Amor ließ sich schwerfällig neben ihnen im Sand nieder, er hechelte, die Lefzen leicht aufgeklappt, die Zunge heraushängend, schlief der mächtige Hund augenblicklich ein und schnarchte vor sich hin.

Die Sonne brannte auf ihre Haut, aber Lenas Gedanken waren nicht bei der Idylle. Sie waren in der dunklen Küche, gefangen im Rhythmus von Heinis Hüften, erfüllt von der Erinnerung an seine männliche Kraft. Sie schloss die Augen, und die Bilder wurden lebendiger, deutlicher. Sie spürte im Geiste wieder seine schwieligen Hände auf ihren Brüsten, wie er sie knetete und die Brustwarzen zwischen den Fingern quetschte, seinen rauen Atem an ihrem Hals, den harten, unerbittlichen Druck tief in ihrem Inneren, wie sein dicker Schwanz sie stieß und stieß. Ihre Finger zuckten leicht auf dem Tuch, ihre Schenkel pressten sich zusammen.

Als sie die Augen öffnete, bemerkte sie Neles Blick auf sich. Ihre Freundin beobachtete sie mit einem seltsamen, nachdenklichen Ausdruck, die Augen etwas verengt, die Lippen leicht geöffnet.

„Was?“, fragte Lena defensiv und drehte den Kopf zur Seite.

„Nichts“, sagte Nele schnell und lächelte. „Du siehst nur so… beschäftigt aus.“

Sie lagen eine Weile in der Sonne, tranken Wasser aus ihrer Flasche. Die Stille wurde nur vom Rauschen des Schilfs und dem rhythmischen Schnarchen Amors unterbrochen, der mit der Pfote über seine Schnauze fuhr.

Jenseits des Schilfgürtels, halb verborgen hinter den dichten Halmen, stand ein Mann. Er trug nur eine dünne Shorts und war barfuß. Sein Oberkörper war mager und sehnig, die Rippen leicht sichtbar unter der gebräunten Haut. Kurze, dunkle Haare, ein schmales Gesicht mit scharfen Wangenknochen. Er musste Mitte vierzig sein. Er beobachtete die Frauen schon eine Weile, und sein Atem ging flacher, als er Nele auf den Rücken drehen sah.

Seine rechte Hand war in den Bund seiner Shorts geglitten und schloss sich um seinen Schwanz. Er war hart – stahlhart – und sein Schwanz war bemerkenswert: lang, dick, mit dicken Adern, die sich unter der gespannten Haut wanden. Die Eichel war breit und dunkelrot, feucht glänzend. Er hatte sich rasiert, die Haut um seinen Schaft und die Hoden glatt und entblößt. Um die Basis seines Schwanzes und um die Hoden hatte er ein geflochtenes schwarzes Seil geschlungen, kunstvoll und fest, sodass das Blut in seinem Schwanz gestaut wurde und die Adern noch dicker hervortraten. Die Hoden waren prall und schwer, das Seil schnitt leicht in die Haut.

Er begann zu wichsen. Langsam zuerst, die Hand fest um den dicken Schaft, die Vorhaut über die Eichel und wieder zurückziehend. Sein Daumen strich über die feuchte Spitze und verteilte das Precum. Er starrte auf Nele, auf ihre Sommersprossen, ihre prallen Brüste und den flachen Bauch, und dann auf ihre Möse. Sie war rasiert, die Schamlippen glatt und leicht geöffnet, und er konnte den feinen Spalt im Sonnenlicht erkennen.

Sein Schwanz zuckte in seiner Hand, und er beschleunigte den Rhythmus.

Lena hob den Kopf und streckte sich. Ihre Brüste, ein wenig voller als Neles, hingen schwer, als sie sich auf die Ellbogen stützte. Auch sie war rasiert, die Scham glatt und nackt, während ihre Brille im hellen Sonnenlicht reflektierte.

Der Mann stöhnte leise und wichste schneller, die Hand jetzt in schnellen, harten Stößen über seinen Schaft. Das Schmatzen seiner Vorhaut war leise, aber in der Stille des Schilfs deutlich hörbar. Sein Schwanz war so hart, dass es schmerzte, und das Seil um seine Basis schnürte ihn noch enger.

Die Adern pulsierten.

Dann sah ihn Lena.

Sie erstarrte. Ihre blauen Augen weiteten sich hinter den Gläsern, und sie stieß Nele an. „Da – schau mal.“ Ihre Stimme war flüsternd, aber scharf.

Nele setzte sich auf, drehte den Kopf und sah den Mann. Sie sah seine hagere Gestalt, halb versteckt hinter den Schilfhalmen. Seinen freien Oberkörper, die kurzen Haare, das Grinsen auf seinem schmalen Gesicht. Und sie sah seine Hand, die sich vor seiner Shorts bewegte, in einem unmissverständlichen, wichsenden Rhythmus.

Er wichste seinen Schwanz und grinste zu ihnen herüber.

