Die Bar 1-3

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Kapitel Eins
Der Bass der Musik wummert durch den Boden, ein tiefer, gleichmäßiger Puls, der sich in den Fußsohlen festsetzt wie ein zweiter Herzschlag. Ich sitze am Tresen der Bar, das Glas mit dem dunklen Rotwein zwischen meinen Fingerkuppen, und beobachte den Raum. Nichts Eiliges daran. Ich habe Zeit. Ich habe immer Zeit.

Mia neben mir dreht den Strohhalm in ihrem Drink, ein blässliches Ding aus Gin und irgendetwas Fruchtigem, das nach Sommer riecht, obwohl draußen der Novemberregen gegen die Fensterscheiben peitscht. Sie ist achtundzwanzig, vierundzwanzig Jahre jünger als ich, und trotzdem sitze ich hier nicht wie eine Mentorin oder ein Relikt. Ich sitze hier wie jemand, der genau weiß, was sie will. Der Unterschied ist, dass ich es nicht mehr laut sagen muss.

„Siehst du den?” Mia kippt den Kopf leicht zur Seite, und ihr dunkles Haar fällt über eine Schulter.

Sie meint den jungen Mann am Ende der Bar, der seit fünfzehn Minuten versucht, nicht herüberzuschauen, und dabei genau das tut. Ein Blick, dann weg. Ein anderer Blick, dann weg. Das dritte Mal hat er den Stuhl einen halben Meter näher geschoben.

Ich nehme einen Schluck Wein. „Ich sehe ihn.”

„Er ist ganz hübsch.” Mia sagt es mit dieser Stimme, die sie benutzt, wenn sie mich testet. Nicht provokativ, sondern neugierig. Sie will wissen, ob ich anbeiße.

„Er ist jung.”

„Er ist fünfundzwanzig, schätze ich. Vielleicht sechsundzwanzig.”

„Fünfundzwanzig”, korrigiere ich. Ich habe die Hände gesehen, die Art, wie er sein Glas hält, die Ungeduld in den Fingern. Das ist kein Mann, der lange an einem Ort verweilt. Das ist ein Mann, der auf etwas wartet.

Mia grinst. „Du und dein Auge für Details.”

„Ich und mein Auge für Menschen.”

Der junge Mann – dunkelblond, schlanke Statur, ein Hemd, das zu dünn für die Jahreszeit ist – rutscht erneut auf seinem Barhocker. Er hat sein Bier noch nicht angerührt. Das Kondenswasser läuft die Flasche herunter und sammelt sich auf dem Untersetzer, und er tut nichts dagegen. Er starrt auf unseren Tresenabschnitt, und wenn ich sage starrt, dann meine ich: seine Augen bleiben hängen an Mias Beinen, wandern dann zu mir, und wenn sie bei mir ankommen, passiert etwas. Sein Kiefer spannt sich an. Die Schultern ziehen sich einen Zentimeter nach oben. Er atmet anders.

Ich kenne diesen Ausdruck. Ich habe ihn oft genug gesehen. Nicht auf Gesichtern von Männern, die eine Frau ansprechen wollen. Auf Gesichtern von Männern, die angesprochen werden wollen.

„Geh nicht hin”, sage ich zu Mia, ohne sie anzusehen.

„Warum nicht?”

„Weil er nicht zu dir will.”

Mia zieht eine Augenbraue hoch. „Er guckt auf meine Beine.”

„Er guckt auf alles. Auf deine Beine, auf meine Hände, auf den Abstand zwischen uns. Er sucht nicht eine von uns. Er sucht die Dynamik.”

Mia lehnt sich zurück, und der Strohhalm in ihrem Drink bleibt still. Sie kennt mich gut genug, um zu wissen, dass ich recht habe. Wir sind seit drei Jahren zusammen, und in diesen drei Jahren hat sie gelernt, dass ich Dinge sehe, die andere übersehen. Nicht weil ich klüger bin, sondern weil ich ruhiger bin. Ruhig zu sein bedeutet, den Raum nicht mit den eigenen Bedürfnissen zu füllen. Man sieht mehr, wenn man weniger fordert.

Der junge Mann rutscht vom Barhocker. Er steht da, die Hände in den Taschen, und für einen Moment sieht er aus wie jemand, der sich entscheiden muss. Links die Tür, rechts der Weg zu uns. Er geht nach rechts. Langsam, als würde er gegen einen Wind gehen, den nur er spürt. Die Bar ist nicht voll genug, um seinen Weg zu verschleiern. Er kommt direkt auf uns zu.

„Darf ich mich zu euch setzen?”

Er steht vor uns, und jetzt, aus der Nähe, sehe ich mehr. Die feine Narbe über seiner linken Augenbraue. Die Art, wie sein Blick zwischen Mia und mir springt, nicht lüstern, sondern abwartend.

Sein Hemd ist oben zwei Knöpfe offen, und ich sehe den Puls in seinem Hals. Schnell. Zu schnell für jemanden, der nur nach Gesellschaft fragt.

„Setz dich”, sage ich. Nicht fragend. Anweisend.

Er setzt sich. Nicht auf den Hocker zwischen uns, sondern auf den neben Mia. Höflich. Zurückhaltend. Er wählt den Weg des geringsten Widerstands.

„Ich bin Mia”, sagt Mia und streckt ihm die Hand hin. Sie lächelt, und es ist dieses Lächeln, das sie immer einsetzt, wenn sie jemanden auflockern will. Warm, einladend, mit einem Schuss Verspieltheit, der nicht zu übersehen ist.

„Jonas”, sagt er. Seine Stimme ist leiser als ich erwartet habe. Nicht schüchtern, aber kontrolliert. Als würde er die Lautstärke dosieren wie jemand, der gelernt hat, dass leise sein oft mehr bewirkt als laut.

Ich sage meinen Namen nicht. Stattdessen nehme ich einen Schluck Wein und schaue ihn an. Er bemerkt es. Sein Blick wandert zu mir, bleibt hängen, und ich sehe, wie er schluckt. Ein kurzes, fast unmerkliches Anspannen der Kehle.

„Du bist nicht hier, um zu trinken”, sage ich.

Er schaut auf sein Bier, das er noch immer nicht angerührt hat. „Doch. Ich meine – ich trinke schon.”

„Du hast keinen Schluck genommen, seit du hier sitzt.”

Mia lacht leise. „Sei nicht so hart zu ihm.”

„Ich bin nicht hart. Ich bin genau.” Ich stelle mein Glas ab. „Du bist hier, weil du etwas suchst. Und du hast dich zu uns gesetzt, weil du denkst, dass wir es haben.”

Jonas’ Finger umklammern die Bierflasche. Sein Daumen reibt über das Etikett, eine rhythmische, unbewusste Bewegung, die er selbst nicht bemerkt. „Ich wusste nicht, wohin ich sonst sollte.”

„Das ist nicht die Antwort auf meine Frage.”

Stille. Mia schaut zwischen uns hin und her, und ich spüre, wie sich ihre Aufmerksamkeit verschiebt. Sie ist nicht mehr nur die Verspielte am Tresen. Sie liest den Raum, liest mich, liest ihn. Drei Jahre haben uns zu einem Instrument gemacht, das ohne Absprache harmoniert.

„Ich habe euch gesehen”, sagt Jonas. „Als ihr reingekommen seid. Du zuerst, und sie hinter dir. Du hast dich hingesetzt, und sie hat sich neben dich gesetzt, aber nicht zufällig. Sie hat sich positioniert.”

Mia kippt den Kopf. „Und das hat dir gefallen?”

„Es hat mich neugierig gemacht.”

„Neugierig”, wiederhole ich. „Das ist ein Wort, das man benutzt, wenn man nicht sagen will, was man wirklich meint.”

Sein Blick trifft meinen. Zum ersten Mal nicht flüchtig, nicht suchend, sondern direkt. Ich sehe etwas in seinen Augen, das über die Neugier hinausgeht. Ein Hunger, der nicht sexueller Natur ist – nicht primär –, sondern struktureller. Er sucht keine Berührung. Er sucht eine Anweisung.

„Was meinst du wirklich?” frage ich.

Er zögert. Sein Daumen stoppt auf dem Etikett. „Ich wollte wissen, wie es ist, in eurer Nähe zu sein.”

Mia lehnt sich vor, und ihre Schulter streift meine. „Und? Wie ist es?”

„Anders”, sagt er. „Ruhiger als ich dachte.”

Ich muss fast lächeln. Fast. „Du dachtest, es wäre lauter?”

„Ich dachte, es wäre… mehr. Mehr Schauspiel, mehr Szene.”

„Wir sind keine Szene”, sage ich. „Wir sind zwei Menschen, die wissen, was sie wollen. Du bist ein Mensch, der noch herausfindet, was er will. Das ist der Unterschied.”

Mia dreht sich auf ihrem Hocker, und ihre Knie streifen Jonas’ Oberschenkel. Nicht zufällig. Mia macht nichts zufällig. „Darf ich dir eine Frage stellen?”

Er nickt.

„Wenn du jetzt zwischen uns wählen müsstest – nur hypothetisch –, wen würdest du ansehen?”

Er schluckt wieder. Sein Blick geht zu Mia, bleibt eine Sekunde, wandert dann zu mir. Und bleibt. „Dich”, sagt er. Und dann, schnell, als müsste er es korrigieren: „Ich meine – die Ältere. Dich.”

Mia lacht. Nicht gekränkt, nicht gespielt. Echt. „Das ist fair. Ich bin auch nicht die, die er sucht.”

„Du weißt nicht, wen er sucht”, sage ich zu Mia.

„Doch”, sagt Mia. „Das weiß ich.”

Ich wende mich wieder Jonas zu. „Du sagst, du willst in meiner Nähe sein. Was stellst du dir darunter vor?”

