Blind-Date in Berlin als Reihe – Teil 1

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4.6 Stimmenzahl: 20
Neue, stark überarbeitete Fassung vom 2.5.2026:
Danke für die vielen Kommis, die ihr mir für meine Erstlingsgeschichte auf diesem coolen Portal dagelassen habt und über die ich mich sehr gefreut habe. Ihr habt mich dazu motiviert, ‘Blind-Date in Berlin’ als eine Reihe von Kurzgeschichten fortzuführen – Fortsetzung folgt bald …
Noch ein Hinweis zur Erstlingsversion, die ihr unter dem ersten Titel ‘Blind-Date in Berlin’ bis auf Weiteres hier aus nachfolgenden Gründen noch lesen könnt:
    1. Weil ich die vielen Kommis von euch erhalten möchte.
    2. Weil Ungeduldige schon mal schnuppern können, wie Teil 2 weitergehen wird …
Wer den idealen und direkten Einstieg in die neue Reihe sucht, ist hier genau richtig:
‘Blind-Date in Berlin – Teil 1’
Auf eure Kommis bin ich genauso scharf wie auf konstruktive Kritik, die ihr mir alternativ auch als Benachrichtigung zukommen lassen könnt.
Nun wünsche ich euch die richtige Mischung aus prickelnder Erregung und Gänsehaut beim Lesen meiner Geschichten 🙂
Viele liebe Grüße an euch alle,
Lisa
„Leute, wenn ich noch eine Minute in dieser Schlange stehe, mutiere ich zu einer Statue aus purem Frust“, beschwerte sich Lina, während sie ihr hautenges Mesh-Top zurechtzupfte, das kaum mehr als ein Hauch von schwarzem Garn über ihrer perfekt gebräunten Haut war. Ihren Revuekörper, der so professionell wie der eines Models herausgeputzt war, balancierte sie auf mörderisch hohen Absätzen und warf ihre Platinmähne beim Posen effektheischend in den Nacken.
Marc, der lässig vor dem Einlass einer in Berlin gerade voll angesagten Location an der Wand lehnte, stellte selbstherrlich sein Sixpack zur Schau und grinste Lina arrogant an. Sexy schimmerten seine Muskeln und Rippen durch das offen getragene Designer-Hemd hindurch, das er trug.
„Entspann dich, Schätzchen. Mein Dad hat dem Besitzer heute Morgen eine SMS geschrieben – wir sind quasi schon drin, bevor wir überhaupt ausgeatmet haben“, und wedelte kurz mit seinem Smartphone, das in einer goldenen Hülle steckte.
„Hoffentlich“, zischte Sophie, die neben ihm stand. Sie trug ein kurzes Slip-Dress aus Seide, das bei jeder Bewegung gefährlich hochrutschte, und begutachtete kritisch ihre Nägel.
„Und ich hab null Bock drauf, dass mir mein Make-up abschmilzt und mir meinen Auftritt für den Rest des coolen Abends vermasselt. Schon gar nicht deshalb, weil Ali, der Türsteher, mal wieder einen auf voll wichtig macht. Übrigens, Lina … dein Top ist … irgendwie voll mutig. Hoffentlich verwechselt dich niemand mit der Deko“, stichelte Sophie weiter.
Lina verdrehte die Augen und bedachte Sophie mit einem giftigen Blick. „Eifersucht steht dir nicht, Soph. Nur weil du dich in deiner Seide kaum bewegen kannst, ohne dass was reißt, gibt dir das noch lange keinen Grund, dich hier gleich wie eine Diva aufzuführen.“
„Könnt ihr mal aufhören, zu zicken?“, unterbrach Bella die beiden. Sie wirkte wie ein Model direkt vom Laufsteg, bekleidet mit einem winzigen Leder-Bustier und einer tief sitzenden Statement-Hose. Im Gegensatz zu Sophie und Lina flirtete sie bereits intensiv mit dem Blick des muskulösen Türstehers. „Wir sind hier, um Champagner zu vernichten und nicht, um uns gegenseitig die Augen auszukratzen. Marc, mach jetzt endlich den Weg für uns frei, ich hab Durst.“
Marc lachte, klopfte dem Türsteher vertraut auf die Schulter und schob die Kordel zur Seite. „Damen zuerst, … nach Ihnen, bitte. Berlin wartet nicht auf uns. Berlin gehört heute Nacht nämlich uns.“
„Moët Ice und ein Arsenal an Espresso-Martinis, aber zackig“, orderte Marc lässig, während er sich in die weiße Leder-Lounge im VIP-Bereich fallen ließ. Dort breitete er mit einer selbstgefälligen Geste seine Arme aus und ließ seinen Blick über die tanzende Menge unter ihnen gleiten, als würde er sein privates Königreich begutachten.
