Blind-Date in München – Teil 5

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Danke für eure Mühe mit dem Feedback zu Teil 4 von “Blind-Date in München” (BDiM), sowohl für Lob als auch für eure konstruktive Kritik. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind ausdrücklich nicht gewollt und rein zufällig. Für das Lesen der Fortsetzung – Teil 5 – wünsche ich euch mit allem, wozu euch die Geschichte inspiriert, viel Freude :-))))) LG Lisa 🙂
Das dumpfe Summen des Festnetztelefons in der Pasinger Villa schnitt durch die morgendliche Stille. Elena saß an einem massiv gezimmerten Holztisch in der Küche und genoss das Gefühl der kühlen Tischplatte unter ihren Fingerkuppen, während sie ungeduldig auf einen Rückruf wartete. Die Nachwirkungen der leidenschaftlichen Nacht mit Florian steckten Elena noch angenehm in den Knochen. Bei jedem Gedanken, der sie an Florian erinnerte, war sofort wieder dieses warme Prickeln da, das ihren heißen Sex begleitet hatte, aber da war noch etwas. Elenas Gedanken wechselten, schon bevor sie zum Annehmen des Gesprächs auf eine Sprechtaste drückte, noch während sie nach dem Hörer ihres Telefons tastete, in den Angriffsmodus.
„Elena?“, tönte eine taffe Stimme mit Berliner Akzent aus der Leitung. „Dass du mich so früh anrufst, heißt entweder, dass die Bude brennt … Oder du hast endlich den heißen Feuerwehrmann abgeschleppt.“
Elena schmunzelte. Es war ein rauchiges, vertrautes Geräusch. „Beides, Mia. Florian ist ein absoluter Traum. Er hat alle Schubladen im Kopf eingerissen. Aber wir haben ein massives Problem. Sein Chef, dieser schmierige Leon Heitzfeldt, macht Jagd auf uns. Er weiß, dass ich beim Zugunglück an der Schleißheimer Straße zu nah am Absperrband stand. Er weiß, was ich gehört habe.“
Am anderen Ende der Leitung wurde es kurz still. Elena, die genauso blind wie ihre zehn Jahre jüngere Gesprächspartnerin war, konnte das Vibrieren von Mias Glasaugen erahnen. Das war bei Mia immer so, wenn sie angestrengt nachdachte und in Gedanken die Stirn in Falten legte. Elena kannte dieses Detail ihrer Freundin vom zärtlichen Streicheln beim Plauschen und von dem Sex, den die beiden schon zusammen hatten. „Der korrupte Hund vom KVR?“, fragte Mia kühl. „Der Typ, der glaubt, er kann meine Freunde und meine Villa als Druckmittel nutzen? Da hat er sich jetzt aber mit der falschen Familie angelegt. Ich rufe sofort Onkel Thomas an, schließlich schätzt er dich so sehr wie wenige andere Menschen in seiner Welt, Elena. Du hast mich ins Leben zurückgeholt und das werden wir Dir nie vergessen. Wenn dieser Heitzfeldt dich anrührt, zerstört mein Onkel, als der für die Feuerwehr zuständige Stadtrat, seine mit Zweifeln belastete Karriere noch vor dem Mittagessen.“
***
Das sonore Schnurren einer schweren Limousine kündigte den Besuch an, den Elena im Wasser des Infinity-Pools erwartete, während sie die wärmenden Sonnenstrahlen auf ihrer Haut genoss. Das türkisfarbene Wasser dampfte im kühlen Mittagslicht und ihre Gedanken waren in die Erinnerungen an Florian abgeglitten, mit dem sie es in der Nacht im selben Wasser mehrfach getrieben hatte. Sie hörte feste, schnell näherkommende Schritte auf dem Natursteinboden und wusste sofort, dass Thomas Rivas endlich angekommen war. Daran, dass er der Besucher sein musste, der das Anwesen betrat, gab es keine Zweifel, weil Elena die Geräusche seiner markanten Art zu gehen genau kannte. Die unerschütterliche Autorität dieses Mannes, der so ein empathisches Auftreten hatte, machte ihr Mut für das, was sie mit ihm besprechen wollte. Hauptberuflich arbeitete der Nachbar, der Elena diese Villa als Gegenleistung für ein Mentoring kostenlos zur Verfügung stellte, im Management eines in München ansässigen Konzerns. Für das Mentoring, das Elena seiner durch einen Unfall als Teenie erblindeten Nichte Mia zuteilwerden ließ, war er seiner Nachbarin über alle Maßen dankbar. Der Sicherheitsingenieur hatte neben seinem Hauptjob auch die Münchner Politik als ehrenamtlicher Stadtrat im Griff und war dort für das Resort der Feuerwehr zuständig.