Er atmet tief ein. Der Puls in seinem Hals verlangsamt sich ein wenig. „Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass ich hingeschaut habe und nicht aufhören konnte. Und dass die Art, wie du mit ihr sprichst – wie sie auf dich reagiert –, etwas in mir auslöst, das ich nicht benennen kann.”

„Versuch es trotzdem.”

„Etwas wie… Sehnsucht. Nach Klarheit. Nach jemandem, der die Dinge entscheidet.”

Mia stellt ihr Glas ab. „Er meint Unterwerfung”, sagt sie. Direkt, ohne Umschweife. Das ist Mia. Sie tanzt um Dinge herum, wenn es Spaß macht, aber wenn es wichtig wird, schneidet sie durch.

„Lass ihn es selbst sagen”, erwidere ich.

Jonas schaut auf seine Hände. Die Bierflasche steht jetzt vor ihm, vergessen. „Ja”, sagt er leise. „Etwas in diese Richtung.”

„In welche Richtung genau?”

Er hebt den Kopf. „Ich möchte nicht immer derjenige sein, der entscheidet. Ich möchte… mich fallen lassen können. Jemandem vertrauen, dass sie führt.”

Ich nicke. Keine Bewertung, kein Urteil. Nur Bestätigung, dass ich gehört habe. „Und warum zu uns? Warum nicht jemand, den du alleine ansprichst?”

„Weil ihr zwei seid”, sagt er, und diesmal zögert er nicht. „Weil die Art, wie ihr miteinander umgeht, mir zeigt, dass ihr wisst, was Vertrauen bedeutet. Sie vertraut dir. Du hältst sie. Und ich dachte… vielleicht gibt es Platz.”

Mia legt ihre Hand auf meinen Oberschenkel. Eine Geste, die nach außen wie Zärtlichkeit aussieht, aber in Wahrheit eine Frage ist: Wie weit gehen wir?

Ich lege meine Hand über ihre. Antwort: So weit, wie wir es bestimmen.

„Du trinkst nicht”, stelle ich fest und deute auf sein Bier.

„Ich habe heute nichts getrunken.”

„Gut. Ich auch nicht. Mia?”

„Ein Drink. Halb leer.” Sie hebt das Glas. „Ich bin vollkommen klar.”

„Dann klären wir ein paar Dinge.” Ich drehe mich auf meinem Hocker, und jetzt wende ich ihm zum ersten Mal meine volle Aufmerksamkeit zu. Wenn ich das tue, zucken Männer zusammen. Mit sechsundfünfzig mache ich das seltener, aber die Wirkung ist die gleiche. Meine Augen sind grau wie meine Haare, kurz geschnitten, und ich trage keine Maske. Was er sieht, ist genau das, was er bekommt.

„Wenn wir hier weiterreden, dann unter Bedingungen. Die erste: Du sprichst ehrlich. Keine Andeutungen, kein Taktieren. Wenn du etwas willst, sagst du es. Wenn du etwas nicht willst, sagst du das erst recht.”

Er nickt.

„Die zweite: Mia und ich sind ein Paar. Was auch immer passiert, wir sind ein Paar. Das ändert sich nicht. Du kommst dazu oder du gehst, aber du stellst nichts zwischen uns.”

„Das will ich nicht”, sagt er schnell.

„Gut. Die dritte: Wir reden jetzt. Nur reden. Was später passiert – wenn etwas passiert –, bestimmen wir gemeinsam. Aber jetzt, hier, in dieser Bar, bist du ein Mann, der mit zwei Frauen an einem Bar sitzt, und mehr ist das nicht.”

Er atmet aus. Etwas löst sich in seinen Schultern, und ich sehe, wie die Anspannung aus seinem Kiefer weicht. Er hat sich auf den Gedanken gefasst gemacht, dass es schnell gehen könnte. Dass er sich setzen und sofort in etwas hineingezogen werden würde. Dass ich ihn ansehen und befehlen würde. Aber so arbeite ich nicht. Was schnell beginnt, endet schnell. Was ich will, braucht Zeit.

Mia streckt sich, und ihre Bluse spannt über ihren Brüsten. Sie weiß, was sie tut. Sie hat Jonas’ Blick bemerkt, wie er kurz an ihrem Ausschnitt hängen blieb, und anstatt sich zurückzuziehen, lässt sie es geschehen. „Darf ich etwas fragen?” sagt sie zu Jonas.

„Ja.”

„Du hast gesagt, du suchst Klarheit. Jemanden, der führt. Aber du bist zu uns gekommen – zu einer Frau und ihrer Partnerin. Warum nicht zu einer Frau allein?”

Er überlegt. Das mag ich. Er überlegt wirklich, statt eine Antwort aus dem Hut zu ziehen. „Weil die Art, wie ihr zusammen seid, Teil dessen ist, was mich anzieht. Die Wärme zwischen euch. Die Art, wie sie dich ansieht – als wüsste sie genau, wer sie ist, weil du es ihr zeigst. Und ich dachte…” Er stockt.

„Sag es”, sage ich.

„Ich dachte, vielleicht wäre es gut, wenn jemand wie Mia da ist. Jemand, der jünger ist, der näher an meinem Alter dran ist. Der das… leichter macht.”

Mia grinst. „Ich bin der Eisbrecher?”

„Du bist der menschliche Teil”, sagt er, und Mia lacht auf, weil es so unerwartet ehrlich ist.

Ich greife nach meinem Glas, trinke den letzten Schluck Wein und stelle es ab. „Jonas. Ich sage dir jetzt etwas, und du hörst zu.”

Er richtet sich auf.

„Ich glaube, du hast devote Neigungen. Ich glaube, du suchst jemanden, der dir Struktur gibt, der dir sagt, was du tun sollst, und der dich dabei sicher hält. Und ich glaube, du bist hier, weil du das schon lange suchst und es bisher nicht gefunden hast.”

Seine Lippen öffnen sich, aber er sagt nichts.

„Aber ich lasse dich das nicht für mich entscheiden. Du musst es für dich selbst entscheiden. Ich sage dir nicht, was du bist. Du sagst es mir.”

Stille zwischen uns. Die Bar summt weiter, Menschen reden, Gläser klirren, aber der Raum um uns drei herum ist still. Mia schaut auf ihre Hände. Ich schau auf Jonas. Jonas schaut auf den Tresen.

„Ich glaube auch, dass ich das suche”, sagt er. „Hingabe. Ja. Ich habe es online gelesen, in Foren, in Büchern. Aber ich war nie in einer Situation, die real war. Bis jetzt.”

„Bis jetzt”, bestätige ich. „Gut. Dann reden wir über Grenzen.”

Mia zieht eine Serviette aus dem Halter und faltet sie. Eine Gewohnheit von ihr, wenn sie sich konzentriert. „Ich fange an”, sagt sie. „Ich bin nicht daran interessiert, jemanden zu dominieren. Ich spiele gerne, ich flirte gerne, ich mag die Spannung. Aber ich will nicht führen. Das ist ihr Part. Und was mich angeht – ich bin bisexuell. Ich mag Männer und Frauen. Und wenn das hier irgendwo hinführt, dann möchte ich, dass das klar ist.”

Jonas nickt. „Und du?” fragt er mich.

„Ich dominiere. Das ist nicht verhandelbar. Ich führe, ich bestimme, ich kontrolliere – aber nur in den Grenzen, die wir gemeinsam setzen. Meine Grenzen: Ich mache nichts, was bleibenden Schaden hinterlässt. Körperlich oder psychisch. Ich respektiere ein Stoppsignal, und wenn es kommt, stoppe ich sofort. Keine Diskussion, kein Verhandeln, kein Überreden.”

„Stoppsignal”, wiederholt er.

„Ein Wort, das du sagst, wenn etwas zu viel wird. Etwas, das du dir aussuchst, etwas, das du im Alltag nicht benutzt. Wenn du es sagst, ist alles vorbei. Sofort.”

Er denkt nach. „Lapis.”

Mia schaut auf. „Lapis? Wie der Stein?”

„Ja. Ich sammle Steine. Seit ich war. Das Wort bedeutet etwas für mich, aber ich sage es nie in einem normalen Gespräch.”

Ich nicke. „Lapis. Akzeptiert.” Ich strecke meine Hand aus, und zum ersten Mal berühre ich ihn. Meine Finger auf seinem Handrücken. Nur das. Eine Geste, die nichts fordert, nur Bestätigung. Seine Haut ist warm, und ich spüre, wie seine Hand unter meiner leicht zittert. Nicht vor Angst. Vor Erwartung.

„Deine Grenzen”, sage ich.

Er schluckt. „Ich… ich weiß nicht, was meine Grenzen sind. Ich habe das nie gemacht.”

„Dann fangen wir mit dem an, was du sicher nicht willst.”

„Keine permanente Markierung. Keine Narben, keine Tätowierungen, nichts, das morgen noch da ist.”

„Akzeptiert. Weiter.”

„Keine anderen Menschen. Nur wir drei. Kein Publikum.”

„Akzeptiert. Weiter.”

Er zögert. „Ich weiß nicht, ob ich… anal… ich glaube, das ist eine Grenze. Zumindest jetzt.”

Ich nicke. „Notiert. Nicht jetzt. Wenn sich das ändert, sagst du es. Wenn nicht, bleibt es.”

Er atmet aus. „Und… ich möchte nicht erniedrigt werden. Nicht wirklich. Ich möchte geführt werden, aber nicht klein gemacht.”

Ich schaue ihn an. Lange. „Das ist ein wichtiger Punkt”, sage ich. „Und ich möchte ehrlich zu dir sein: Für manche Menschen ist Demütigung Teil der Dynamik. Für mich ist sie ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Ich degradiere nicht, um zu verletzen. Ich fordere, um zu formen. Wenn du sagst, du willst nicht erniedrigt werden, dann respektiere ich das. Aber ich werde dich herausfordern. Ich werde dich an Grenzen führen, und ich werde dich Dinge tun lassen, die dir schwerfallen. Das ist nicht dasselbe wie Erniedrigung.”