Bella rutschte so nah an ihn heran, dass ihr Leder-Bustier fast sein Hemd berührte. Mit einem perfekt manikürten Fingernagel strich sie neckisch über Marcs Unterarm, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Du weißt eben, wie man eine Frau bei Laune hält, Marc. Aber ich hoffe mal, dass du in der Kiste nicht so schnell unterwegs bist wie beim Bestellen von Getränken“, und zwinkerte ihm zu. Ihren Blick ließ sie dabei so betont langsam über den Körper des Mannes wandern, dass mehr als klar war, worauf sie es am Ende der Nacht abgesehen hatte.
„Für wichtige Momente nehme ich mir alle Zeit der Welt, Bella“, entgegnete Marc mit einem raubtierhaften Grinsen und rückte ein Stück näher.
Sophie schnaubte und nippte an ihrem Cocktail, den der Kellner gerade serviert hatte. Sie schlug die Beine übereinander, wobei das Seidenkleid gefährlich weit nach oben rutschte. „Kriegt euch ein, ihr zwei. Sucht euch ein Zimmer oder bestellt wenigstens noch eine Runde, bevor Lina und ich hier vor lauter Flirten verdursten.“ 
Lina, die sich gerade provokant im Rhythmus der Bässe wiegte, stand etwas im Abseits und zog eine Grimasse, weil sie sich gerade etwas aus der Clique ausgegrenzt fühlte und deshalb noch stinkiger als Sophie drauf war. „Lass sie doch, Soph“, lachte Lina plötzlich und switchte auf ‘Gute Laune zum bösen Spiel’. Augenzwinkernd ging sie auf Marc zu und beugte sich vor. Als ihre Lippen fast Marcs Ohr erreicht hatten, flüsterte sie ihm etwas Freches zu, während sie Bella völlig ignorierte. „Manche von uns haben eben mehr zu bieten als nur ein teures Kleid. Nicht wahr, Marc? Ich wette, du hast heute Abend noch ganz andere Pläne, als nur Champagner zu trinken.“
Bella zog die Augenbrauen hoch und ihre Stimme wurde eine Nuance schärfer. „Süße, dein Plan scheint offensichtlich darin zu bestehen, heute Nacht als Marcs Accessoire zu enden. Vielleicht solltest du dich lieber darauf konzentrieren, dass dein Top nicht komplett verrutscht, bevor die Tanzfläche voll ist.“
Marc genoss die Aufmerksamkeit sichtlich, während die Spannung zwischen den Frauen fast so greifbar war wie der vibrierende Bass des Clubs.
Die Bässe wurden von Minute zu Minute lauter hochgedreht und fuhren den Feiernden immer tiefer in die Magengrube. In der sich immer stärker aufheizenden Partystimmung erhob sich Marc und zog Bella am Handgelenk hoch. „Genug geredet, Bella. Zeig mir, ob du auf der Tanzfläche genauso viel Rhythmus hast wie beim Flirten“, raunte er ihr ins Ohr. Bella lachte kehlig, warf Lina einen triumphierenden Blick zu und ließ sich von Marc mitten in die schwitzende Menge führen. Ihre Körper pressten sich im Takt der Musik aneinander, ein Spiel aus nackter Haut und teurem Leder, das die Umstehenden neidisch verfolgten.
Doch plötzlich veränderte sich die Atmosphäre im Club. Es war, als würde eine unsichtbare Welle der Stille vom Eingang her durch den Raum rollen, die selbst das Wummern der Anlage für einen Moment in ein Vakuum der Schwermütigkeit hineinsaugte.
Inmitten der neongrellen Berliner Clubszene schritt ein Trio, das wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt wirkte, in den Raum. Wie düstere Schatten auf einem alten Gemälde legte sich mit den Neuen eine beklemmende Aura über den von Lichtblitzen der Eventmanager zum Feiern und Tanzen illuminierten Saal. Im Nu hatte sich die Stimmung völlig verändert und von einem Moment auf den anderen von Unbeschwertheit in eine Mischung aus Neugier und Schwermut verwandelt.