„Hallo Elena“, grüßte Rivas mit tiefer, respektvoller Stimme und legte der Achtundzwanzigjährigen, die er sehr schätzte, zur Begrüßung kurz eine Hand auf die Schulter. „Mia hat mich aus Berlin angerufen. Sie war außer sich. Was ist auf der Wache und an der Schleißheimer Straße denn genau vorgefallen?“
Elena drehte ihr Gesicht exakt in seine Richtung. Ihre Miene war absolut gelassen. „Heitzfeldt hat geschlampt, Thomas. In der Unglücksnacht stand ich direkt an der Trasse. Mein Gehör täuscht mich nie. Ich habe ein Telefonat zwischen ihm und einem Unbekannten mitgehört. Er hat Schmiergeld kassiert. Er hat die mangelhaften Brandschutzzertifikate der Gütertrasse einfach durchgewinkt. Jetzt erpresst er Florian Sonnenschein, seinen Anwärter, und mich will er auch einschüchtern.“
Rivas Atem ging scharf. Als Sicherheitsingenieur und Stadtrat für die Feuerwehr zuständig, traf ihn diese Information wie ein Schlag. „Das ist keine Schlamperei mehr. Das ist kriminelle Vorteilsnahme und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“, sagte er mit eisiger Präzision. „Heitzfeldt ist eine tickende Zeitbombe für mein gesamtes Ressort. Das werde ich umgehend bereinigen …“
***
Am späten Nachmittag wurde Florian über die interne Sprechanlage der Feuerwache direkt in das Büro der Leitung zitiert. Als er eintritt, spürte er sofort die veränderte Machtkonstellation. Die Luft im Raum war dick und schneidend. Am Schreibtisch saß der sichtlich nervöse Wachenleiter. Daneben stand Thomas Rivas. Er trug einen eleganten, maßgeschneiderten Anzug. Leon Heitzfeldt stand wie ein Häufchen Elend stramm an der Wand. Sein Gesicht war aschfahl. Seine Hände zitterten leicht.
„Anwärter Sonnenschein“, begann Rivas. Seine Stimme schnitt wie ein Skalpell durch den Raum. „Ich habe mir Ihre Akte angesehen. Und ich habe mir Berichte über die Vorkommnisse im Nachtwerk und beim Zugunglück anhören müssen. Der Heitzfeldt hier dachte wohl, er könnte die Dienstgewalt der Münchner Feuerwehr für seine privaten und dazu noch höchstkriminellen Machenschaften missbrauchen.“
Heitzfeldt stammelte gequält. „Herr Stadtrat, ich … der Anwärter lügt … diese Blinde …“
„Schweigen Sie!“, herrschte Rivas ihn an, ohne die Stimme zu erheben, und knallte eine offizielle Aktenmappe auf den Tisch. „Hier liegt Ihre hiermit sofort rechtverbindlich ausgesprochene Suspendierungsverfügung, Heitzfeldt … Wegen Amtsmissbrauchs und wegen Korruptionsverdachts im Fall der Schleißheimer Straße. Hinzukommt noch die Schikanierung von Untergebenen. Sie geben jetzt sofort Ihre Dienstmarke ab und verlassen danach unverzüglich mit Hausverbot dieses Gelände!“
Florian hielt dem Blick des fassungslosen, völlig demontierten Zugführers stand, als dieser mit zitternden Fingern seine Marke auf den Tisch legte. Rivas wandte sich Florian zu. Ein seltenes, schmales Lächeln trat auf das Gesicht des Politikers. „Sonnenschein. Sie haben Mut bewiesen. Solche Männer brauchen wir bei der Feuerwehr. Ihre Ausbildung ist absolut sicher. Machen Sie so weiter.“
***
Als Florian am Abend die efeuumrankte Klavierbauer-Villa in der Neuburger Straße betrat, schien die Last der letzten Tage komplett von seinen Schultern abzufallen. Das gedimmte, warme Licht im Flur fing die düstere, romantische Goth-Atmosphäre perfekt ein. Aus den Musikboxen drang ein tiefer, melancholischer Dark-Wave-Beat, der ihn ins Schlafzimmer lockte. Elena erwartete ihn bereits und saß im Zentrum des Kingsize-Bettes. Außer einem kurzen, schwarzen Spitzen-Négligé trug sie nichts und ließ ihren fast splitternackten Körper ohne Worte sprechen. Die Konturen ihrer gewagten Tätowierungen und das freche Funkeln ihrer Piercings ließen ihre Reize im Halbdunkel verführerisch zur Geltung kommen.