„Ich verstehe”, sagt er.

„Verstehst du wirklich? Oder sagst du das, weil du denkst, dass ich es hören will?”

„Ich verstehe es”, sagt er, und seine Stimme ist fester jetzt. „Ich will herausgefordert werden. Ich will nicht zerstört werden.”

Mia legt die gefaltete Serviette auf den Tresen. „Das ist gut”, sagt sie. „Und ich verspreche dir: Wenn sie zu weit geht, sag ich’s dir. Ich kenne sie. Ich weiß, wann sie an der Grenze ist.”

Ich schaue Mia an. „Bist du sein Anwalt?”

„Ich bin die Brücke”, sagt Mia. „Das hat er doch gesagt.”

Sie hat recht. Und das ist der Grund, warum ich sie neben mir habe. Nicht weil sie jünger ist oder hübscher oder leichter. Sondern weil sie die Lücke schließt, die ich nicht schließen kann. Ich bin Stahl. Mia ist Wasser. Zwischen uns passt alles.

„Gut”, sage ich. „Dann testen wir etwas.”

Jonas richtet sich auf. „Jetzt?”

„Nein. Nichts Physisches. Eine Aufgabe.” Ich deute auf sein Bier. „Trink einen Schluck. Nur einen. Und während du trinkst, schaust du mich an.”

Er greift nach der Flasche. Seine Finger umschließen den Hals, und er hebt sie an die Lippen. Dann schaut er mich an. Und trinkt. Einen Schluck. Langsam, gleichmäßig, während seine Augen meine nicht loslassen.

„Gut”, sage ich. „Stell ab.”

Er stellt die Flasche ab.

„Jetzt warte dreißig Sekunden. Schau nicht auf dein Bier. Schau nicht auf Mia. Schau auf den Tresen. Und wenn die dreißig Sekunden vorbei sind, sagst du mir, was du fühlen wolltest.”

Mia lehnt sich zurück und beobachtet. Ich beobachte. Jonas starrt auf die Holzplatte des Tresens, und ich sehe, wie sich seine Finger um die Kante klammern. Die Sekunden ziehen sich. Sein Kiefer spannt sich an, löst sich, spannt sich wieder. Sein Fuß tippt gegen den Boden, dann stoppt er. Er atmet ein, hält die Luft, lässt sie langsam entweichen.

„Ich wollte dich ansehen”, sagt er. „Es war schwer, wegzuschauen.”

„Warum?”

„Weil ich dachte, wenn ich dich ansehe, passiert etwas. Und ich wollte, dass etwas passiert.”

„Aber du hast nicht weggeschaut.”

„Nein.”

„Warum nicht?”

„Weil du gesagt hast, ich soll auf den Tresen schauen.”

Ich nicke. Mia, neben mir, atmet hörbar aus. Sie spürt es auch. Die , unsichtbare Verschiebung, die passiert, wenn jemand zum ersten Mal gehorcht. Nicht aus Angst, nicht aus Zwang. Aus dem tiefen, stillen Bedürfnis, von jemandem geführt zu werden, der weiß, was sie tut.

„Eine Sache noch”, sage ich. „Mia wird dich gleich fragen, ob du mit uns kommen willst. Nicht heute Abend. Nicht jetzt. Sie wird dich fragen, ob du uns deine Nummer gibst, und ob du bereit bist, uns in ein paar Tagen wiederzutreffen. An einem neutralen Ort. Mit Kaffee und Zeit.”

Mia lächelt. „Das mache ich gerne.”

„Aber bevor sie fragt”, fahre ich fort, „sage ich dir etwas über das, was nicht passieren wird. Wir werden heute Abend nicht zusammen schlafen. Wir werden nicht zu dir gehen, und du wirst nicht zu uns kommen. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nicht nächste Woche. Wenn du das erwartest, dann bist du hier falsch.”

Sein Gesicht verändert sich. Nicht Enttäuschung – Erleichterung. Es ist ein subtiler Zug um seinen Mund, ein Weichwerden der Linien um seine Augen. Er hat erwartet, dass es schnell geht. Dass er sich reinziehen lässt, dass die Dynamik ihn überrollt. Dass er am Ende des Abends in einer fremden Wohnung steht, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen ist. Und dass ich ihm genau das versage, gibt ihm etwas, das er nicht erwartet hat: Boden unter den Füßen.

Mia beugt sich zu ihm. „Darf ich deine Nummer haben?”

Er zieht sein Handy aus der Tasche. „Gebt mir eure. Ich schreibe euch.”

Mia grinst. „Klug. Er will nicht die sein, der seine Nummer rausgibt.”

„Lass ihn”, sage ich. „Er denkt mit. Das mag ich.”

Mia diktiert ihre Nummer, und ich trage meine ein. Jonas tippt sie ein, und dann steckt er das Handy zurück in die Tasche, als wäre es nichts gewesen. Aber seine Finger zittern, als er die Tasche schließt.

„Jonas”, sage ich.

Er schaut mich an.

„Du wirst mir in drei Tagen schreiben. Nicht früher, nicht später. Drei Tage. Du wirst schreiben: Ich möchte euch wiedersehen. Mehr nicht. Und ich werde antworten.”

Er nickt. „Drei Tage.”

„Und in diesen drei Tagen wirst du überlegen, was du willst. Nicht was du denkst, dass wir wollen. Was du willst. Und wenn du es weißt, sagst du es mir. Wenn du es nicht weißt, sagst du mir das auch.”

Er schluckt. „Und wenn ich merke, dass ich es nicht will?”

„Dann schreibst du mir das, und ich antworte: Danke für deine Ehrlichkeit. Und das war es.”

Stille. Er schaut auf meine Hand, die noch immer auf dem Tresen liegt. Ich bewege sie nicht. Ich strecke sie nicht aus. Sie liegt da, und er muss entscheiden, ob er sie nimmt.

Er nimmt sie nicht. Stattdessen sagt er: „Ich werde schreiben.”

Mia steht auf, und ihre High Heels klicken auf dem Holzboden. Sie zieht ihre Jacke an, und ich stehe ebenfalls auf. Jonas bleibt sitzen, und ich lasse ihn sitzen. Er muss den Moment haben. Den Moment, in dem wir gehen und er bleibt. Den Moment, in dem er allein am Tresen sitzt und unser Bier und sein Wein und ihre Ginreste vor ihm stehen und er versteht, dass gerade etwas passiert ist, das er noch nicht begreift.

Ich lege einen Geldschein auf den Tresen. Für meinen Wein. Mia hat bereits bezahlt.

„Jonas”, sage ich, und er schaut auf. „Du hast das gut gemacht.”

Seine Augen werden breiter. Nur einen Moment. Dann nickt er, und ich wende mich ab.

Mia geht vor mir zur Tür, und ich hinter ihr. Der Abstand zwischen uns ist kein Zufall. Er ist die alte Ordnung, die sich wiederherstellt, sobald wir den Raum der Begegnung verlassen. Draußen regnet es noch immer. Mia dreht sich zu mir um, und ihre Haare sind nass an den Spitzen.

„Er ist gut”, sagt sie.

„Er ist roh”, antworte ich.

„Das meinst du als Kompliment.”

„Ich meine es als Feststellung.”

Mia grinst und nimmt meinen Arm. Wir gehen durch den Regen, und ich spüre ihre Wärme an meiner Seite. In drei Tagen wird ein Mann mir schreiben, der nicht weiß, was er will, aber es herausfinden wird. Und ich werde da sein, wenn er es tut.

Ich werde immer da sein.

Kapitel 2
Das Café liegt an einer Seitenstraße, drei Häuserblocks von der Bar entfernt, in der wir ihn das erste Mal gesehen haben. Ich kenne es seit Jahren — dunkles Holz, alte Messinghaken an der Wand, Kaffeegeruch, der sich in die Vorhänge gesetzt hat. Keine Musik. Das ist der Grund, warum ich es wähle.

Mia sitzt neben mir auf der Holzbank, ihre Handtasche zwischen uns abgestellt, die Beine übereinandergeschlagen. Sie trägt heute eine schwarze Strumpfhose unter einem dunkelgrauen Rock, der bis über die Knie geht, und die gleichen High Heels wie damals — die schwarzen, mit der schmalen Spitze. Ihre Bluse ist eine andere, cremefarben diesmal, der oberste Knopf geöffnet, der Stoff spannt noch immer über ihren Brüsten. Ihr Haar hat sie hochgesteckt, nur wenige Strähnen fallen an den Seiten herunter. Sie sieht aus wie eine Frau, die weiß, dass sie beobachtet wird, und es nicht eilig hat, etwas damit anzufangen.

Wir sind fünf Minuten zu früh. Ich trinke Espresso. Mia hat einen Latte bestellt und rührt darin herum, ohne zu trinken. Der Löffel klingt gegen die Tasse, ein leises, regelmäßiges Klirren.

„Hör auf zu rühren”, sage ich.

Sie hört auf. Ihr Mundwinkel zuckt. Sie legt den Löffel auf die Untertasse und schiebt die Tasse einen Zentimeter zur Seite. Dann lehnt sie sich zurück, die Schulter berührt meine.

Die Tür geht auf. Regenluft strömt herein, nasser Asphalt und der süßliche Geruch von Herbstlaub, das auf den Straßen liegt. Jonas tritt ein. Er trägt eine Jacke heute, eine dunkle, die ihm etwas zu groß ist — als hätte er sie sich geliehen oder in Eile gekauft. Sein Haar ist vom Regen durchnässt, die Tropfen perlen an den Spitzen. Er sieht sich um, findet uns, und sein Schritt verlangsamt sich für einen halben Takt, als würde er sich innerlich sammeln. Dann kommt er auf uns zu.

Er grüßt uns nicht mit einer Begrüßung, sondern mit einem Nicken. Sein Blick geht zuerst zu Mia, dann zu mir. Ich schätze das. Er weiß, wo die Struktur liegt.