Nele starrte, ihr blondes Haar fiel ihr über die Schultern. Sie konnte nicht anders. Er hatte seine Shorts nach unten geschoben, und sein Schwanz war zu sehen – ein monströser, langer, dicker, stahlharter Phallus, der in seiner Hand pulsierend aufragte. Die Scham und die Hoden waren rasiert, glatt und nackt. Das Seil, das er um seinen Schwanz und seine Hoden geschlungen hatte, schnürte ihn ab, und die Adern traten dick und hervorragend unter der gespannten Haut hervor. Seine Eichel war geschwollen, dunkelrot, und glänzte feucht.

„Guckt zu mir“, sagte heiser und rau seine Stimme. „Ihr seid wunderschön.“

Er wichste weiter, langsamer jetzt, die Hand in weichen Stößen über seinen Schaft. Sein Schwanz zuckte, und ein Tropfen Precum bildete sich an der Spitze, der langsam herabtropfte. Er schaute direkt auf ihre Mösen, auf die rasierten, glatten Schamlippen von Nele, die noch immer auf ihrem Handtuch saß, die Beine angewinkelt, und auf Lena, die neben ihr lag.

„Rasierte feuchte Mösen“, sagte er, und sein Grinsen wurde breiter. „Ich mag das.“

Lena richtete sich auf, die Brille auf der Nase. Ihre Brüste wogen bei der Bewegung, und ihre harten Warzen zeigten zum Mann hin. Sie starrte auf seinen Schwanz, auf das Seil, das ihn abgebunden hatte, auf die dicken Adern und die geschwollene Eichel. Nele neben ihr schluckte, ihre Augen auf den massiven Schaft gerichtet, der in der Hand des Mannes pulsierend aufragte.

Er wichste schneller.

Seine Hand glitt in schnellen, harten Bewegungen über seinen Schaft, die Vorhaut über die Eichel und wieder zurück. Sein Atem ging stoßweise, und seine Hüften bewegten sich im Rhythmus seiner Hand. Er starrte auf ihre rasierten Mösen, auf die glatten Schamlippen und die feinen Spalten, und sein Schwanz pulsierte und zuckte.

„Schaut her“, sagte er, und seine Stimme war jetzt ein Keuchen. „Schaut zu.“

Die beiden blonden Frauen starrten. Nele hatte die Beine fester aneinandergepresst, aber ihre Möse war noch immer sichtbar, die Schamlippen glatt und nackt. Lena saß aufrecht, die Brüste schwer, die Warzen hart, und ihre Augen waren gebannt auf seinen Schwanz gerichtet, auf die schnellen Stöße seiner Hand und die geschwollene Eichel.

Dann kam er.

Sein Schwanz zuckte heftig, und sein Sperma schoss in hohem Bogen heraus. Weiße, dicke Strahlen, die im Sonnenlicht glänzten, als sie durch die Luft flogen. Das erste Mal landete im Schilf, die Tropfen auf den grünen Halmen glitzernd. Das zweite Mal schoss weiter, ein dicker Strahl, der auf den Sand zwischen ihm und den Frauen tropfte. Sein Schwanz pulsierte und zuckte, und weiteres Sperma floss nach, dick und weiß, über seine Hand und seinen Schaft, hinab zu seinen abgebundenen Hoden. Er stöhnte, ein tiefes, raues Geräusch, und seine Hüften stießen in die Luft, während sein Schwanz das letzte Sperma herausspritzte.

Er stand da, keuchend, sein Schwanz noch immer hart in seiner Hand, das Sperma glänzend auf seiner Haut und im Schilf. Er grinste die beiden nackten Frauen an, die noch immer starrten, und sein Schwanz zuckte noch einmal, ein letzter Tropfen, der herabtropfte.

Dann, plötzlich, richtete sich Amor auf. Ein tiefes, warnendes Grollen kam aus seiner Kehle, ein Ton, der aus dem Bauch zu kommen schien. Seine Ohren waren nach vorne gespitzt, sein Blick starr auf den Fremden fixiert. Die Nackenhaare sträubten sich.
Nele zeigte mit ausgestrecktem Arm direkt auf die Gestalt im Schilf.

„Amor, eum cape!“, rief sie mit fester, klarer Stimme.

Es war, als hätte jemand eine Granate gezündet. Die träge, liebevolle Dogge verwandelte sich in ein blitzschnelles, hundertpfündiges Geschoss. Ein einziger, mächtiger Satz aus den Hinterbeinen, und er raste über den Sand, ein kaum sichtbarer, gefleckter Blitz. Das Schilf knickte und brach unter seiner Wucht.

Sie hörten einen entsetzten Schrei des fremden Mannes.

„AMOR, AUS!“, schrie Nele.

Sofort hielt der Hund dicht vor dem Fremden an. Dann trat er zwei Schritte zurück und legte sich flach in den Sand, sein Blick jedoch unverwandt auf die zitternde Gestalt gerichtet.