„Du riechst nach Sieg, Florian“, raunte sie mit samtiger Stimme und breitete ihre Arme aus, um Florian freizügig aufzunehmen und ihn sich an ihren nackten Busen zu pressen.
Florian zögerte keine Sekunde und stürmte auf das Bett zu. Im Gehen ließ er die schwere Feuerwehrjacke zu Boden fallen und zog sich das Hemd über den Kopf. Als seine nackte Haut die von Elena berührte, entlud sich die aufgestaute Spannung des Tages in einer Welle puren Verlangens und er drückte sie sanft, aber bestimmt in die Kissen. Seine Hände umfassten ihre schmalen Hüften und sein prall erregiertes Glied schmiegte sich zärtlich zwischen ihren Lippenringen hindurch an Elenas von Lustschleim benetztes Zäpfchen.
„Er ist erledigt, Elena“, keuchte er an ihrem Hals und seine Lippen saugten sich an ihr fest. Sie hinterließen eine brennende Spur der Leidenschaft auf ihrer Haut. „Es ist vorbei. Wir haben gewonnen.“
„Dann denk jetzt an gar nichts mehr“, flüsterte Elena atemlos und schlang ihre Beine eng um seinen durchtrainierten Körper. Ihre beringten Hände krallten sich fest in seine breiten Schultern und sie zog Florian ganz langsam und vor Freude stöhnend immer tiefer in sich hinein.
Der Rhythmus ihrer Bewegungen wurde augenblicklich intensiv und fordernd. Elena war im höchsten Maße wach und empfänglich. Gierig stieß sie ihr Becken immer wieder heftig gegen Florians Lenden. Jede Hemmung war verflogen und die neu entdeckte, heterosexuelle Leidenschaft überrollte beide mit einer Urgewalt, die sie so noch nie erlebt hatten. Florians Keuchen vermischte sich mit Elenas lustvollem Stöhnen. Die Geräusche ungezügelter Leidenschaft hallten von den hohen Wänden der Gründerzeit-Villa wie Echos wider und klangen in den Ohren von Elenas nonvisueller Welt so feurig wie ein lateinamerikanischer Tanz. Florian spürte die feuchte Hitze und die absolute Hingabe ihres geschmeidigen Körpers, während ihre Leiber komplett miteinander verschmolzen. Mit einem letzten, kraftvollen Stoß und einem befreiten Aufstöhnen vereinten sie sich in der absoluten Ekstase in Elenas permanenter Nacht.
„Ich will hier eigentlich überhaupt nie mehr weg und das nicht nur, weil du so unglaublich scharf bist, Elena. Das mit uns war der beste Sex meines Lebens“, hauchte Florian mit rauer Stimme und gab Elena noch einen tiefen, leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen. Seine Hand verweilte einen letzten, besitzergreifenden Moment auf ihrer nackten Hüfte und lag danach noch eine gefühlte Ewigkeit lang wohlig ausgestreckt in den weichen Kissen des amerikanischen Bettes der Pasinger Villa.