„Setz dich”, sage ich.

Er zieht den Stuhl gegenüber von uns zurück und setzt sich. Die Beine des Stuhls schaben über den Holzboden. Er legt die Hände auf den Tisch, die Finger leicht gespreizt, die Daumen berühren sich. Ich sehe, dass seine Nägel kurz geschnitten sind. Dass die Haut an seinen Fingerkuppen trocken ist — die Hände von jemandem, der viel mit Papier arbeitet. Oder mit Steinen.

„Kaffee?”, fragt Mia und hebt die Hand, um die Kellnerin zu rufen.

„Ja. Schwarz.”

Mia bestellt. Die Kellnerin bringt den Kaffee schnell, eine Tasse, dunkel und ohne Henkel — so wie es in diesem Café üblich ist. Jonas umschließt sie mit beiden Händen. Er trinkt nicht. Er hält sie nur fest, als brauche er etwas Warmes, das er greifen kann.

Ich warte.

Die drei Tage sind vorbei. Er hat geschrieben. Genau am dritten Tag, um 14:47 Uhr, die Nachricht auf dem Display meines Handys: Ich möchte euch wiedersehen. Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Ich antworte ihm: Morgen, 16 Uhr, Café Kranzler. Er antwortet nicht, sondern kommt.

Jetzt sitzt er hier, und ich sehe, wie sein Daumen über den Rand der Tasse streicht, ein langsames, kreisendes Reiben. Sein Blick ist ruhiger als in der Bar. Dort hatte er sich gesetzt wie jemand, der einen Sprung wagt und nicht weiß, ob das Wasser tief genug ist. Heute sitzt er wie jemand, der gesprungen ist und festgestellt hat, dass er nicht untergegangen ist.

Aber da ist etwas anderes. Seine linke Hand löst sich von der Tasse und geht an seine Brusttasche. Er klopft einmal leicht mit den Fingern darauf. Dann wieder. Ein rhythmisches, unbewusstes Klopfen, wie ein Herzschlag, den er durch den Stoff hindurch spüren will.

„Du hast etwas dabei”, sage ich.

Sein Blick trifft meinen. Die Narbe über seinem linken Auge ist heute deutlicher zu sehen — das Licht hier ist heller als in der Bar, es fällt von der Seite durch die Fenster, und die Schatten auf seinem Gesicht sind schärfer. Er nickt einmal.

„Ja.”

Er zieht die Hand nicht weg. Er hält sie auf der Tasche, als würde er den Inhalt noch einmal überprüfen, tasten, ob er wirklich da ist.

„Dann zeig es mir.”

Jonas atmet ein, langsam, die Schultern heben sich unter der zu großen Jacke. Er öffnet die Brusttasche mit zwei Fingern und zieht ein gefaltetes Papier heraus. Es ist kein Notizbuch, kein Block — ein einzelnes Blatt, mittig gefaltet, das Papier leicht wellig, als hätte er es mehrmals auf- und wieder zugeklappt. Die Kanten sind nicht ganz sauber, an einer Ecke ist ein kleiner Riss, als hätte er beim Falten zu fest gedrückt.

Er legt es auf den Tisch. Zwischen seine Tasse und meine. Sein Finger bleibt einen Moment darauf liegen, als würde er es zurückziehen wollen. Dann nimmt er die Hand weg.

Ich greife nicht sofort danach. Ich lasse es liegen. Das Papier ist weiß, von der Rückseite, und ich kann sehen, dass die Vorderseite beschrieben ist — die Schrift ist durch den dünnen Stoff nicht zu lesen, aber ich erkenne, dass es viel ist. Mehr als ein paar Sätze. Die Zeilen sind dicht, und an einigen Stellen scheint die Tinte stärker zu sein, als hätte er Worte betont oder durchgestrichen und neu geschrieben.

Mia lehnt sich vor, neugierig, ihr Blick geht von Jonas zum Papier und zurück. Sie fragt nicht. Sie wartet.

„Es ist eine Liste”, sagt Jonas. Seine Stimme ist leiser als in der Bar. Dort hatte er gesprochen, um sich Gehör zu verschaffen. Hier spricht er, um gehört zu werden — das ist ein Unterschied.

„Ich sehe es”, sage ich. „Ich lese es, wenn ich es lese. Nicht, bevor du bereit bist, dass ich es lese.”

Er blinzelt. Er hatte erwartet, dass ich es sofort aufklappe. Dass ich es an mich nehme. Die Überraschung auf seinem Gesicht ist schnell vorbei, aber ich sehe sie — ein Flackern in den Augen, ein kurzes Zusammenziehen der Brauen, das sich löst, als er versteht.

Ich bin nicht hier, um ihm etwas abzunehmen. Ich bin hier, damit er es gibt.

Er schluckt. Sein Adamsapfel bewegt sich. Er streicht mit der Zunge über seine Unterlippe, einmal, schnell, und dann sagt er: „Ich bin bereit.”

Ich nehme das Papier. Es ist leicht und warm von seiner Brust — er hat es die ganze Fahrt hierher auf dem Herzen getragen, das spüre ich. Die Falte ist scharf, das Papier hat den Druck angenommen. Ich öffne es.

Die Handschrift ist klein, schmal, ein bisschen nach links geneigt — die Schrift von jemandem, der mit der rechten Hand schreibt und die Worte zum Rand drückt. Schwarze Tinte, ein Füllfederhalter oder ein guter Kugelschreiber. Kein Kugelschreiber aus Plastik. Er hat sich Mühe gegeben.

Oben steht, in etwas größerer Schrift: Was ich will. Was ich nicht will. Was mich ängstigt.

Darunter drei Abschnitte, nummeriert, mit Strichen getrennt.

Ich lese den ersten Abschnitt.

1. Was ich will.

Ich will, dass jemand anderes entscheidet. Nicht immer. Nicht über alles. Aber über die Dinge, bei denen ich nicht weiß, was richtig ist. Ich will, dass jemand mir sagt: Mach das. Und dann mache ich es, und es ist richtig, weil sie es gesagt hat.

Ich will Struktur. Zeiten, die feststehen. Regeln, die ich kenne. Ich will wissen, woran ich bin.

Ich will, dass jemand mich sieht. Nicht den, der ich sein sollte. Mich. Den, der manchmal nicht weiß, warum er morgens aufsteht und es trotzdem tut.

Ich will, dass Mia dabei ist. Ich weiß nicht genau warum. Aber wenn sie lacht, wird es leichter. Ich will nicht, dass sie nur zuschaut. Ich will, dass sie da ist.

Ich will lernen, was ich kann. Ich weiß nicht, was ich aushalte. Ich will es herausfinden. Aber nicht allein.

Ich lese langsam. Jeden Satz. Mia neben mir rückt näher, ihr Oberschenkel drückt gegen meinen, und ich spüre, wie sie den Atem anhält, als sie mitliest. Ihr Parfüm ist heute anders — weniger süß, mehr Zedernholz, etwas Rauchiges. Sie hat sich für diesen Nachmittag etwas anderes ausgesucht. Für ihn.

Ich schlage das Papier nicht um. Ich lese weiter.

2. Was ich nicht will.

Ich will nicht erniedrigt werden. Ich will nicht, dass man mich klein macht, um sich selbst groß zu fühlen. Ich will kein Schauspiel. Ich will nicht, dass jemand so tut, als wäre ich weniger wert.

Ich will nicht, dass Mia zwischen uns steht. Sie ist deine Partnerin. Ich bin etwas anderes. Ich will nicht, dass das durcheinandergerät.

Ich will nicht, dass man mir wehtut, um mir wehzutun. Wenn Schmerz da ist, dann weil er etwas öffnet. Nicht weil er etwas zerstört.

Ich will nicht, dass es heimlich ist. Nicht vor anderen — das habe ich gesagt. Aber vor mir selbst. Ich will nicht, dass ich mir am Ende einrede, ich hätte etwas gewollt, das ich nicht gewollt habe.

Der dritte Abschnitt.

3. Was mich ängstigt.

Dass ich es nicht kann. Dass ich zusammenbreche, wenn es ernst wird, und dass ich dann nicht mehr weiß, wer ich bin. Dass ich jemandem zur Last falle. Dass ich eure Geduld brauche, bis sie aufgebraucht ist. Dass ich mehr will, als ihr geben könnt. Dass ich etwas in mir trage, das zu groß ist für das, was ihr anbietet. Dass ich mich irre. Dass ich das will, aber eigentlich etwas anderes brauche, und es nicht merke, bis es zu spät ist. Dass Mia mich mag, und ich sie auch, und dass das ein Problem wird.
Ich lese den letzten Satz zweimal. Dass Mia mich mag, und ich sie auch, und dass das ein Problem wird.

Ich falte das Papier nicht zusammen. Ich lege es offen auf den Tisch, die Schriftseite nach oben, und schiebe es einen Zentimeter zur Seite, damit es zwischen uns liegt — nicht bei mir, nicht bei ihm, sondern in der Mitte. Genau dorthin, wo es hingehört.

Dann schaue ich Jonas an.

Er sitzt still. Seine Hände liegen auf dem Tisch, die Finger ineinander verschränkt, und er hat die Knöchel weiß. Sein Blick ist auf das Papier gerichtet, nicht auf mich — als würde er durch das Papier hindurchsehen, in etwas, das hinter den Worten liegt. Sein Kiefer ist angespannt, ich sehe den Muskel unter seinem Ohr pulsieren, ein schnelles, rhythmisches Zucken.

Mia sagt: „Das ist viel.”

Es ist das erste Wort, das gesprochen wird, seit er das Papier hingelegt hat. Ihre Stimme ist leise, die Verspieltheit von damals in der Bar ist nicht da. Sie klingt wie jemand, der etwas liest, das ihr ernst ist.

Jonas sagt nichts. Er nickt.