An der Spitze der drei neuen Gäste schritt eine blasse, hochgewachsene Frau, die mit ihren Locken wie ein Engel aussah. Wie flüssiges Gold wallten strahlend blonde Haare um ihren schlanken Hals und flossen über ihren bezaubernden Rücken hinab, wo sie zwischen zwei aufreizenden Hüften endeten. Sie trug ein bodenlanges, tiefschwarzes Samtkleid mit extrem weiten Ärmeln, das an eine moderne Interpretation mittelalterlicher Gewänder erinnerte. Ihre Augen waren hinter einer filigranen, schwarzen Spitzenbinde verborgen, doch sie bewegte sich mit traumwandlerischer Sicherheit.
Flankiert wurde sie von ihrem Assistenten, einem hageren jungen Mann, dessen Gesichtszüge wie gemeißelt wirkten. Er trug eine schwarze Robe aus schwerem Tuch, die bei jedem Schritt leise raschelte, und führte die Blinde mit einer fast schon rituellen Hingabe Hand in Hand.
Den Abschluss bildete ein dunkelhäutiger Adonis, dessen muskulöser Oberkörper unter einem hauchdünnen, schwarzen Seidenhemd nicht nur zu erahnen war. Seine Präsenz war so gewaltig, dass die Menschen instinktiv zur Seite traten. Mit einer Mischung aus Stolz und Amüsement schweifte sein Blick über die Menschenmenge, während sein Goldkettenbesatz im Schwarzlicht funkelte. Das Auftreten des muskelbepackten Mannes erweckte den Eindruck, als sei es seine Aufgabe als Bodyguard, für die Sicherheit zweier, warum auch immer, schutzbedürftiger Wesen zu sorgen.
„Wer zum Teufel sind die?“, entfuhr es Sophie, die ihr Glas auf halbem Weg zum Mund wieder absetzte. Auch Lina starrte mit offenem Mund zu dem Trio hinüber, während Marc und Bella auf der Tanzfläche kurz innehielten.
Die Gruppe steuerte direkt auf eine Sitzgruppe neben Marcs Clique zu, in deren Nähe die Blonde unverhofft stehenblieb und gebieterisch die Hand hob. Ihr leicht nach oben gerecktes Kinn schien die Schwingungen des Raumes förmlich aufzusaugen, während ihre Nasenflügel vibrierten und sie mit ihren Ohren wichtige Details scannte. Die Gaffer, die sie scheu anstarrten, konnte sie zwar nicht sehen, aber ihre Intuition verriet ihr die stechenden Blicke, die ihren Körper wie Pfeile zu perforieren schienen.
Mit federnden Schritten, die einem theatralischen Schweben glichen, bewegte sich der blonde Engel von jeglicher Führung befreit alleine auf die Bar zu. 
Unzählige Augen aus der Menge, die sich vor der blind auf die Bar Zuschreitenden wie von Geisterhand gespalten teilte, folgten ihr neugierig und warteten darauf, wie sich der skurrile Auftritt weiterentwickeln würde.
Im Schwarzlicht sah das bläuliche Leuchten des weißpolierten Plexiglastresens wie ein futuristisch in Szene gesetzter Altar aus. 
Der dunkelhäutige Adonis, der der Blonden zusammen mit dem Hageren gefolgt war, hob dort ohne Worte nur kurz drei Finger und der Hagere übernahm mit einer Stimme, die nicht tief, aber ruhig und voll wie ein Beichtgeheimnis klang, die Bestellung: „Drei Caipirinhas. Viel Limette, wenig Eis.“
Die blinde Blonde stand in ihr Samtkleid gehüllt vollkommen reglos da, das Kinn noch immer stolz erhoben, während ihre Fingerkuppen feinfühlig wie Federn über das kühle Plastik der Bar strichen.
Marc, der die Spannung auf der Tanzfläche kaum noch aushielt, löste sich von Bella und trat mit einer Mischung aus Neugier und seinem üblichen Übermut an die Bar. Bella folgte ihm sofort, wobei sie ihr Leder-Bustier mit einer schnellen Bewegung zurechtrückte, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich die volle Aufmerksamkeit bekam.
„Ungewöhnlicher Auftritt für Berlin-Mitte“, begann Marc und lehnte sich mit einem breiten Grinsen neben den muskulösen Fremden an den Tresen. „Mittelalter-Vibe im Technotempel? Mutig …! Ich bin Marc und das ist Bella.“
Bella legte den Kopf schief und fixierte den Adonis mit einem vielsagenden Blick, während sie langsam an ihrem Strohhalm zog. „Wer seid ihr? …“, fragte sie und senkte die Stimme ein wenig. Mit vor Erregung funkelnden Augen sah Bella die Blonde mit den langen Beinen an, die sie voll anfixte. „… kann sie wirklich gar nichts sehen, oder ist das Teil der Show?“, fragte Bella nun den Assistenten.