Elena lachte ihr typisches, rauchig-warmes Lachen und streichelte Florian sanft über seinen durchtrainierten Oberarm hinweg die brettharten Muskeln seiner Brust. „Geh schon, Kleiner. Dein Nachtdienst wartet. Und keine Sorge, ich laufe dir nicht weg, schließlich fangen wir gerade erst damit an, die Regenbögen in unseren Köpfen bunter als je zuvor schimmern zu lassen.“
***
Schweren Herzens löste sich Forians Körper widerwillig von Elenas nach frischem Schweiß duftender Haut. Zäh schälte er sich aus dem Bett, schlüpfte in seine Feuerwehruniform, schnappte sich seine Tasche und verließ kurz darauf das efeuumrankte Anwesen. Mit einem Blick in Richtung der im Osten gerade aufgehenden Sonne schwang er sich auf sein Motorrad und brauste mit aufheulendem Motor davon. Dass nur ein paar Häuser weiter in der Dunkelheit ein Wagen stand, aus dem ihn ein hasserfülltes Augenpaar beobachtete, ahnte Florian nicht. Es war ein protziger, tiefschwarzer Ford Mustang mit getönten Scheiben. Drinnen saß Leon Heitzfeldt. Seine Hände klammerten sich so fest um das Lenkrad, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Seine Augen fixierten hämisch den roten Rücklichtpunkt von Florians Motorrad, bis dieser um die Ecke bog.
***
„Lauf nur, du kleiner Bastard“, zischte Heitzfeldt voller geiferndem Hass in die Leere des Fahrzeugraums. „Dein dicker Beschützer-Stadtrat wird dir heute Nacht auch nicht helfen. Ihr habt mein Leben zerstört. Jetzt zerstöre ich eures. Und ich fange bei deiner blinden Schlampe an.“
Der suspendierte Zugführer startete den kraftvollen V8-Motor, ließ den Wagen jedoch nur im Leerlauf rollen. Den Mustang ließ er auf diese Art leise brabbelnd ganz dezent direkt vor das rostige Eisentor der Villa rollen und schaltete das Licht aus. Heitzfeldt kannte die Gegebenheiten genau. Er stieg aus, griff in seine Jackentasche und zog ein kleines Fläschchen mit medizinischem Äther sowie einen dicken Wattebausch heraus. Er wusste, dass Elena allein im Haus war, und ging nicht über den unverschlossenen Vordereingang auf das Gelände. Stattdessen nutzte er eine Finte, die er sich als erfahrener Feuerwehrmann oft zunutze gemacht hatte. Er manipulierte den außenliegenden Kasten der Notstromversorgung der modernen Villa, den Thomas Rivas für die Barrierefreiheit hatte installieren lassen, und kappte mit einem gezielten Schnitt die Hauptleitung.
Drinnen im Schlafzimmer erstarb augenblicklich der sanfte Dark-Wave-Beat. Die Lüftung des Infinity-Pools draußen verstummte mit einem tiefen, ersterbenden Seufzen. Elena saß sofort kerzengerade im Bett. Ihre Sinne fuhren im Bruchteil einer Sekunde von wohliger Entspannung auf absolute Alarmbereitschaft hoch. Kein Strom. Das Smart-Home war tot. Das bedeutete, auch die akustischen Warnmelder der Sicherheitsanlage waren offline. Sie griff nach ihrem Carbon-Blindenstock, der neben dem Nachttisch lehnte, und glitt lautlos aus dem Bett. Ihr nackter Körper spürte einen plötzlichen Luftzug, der durch den Flur strich und ihr verriet, dass sie nicht mehr alleine im Haus war.
Da war ein Geräusch. Ein untypisches, schweres Atmen, das nicht zu Florian gehörte. Es roch nicht nach dem vertrauten Duft von Patschuli und Leder, sondern nach kaltem Schweiß und billigem Rasierwasser.
„Florian?“, rief Elena testweise, obwohl ihr geschärftes Gehör und ihre feine Nase ihr längst die Wahrheit geflüstert hatten.
„Der fickt sich gerade den Arsch auf der Wache ab, du blinde Nutte“, grollte Heitzfeldts Stimme plötzlich direkt vor ihr aus der Dunkelheit.
Elena wirbelte herum, wollte ihren Stock als Waffe in Richtung ihres Gegners schnellen lassen, doch Heitzfeldt war massiver und vom puren Adrenalin des Hasses getrieben. Er fing den Schlag mit dem linken Arm ab, stürmte vorwärts und riss ihren schmalen Körper ungebremst zu Boden. Elena keuchte auf, als sie hart auf dem Parkett aufschlug. Bevor sie schreien oder einen ihrer gelernten Griffe aus dem Selbstverteidigungskurs ansetzen konnte, presste Heitzfeldt sein gesamtes Körpergewicht auf ihre Brust. Seine Pranke schoss auf Elenas Gesicht zu und drückte ihr den mit Äther triefenden Wattebausch erbarmungslos auf Mund und Nase.