Ich nehme einen Schluck Espresso. Die Tasse ist fast leer, der Kaffee kühl und bitter. Ich stelle sie ab.

„Du hast die Aufgabe ernst genommen”, sage ich.

„Du hast gesagt, ich soll überlegen, was ich will. Nicht was ihr wollt.” Er spricht zu mir, nicht zu Mia. Sein Blick ist jetzt auf mir, und ich sehe, dass seine Pupillen weit sind — nicht vor Angst, sondern vor Konzentration. Er ist voll da. Voll präsent.

„Und?”, frage ich.

„Es hat drei Nächte gedauert, bis ich es aufgeschrieben habe. Die ersten zwei Nächte habe ich nur gedacht. In der dritten Nacht habe ich es geschrieben. Und dann noch einmal geschrieben. Das hier ist die zweite Version.”

„Was war der Unterschied?”

Er zögert. Sein Daumen reibt über seinen Zeigefinger, die trockene Haut raspelt leise. „In der ersten Version habe ich versucht, es richtig zu machen. Zu schreiben, was klingt. Was gut aussieht.” Er macht eine Pause. „In der zweiten habe ich das weggestrichen.”

„Und was hast du weggestrichen?”

„Sätze, die ich geschrieben habe, weil ich dachte, ihr wollt sie lesen. Dinge, die klug klangen. Aber nicht stimmten.”

Ich nicke einmal. „Gut.”

Das Wort hängt in der Luft, klein und schwer. Jonas’ Schultern senken sich einen halben Zentimeter. Ich sehe, wie die Spannung aus seinem Nacken weicht, ein minimales Nachgeben, als hätte jemand eine Saite gelockert, die zu lang zu eng gedreht war.

Mia greift nach dem Papier. Ihre Finger berühren es an der Kante, und sie zieht es zu sich heran. Sie liest. Ich beobachte sie dabei — wie ihre Augen den Zeilen folgen, wie ihr Mund sich einmal zusammenzieht, als sie den Satz über sich selbst liest: Dass Mia mich mag, und ich sie auch, und dass das ein Problem wird.

Sie legt das Papier zurück. Ihre Finger bleiben darauf liegen, auf dem dritten Abschnitt, auf dem Wort ängstigt. Sie klopft einmal mit dem Zeigefinger darauf, ein leises Tak, und dann nimmt sie die Hand weg.

„Jonas”, sagt sie. Er sieht sie an. „Ich mag dich. Das ist kein Problem.”

Er öffnet den Mund, aber sie hebt die Hand, flach, die Handfläche zu ihm gedreht. „Ich bin nicht fertig. Ich mag dich. Und du magst mich. Und das ist kein Problem, weil —” Sie schaut zu mir. Eine Sekunde, nicht länger. Dann zurück zu Jonas. „— weil sie entscheidet, was daraus wird. Und weil ich das will. Und weil du das willst. Das hast du aufgeschrieben. Du willst, dass ich da bin. Also bin ich da. Das ist es.”

Jonas’ Hände lösen sich. Die Finger strecken sich, die Knöchel werden wieder rosa. Er atmet aus, ein langer, leiser Strom, und ich sehe, wie sich seine Brust unter der Jacke senkt.

„Okay”, sagt er.

„Okay”, wiederholt Mia, und dann, leiser, mit einem Schimmer von dem Lächeln, das ich kenne: „Und fürs Protokoll — ich finde es mutig, dass du das aufgeschrieben hast. Nicht weil es schwer war. Sondern weil du es gelassen hast.”

Ich nehme das Papier wieder zu mir. Ich falte es zusammen, diesmal an der gleichen Stelle, und lege es vor mich auf den Tisch. Meine Hand bleibt darauf.

„Wir gehen das durch”, sage ich. „Abschnitt für Abschnitt. Du erklärst, was du gemeint hast, wo du unsicher bist. Ich frage. Du antwortest. Wenn etwas unklar bleibt, sage ich das. Wenn etwas klar ist, gehen wir weiter.”

Jonas nickt.

„Erster Punkt”, sage ich. „Du willst, dass jemand entscheidet. Nicht immer. Nicht über alles. Welche Dinge?”

Er denkt nach. Sein Blick geht zur Decke, dann zurück. „Alltagsentscheidungen. Wann ich trainiere. Wann ich schlafe. Ob ich etwas kaufe oder nicht. Kleinigkeiten, bei denen ich immer wieder hin und her schwanke und am Ende nichts entscheide.”

„Und wenn ich dir sage, du trainierst um sechs, schläfst um elf, kaufst nichts, das du nicht brauchst — hältst du dich daran?”

„Ja.”

„Nicht ja, weil du es jetzt sagst. Ja, weil du es tun wirst.”

Er schaut mich an. Die Narbe über seinem Auge ist blass im Licht. „Ja.”

„Wir werden sehen.”

Ich nehme den Espresso. Der letzte Schluck ist kalt und schal. Ich trinke ihn trotzdem.

„Zweiter Punkt. Du willst Struktur. Zeiten, Regeln. Was stellst du dir vor?”

„Feste Zeiten, in denen wir uns sehen. Nicht zufällig. Geplant. Und Regeln, die ich kenne — was erwartet wird, was nicht. Nicht als Strafe. Als Rahmen.”

„Und wenn der Rahmen dich drückt?”

„Dann sage ich es.”

„Und wenn du es nicht sagst?”

Sein Mundwinkel zuckt. „Dann merkst du es wahrscheinlich.”

Mia lacht, leise, ein einzelnes Ausatmen. Ich nicht. Ich warte.

„Wahrscheinlich”, sage ich. „Aber ich will nicht wahrscheinlich. Ich will sicher. Wenn der Rahmen dich drückt, sagst du es. Nicht in drei Tagen. Nicht in einer Woche. In dem Moment, in dem du es spürst. Das ist die Regel.”

„Okay.”

„Sag die Regel.”

„Wenn der Rahmen mich drückt, sage ich es. In dem Moment, in dem ich es spüre.”

„Noch einmal.”

„In dem Moment, in dem ich es spüre.”

Ich nicke. „Gut.”

Wir arbeiten uns durch die Liste. Der Punkt über Mia — Ich will, dass Mia dabei ist — führt zu einem längeren Gespräch. Mia erklärt ihm, was ihre Rolle ist. Nicht dominant, nicht führend, aber anwesend. Sie ist die, die fragt, wenn er nicht fragt. Die bemerkt, wenn er etwas verschweigt. Die lacht, wenn es zu ernst wird, und die still ist, wenn es still sein muss. „Ich bin die Brücke”, sagt sie, und ich sehe, wie Jonas das Wort aufnimmt, es dreht, prüft.

„Und wenn die Brücke brennt?”, fragt er.

Mia schaut zu mir. Ich sage: „Brücken brennen nicht. Sie werden unterhalten. Das ist meine Aufgabe.”

Der Abschnitt über Schmerz — Wenn Schmerz da ist, dann weil er etwas öffnet. Nicht weil er etwas zerstört — dauert am längsten. Ich frage ihn, was er unter öffnen versteht. Er ringt mit dem Wort, seine Hände greifen an den Rand des Tisches, lösen, greifen wieder. „Wenn etwas in mir verschlossen ist. Wenn ich etwas nicht erreichen kann, weil ich zu angespannt bin, zu kontrolliert. Und der Schmerz — nicht der Schmerz, der etwas kaputtmacht. Sondern der, der mich zwingt, loszulassen. Einen Krampf zu lösen.”

„Und wo liegt die Grenze für dich?”

„Wenn ich anfange, mich zu fürchten. Nicht vor dem Schmerz. Vor dir.”

Das ist eine gute Grenze. Ich sage ihm das.

Wir kommen zum dritten Abschnitt. Zu den Ängsten. Jonas wird leiser, je weiter wir nach unten kommen. Seine Stimme ist rau, als hätte er viel gesprochen, dabei hat er weniger Worte gemacht als Mia und ich zusammen. Aber jeder Satz sitzt.

Die Angst, dass er es nicht kann. Die Angst, zur Last zu fallen. Die Angst, mehr zu wollen, als wir geben können. Die Angst, sich zu irren. Und der letzte Satz — Dass Mia mich mag, und ich sie auch, und dass das ein Problem wird.

Diesmal spreche ich zuerst. „Das ist kein Problem. Das ist eine Information.”

Mia dreht ihren Kopf zu mir. Ihre Augen sind groß, die Pupillen dunkel, und ich sehe, wie ihre Lippe sich öffnet, als wollte sie etwas sagen, und dann schließt. Sie wartet.

„Du magst Mia”, sage ich zu Jonas. „Sie mag dich. Das wissen wir. Das wussten wir in der Bar. Das ist keine Überraschung, kein Geheimnis, kein Fehler. Es ist ein Fakt. Und Fakten sind keine Probleme. Sie sind Ausgangspunkte.”

„Und was macht ihr damit?”, fragt Jonas.

„Nichts, wofür du dich rechtfertigen musst. Und nichts, was hinter meinem Rücken passiert.” Ich schaue Mia an. „Nicht wahr?”

Mia nickt. „Nicht wahr.”

Jonas atmet aus. Sein Blick geht von mir zu Mia, und ich sehe, wie er zum ersten Mal seit er hereingekommen ist, die Schultern fallen lässt. Nicht die Anspannung des Gehemmten, sondern die bewusste Anspannung dessen, der sich zusammenhält. Er lässt sie los. Die Schultern sinken, der Rücken rundet sich einen Moment, und dann richtet er sich wieder auf — aber anders. Lockerer. Als hätte er eine Schicht abgelegt, die er nicht mehr tragen muss.

Ich nehme das Papier. Ich falte es zusammen und stecke es in meine Innentasche. Nicht zu ihm, nicht auf den Tisch. Zu mir. Er hat es gegeben. Jetzt ist es bei mir.