Der Mann war hintenübergefallen, saß vor Schreck im Schilf. Dann rappelte er sich langsam auf, seine Shorts an der Hüfte aufgerissen. Wieder war sein mächtiger Phallus zu sehen. Dann stolperte der Mann davon und verschwand im dichten Schilf, seine Schritte raschelnd und ungleichmäßig.

Lena und Nele sahen sich atemlos an, ein nervöses, erleichtertes Lachen brach aus ihnen hervor.

„Heilige Scheiße“, keuchte Nele. „Hast du seinen Schwanz gesehen, was für ein Monster.

Der arme Kerl hat sich bestimmt zu Tode erschrocken.“

„Der arme Kerl?“, fuhr Lena auf, ihre eigene Angst verwandelte sich plötzlich in Wut. „Der hat uns hier beobachtet und sich einen runtergeholt! Der hat verdient, was er bekommen hat!“

Amor kam stolz zurück zu ihnen, sein Schwanz wedelte langsam, als wäre nichts geschehen. Sie belohnten ihn mit Streicheleinheiten und lobenden Worten, kraulten ihm die Ohren und den massiven Kopf.

Das Erlebnis hatte jedoch etwas in der Luft zwischen ihnen verändert.

Die Gefahr, die animalische Gewalt, die so nah an ihnen vorbeigegangen war, hatte eine primitive, erregende Energie freigesetzt. Sie unterhielten sich über den fremden Mann und seinen riesigen Penis, wie er dastand und wichste, wie das Sperma aus ihm herausschoss.

„Ich meine, so etwas sieht man nicht alle Tage“, sagte Nele und leckte sich über die Lippen.

Lena bemerkte, dass Nele zwischen ihren Beinen feucht war. Ihre Vulva glänzte feucht in der Sonne, die Schamlippen leicht geschwollen, die Ritze schimmerte nass. „Hat dich der Mann erregt?“, fragte Lena Nele, die Stimme leiser als beabsichtigt.

Nele antwortete nicht, aber ihre Wangen röteten sich, und sie spreizte unwillkürlich die Schenkel etwas weiter.

Als sie ihre Sachen packten, um zurück zur Kate zu fahren, war Lenas Blick immer wieder zu Nele hinübergeschweift. Und sie sah, dass auch Nele sie anders ansah. Mit einer neuen, unausgesprochenen Neugier.

Die Rückfahrt im Pickup verlief still. Die Spannung war handgreiflich, eine dicke, elektrische Wolke im engen Innenraum.

Zu Hause angekommen, war Heini erleichtert, sie wohlbehalten zu sehen. Als sie ihm von dem Vorfall mit Amor und dem Mann berichteten, nickte er grimmig. „Gut gemacht, Mädels. Und du, Amor, bist der beste Hund der Welt.“ Er kraulte dem Tier die Ohren. „So, ich mache uns was zu essen. Heute Abend gibt es frischen Räucherfisch aus Kuddels Rauchhaus. Und danach…“ Er zwinkerte ihnen verschwörerisch zu. „…habe ich eine Flasche echten, alten Wacholder aus Hinterpommern. Den trinken wir.“

Der Abend war wieder gesellig, aber für Lena war jede Minute von der Erwartung der Nacht durchtränkt. Der Wacholderbranntwein war scharf und wärmend, er strömte ihr durch die Adern und schärfte ihre Sinne, während er gleichzeitig ihre Hemmungen weiter abschwächte. Sie beobachtete Heini beim Sprechen, beim Lachen, sah die Kraft in seinen Bewegungen, und ihr Mund wurde trocken.

Als sie sich schließlich für die Nacht zurückzogen, war die Luft im Flur der Kate dick vor unausgesprochenen Dingen. Nele zögerte, bevor sie die Tür zum Gästezimmer öffnete.

„Lena…“, begann sie leise. „Wenn er… wenn er heute Nacht wieder kommt…“

Lena sah sie an. Ihre Augen waren groß und dunkel im schwachen Licht des Flurs. „Ja?“

Nele biss sich auf die Unterlippe. „Ich… ich werde tief schlafen. Ich werde nichts hören.“

Es war keine Erlaubnis. Es war mehr. Es war Komplizenschaft.

Lena nickte nur. Dann gingen sie in ihr Zimmer.

Lena legte sich in ihre Koje, aber sie schlief nicht. Sie wartete. Sie lauschte auf jedes Geräusch im alten Haus. Das Tickern der Standuhr im Wohnzimmer. Das leise Knacken des Holzes. Den fernen Ruf einer Eule.

Und dann, kurz nach zwei Uhr, hörte sie es. Die vertrauten, schweren, schleifenden Schritte auf den Dielen. Sie kamen nicht in Richtung Küche. Sie kamen auf das Gästezimmer zu.
Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Sie lag ganz still, die Decke bis zum Kinn gezogen, und starrte zur Tür.