Elena wand sich unter ihm, trat wild um sich und versuchte, den Kopf wegzudrehen. Doch die süßlichen, chemischen Dämpfe des Äthers brannten sich augenblicklich in ihre Lunge. Ihre Muskeln verloren schlagartig die Kraft. Ihr geschärftes Gehör nahm nur noch ein lautes, anschwellendes Rauschen wahr, das wie eine brechende Güterzugwelle über sie hereinbrach. Ihr Blindenstock entglitt ihren Fingern und klapperte leise auf dem Boden. Das Letzte, was sie spürte, war, wie Heitzfeldt sie wie einen Sack Fleisch hochriss, bevor sie sich verlor und die Bewusstlosigkeit sie verschlang.
Heitzfeldt verlor keine Zeit. Er trug die bewusstlose Elena durch den Garten, öffnete den geräumigen Kofferraum seines Ford Mustangs, warf sie hinein und schlug den Deckel zu. Er setzte sich ans Steuer, trat das Gaspedal durch und jagte den Sportwagen aus dem Pasinger Nobelviertel. Er hatte die gesamte Nacht Zeit. Sein Ziel lag weit außerhalb von Bayern. Er fuhr direkt auf die Autobahn Richtung Norden. Berlin war sein Ziel. Dort, in einer verruchten, industriellen Ecke der Hauptstadt, an einem Ort, an dem es niemanden gab, der Fragen stellte, lag sein Ziel. Über ein einschlägiges Darknet-Forum hatte er unter falschem Namen für ein paar Tage ein professionelles SM-Studio angemietet. Ein privater, schallisolierter Folterkeller, das war für das, was er mit Elena vorhatte, aus seiner Sicht genau das Richtige.
***
Ein brutaler, hämmernder Schmerz im Hinterkopf war das Erste, was Elena wieder in die Realität zurückholte. Ihre Lunge brannte. Ein ekelhafter, chemischer Geschmack klebte auf ihrer Zunge. Sie versuchte, die Augen zu öffnen, doch da war wie immer nur Dunkelheit. Im ersten Moment der Benommenheit war ihr Verstand völlig orientierungslos. Ihr Körper fühlte sich schwer an, und in ihrem fiebrigen, vom Äther vernebelten Kopf vermischten sich die Sinneseindrücke. Sie spürte eine intensive Hitze auf ihrer Haut. Dachte sie etwa, sie liege immer noch mit Florian im dampfenden Infinity-Pool? Sie glaubte fast, sein heftiges Keuchen an ihrem Hals zu hören und das rhythmische Klatschen der Wellen gegen die Kanten des Beckens zu spüren.
„Florian …“, formten ihre Lippen lautlos den Namen. Sie wollte ihre Arme nach ihm ausstrecken, ihn fest an ihre nackte Brust drücken, um den leidenschaftlichen Sex der Nacht fortzusetzen.
Doch als sie die Hand bewegen wollte, schnitt kaltes, unnachgiebiges Metall tief in ihre Handgelenke. Ein metallisches Klirren gellte durch den Raum. Elena schreckte vollends hoch, und die Decke der Illusion stürzte über ihr ein. Das war kein Pool. Das war kein Bett in der Pasinger Villa. Ihre Arme waren weit nach oben gerissen und starr fixiert. Ihre Beine waren maximal nach links und rechts gespreizt. Sie war mit schweren Handschellen und Fußfesseln an ein massives Eisenbett gekettet – hilflos und nackt ausgebreitet wie ein lebendiges Andreaskreuz.
„Na, endlich wach, meine schöne Goth-Königin?“, ertönte eine hämische, triumphierende Stimme ganz in ihrer Nähe. Das Geräusch von schweren Lederstiefeln hallte auf kaltem Betonboden wider.
Elena atmete tief durch, erzwang die absolute Kontrolle über ihren panisch rasenden Herzschlag und analysierte blitzschnell die Akustik. Der Raum war riesig und hoch, hatte nackte Wände und keine Fenster. Der Schall war trocken. Ein Keller oder eine alte Fabrikhalle. Und die Stimme gehörte dem personifizierten Abschaum.