Der Hagere drehte langsam den Kopf zu Bella. Sein Blick war kühl und analytisch. „Sie sieht mehr, als ihr euch vorstellen könnt“, erwiderte er knapp.
Die blinde Frau neigte nun ihr Haupt in Bellas Richtung. Ein schmales, rätselhaftes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ich höre das Knistern deines Leders, Bella“, sagte sie mit einer Stimme, die wie Seide über ihre Zunge glitt. „Und ich spüre die Hitze, die von dir ausgeht. Du bist sehr …, hungrig heute Nacht, nicht wahr?“
Marc lachte kurz auf, doch es klang eine Spur unsicherer als sonst. „Hungrig ist vielleicht ein etwas zu deutliches Wort”, versuchte er, sich mit einem vorgetäuschten Missverständnis wieder selbst in den Mittelpunkt des Gesprächs zu schieben. „Wir teilen unseren Tisch aber gerne mit Leuten, die wissen, wie man Eindruck schindet. Was sagt ihr dazu?“
Bella stellte ihr Glas mit einem harten Klacken auf den Tresen und trat einen Schritt dichter an die Blonde heran. Während die anderen Gäste fast ehrfürchtig Abstand hielten, legte Bella jede Zurückhaltung ab. „Wisst ihr, alle starren euch an, als wärt ihr aus Glas“, begann Bella laut und direkt, wobei sie Marc kurzerhand beiseiteschob. Während sie die Spitzenbinde der Blinden fixierte, sprach sie die Blonde direkt an.
„Weißt du, ich hab da keine Berührungsängste. Ich hatte bis zum Abi eine in der Klasse, die war genau wie du. Bilaterales Retinoblastom – volles Programm. Die mussten der schon, bevor sie in die Schule kam, beide Augäpfel herausschneiden, weil sich ihr Krebs andernfalls über ihre Sehnerven in ihr Hirn weitergefressen hätte.
Die hatte dann immer solche Glasaugen drin, die sie sich morgens nach dem Duschen einsetzen musste, so wie das alte Leute mit ihren falschen Zähnen im Mund machen. Ohne die Prothesen, die sie in ihren entleerten Schädelhöhlen trug, hätte sie sonst so ausgesehen wie eine, die aus einem Horrorfilm abgehauen ist, weißt du?“
Marc erstarrte kurz und warf dem weniger gefährlich als der Bodyguard aussehenden Dritten einen hilfesuchenden Blick zu. Bella redete, stolz auf ihr vermeintliches Fachwissen und von sadistischem Zynismus beflügelt, ungebremst weiter.
„Sie war auch immer so … distanziert“, fuhr Bella fort und streifte mit der Hand über den schweren Samtärmel der Fremden. „Ist es bei dir dasselbe? Hast du auch Prothesen unter der Binde versteckt oder sind bei dir einfach nur noch leergeräumte Höhlen da? Ich finde, wenn man so eine wie du ist, sollte man einfach zu den Tatsachen stehen und offen zeigen, was Sache ist … Dann ist die Stimmung gleich viel entspannter, oder?“
Ein unterdrücktes Schnappen war von Sophie zu hören, die im Hintergrund das Gesicht verzog. Der Adonis legte den Kopf schief, seine dunklen Augen funkelten gefährlich amüsiert, während der hagere Assistent seine Lippen zu einem schmalen Strich zusammenpresste.
Die blinde Frau blieb vollkommen ruhig und neigte den Kopf nur ein winziges Stück in Bellas Richtung, so als würde sie deren Herzschlag zählen.
„Du glaubst also, mich zu kennen, weil du gelernt hast, ein medizinisches Wort unfallfrei auszusprechen, Bella?“, fragte sie mit einer Stimme, die so kühl und glatt wie das Plexiglas war, auf dem ihre Fingerkuppen Kreise zogen. „Denkst du, die Dunkelheit sei für alle Menschen gleich?“ Langsam hob die Blinde zu ihren Worten eine Hand, die in einem filigranen, schwarzen Spitzenhandschuh steckte, und bewegte sie zielsicher auf Bellas Gesicht zu, ohne sie jedoch zu berühren.