Die Klinke bewegte sich. Langsam, fast geräuschlos, öffnete sich die Tür. Die große, dunkle Silhouette von Heini füllte den Türrahmen. Das Mondlicht, das durch das Fenster fiel, zeichnete seine kräftigen Konturen nach. Er trug wieder nur eine einfache Shorts. Sein Gesicht war ausdruckslos, seine Augen offen, aber blind.

Er trat ins Zimmer. Sein Blick glitt über die Kojen. Er blieb vor Lenas Koje stehen. Sein Atem ging ruhig und tief.

Dann sprach er, mit derselben sanften, vertrauten Stimme wie in der Nacht zuvor. „Monika… du bist hier. Ich wusste, du würdest zu mir kommen.“

Er setzte sich auf den Rand ihrer Koje. Das Holz ächzte unter seinem Gewicht. Seine große, warme Hand legte sich auf ihre Wange unter der Decke. Die Berührung ließ sie erschaudern.
„Ich habe dich so vermisst“, flüsterte er schlafend. Seine Hand glitt unter die Decke, fand ihre Schulter, dann den dünnen Stoff ihres Nachthemdchens. Mit einer sanften, aber bestimmten Bewegung schob er den Stoff zur Seite, legte ihre nackte Brust frei. Die kühle Nachtluft traf ihre harte Brustwarze, die sich sofort steil aufrichtete.

Lena lag reglos da, ließ es geschehen. Ihre Atmung wurde flach und schnell. Sie sah zu Nele hinüber, deren Rücken ihr zugewandt war, die reglos dalag, als schliefe sie tief.

Heinis Finger strich über ihre Brustwarze, ein langsamer, träumerischer Kreis. „Moni, hast du deine Piercings entfernt?“, raunte er, dann beugte er sich vor und legte seine Lippen darauf. Seine Zunge, warm und rau, leckte über die empfindliche Spitze, bevor er sie sanft in seinen Mund nahm und zu saugen begann. Ein elektrischer Schock der Lust jagte von ihrer Brustwarze direkt in ihren Unterleib. Sie biss sich auf die Lippe, um nicht zu stöhnen.
Seine andere Hand glitt unter die Decke, über ihren flachen Bauch, hinunter zu dem dünnen Baumwollslip, den sie trug. Er schob das Material zur Seite, ohne es auszuziehen, und seine Finger fanden die feuchte Wärme zwischen ihren Beinen. Sie war schon klatschnass, ihre Erregung hatte sie die ganze Zeit über begleitet.

„So feucht für mich“, murmelte er gegen ihre Brust. „Immer so feucht, meine Moni.“
Sein Mittelfinger glitt ohne Widerstand in sie hinein, bis zum Knöchel. Lena presste die Augen zusammen. Seine Finger waren dick, schwielig, fremd und vertraut zugleich. Er fing an, sie langsam zu fingern, mit tiefen, eindringlichen Bewegungen, während er weiter an ihrer Brust saugte.

Dann zog er seinen Finger heraus. Sie hörte das leise Rascheln seiner Shorts, als er sie herunterstieß. Im Mondlicht sah sie seinen Schwanz – bereits steif, dick und beeindruckend aufgerichtet, die Adern deutlich unter der Haut sichtbar, die Eichel dunkel und feucht von seinem eigenen Vorlauf. Es war das Geschlecht eines Arbeiters, eines Mannes, der sein Leben lang körperlich gearbeitet hatte: kraftvoll, unverziert, funktional.

Er schob die Decke ganz von ihr, legte sich über sie, stützte sein Gewicht auf seine Unterarme. Seine Augen, immer noch glasig, blickten durch sie hindurch. „Ich will dich, Moni. Jetzt, du Hure.“

Er positionierte seine Hüfte. Die dicke, heiße Spitze seines Schwanzes drückte gegen ihren Eingang, der bereits offen und triefend war von ihrer Erregung und seinem Finger. Dann, mit einem langsamen, unaufhaltsamen Druck, drang er in sie ein.

ZLena atmete scharf ein. Die Fülle war atemberaubend. Er war breit, und er füllte sie vollständig aus, dehnte sie auf eine Weise, die an der Grenze zum Schmerz war, aber sofort in reine, sengende Lust umschlug. Er blieb einen Moment tief in ihr, sein ganzer Schwanz in ihrer warmen, engen Möse vergraben. Sie spürte, wie ihre Muskeln sich um ihn legten, ihn umschlossen.

Dann begann er sich zu bewegen. Langsam zuerst, tiefe, messende Stöße, die jedes Mal ihre Gebärmutter zu berühren schienen. Das Bett knarrte leise im rhythmischen Takt. Seine Hüften trafen mit einem dumpfen, fleischigen Klatschen auf ihre Oberschenkel. Er stöhnte leise, ein tierisches, zufriedenes Geräusch.

„Meine gute Monika… meine starke Moni…“, keuchte er in den Raum zwischen ihnen, sein Atem heiß gegen ihre Haut.