„Heitzfeldt“, sagte sie, und obwohl ihr Kopf dröhnte, klang ihre Stimme bereits wieder erstaunlich fest und eiskalt. „Du bist wirklich ein erbärmlicher Hund. Glaubst du ernsthaft, du kommst mit einer Entführung durch? Thomas Rivas wird dich jagen und vernichten.“
„Rivas kann mich mal!“, schrie Heitzfeldt zynisch und seine Schritte näherten sich rasend schnell dem Eisenbett. „Der feine Herr Stadtrat und dein kleiner Feuerwehr-Stricher haben mich ruiniert! Meine Marke ist weg! Meine Pension ist weg! Ich habe nichts mehr zu verlieren, Scubion. Aber bevor ich untertauche, hole ich mir das, was mir zusteht. Du hast mich im Nachtwerk gedemütigt. Du hast mich vor meinen eigenen Männern wie einen Idioten dastehen lassen. Jetzt zeige ich dir mal, wer hier die Führung hat.“
Elena hörte das Knarzen von Leder. Heitzfeldt hatte sich für diesen Moment akribisch vorbereitet. Er war fast vollkommen nackt. Er trug ein extremes SM-Outfit, das nur aus breiten, schwarzen Lederriemen bestand, die sich kreuz und quer über seinen behaarten, stämmigen Körper spannten. Schwere Nieten funkelten im fahlen Licht des Kellers, das Elena zwar nicht sah, aber dessen kühle, sadistische Dominanz sie in jeder Pore der Luft spüren konnte. Er wollte sie erst psychisch brechen, sie foltern und dann brutal über die wehrlos gefesselte Blinde herfallen.
Mit einem schweren Keuchen wuchtete er sich zu Elena auf das Eisenbett und kniete sich direkt über ihren wehrlos gespreizten Körper. Seine Knie drückten links und rechts neben ihre Hüften. Elena spürte die ekelhafte, heiße Ausdünstung seines Körpers und fühlte das Leder der Riemen, das über ihre nackte Haut schrammte. Heitzfeldt packte ihr Kinn mit einer groben Hand und drückte es brutal nach oben.
„Du dachtest wohl, du bist etwas Besseres, weil du so eine taffe Lesbe spielst, was?“, zischte er, und sein Atem roch nach billigem Alkohol. „Jetzt bist du dran. Ich werde dich so richtig hart ficken, bis du um Gnade winselst. Und dein kleiner Florian kann dann die Reste von dem haben, was ich nach Deiner Zerstörung von Dir für ihn übrig lassen werde.“
Skrupellos bereit, sich mit voller Wucht auf Elena zu werfen, um mit seinem Schwanz brutal in sie einzudringen, verlagerte Hetzfeldt sein Gewicht. Elena wusste, dass sie nur eine einzige, winzige Chance hatte, denn ihre Arme und Beine waren bombenfest an den Eisenstreben fixiert. Sie konnte weder einen Hebel ansetzen noch einen Tritt ausführen. Aber Heitzfeldt beging einen klassischen Fehler, auf den Elena gehofft hatte. Er unterschätzte sie komplett, weil er dachte, eine Blinde sei ohne ihren Stock hilflos und blind vor Angst. In zahlreichen Selbstverteidigungskursen für Frauen mit Sehbehinderung hatte sie gelernt, dass ihre schärfste Waffe die Schwächen ihrer Gegner, deren Selbstgefälligkeit und Unachtsamkeit, sind. In dieser Kerbe musste sie psychologisch mit einer cleveren Finte ihre Verteidigungsstrategie ansetzen, um ihren Kopf zu retten.
Anstatt zu schreien oder den Kopf wegzudrehen, entspannte Elena schlagartig ihre Gesichtsmuskeln. Sie öffnete leicht die Lippen, stöhnte leise auf und täuschte mit einer schauspielerischen Meisterleistung vor, von Heitzfeldts dominanter Art plötzlich maximal erregt zu sein.