„Erzähl mir mehr von deiner Klassenkameradin. Hat sie dir auch beigebracht, wie es sich für dich anfühlt, wenn dich eine Frau, die sich ihre Welt nicht mehr mit den Netzhäuten ihrer fehlenden Augen anschauen kann, anguckt? Mit meinen Fingerkuppen kann ich besser als du sehen und ich hab mir sagen lassen, dass das welche wie dich sogar total anfixt …“,
Danach hielt die Blinde, die eine clevere Kunstpause eingelegt hatte, inne, um ihre Worte so wirken zu lassen, wie sie das beabsichtigte. Auch ihre behandschuhte Hand ließ sie nur Millimeter vor Bellas Wange so schweben, als sei sie schwerelos geworden. Der erregende Schauder, der Bella über den Rücken lief, fühlte sich für sie völlig unerwartet so an, als hätte die bezaubernde Fremde ihr Blut mit wenigen Worten zum Sieden gebracht. Bella war aus Gründen, die sie nicht deuten konnte, wie zu einer Salzsäule erstarrt, wich aber auch nicht zurück, als die Blinde sie noch fester in die Zange nahm.
„Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass ein Gendefekt der einzige Grund dafür sein kann, die Sicht einer Frau mit Dunkelheit zu erleuchten und ihr die alte Sicht mit ewiger Schwärze zu löschen“, fragte die Fremde mit einer Sanftheit, die bedrohlicher wirkte als jeder Schrei. „Manche geben das Licht freiwillig auf, um Dinge zu sehen, die deine Augen niemals erfassen könnten.“
Der Adonis trat einen Schritt näher an Bella heran. Seine massive Präsenz ließ Marcs teure Designer-Attitüde augenblicklich verblassen und legte Bella eine Hand auf die Schulter – ein Griff, der gleichzeitig besitzergreifend und warnend war. „Sie ist keine Patientin, Bella. Es war ihre eigene Entscheidung, die sie frei getroffen hat, um den vorgesehenen Weg in einer Gesellschaft zu gehen, von der du nichts wissen kannst“, grollte er mit tiefer Stimme, gab sich gegenüber Bella aber verbindlicher, als er sich anhörte. Marc warf er nur einen eisigen Blick zu, in dem Spott und Verachtung lagen: „In gewissen Kreisen hier in Berlin – in denen Schmerz und Hingabe mit anderen Währungen honoriert werden als mit deinem armseligen Taschengeld – ist die Geschichte, die hinter unserer Begleiterin steht, eine wertgeschätzte Legende, die durch Menschen wie sie lebendig gehalten wird. Aber du … Wenn dich einer nach deiner Meinung dazu fragen würde, was hier heute keiner tun wird, dann könntest du allenfalls etwas Fantasieloses nachplappern, was du vielleicht mal im Bio-Unterricht aufgeschnappt hast.“
Bella schluckte hart. Die Arroganz in ihrer Stimme wich einer unterdrückten Faszination. „Was für eine Entscheidung?“, flüsterte sie, während sie den Blick nicht von der schwarzen Spitzenbinde der Frau lassen konnte.
„Sagen wir einfach“, flüsterte sie und beugte sich so nah zu Bella hin, dass diese ihren kühlen Atem spürte, „dass die leeren Höhlen, von denen du sprachst, mir als Fenster zu einer dunklen Macht geöffnet wurden. Eine Macht, wie du sie dir, solange deine Augen für die Dunkelheit blind sind, selbst in deinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können wirst. Möchtest du sehen, was sich unter der Seide verbirgt, oder hast du Angst, dass deine hübsche Welt an dem, was ich noch vor deinen Augen verberge, zerbrechen könnte?“
Marc spürte, wie ihm die Kontrolle über die Situation entglitt. „Leute, wir wollten doch nur was trinken…“, warf er etwas verzweifelt ein, doch niemand beachtete ihn mehr.
Der Wechsel von Marc hin zu der Fremden, mit der Bella sich einen Augenblick später, von deren zwei Begleitern eskortiert, auf dem Weg in ein abgeschirmtes Separee befand, fühlte sich für sie wie der Übertritt in eine andere Dimension an. Die dumpfen Bässe des Clubs drangen hier nur noch wie ein ferner Herzschlag der Yuppies durch die schallisolierten Wände. Das Licht war gedimmt, ein tiefes Purpur, das die schwarzen Samt- und Seidenstoffe des Trios fast flüssig erscheinen ließ.