Lena konnte nicht länger still bleiben. Sie umschlang ihn mit ihren Armen, grub ihre Fingernägel in seine muskulösen Schultern. Sie hob ihre Hüften ihm entgegen, nahm jeden Stoß begierig auf. Ihre eigene Erregung kochte über. Dies war nicht wie in der Küche – hier war sie bei Bewusstsein, hier erlebte sie es bewusst, mit all ihren Sinnen. Der Geruch seines männlichen Schweißes vermischte sich mit ihrem eigenen, der Duft von altem Holz, Bettzeug und purem Sex erfüllte den kleinen Raum. Das Geräusch seines kehligen Stöhnens, das Knarren des Bettes, das nasse Schmatzen, wenn er sich in ihr bewegte – es war eine Symphonie der Verdorbenheit.

Er erhöhte das Tempo. Seine Stöße wurden härter, fordernder. Er packte ihre Hüften, zog sie fester an sich heran, rammte sich noch tiefer in sie hinein. Lena wand den Kopf zur Seite, biss in ihr Kissen, um ihre Schreie zu ersticken. Die Welle ihrerseits brach mit einer Gewalt los, die sie völlig übermannte. Ihr ganzer Körper verkrampfte sich, ihre Vagina pulsierte wild um seinen eindringenden Schwanz, und ein heißer Schwall ihrer eigenen Feuchtigkeit schoss zwischen ihnen heraus, machte seine Schläge noch nasser, noch lauter.

Ihr Orgasmus schien ihn noch weiter anzustacheln. Er fickte sie jetzt mit einer rohen, ungezügelten Energie, die unglaublich für einen Mann seines Alters war. Seine hängenden Eier klatschten gegen ihren Hintern. Sein Atem ging stoßweise.

„Ich komme… Monika… ich komme in dir… wie Wotan“, stieß er hervor, seine Stimme war rau und gebrochen.

Und dann spürte sie es – das rhythmische Pulsieren tief in ihr, gefolgt von der ersten, heißen Flut seines Spermas. Strahl um Strahl schoss er in ihre Gebärmutter, füllte sie mit seiner warmen, dicken Ladung. Es war noch mehr als in der Nacht zuvor, ein ergiebiger, befriedigender Strom, der in ihr pulsierte, während er mit abklingenden Stößen jeden letzten Tropfen in sie hineinpresste.

Schließlich brach er über ihr zusammen, sein Gewicht lastete wohlig auf ihr, sein Schwanz, noch immer halb hart und mit Sperma bedeckt, ruhte tief in ihrer überfluteten Möse. Er seufzte tief, ein Geräusch voller Zufriedenheit und Erschöpfung.

„Ich liebe dich, Monika“, flüsterte er in ihr Haar. Dann, nach wenigen Minuten, begann sein Atem gleichmäßiger und tiefer zu werden. Er schlief ein. Auf ihr. In ihr.

Lena lag darunter, gefangen unter seinem Gewicht, gefüllt mit seinem Sperma, ihr Körper noch immer von den Nachbeben ihres eigenen gewaltigen Orgasmus durchzuckt. Sie wandte den Kopf und sah Nele an. Ihre Freundin lag auf der Seite, ihr Rücken immer noch zugewandt. Aber im Mondlicht sah Lena, dass ihre Schultern nicht ruhig waren. Sie zitterten leicht. Und eine ihrer Hände war unter der Decke verschwunden, bewegte sich in einem langsamen, unverkennbaren Rhythmus.

Nele hatte alles gehört. Nele hatte alles mitbekommen. Und Nele masturbierte, während ihr eigener Großvater ihre beste Freundin in dem Bett neben ihr fickte.

Die Erkenntnis traf Lena wie ein weiterer Schlag der Erregung. Es war nicht mehr nur ihr perverses Geheimnis. Es war jetzt ihres. Gemeinsam.

Langsam, vorsichtig, schob sie Heini von sich. Sein Schwanz glitt schmatzend aus ihr heraus, gefolgt von einem kleinen Schwall ihres gemischten Saftes und seines Spermas, das auf das Laken tropfte. Schlafend, immer noch im Reich seiner Traumfrau, drehte er sich auf die Seite und begann leise zu schnarchen.

Lena stand auf, ihre Beine fühlten sich wie Pudding an. Sie griff nach ihrem Nachthemd und schlüpfte leise aus dem Zimmer, Richtung Badezimmer, um sich zu säubern. Doch als sie den Flur betrat, hörte sie ein leises Rascheln aus Neles Koje. Sie drehte sich um.

Nele hatte sich aufgesetzt. Ihr Gesicht war im Schatten, aber ihre Augen glänzten im Dunkeln. Sie sagte kein Wort. Sie zog einfach ihre Decke zurück.
Auf dem weißen Laken unter ihr war ein dunkler, feuchter Fleck zu sehen.

Sie hatten sich wortlos alles gesagt, was in dieser Nacht gesagt werden musste.