Jonas sieht das. Sein Mund öffnet sich, ein halber Satz, den er nicht zu Ende spricht. Dann nickt er.

„Ich behalte es”, sage ich. „Es ist nicht verhandelbar. Du hast es aufgeschrieben, du hast es mir gegeben. Jetzt ist es meins. Wenn sich etwas ändert, schreibst du ein neues. Aber das hier bleibt bei mir.”

„Okay”, sagt er.

Mia lehnt sich zurück, ihr Arm drückt gegen meinen, warm und fest. Sie greift nach ihrem Latte, der längst kalt ist, und trinkt einen Schluck. Sie verzieht das Gesicht — zu viel Milch, zu lange gestanden — und stellt die Tasse ab.

„Ekelhaft”, sagt sie.

Jonas lacht. Es ist das erste Mal, dass er lacht, seit er hier ist. Ein kurzes, überraschtes Lachen, das aus seiner Brust kommt, nicht aus seinem Kopf. Es klingt wie jemand, der vergessen hat, dass er das kann.

Ich stehe nicht auf. Ich bleibe sitzen. Das Gespräch ist nicht zu Ende.

„Nächster Schritt”, sage ich. „Du wirst ab heute eine Aufgabe haben. Jeden Tag. Klein, machbar, nichts, was dich überfordert. Du schreibst mir am Abend, dass du sie erledigt hast. Ein Wort reicht. Erledigt. Wenn du sie nicht erledigst, schreibst du: Nicht erledigt. Und warum.”

„Was für eine Aufgabe?”

„Die erste bekommst du heute. Wenn wir hier fertig sind.”

Jonas richtet sich auf. Seine Hände liegen flach auf dem Tisch, die Finger gestreckt, bereit. Ich sehe die trockene Haut an seinen Fingerkuppen, die kurzen Nägel, die Narbe an seinem rechten Daumen — eine alte, verblasst, fast unsichtbar. Die Hände eines Mannes, der Dinge berührt, sammelt, festhält.

„Die Aufgabe ist diese”, sage ich. „Du gehst heute Abend nach Hause. Du schreibst auf, was du in diesem Café gefühlt hast. Nicht was du gedacht hast. Was du gefühlt hast. Ein Wort, ein Satz, eine Seite — das ist dir überlassen. Aber es muss ehrlich sein. Und du schickst es mir nicht. Du behältst es. Du liest es dir morgen früh noch einmal durch. Und dann entscheidest du, ob es stimmt. Wenn es stimmt, schreibst du mir: Es stimmt. Wenn nicht, schreibst du: Es stimmt nicht, und du schreibst es neu.”

„Und wenn ich es nicht weiß?”

„Dann schreibst du: Ich weiß es nicht. Das ist auch eine Antwort.”

Er nickt. Langsam, bedacht, als würde er jede Anweisung einzeln ablegen und prüfen.

Mia beugt sich vor, ihre Brüste drücken gegen den Stoff der Bluse, der Knopf, der geöffnet ist, gibt den Blick auf ihr Schlüsselbein frei und die feine Kette, die dort liegt, ein schmales Silberband. „Und ich?”, fragt sie. An mich.

„Du bist die Brücke”, sage ich. „Du fragst ihn morgen, wie es war. Nicht was er geschrieben hat. Wie es war.”

Mia lächelt. Es ist nicht ihr verspieltes Lächeln, nicht das Flirten aus der Bar. Es ist das Lächeln von jemandem, der genau weiß, was ihre Aufgabe ist, und die sie ernst nimmt.

Wir stehen auf. Jonas steht als Erster, schnell, fast überstürzt, als hätte er auf das Ende gewartet. Mia steht langsamer auf, sie streicht ihren Rock glatt, ihre High Heels klopfen auf dem Holzboden, als sie ihr Gewicht verlagert. Ich stehe zuletzt auf. Das ist nicht bewusst — es ist die natürliche Reihenfolge meiner Bewegungen, die langsam sind, die sich nicht hetzen.

Jonas zieht seine Jacke an. Er greift nach seiner Tasche — eine , leere, die er mitgebracht hat — und dann zögert er. Er schaut auf den Tisch, als würde er etwas suchen. Das Papier ist weg. Es ist bei mir, in meiner Innentasche, nah an meinem Körper. Er hat es gegeben.

Ich lege einen Geldschein auf den Tisch. Mehr als der Kaffee kostet. Das ist nicht großzügig — es ist Gewohnheit.

„Jonas”, sage ich. Er sieht mich an. Wir stehen uns gegenüber, der Tisch zwischen uns, die Tassen und der leere Platz, auf dem sein Papier lag. „Du hast das gut gemacht.”

Sein Kiefer arbeitet. Seine Augen werden feucht, nur einen Moment, ein Schimmer, der kommt und geht, wie Regen auf Glas. Er nickt. Er sagt nichts. Er muss nichts sagen.

Mia geht um den Tisch herum zu ihm. Sie stellt sich vor ihn, ihre High Heels machen sie fast so groß wie er, und sie legt ihre Hand auf seinen Arm — einen Moment, kurz, die Finger auf dem Stoff der zu großen Jacke. „Bis morgen”, sagt sie.

„Bis morgen”, sagt er.

Dann geht er. Die Tür öffnet sich, Regenluft, das Klappern der Tropfen auf dem Gehweg draußen, und er ist weg. Die Tür schließt sich.

Ich stehe da. Mia neben mir. Sie rückt an mich heran, ihre Schulter an meiner, und ich spüre die Wärme ihres Körpers, den Druck ihrer Hüfte, der sich an meine schmiegt. Ihre Hand greift nach meiner, ihre Finger zwischen meinen, und ich lasse es zu.

„Er ist gut”, sagt Mia.

Ich nicke. „Er ist roh.”

„Das hast du schon gesagt. In der Bar.”

„Es stimmt noch immer.”

Mia dreht den Kopf zu mir. Ich sehe sie von der Seite — die dunklen Wimpern, die Strähnen, die aus dem Hochsteck gelöst sind und an ihrer Schläfe hängen, der Mund, der leicht geöffnet ist, als würde sie atmen, was ich sage.

„Und was machst du mit Rohem?”, fragt sie.

Ich schaue zur Tür. Der Regen läuft am Glas herunter, die Tropfen ziehen ihre Spuren, und durch das feuchte Glas sehe ich die verschwommene Gestalt von Jonas, der die Straße entlanggeht, die Hände in den Taschen, der Kopf leicht gesenkt, die Schultern gerade.

„Man bearbeitet es”, sage ich. „Langsam. Geduldig. Bis man sieht, was darunter liegt.”

Mia drückt meine Hand. Wir stehen da, im leeren Café, der Kaffeegeruch um uns, das Holz unter unseren Füßen, und der Regen draußen, der nicht aufhört.

Kapitel 3
Ich schaue zu, wie Jonas durch den Regen verschwindet. Seine Schultern sind gerade, der Kopf leicht gesenkt, die Hände in den Taschen der zu großen Jacke. Das Wasser läuft in Bächen den Asphalt hinab, und er geht mitten hindurch, ohne sich zu schützen. Die Glastür des Café Kranzler schwingt hinter ihm zu, und der Lärm der Straße draußen verstummt.

Mias Hand liegt noch in meiner. Ihre Finger sind warm, fest ineinander verschlungen, und ich lasse es zu. Das Papier in meiner Innentasche raschelt leise, als ich den Kopf drehe. Der Espresso ist kalt, die Rechnung liegt auf dem Tisch, mehr als nötig. Die Barista hinter der Theke wischt Gläser ab, ohne uns anzusehen.

„Wir gehen”, sage ich.

Mia nickt. Sie löst ihre Hand nicht sofort, sondern lässt die Finger einen Moment länger in meinen liegen, als wolle sie sicherstellen, dass ich es spüre. Dann tritt sie einen Schritt zurück, greift nach ihrer Tasche, die neben der Holzbank steht, und zieht den Mantel über die Schultern. Die High Heels klicken auf dem alten Holzboden, als sie zur Tür geht. Ich werfe einen letzten Blick auf den leeren Tisch, die Tasse, das gefaltete Papier in meiner Brusttasche, und folge ihr.

Draußen ist der Regen kälter als vor einer Stunde. Die Luft riecht nach nassen Blättern und Asphalt, und die Straßenlaternen werfen gelbes Licht auf die Pfützen. Mia geht neben mir, ihre Schulter berührt meine, der Regenschirm, den sie aus ihrer Tasche zieht, ist zu klein für zwei. Sie hält ihn über uns beide, und ihre Bluse spannt über ihren Brüsten, der obere Knopf offen, das dünne Silberkettchen glitzert im Laternenlicht. Ihre Haarspitzen sind noch feucht, die Strähnen an den Schläfen lösen sich aus der halben Hochsteckfrisur.

Wir sagen nichts auf dem Weg. Die Straßen sind leer, die Seitenstraße dunkel, nur das Klappern von Mias Absätzen auf dem nasstriefenden Pflaster und das leise Rascheln des Papiers in meiner Tasche bei jedem Schritt. Ich spüre das Gewicht des Blattes gegen meine Rippen, als wäre es schwerer, als ein gefaltetes Stück Papier sein sollte. Jonas’ Handschrift, seine Worte, seine Angst vor Mia, seine Angst davor, nicht zu genügen. Alles zusammengepresst in drei Abschnitten auf einem Blatt, das jetzt meines ist.

Mia geht schneller, als wir unsere Straße erreichen. Ich passe mein Tempo an, ohne es zu sagen. Sie kennt meinen Rhythmus, ich kenne ihren. Drei Jahre haben uns aufeinander abgestimmt wie zwei Uhren, die im selben Raum ticken.

Das Treppenhaus ist dunkel, bis ich den Lichtschalter drücke. Das Neonlicht flackert einmal, dann stabilisiert es sich. Mia schüttelt den Regenschirm aus, lehnt ihn an die Wand neben die Haustür, und ich schließe auf. Das Schloss klickt, die Tür öffnet sich, und wir treten ein.