Ohne ein Wort begannen die drei Fremden zügig damit, sich mit rituell anmutender Präzision zu entkleiden. Marc, der draußen bei den anderen geblieben war, wirkte für Bella wie eine ferne, völlig unbedeutende Erinnerung. Ihr Blut kochte jetzt noch mehr und ab sofort zählte nur noch die physische Präsenz. Die Lust auf etwas unbeschreiblich Mystisches, das sie vorher nur während des Lesens von Fantasyromanen gekannt hatte, erregte sie megaerotisch.
Als das schwere Samtkleid der Blinden, die Robe des Assistenten und das Seidenhemd des Adonis zu Boden glitten, offenbarte sich eine Ästhetik, die Bella den Atem raubte. Alle drei waren vom Hals abwärts vollkommen makellos und permanent enthaart. Die spiegelglatte Haut verlieh jedem der drei eine fast statuenhafte, übermenschliche Aura.
Die blinde Frau saß nun auf einer mit schwarzem Leder bespannten Ottomane. Mit traumwandlerischer Sicherheit löste sie die Spitzenbinde. Bella starrte gebannt hin und verfolgte, wie sich die langen Nails, die schwarz auf den schlanken Fingern der Blonden schimmerten, zwei Glasaugen näherten, die starr in die Unendlichkeit schielten. Mit zwei routinierten Bewegungen nahm sie sich, begleitet von einem schalkhaften Lächeln, ihre maßgefertigten Glasprothesen zwischen den aufgeklebten Wimpern heraus und legte sie behutsam auf ein vorher dafür zurechtgelegtes Seidentuch. Aus den Tiefen ihres rituellen Opfers strahlte hellrosa zartes Bindehautgewebe, das die entleerten Augenhöhlen auskleidete und Schleimhäuten intimster Stellen zum Verwechseln ähnlich sah – ein Anblick, der Bella gleichzeitig schaudern ließ, sie aber auch in einer Weise erregte, die sie so nicht erwartet hätte.
„Komm näher, Bella“, raunte der Adonis, während er sich hinter die junge Frau stellte und ihr langsam das Leder-Bustier und die Statement-Hose abstreifte. Kurz darauf stand sie ebenso entblößt und exponiert wie alle anderen vor zwei Sehenden und vor einer Blinden.
Die Blonde ohne Augen streckte ihre Hände aus. „Ich sehe nicht mit Licht, Bella, aber ich sehe mit der Wahrheit der Berührung“, flüsterte sie. Während zarte Fingerkuppen Bellas Körper erkundeten, ritzten die scharf zugefeilten schwarzen Krallen feine Spuren in ihre Haut, die ihr luststeigernden Schmerz zufügten und dabei erste Seufzer entlockten. Danach glitten sie über ihre Schultern, den Rücken hinunter und verweilten an den Kurven ihrer Hüften.
Schließlich wanderten ihre Hände tiefer, dorthin, wo Bella sich wenige Stunden zuvor mit den scharfen Klingen ihres Rasierers auf einen aufregenden Abend vorbereitet hatte. Die Finger der Blinden glitten prüfend und fachkundig über Bellas intime Stellen. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Während sie sich Bellas tropfnasse Schamlippen ganz genau ansah und den Duft der Lust der Frau in sich aufnahm, die sie nur mit ihren Fingern sehen konnte, spürte sie plötzlich auch das Auflodern ihrer eigenen Erregung. 
Offensichtlich war es so, dass die Yuppie-Frau, genauso wie die Männer aus ihrer Heimat, der Insel der blinden Frauen, auch einen Fetisch für rituell Geblendete wie sie hatte.
„Spiegelglatt … wie poliertes Ebenholz“, flüsterte die Blinde, während sie Bella mit einer Intensität abfingerte, die jede Sichtbarkeit übertraf. „Deine Haut ist wie Samt, Bella. Bestimmt hast du seit der Entdeckung deiner sexuellen Bedürfnisse keine Mühe gescheut, dich perfekt zu pflegen. Aber unter dieser Perfektion … spüre ich ein Beben. Diese alte Urangst, die deinen wahren Träumen entgegensteht, bleibt mir nicht verborgen, weil ich sie in der Dunkelheit ganz deutlich greifen und sehen kann … Deshalb genieße es einfach, von mir bis in deinen weichen Kern durchschaut zu werden, und lass dir von mir bei deiner Befreiung helfen.“
Bella zitterte unter der Berührung, die gleichzeitig kühl und brennend heiß wirkte und sie in eine Art Trance versetzte. Die Atmosphäre im Separee verdichtete sich zu einer elektrisierenden Spannung. Der Adonis trat hinter Bella und umschlang kraftvoll ihre Taille. Mit seinen muskelbepackten Armen zog er Bellas Becken zu sich heran, während der zarte Assistent mit rhythmischen Bewegungen wohlriechendes Öl auf ihrer Haut verteilte und sie sehr feminin mit seiner Zunge auf ihrer Haut stimulierte. 