„Gott, Heitzfeld …“, hauchte sie mit einer gespielt belegt klingenden Stimme, die der Bestie sexuelles Verlangen vorvibrierte. „Du bist … so unglaublich heiß in diesem Leder. Florian ist ein braver Junge, aber für mich wohl doch viel zu weich. Ich dachte immer, ich stehe nur auf Frauen, aber das hier … das macht mich gerade verdammt geil. Los, steck mir deine Zunge in meinen verfickten Rachen und lass mich dein Testosteron schmecken. Fick mich wie ein echter Kerl richtig dreckig in meine Kehle, du geiler Bock. Los, nimm mich!“
Heitzfeldts Augen weiteten sich im Bruchteil einer Sekunde. Sein ohnehin schon vom Sadismus vernebeltes Hirn setzte bei diesen Worten komplett aus und seine narzisstische Männlichkeit triumphierte. Er glaubte tatsächlich, er hätte die unnahbare Goth-Ikone allein durch seine nackte Präsenz und die Lederriemen gefügig gemacht. Ein dreckiges, gieriges Lachen entfuhr ihm.
„Ich wusste doch, dass du eine dreckige Schlampe bist, die nur einen echten Mann braucht!“, sagte er gönnerhaft und platzierte seine Eichel zwischen den zarten Flügeln ihres Butterflys. und raffte nicht einmal, dass sie dort so trocken wie eine 
Berauscht von seiner vermeintlichen Macht vergaß Heitzfeldt jede Vorsicht. Zügellos enthemmt ließ er seinen Oberkörper überkippen und sich bäuchlings ungebremst auf Elena fallen. Seinen Mund weit wie ein Karpfen aufgesperrt, schoss er mit dem Kopf nach unten, um ihr seine Zunge tief in ihren Mund zu jagen. Im Wahn, Elena endlich zu besitzen und sie nach Lust und Laune dominieren zu können, war seine Deckung gleich null.
Genau auf diesen Moment hatte Elena gelauert. Ihr phänomenales Gehör hatte die exakte Flugbahn seines Kopfes anhand seines Atems und des Knarzens der Lederriemen millimetergenau berechnet. Genau in dem Moment, in dem sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war, spannte sie jede einzelne Faser ihrer Nacken- und Bauchmuskeln an. Mit der geballten Urgewalt einer Frau, die um ihr Leben kämpft, und mit der absoluten Präzision einer trainierten Kampfsportlerin stieß sie ihren Kopf wie von einer hydraulischen Rampe explosionsartig gestartet in die Höhe. Wie eine GPS-gesteuerte Rakete traf Elena voll ins Schwarze und ihr mit brachialer Vehemenz geführter Kopfstoß ließ Knochen krachend wie Glas bersten. Die massive Stirnseite ihres Schädels krachte mit brutaler Wucht und im exakt berechneten Timing von unten gegen Heitzfeldts ungeschütztes, weit vorgeschobenes Kinn.
CRACK!
Ein furchtbar trockenes und unüberhörbares Knacken gellte durch den schallisolierten Kellerraum. Die immense Wucht des Aufpralls hatte Heitzfeldts Kopf in einem unnatürlichen Winkel extrem nach hinten gerissen. Sein Genick brach im Bruchteil einer Sekunde. Das triumphierende Grinsen auf seinem Gesicht erstarb augenblicklich und jegliche Lebenskraft verflüchtigte sich im selben Moment wie ein sich im Morgengrauen lichtender Nebel aus seinem stämmigen Körper. Der ehemals mächtige Zugführer Leon Heitzfeldt sackte wie ein gefällter Baum in sich zusammen und blieb wie ein Sandsack auf Elenas angekettetem Körper liegen. Absolut regungslos und mausetot erschwerte sein Kadaver Elena das Atmen und seine mit Stacheln besetzten Lederriemen bohrten sich schmerzhaft in ihr Fleisch.
Stille kehrte in das Berliner SM-Studio ein. Nur das schwer nach Luft ringende Atmen von Elena, deren Stirn von dem brutalen Aufprall heftig blutete, durchschnitt die verruchte Dunkelheit des Raumes. Sie hatte das Monster erledigt. Doch sie war immer noch nackt, verletzt und mit schweren Handschellen an ein Eisenbett gekettet – irgendwo in München –, dachte sie. An einem trostlosen Ort …
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Anna-Nina
Erfahren
1 Stunde vor

Ich bin begeister…! Eine perfekte Mischung zwischen Thrill und knisternder Erotik. Du bringst mich immer wieder zum staunen. 🫶

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