Der Flur ist schmal. Unsere nassen Mäntel tropfen auf den Holzfußboden, und Mia schließt die Tür hinter uns. Ich drehe mich zu ihr, will den Mantel ablegen, das Licht anmachen, die Heizung hochdrehen – die Dinge, die man tut, wenn man nach Hause kommt.

Mia stellt sich vor mich.

Ihr Körper ist nah, zu nah für den Flur, der gerade Platz für zwei bietet. Ich rieche ihr Parfum – Zedernholz und Rauch, das sie heute für Jonas gewählt hat, das aber jetzt, in unserem Flur, nur für mich da ist. Ihre Brust hebt und senkt sich, die Bluse spannt über ihren Brüsten, der Stoff feucht vom Regen, durchscheinend an den Schultern. Sie sieht mich an, und ihre Augen sind anders als im Café. Dort war sie die Brücke, die Vermittlerin, die Lächelnde, die den Raum offen hielt. Hier, im Flur, mit dem Regen draußen und Jonas’ Papier in meiner Tasche, ist sie etwas anderes.

„Ich will nicht reden”, sagt sie.

Ich bewege mich nicht. Meine Hand liegt noch am Mantelknopf, den ich öffnen wollte. Ich lasse sie dort.

„Ich will nicht denken”, sagt Mia. Ihre Stimme ist leiser als sonst, die Verspieltheit weg, das Lächeln nicht da. „Ich will nicht entscheiden. Nicht heute.”

Das Papier in meiner Innentasche raschelt, als ich den Mantelknopf loslasse. Ich spüre es gegen meine Rippen, Jonas’ Worte, seine Angst, dass seine Gefühle für Mia ein Problem werden. Mia steht vor mir, und ihre Finger zittern nicht, aber ihre Stimme hat eine Schärfe, die nicht von Nervosität kommt. Sie kommt von etwas, das sie seit dem Café unterdrückt hat.

„Ich war die Brücke”, sagt sie. „Den ganzen Abend. Ich habe gelacht, wenn es zu ernst wurde, ich habe ihm gesagt, dass meine Zuneigung ein Fakt ist, ich habe seine kalte Milch eklig genannt und ihn zum Lachen gebracht. Und das war richtig. Das war meine Aufgabe.” Sie schluckt. „Aber jetzt bin ich nicht mehr im Café.”

Ich sehe sie an. Ihre Augen sind groß, dunkel, die Pupillen geweitet im flackernden Flurlicht. Ihr Atem geht schneller, die Brust bewegt sich unter der feuchten Bluse. Die High Heels an ihren Füßen sind noch nass vom Regen, das Leder dunkel, die Spitzen glänzend.

„Was willst du?”, frage ich.

Sie antwortet nicht sofort. Stattdessen tritt sie einen Schritt zur Seite, weg von mir, und dann sehe ich, was sie tut. Sie geht nicht weiter in die Wohnung. Sie bleibt im Flur, stellt sich neben die Schuhmatte, und dann – langsam, mit geradem Rücken, die Hände an den Seiten – sinkt sie auf die Knie.

Das Geräusch ist leise. Das Holz unter ihren Knien knarrt, die Strumpfhose spannt über ihren Beinen, und die High Heels ragen hinter ihr nach oben, die spitzen Absätze auf dem Boden, das schwarze Leder nass und glänzend. Ihr Rock spannt über ihren Oberschenkeln, faltet sich am Saum, und ihre Hände liegen auf den Oberschenkeln, die Handflächen nach unten. Ihr Rücken ist gerade, ihr Kinn angehoben, und sie sieht zu mir hoch.

„Sag mir, was ich tun soll”, sagt Mia.

Ich stehe vor ihr, mein Mantel noch nass, das Papier in meiner Innentasche. Ich spüre es gegen meine Rippen, das gefaltete Blatt, Jonas’ Worte, seine Angst, dass seine Gefühle für Mia ein Problem werden. Mia kniet vor mir auf dem Holzfußboden unseres Flurs, in ihren nassen High Heels, und bittet mich, ihr zu sagen, was sie tun soll.

Ich bewege mich nicht.

Nicht weil ich zögere. Nicht weil ich unsicher bin. Sondern weil ich sie ansehe. Weil ich lese, was ihr Körper sagt. Ihre Schultern sind gerade, aber nicht starr. Ihr Kinn ist angehoben, aber nicht trotzig. Ihre Hände liegen flach auf den Oberschenkeln, die Finger leicht gespreizt, nicht geballt. Sie hat das nicht geprobt. Sie hat es nicht durchdacht. Sie hat es getan, weil sie es braucht.

„Du willst nicht reden”, sage ich. „Du willst nicht denken. Du willst nicht entscheiden.”

„Ja.”

„Und du willst, dass ich es für dich übernehme.”

„Ja.”

Ich nicke. Einmal. Langsam. Dann trete ich einen Schritt näher, bis ich direkt vor ihr stehe. Meine Beine sind lang, meine Füße in den schwarzen Lederschuhen, die ich immer trage, wenn ich führen will. Mias Gesicht ist auf Höhe meiner Hüfte, und sie sieht zu mir hoch, und ich sehe, wie ihr Atem schneller wird, wie die feuchte Bluse sich hebt und senkt.

„Dann hör zu”, sage ich. Meine Stimme ist ruhig, präzise, die Stimme, die sie kennt. Die Stimme, die Jonas heute Abend im Café gehört hat, als ich ihm sagte, er habe es gut gemacht. „Du wirst jetzt aufstehen. Du wirst deinen Mantel an den Haken hängen. Du wirst in die Küche gehen und zwei Gläser Wasser füllen. Eins stellst du auf den Küchentisch, eins bringst du mir ins Wohnzimmer. Dann kommst du zurück, stellst dich vor mich, und du wartest, bis ich dir sage, was als Nächstes kommt.”

Mia schluckt. Ihre Finger auf den Oberschenkeln zucken, und ich sehe, wie ihre Brust sich hebt, ein tiefer Atemzug, als würde sie etwas festhalten, das sie loslassen will. Dann nickt sie.

Ich strecke meine Hand aus. Sie nimmt sie, und ich ziehe sie hoch. Die High Heels klicken auf dem Holz, als sie aufsteht, und für einen Moment steht sie dicht vor mir, so nah, dass ich den Zedernholzrauch ihres Parfüms rieche und den Regen auf ihrer Haut. Ihre Lippen sind leicht geöffnet, ihre Augen auf meinen. Ich lege meine Hand an ihre Wange, eine Sekunde, nicht länger, und spüre die Kühle ihrer Haut und die Wärme darunter.

„Geh”, sage ich.

Sie geht.

Ich ziehe meinen Mantel aus, hänge ihn an den Messinghaken neben der Tür, und das Papier in meiner Innentasche raschelt. Ich streiche über die Jacke, spüre das gefaltete Blatt durch den Stoff, und für einen Moment denke ich an Jonas, der jetzt irgendwo im Regen läuft, mit leeren Händen, ohne seine Liste, weil sie bei mir ist. Weil sie mein ist. Dann gehe ich ins Wohnzimmer.

Ich setze mich in den Sessel, nicht auf die Couch. Der Sessel ist mein Platz, wenn ich führe. Er steht in der Ecke, das Holz dunkel, die Polster abgenutzt, und ich sitze aufrecht, die Beine überschlagen, die Hände auf den Armlehnen. Ich warte.

Mia kommt mit dem Wasser. Sie trägt die Gläser in beiden Händen, die High Heels klicken auf den Küchenfliesen, dann auf dem Holz des Wohnzimmerbodens. Sie stellt ein Glas auf den Couchtisch, bringt mir das andere, und ich nehme es, ohne sie anzusehen. Sie tritt einen Schritt zurück, stellt sich vor mich, und wartet.

Ich trinke einen Schluck Wasser. Ich stelle das Glas ab. Ich sehe sie an.

„Zieh den Mantel aus”, sage ich. „Er ist nass.”

Sie hat den Mantel noch an. Ich sehe es jetzt, wie der feuchte Stoff an ihren Schultern klebt, wie das Wasser auf den Boden tropft. Sie zieht ihn aus, geht zum Haken, kommt zurück. Ohne den Mantel sehe ich die Bluse deutlicher, der Stoff spannt über ihren Brüsten, der obere Knopf offen, das Silberkettchen liegt auf ihrem Schlüsselbein. Der Rock sitzt an ihrer Taille, die Strumpfhose dunkel und glänzend, die High Heels nass und schmutzig vom Regen und vom Flur.

„Die Bluse”, sage ich. „Nicht ausziehen. Aufknöpfen. Bis zum letzten Knopf.”

Mias Finger gehen zum zweiten Knopf. Sie öffnet ihn, dann den dritten, und mit jedem Knopf gibt der Stoff nach, und ich sehe mehr von ihr. Die Rundung ihrer Brüste, den BH darunter, schwarze Spitze, der Verschluss vorne. Der vierte Knopf, und die Bluse fällt auseinander, und ihre Brüste wölben sich gegen den BH, die Brustwarzen hart unter der Spitze, sichtbar durch den dünnen Stoff. Der fünfte Knopf, der letzte, und die Bluse hängt offen, und Mia steht vor mir, aufrecht, die Hände an den Seiten, und wartet.

„Steh still”, sage ich.

Ich stehe auf. Gehe zu ihr. Ich gehe langsam, und jeder Schritt ist ein Schritt, den sie erwartet, und ich sehe, wie ihre Augen mir folgen, wie ihr Atem flacher wird. Ich bleibe vor ihr stehen, und das Papier in meiner Innentasche raschelt, als ich mich bewege. Jonas’ Worte. Seine Angst. Mia steht vor mir, und ich lege meine Hand auf ihre Brust, über das Herz, und spüre den Herzschlag durch die Spitze des BHs.