Die Pranken des Gorillas griffen nach Bellas festen Brüsten, auf deren Spitzen die zartfühlende Zunge der Blinden vorher feuchte Kreise um ihre Knospen gezogen hatte.
„Vergiss deine Augen, Bella“, flüsterte die Blinde, während ihre Finger über Bellas Körper wanderten und jede Pore zu erfassen schienen. „Spüre die Kühle des Öls, die Hitze der Haut und das Gewicht deines Verlangens nach schönem Sex mit mir.“ Nach diesen mehr als eindeutigen Worten zog sie Bella sanft zu sich auf die Ottomane hinunter. Ein Geflecht aus Körpern entstand, in dem die Grenzen zwischen den Vieren in einem Gemenge voller Lust verschwammen. Die glatte, enthaarte Haut aller Beteiligten rieb aneinander, verstärkt durch den schlüpfrigen Film des Öls. Der Adonis übernahm die Führung mit einer kraftvollen Dominanz, die Bella jeglichen Halt nahm, während der Assistent ihre Sinne durch gezielte, fast schmerzhafte, aber lustvolle Reize an den Rändern ihrer Wahrnehmung wachhielt. Die leeren Augenhöhlen der Blonden zuckten voller Sehnsucht nach Zärtlichkeit und das tränenfeuchte Gewebe, mit dem ihr Schädel dort ausgekleidet war, leuchtete in zartem Rosa. Bellas Zunge stimulierte nicht nur die Nase der Geblendeten, sondern schien sich auf einem Film von Tränen über die Reste der beiden abgeschnittenen Sehnerven lichtlos in ihr Gehirn hineinzuschleichen. Die Berührungen der Blonden wurden fordernder und der rhythmische Tanz ihrer Zunge auf Bellas Haut wurde immer wilder. Nach einem von zärtlichem Streicheln begleiteten Stellungswechsel fand die hingebungsvoll Leckende auch die empfindsamsten Stellen mit einer traumwandlerischen Sicherheit. Von süßen Küssen und saugendem Schmatzen überzogen stürzte Bella in ein Delirium aus purer Lust, die sie immer lauter herausschrie.
„Gib dich auf“, raunte der Adonis gegen Bellas Nacken, während er sein riesiges Gemächt in ihrer Pofalte zwischen zwei straffen Backen massierte, während die Zunge seiner schutzbefohlenen Blinden, Bella an ihre körperlichen Grenzen brachte.
Das Spiel aus Macht und absoluter Hingabe steigerte sich in eine Spirale der Ekstase. Die Bewegungen wurden schneller, die Atemzüge kürzer. Es war ein Rausch aus Berührungen, den das Trio dafür nutzte, die außer Kontrolle geratene Bella als neues Medium mit ritueller Lust auf die Blinde zu fokussieren. Die Hitze im Raum stieg stetig an, während sich immer mehr herausgeschwitzter Duft von Moschus und teurem Öl in die mit der Leidenschaft aller Liebenden mitflimmernde Luft mischte. In einem finalen Ausbruch der Sinne streifte Bella ein Gefühl, das die Welt um sie herum in schwarzem Samt und in schwindendem Licht versinken ließ. Gemeinsam mit den drei Fremden, die Sex mit blinden Frauen als wollüstigen Punkt der totalen Entgrenzung verherrlichten, ergriff die Faszination für die Dunkelheit plötzlich auch Bella. Matt und glücklich vom besten Orgasmus, den sie je erlebt hatte, sinnierte sie über das Zerstören von Sinnen, das auch ihr völlig neue Perspektiven eröffnen könnte. Furchtlos und voller Zuneigung blickte sie dabei in die schillernde Nässe zwischen den schwarz getuschten Wimpern der Blinden. Das hellrosa Strahlen verriet eine unvorstellbare Befriedigung, während die vernähten Reste ihrer Augenmuskeln erfolglos nach Licht suchten. Es war ein Moment so nah an der Ohnmacht, dass die Zeit stillzustehen schien – ein kollektiver Abgrund aus Lust, der sie alle erschöpft und doch seltsam verwandelt auf dem schwarzen Leder zurückließ.