Lena ging ins Bad, säuberte sich, wusch Heinis Sperma von ihren Innenschenkeln. Ihr Spiegelbild zeigte eine Frau mit glühenden Wangen und dunklen, wissenden Augen. Als sie zurück in das Zimmer schlich, lag Heini friedlich in ihrer Koje, tief schlafend. Nele lag wieder auf der Seite, aber jetzt war sie ihr zugewandt. Ihre Augen waren offen.

Lena legte sich zu Nele in die Koje. Dann drehte sie sich zu Nele um. Im schwachen Licht sahen sie sich an.

„Lena, alles okay – wie war’s?“, flüsterte Nele, ihre Stimme war kaum hörbar, aber geladen.

Lena atmete aus. Sie spürte die leichte Wundheit zwischen ihren Beinen, die Erinnerung an seine Fülle. „Es… es war noch intensiver“, flüsterte sie zurück.

Nele nickte langsam. Dann schloss sie die Augen. „Gute Nacht, Lena.“

„Gute Nacht, Nele.“ Lena lag wach, lauschte auf das Schnarchen des alten Mannes in ihrem Bett und den ruhigen Atem ihrer Freundin. Sie waren in ein Geflecht aus Lüge, Lust und Komplizenschaft geraten, aus dem es kein Entrinnen mehr gab.

Am nächsten Morgen wachte „Heini“ Heise in der Holzkoje des Gästezimmers auf. Sein Kopf war überraschend klar, doch seltsamerweise fühlte sich sein Körper ungewohnt schwer und tief entspannt an, so als hätte er eine schwere Last getragen.

Er rieb sich die Augen, setzte sich langsam in der schmalen Koje auf und blickte sich mit gerunzelter Stirn verwirrt um. Die vertrauten Holzwände des Gästezimmers, der leicht staubige Geruch von alter Bettwäsche und der ferne, von draußen durch das geöffnete Fenster hereinwehende Wind – es dauerte einige Sekunden, bis sich seine Gedanken sortierten. Er war nicht in seinem eigenen, selbstgefertigten Ehebett aufgewacht! Noch viel beunruhigender war jedoch die Tatsache, dass seine Erinnerung an die vergangenen Stunden vollkommen ausgelöscht war. Wie um alles in der Welt war er hierhergekommen?

Hatte sein tückischer Somnambulismus ihn wieder mitten in der Nacht aus den Federn getrieben?

Er fuhr sich mit den großen, schwieligen Händen über das stoppelig gewordene Gesicht, schüttelte ungläubig den Kopf, schob die Decke zur Seite und schaute sich um – seine Enkelin und Lena waren nicht im Zimmer. Barfuß und bekleidet mit einer fleckigen Shorts ging er hinaus in den Flur und weiter in die Wohnküche. Dort lag bereits ein einladender, kräftiger Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Luft.

Nele und Lena saßen am massiven Holztisch und tranken Kaffee. Lena vermied es im ersten Moment tunlichst, ihm direkt in die Augen zu sehen, während ihre Wangen unter der leichten Morgenröte sanft glühten; Nele hingegen musterte ihren Großvater mit einem intensiven, tiefen und unheimlich wissenden Blick, in dem eine elektrische Spannung lag, die Heini fast ein wenig unheimlich schien.

„Morgen, Opa“, sagte Nele schließlich mit einer Stimme, die nur ganz dezent, aber unverkennbar zitterte. „Gut geschlafen?“

Heini brummte leise, strich sich über das Kinn und schmunzelte matt, um seine eigene innere Verwirrung zu überspielen. „Morgen, meine Deerns. Wie ein junger Gott, muss ich gestehen – auch wenn ich mich ernsthaft frage, wie um alles in der Welt ich heute Nacht in eurem Zimmer gelandet bin. Der Somnambulismus hat mich wohl wieder fest im Griff gehabt. Verzeiht mir, wenn ich euch im Schlaf erschreckt oder gestört habe.“

Lena schluckte so schwer, dass man es fast im ganzen Raum hören konnte, und griff hastig nach ihrer Kaffeetasse, während ihr das Blut bis in die Schläfen hämmerte. „Alles gut, Opa Heini. Wir haben… tief und fest geschlafen.“

Heini nickte erleichtert, goss sich an der Kaffeemaschine eine dampfende Tasse Kaffee ein und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Küchenzeile. Seine Züge veränderten sich schlagartig; mit der Tasse in der Hand wich die morgendliche Schlaftrunkenheit, und der erfahrene Bootsbauer und Segler erwachte in ihm.

Er nahm die Tasse vom Tresen, trat durch die schwere Holztür hinaus in den strahlenden, sommerlichen Morgen und ging über den knisternden Kiesweg hinunter zum alten Bootshaus. Er wollte einen Blick auf den Bodden werfen und das Wetter mit eigenen Augen prüfen. Eine frische, belebende Brise strich ihm über das wettergegerbte Gesicht und spielte mit den grauen Haaren an seinen Schläfen.