„Schnell”, sage ich.

Sie sagt nichts. Sie weiß es.

Ich lasse meine Hand dort, spüre den Puls, dann streiche ich über die Spitze, über ihre Brust, und ihre Brustwarze ist hart unter meinen Fingern, und ich reibe sie durch den Stoff, und Mia atmet scharf ein, und ihre Hände zucken, aber sie bewegt sich nicht. Ich reibe fester, kneife leicht, und sie stöhnt, leise, und ich sehe, wie ihre Hüfte nach vorne drückt, als könnte sie etwas finden, gegen das sie reiben kann.

„Nein”, sage ich. „Du bewegst dich nicht, bis ich es sage.”

Sie hält still. Ihre Lippen sind geöffnet, ihre Augen auf meinen, und ich sehe, wie ihr Mund trocken wird, wie sie schluckt, und ich nehme das Wasserglas vom Tisch und halte es an ihre Lippen. Sie trinkt, und ich neige das Glas, und das Wasser läuft an ihrem Kinn hinab, über ihren Hals, über ihre Brüste, und die Spitze des BHs wird nass, und Mia keucht, und ich stelle das Glas ab.

„Gut”, sage ich. „Jetzt der Rock. Ausziehen. Langsam.”

Mias Finger gehen zum Reißverschluss an der Seite. Sie zieht ihn herunter, und das Geräusch ist laut im stillen Wohnzimmer, und der Rock rutscht über ihre Hüften, über die Strumpfhose, und fällt auf den Boden. Sie steht da in der offenen Bluse, dem BH, der Strumpfhose und den High Heels, und ich sehe, wie die Strumpfhose ihre Beine formt, wie die Feuchtigkeit zwischen ihren Oberschenkeln dunkelt, wie der Stoff dort nass ist, nicht vom Regen.

„Du bist nass”, sage ich.

Sie nickt. Ihr Kinn zittert, nicht vor Kälte.

„Das ist eine Antwort”, sage ich. „Du musst nicht reden. Dein Körper redet.”

Ich trete näher, und meine Hand geht zwischen ihre Beine, über die Strumpfhose, und ich drücke nicht, ich streiche nur, und Mia keucht und ihre Beine zittern, und ich spüre die Hitze durch den Stoff, die Nässe, die nicht vom Regen ist. Ich streiche langsamer, und sie atmet schneller, und ihre Hände ballen sich zu Fäusten an ihren Seiten.

„Was willst du?”, frage ich, und meine Stimme ist leise, aber nicht sanft. Präzise.

„Dich”, sagt Mia. „Ich will dich. Ich will, dass du mich nimmst. Dass du mich machst. Dass du mir nicht sagst, dass ich wählen soll.”

Ich nicke. Meine Hand bleibt zwischen ihren Beinen, und ich drücke fester, und Mia stöhnt, und ihre Knie geben nach, aber ich halte sie nicht, und sie fängt sich, und ich sehe, wie sie sich zusammenreißt, wie sie auf ihren High Heels balanciert, die Füße nass, die Absätze auf dem Holz.

„Knie dich hin”, sage ich.

Sie kniet. Die High Heels ragen hinter ihr nach oben, und die Strumpfhose spannt über ihren Knien, und ich stehe vor ihr, und sie sieht zu mir hoch. Ich öffne meinen Gürtel, den Reißverschluss, und sie atmet schneller, und ich sehe, wie ihre Lippen sich öffnen, wie ihre Zunge über die Unterlippe geht.

„Du wartest”, sage ich. „Du machst nichts, bis ich es sage.”

Sie nickt.

Ich schiebe den Stoff zur Seite, und sie sieht mich, und ich sehe, wie ihre Augen groß werden, wie sie schluckt, wie ihre Hände auf ihren Oberschenkeln zittern. Ich trete näher, und meine Hand geht in ihr Haar, und ich greife nicht, ich halte nur, und Mia schließt die Augen, und ich spüre, wie sie sich meinem Griff anvertraut, wie ihr Kopf in meine Hand fällt, und ich halte sie dort.

„Öffne den Mund”, sage ich.

Sie öffnet ihn. Ihre Lippen sind nass, ihre Zunge wartet, und ich fühle meinen Schwanz hart und warm, und ich führe ihn an ihre Lippen, und sie atmet ein, und ich spüre ihren Atem, und ich schiebe langsam vor, und ihre Lippen schließen sich um mich, und ich spüre die Hitze ihres Mundes, die Nässe, und sie saugt nicht, sie wartet, und ich halte sie am Haar und bewege mich, langsam, und sie nimmt mich tiefer, und ich spüre ihren Hals, und sie würgt nicht, sie atmet durch die Nase, und ich höre, wie sie keucht, wenn ich mich zurückziehe, und wie sie stöhnt, wenn ich wieder hineingehe.

Ich bewege mich schneller, und Mia nimmt mich, und ich spüre, wie sie saugt, wie ihre Zunge mich umkreist, wie sie mich tiefer nimmt, und ihre Hände greifen meine Oberschenkel, und ich lasse es zu, und ich spüre, wie es aufbaut, und ich ziehe sie am Haar zurück, und sie keucht, und Speichel hängt an ihren Lippen, und ihre Augen sind nass.

„Gut”, sage ich. „Sehr gut.”

Ich lasse ihr Haar los, und sie bleibt knien, und ich trete einen Schritt zurück, und ich sehe sie an: die offene Bluse, den nassen BH, die Strumpfhose, die High Heels, den Speichel auf ihrem Kinn, die Tränen in ihren Augen, die nicht von Trauer kommen.

„Steh auf”, sage ich. „Geh zum Sofa. Setz dich. Beine breit.”

Sie steht auf, und ihre Knie zittern, und die High Heels klicken auf dem Holz, und sie geht zum Sofa und setzt sich, und sie öffnet die Beine, und ich sehe die Nässe durch die Strumpfhose, dunkel und ausgedehnt, und ich sehe, wie ihre Hüfte sich bewegt, als könnte sie nicht stillsitzen, und ich gehe zu ihr.

Ich knie mich vor sie, und das Papier in meiner Jacke raschelt, und ich lege die Hände auf ihre Oberschenkel, und ich drücke sie auseinander, weiter, und Mia atmet schneller, und ich sehe, wie die Strumpfhose an ihrem Kitzler reibt, wie der Stoff nass und glänzend ist, und ich beuge mich vor und blase gegen den Stoff, und Mia keucht, und ihre Hände greifen das Sofa, und ich streiche mit einem Finger über die Strumpfhose, über ihren Kitzler, und sie zuckt, und ich drücke fester, und sie stöhnt.

„Du kommst nicht”, sage ich. „Bis ich es sage.”

Sie nickt. Ihr Kiefer ist angespannt, und ich sehe, wie sie sich zusammenreißt, wie ihre Beine zittern, und ich reibe langsamer, und ich spüre, wie sie sich gegen meine Hand drückt, und ich nehme den Finger weg, und sie keucht, und ich sehe, wie ihre Hüfte sich nach vorne drückt, als könnte sie mich finden.

„Bitte”, sagt Mia. „Bitte.”

„Bitte was?”

„Bitte mach mich fertig. Bitte lass mich kommen. Bitte.”

Ich nicke. Ich reihe einen Finger unter die Strumpfhose und ziehe sie an der Seite ein Stück herunter, und ich sehe sie, nass und rosa und geschwollen, und ich beuge mich vor und lecke, und Mia schreit, und ihre Hände greifen mein Haar, und ich sauge ihren Kitzler, und ich lecke schneller, und ich fühle zwei Finger in sie, und sie ist nass und heiß und eng, und ich ficke sie mit den Fingern, und sie bewegt ihre Hüfte gegen mein Gesicht, und ich spüre, wie sie sich zusammenzieht, und ich nehme den Mund weg, und sie keucht, und ich sehe sie an.

„Jetzt”, sage ich.

Mia kommt. Ihr Körper zuckt, und ihre Beine schließen sich um meine Hand, und ich halte die Finger in ihr, und ich spüre, wie sie sich zusammenzieht, wie sie pulsiert, und sie stöhnt, und ich höre, wie es nass ist, wie sie auf meine Hand kommt, und ich bewege die Finger langsamer, und sie atmet, und ich spüre, wie die Spannung nachlässt, und ich ziehe die Finger heraus, und sie sind nass, und ich streiche sie über ihre Lippen, und Mia leckt sie ab.

Ich setze mich neben sie auf das Sofa. Sie lehnt sich an mich, und ich lege meinen Arm um sie, und das Papier in meiner Jacke raschelt, und ich spüre es gegen meine Rippen. Mia atmet langsam, und ich streiche über ihr Haar, und ihre High Heels stehen auf dem Boden, die Absätze auf dem Holz, und ihre Bluse ist offen, und der BH ist nass, und sie ist warm und schwer an meiner Schulter.

Wir sitzen dort, und ich höre den Regen draußen, und ich höre, wie Mias Atem ruhiger wird, und ich denke an Jonas, der jetzt irgendwo sitzt und schreibt, was er gefühlt hat, und an das Papier in meiner Tasche, und an die Worte, die er nicht mitgenommen hat.

Mia dreht den Kopf und sieht mich an. Ihre Augen sind klar, die Tränen getrocknet, und sie lächelt, und es ist das Lächeln, das ich kenne.

„Danke”, sagt sie.

Ich streiche über ihre Wange. „Du hast das gut gemacht.”

Sie lacht, leise. „Das hast du ihm auch gesagt.”

„Er hat es auch gut gemacht.”

„Er ist gut.”

„Er ist roh.”

Mia nickt. Sie schließt die Augen und lehnt sich an mich, und ich sitze aufrecht, das Papier in meiner Tasche, der Regen draußen, und ich warte auf morgen, wenn Jonas mir schreibt, und Mia ihn fragt, wie es war, und wir langsam, geduldig sehen, was darunter liegt.

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