Stille legte sich über das Separee, nur unterbrochen vom schweren Atmen der vier Körper, die wie ineinander verschlungene Skulpturen auf dem dunklen Leder ruhten. Das Öl schimmerte im fahlen Licht auf ihrer vollkommen glatten Haut.
Als Erste löste sich die Blonde langsam aus der Umklammerung und begann, mit ihren Fingerspitzen über Bellas Gesicht zu wandern. Es war keine bloße Berührung mehr; es war ein Streicheln, so federzart und voller Hingabe, dass Bella unwillkürlich die Augen schloss. Jeder Millimeter ihrer Haut antwortete mit einem wohligen Schauer auf die hochsensible Neugier, die das Interesse der Blinden für Bellas Körper entfacht hatte.
„Du bist wunderschön, Bella“, hauchte die Fremde, während ihre Fingerkuppen Bellas Lippen nachzeichneten. „Jetzt, wo der Lärm in deinem Kopf verstummt ist, kannst du mich endlich auch so sehen, wie ich dich sehen kann.“
Bella spürte eine tiefe, fast schmerzhafte Bewunderung für diese Frau, die das Licht der Welt gegen eine so unendliche Tiefe des Empfindens eingetauscht hatte. Die anfängliche Arroganz, mit der Bella über das „Gebrechen“ geurteilt hatte, war einer ehrfürchtigen Faszination gewichen. Sie sah die leeren Augenhöhlen nicht mehr als Verlust, sondern als ein heiliges Tor zu dieser ekstatischen Wahrnehmung, die sie gerade selbst fast um den Verstand gebracht hatte.
„Es ist … vollkommen“, flüsterte Bella und legte ihr Gesicht in die schmale Hand der Blinden. In diesem Moment fand sie deren Schicksal weder schrecklich noch bemitleidenswert. Genaugenommen fühlte sie sich sogar spiegelbildlich inspiriert und fand es nun absolut richtig, fast schon erstrebenswert, dass diese junge Frau so war, wie sie war. Die Vorstellung, dass eine Teenagerin in ihrem Alter durch dieses radikale Opfer eine solche Macht und Sinnlichkeit erlangt hatte, berauschte Bella mehr als jeder Champagner.
Draußen im Club dröhnten die Bässe weiter, und Marc starrte wahrscheinlich immer noch ungeduldig auf die geschlossene Tür des Separees. Doch für Bella war diese Welt aus Goldkettchen und Zickereien in weite Ferne gerückt. Sie lag einfach nur da, gefangen im Bann der federzarten Berührungen einer Frau, die keine Augen brauchte, um Bella tiefer in ihr Inneres zu sehen, als das vor dem Blick der Blinden jemals einem anderen Menschen auch nur andeutungsweise gut hätte gelingen können.
Die Tür des Separees schwang lautlos auf und als die vier heraustraten – die Kleidung wieder gerichtet, aber die Haut noch immer vom Öl schimmernd –, herrschte an der Bar schlagartig neugierige Stille.
Marc, Lina und Sophie starrten sie an, unfähig, die veränderte Aura von Bella zu begreifen, die fast tranceartig neben der blinden Frau schritt.
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Anna-Nina
Erfahren
20 Tage vor

WOW!!! Wie schön ist denn das bitte geschrieben!? Liest sich wie ein Roman. Da lese ich doch gerne noch weiter und bin gespannt, wie es weitergeht. 🫶

Reserva71
Erfahren
1 Monat vor

Wow deine Gedankenspiele aus Dark Fantasy, Fetisch-Erotik und psychologischer Verführung fassen einen an, besonders der Auftritt einer Dominawirkenden Blinden……. aber weniger wie eine klassische Liebesgeschichte. Dein Fokus liegt auf Faszination und Macht. Das mag ich.

Lars80
Mitglied
1 Monat vor

Hey Lisa. Ich muss der Jana recht geben. Sie neue Geschichte gefällt mir auch besser. Ich war echt gefangen und gedanklich mit in der Disco bzw. im Séparée. Lese jetzt noch den Teil 2 weil ich nicht aufhören kann. 😘

Jana
Jana
Gast
2 Monate vor

Hi, Lisa,
Deine neue Geschichte knallt noch viel besser, als Deine erste, die ich auch schon sehr gut fand.
Weiter so …, Jana

8
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