Kaum hatte er sich an die hölzernen Stützbalken des Bootshauses gelehnt und einen ersten, heißen Schluck Kaffee genommen, da durchschnitt das vertraute Knirschen von groben Fahrradreifen die Stille des Hofes. Ein klappernder, alter Drahtesel bog um die Ecke, gefahren von keinem Geringeren als Kuddel. Der alte Segelkumpel trug seine verwaschene Schiffermütze keck auf seinem Kopf und grinste über das gesamte, von Sonne und Seewind gegerbte Gesicht.

„Moin, Heini!“, rief Kuddel bereits von Weitem herüber und stieg mit schwungvollem Beinschwung von seinem Fahrrad. „Ich hab mir fast gedacht, dass ich dich hier draußen am Wasser finde. Ein echter Seemann braucht eben keinen Wecker!“

Heini schmunzelte breit, seine Augen blitzten auf. „Moin, Kuddel! Du sagst es. Ich habe gerade den Blick schweifen lassen und das Wetter gemustert. Schau dir diesen Himmel an – der Wind steht heute absolut günstig. Eine herrlich frische Brise, genau das, worauf wir gewartet haben.“

Kuddel trat neben ihn an das Ufer, kniff die Augen vor dem gleißenden Licht zusammen und blickte hinaus auf das schimmernde, blau-graue Wasser, auf dem sich die ersten kleinen Schaumkronen bildeten. Er schnupperte tief mit der Nase im Wind, wie ein alter Seefahrer, der Witterung aufnimmt, und nickte tief beeindruckt. „Verdammt recht hast du, alter Haudegen. Besser wird der Wind in dieser Woche nicht mehr stehen. Was meinst du? Sollen wir Nägel mit Köpfen machen, den Törn einfach vorziehen und heute Mittag die Leinen losmachen?“

Heinis Herz machte einen Satz. Der alte Tatendrang, der seit Monis Tod wie unter einer schweren Decke begraben schienen war, brach sich augenblicklich Bahn. „Gesagt, getan, Kuddel! Machen wir so. Punkt zwölf Uhr stechen wir in See.“

Nachdem dieser Entschluss besiegelt war, machte Heini auf dem Absatz kehrt und ging mit federnden Schritten über den Hof zurück in die Kate, wo Nele und Lena noch am Tisch saßen. Er trat in den Raum, stellte seine leere Tasse ab und verkündete mit fester, neu entfachter Entschlossenheit: „Hört zu, ihr zwei sööten Deerns“, begann er. „Kuddel war gerade da draußen. Wir haben uns kurz beraten und umentschieden: Der Wind steht heute absolut perfekt, und wir stechen heute Mittag in See. Wir beginnen unseren Törn vorzeitig. Es macht keinen Sinn, bei diesen Bedingungen länger an Land zu hocken – das Wetter will genutzt werden.“

Nele und Lena wechselten in der Sekunde einen schnellen, elektrisierten Blick, der Bände sprach. Der Törn begann also tatsächlich früher als geplant. Sie würden völlig allein sein. Auf sich gestellt in der alten, schützenden Fischerkate.


Heini bemerkte den Blickwechsel kaum, da er bereits fortfuhr und die beiden jungen Frauen nun mit einem fast rührenden, väterlichen Nachdruck musterte: „Und noch etwas Wichtiges, bevor Kuddel und ich ablegen: Wenn ihr möchtet, könnt ihr heute gerne das Schlafzimmer nach hinten tauschen. Mein Schlafzimmer mit dem großen Bett steht nach Norden hinaus und ist mit Abstand der kühlste Raum im ganzen Haus. Das Gästezimmer hier direkt unterm Reetdach kann sich im Sommer nämlich verdammt schnell aufheizen, besonders wenn die Sonne den ganzen Tag gnadenlos draufknallt.“

Er machte eine kurze, bedeutungsvolle Pause, strich mit der flachen Hand über die gemaserte Holzplatte des Tisches und fügte mit einem strengeren, warnenden Tonfall hinzu:
„Und denkt bitte unbedingt an Amor: Lasst ihn unter keinen Umständen ins Haus. Draußen auf dem großen Hof ist er euer treuester, verlässlichster Beschützer, aber sobald er drinnen ist, verändert sich sein Wesen, das wisst ihr genau. Außerdem ist es im Moment durch die Hitze und die Trockenheit extrem gefährlich – lasst also bitte auch die Finger vom Grill. Keine offene Flamme auf dem Hof, nicht dass uns hier bei der Dürre noch alles unterm Hintern abfackelt.“

Er wandte sich um, ging auf die schwere Haustür zu, warf den beiden im letzten Moment noch einen warmherzigen, tiefen Blick zu und klopfte leicht mit den Knöcheln gegen den hölzernen Türstock.

„Ansonsten gehört das Haus euch – mi casa es tu casa“, sagte er mit einem leisen, fast verschmitzten Lächeln und zwinkerte den beiden zu – was in Lena im selben Augenblick ein unkontrollierbares, glühend heißes Kribbeln tief im Unterleib auslöste. „Macht es euch gemütlich, genießt den Sommer und passt gut aufeinander auf – erholt euch in den kommenden sechs Wochen.“

Heini verlor keine Zeit. Mit langen, entschlossenen Schritten ging er in sein Schlafzimmer, zog seinen robusten Seesack aus Segeltuch hervor und begann, die letzten verbleibenden Utensilien für die bevorstehende sechswöchige Seereise hineinzuwerfen: schwere Wollpullover für kühle Nächte, eine witterungsfeste Ölzeugjacke, ein paar Blöcke, Stifte, Seekarten und natürlich ein Foto von Monika und die alte Pfeife seines Vaters samt Tabakbeutel.

Kurz vor Mittag war alles verstaut. Der mächtige V8-Motor seines 1979er Chevrolet Cheyenne K10 Pickups brüllte tief und grollend auf, als Heini den Wagen aus der Scheune manövrierte und auf dem Hof neben der Haustür zum Stopfen brachte. Nele und Lena stiegen kurz darauf in die geräumige Kabine des mächtigen Pickups. Amor nahm Platz auf der Ladefläche des Wagens. Heini fuhr die schmale Uferstraße entlang, bis sie den Bootsanleger erreichten, an dem Kuddel bereits wartete.

Dort, vertäut an den hölzernen Pfählen, lag Kuddels ganzer Stolz: ein wunderschön, bis ins kleinste Detail generalüberholtes, altes historisches Folkeboot. Der klassische Langkieler aus Holz glänzte in der Mittagssonne, der Rumpf war makellos gepflegt, und das traditionelle Teakholzdeck strahlte eine zeitlose Eleganz aus.

Die Verabschiedung am Bootssteg war von einer tiefen, fast schmerzvollen Herzlichkeit geprägt. Heini stieg aus dem Pickup, trat zu den beiden jungen Frauen und schloss sie nacheinander in seine kräftigen, von der Arbeit auf der Werft gestählten Arme. Er drückte sie innig an sich und küsste sie behutsam auf die Stirn.

„Ich habe dich lieb, Nele“, sagte er mit einem warmen, väterlichen Lächeln, das seine wettergegerbten Züge weich werden ließ. Dann wandte er sich an die andere junge Frau: „Lena, du bist eine tolle Frau, passe mir gut auf Nele auf.“ Lena schluckte schwer und nickte, während ihr Herz beim Anblick seiner klaren, blauen Augen und der Erinnerung an die vergangenen Nächte bis in den Hals schlug.

Schließlich hockte Heini sich vor die gewaltige Dogge. Er packte den großen, faltenbesetzten Kopf des Tieres mit seinen schwieligen Händen, zog ihn heran und schaute Amor tief und direkt in die treuen Augen. „Amor, mein Bester, jetzt bist du der Mann auf dem Hof“, flüsterte er bestimmt. „Mach mir keinen Ärger und pass auf alles auf.“ Amor stieß einen tiefen Laut aus, blickte zu den zwei jungen Frauen hinüber und bellte kurz und kräftig auf, als wolle er seinem Herrn feierlich die Ehre erweisen.

Kuddel löste an Bord des historischen Folkeboots geschickt die Leinen. Dann schaute er zu Nele und Lena und sagte mit einem verschmitzten Blick zu den beiden: „Ik wünsch jou beeden Sööten ’nen richtig geilen Urlaub – maakt juch en schöne Tied un verausgabt juch nich vullstännig!“

Heini warf seinen Seesack in die Plicht, ging an Bord und half beim Setzen der Segel. Während der klassische Holzklassiker sanft vom anziehenden Wind erfasst wurde und aus dem Hafen glitt, stand Heini am Heck des Folkeboots.

Mit einem breiten, fröhlichen Grinsen im Gesicht und einer Hand am Großbaum winkte er Nele, Lena und Amor zum Abschied zu, bis das historische Boot in der sommerlichen Gischt kleiner wurde und schließlich im Dunst des Boddens verschwand.

Das Rauschen der Ostsee hallte noch lange in der Stille des Nachmittags nach – Nele und Lena standen Nebeneinander am Ufer, der Wind spielte in ihren Haaren, und Amor lag wachsam an ihren Füßen im feuchten Sand.

Mit dem Ablegen des Folkeboots schien die Zeit auf dem Anwesen ins Stocken geraten zu sein. Vor ihnen lagen sechs lange Sommerwochen in der Einsamkeit des Darß – sechs Wochen in einer abgelegenen Fischerkate, die nicht nur das Erbe vergangener Tage barg, sondern seit zwei Nächten auch ein schweigendes, knisterndes Geheimnis.

Als die beiden Frauen schließlich schweigend den Rückweg zur Kate antraten, lag eine unausgesprochene Frage wie ein elektrisches Knistern in der heißen Sommerluft: Was würde passieren, wenn die Sonne wieder hinter den Schilfgürteln versank und die Schatten der Nacht erneut über das alte Reetdach zogen?

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