Sex-Coaching – Wie ein Nerd das Ficken lernte

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Worum geht es?

Jonas ist jung, unerfahren – und chronisch erfolglos bei Frauen. Bis ihm Silvana begegnet: eine heiße, dominante Sex-Coachin, die ihm in kürzester Zeit beibringen will, was Frauen wirklich wollen. Doch was als harmloses Date-Coaching beginnt, wird schnell zu einem gefährlichen Spiel mit dem Feuer:
Zwischen Berührungen, erotischen Massagen und ersten schüchternen Küssen wächst nicht nur Jonas‘ Selbstvertrauen, sondern auch sein Verlangen. Silvana zeigt ihm Schritt für Schritt, wie echte Hingabe funktioniert – und wie tief Lust gehen kann.

Anmerkung vorweg: Meine Protagonistin Silvana habe ich nach dem Vorbild einer guten Freundin von mir gestaltet. Natürlich habe ich ihr Aussehen sowie ihren Namen verändert – im Grunde ist sie aber echt Smile

1.

Wummernde Bässe dröhnten durch den Nachtclub und vermischten sich mit dem Johlen und Schreien einer feiernden Menge. Bunte Lichter blitzten umher, und künstlicher

Disconebel waberte um zuckende Körper, die sich aus purer Freude am Leben bewegten. Es roch nach Alkohol, sich vermischenden Parfümen und Schweiß. Und inmitten jener Menschen, die einen trunken vor Partylust, die anderen sturzbesoffen vom Schnaps, stand Jonas und nippte an einem Energydrink.
Er ließ seinen Blick durch die Menge schweifen, während er im Beat der Musik den klassischen Kopfnicker gab und sich möglichst unauffällig verhielt. Und das war wichtig, denn er musste sich in Ruhe umsehen. Und das tat er. Er musterte die Frauen und rechnete sich bei jeder seine Chancen aus. Diejenigen, bei denen er sich die höchsten Erfolgsaussichten attestierte, vermerkte er in seinem Hinterkopf. Dabei war es ihm nicht wichtig, eine zehn von zehn zu entdecken. Nein. Jonas war es egal, wie hübsch eine sie war. Oder wie toll sie sich bewegte. Ihr Zustand war wichtig. Denn alkoholisierte Frauen würden eher mit ihm mitgehen, als eine nüchterne. Und eine weitere, fast genau so relevante Sache wurde von ihm gewissenhaft überprüft: die Größe ihrer Gruppe. Denn war eine Lady von mehreren Freundinnen umgeben, konnte er sich jeden Anmachversuch sparen, die Erfolgschancen tendierten gegen null. Daher versuchte er, die Damen in der Menschenmasse ausfindig zu machen, die alleine da waren. Und ja, diese Frauen gab es. Zumindest zu dieser Tageszeit. Er sah auf seine Smartwatch. Kurz vor fünf Uhr morgens.
Viele Gruppen hatten sich um diese Zeit bereits aufgesplittet und deutlich verkleinert. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Partygängerin allein zurückblieb, war jetzt, kurz vor Ladenschluss, am höchsten. Aber eine Sache musste Jonas beachten. Denn zu betrunken durfte sein Zielmädchen nicht sein – das würde im Anschluss einiges verkomplizieren und er war nicht scharf darauf, von ihr angekotzt zu werden. Nein. Sie musste berauscht sein – aber nicht zu sehr.
Um sich und seine Urteilsfähigkeit nicht zu gefährden, hatte er bereits seit Stunden keinen Alkohol mehr angefasst. Zu Partybeginn, irgendwann gegen dreiundzwanzig Uhr, hatte er sich rasch zwei Bier und zwei Longdrinks genehmigt – das war wichtig für sein Selbstvertrauen. Jetzt, Stunden später, war sein Schwank verschwunden, aber der Mut war geblieben. Genau so, wie es sein sollte.
Die Tanzfläche klärte sich zunehmend. Immer mehr Gäste gingen nach Hause. Gegen halb sechs waren mit ihm nur noch knapp fünfzehn Menschen anwesend. Beinahe alle wirkten müde, teilweise zerstört, aber sie hielten sich mit ihrer letzten Kraft auf den Beinen, als würden sie die sterbende Nacht mit allem, was sie auffahren konnten, am Leben halten. The Party must go on!

Unter den schrumpfenden Gruppen befanden sich sechs Frauen. Drei von ihnen waren so betrunken, dass sie sich entweder an ihren Freunden, an einen der Stehtische oder Geländern abstützen mussten. Diese schieden automatisch aus.
Jonas konzentrierte sich auf die anderen drei, von denen sich aber ziemlich schnell herauskristallisierte, dass zwei in männlicher Begleitung anwesend waren. Auch diese strich er von seiner imaginären Liste. Die letzte Dame, allen Anschein nach allein, relativ standfest, aber müde, war eine Blondine. Sie war klein, schlank, ungefähr Mitte zwanzig. Sie hatte ein freundliches Gesicht, das man tatsächlich attraktiv nennen konnte, auch wenn ihre Nase größer war als bei den meisten Frauen, die Jonas kannte. Sie trug eine enge, schwarze Lederhose, die sich fest um ihre Hüfte gespannt hatte. Er schluckte. Sein Herz beschleunigte sich.
Die Frau – Dreamy, wie er sie in Gedanken nannte – strich sich langsam über die Arme, als würde sie frösteln. Jonas wusste, dass das unmöglich war. Der Club war stickig, die Luft voller Schweiß und Disconebel. Aber vielleicht lag es nicht an der Kälte. Womöglich war es Müdigkeit. Oder Alkohol. Eventuell ein erster, leiser Hinweis darauf, dass sie sich heute nach Nähe sehnte.
Sie sah zur Garderobe. Verdammt. Jonas’ Puls raste. Sie war auf dem Sprung. Er musste schneller sein. Ein tiefer Atemzug, eine unhörbare Aufforderung an sich selbst: Jetzt oder nie. Dann machte er den ersten Schritt auf sie zu.
Der Boden klebte. Strohhalme, Glasscherben, zertretene Zitronenhälften – Jonas fühlte sich wie in einem Schlachtfeld der Partynacht.
Nicht nachdenken. Einfach tanzen.
Er bewegte sich langsam, passte sich dem Beat an. Locker. Als wäre er ein Teil der Menge. Nur ein weiterer Nachtschwärmer, der im Takt wippte.
Dreamy stand nur wenige Schritte entfernt. Er näherte sich von der Seite. Sie hatte ihn nicht bemerkt. Das verschaffte ihn Zeit, sie sich in Ruhe von Nahen anzusehen. Und das, was er sah, gefiel ihm sehr.
Dreamys Bluse war halb geöffnet, der Stoff leicht zerknittert. Jonas folgte unbewusst der Linie ihres Schlüsselbeins, die sanft in das weiche Tal zwischen ihren Brüsten überging. Keine BH-Konturen. Nackt darunter. Er schluckte.
Ihre Brustwarzen zeichneten sich hart unter dem Stoff ab. Er stellte sich vor, wie er langsam mit den Fingern darüber streichen würde, wie sie darauf reagieren würde. Vielleicht ein leises, genüssliches Stöhnen? Vielleicht würde sie sich ihm entgegenpressen? Der Gedanke ließ seinen Magen kribbeln. Wie würde sie riechen? Wie würde sich ihre Haut auf seinen Lippen anfühlen?

Fuck, reiß dich zusammen!
Dreamy drehte sich plötzlich um ihre eigene Achse, ihr Blick traf seinen. Jonas hielt die Luft an. Er wusste nicht, ob sie dies der Musik wegen tat, oder ob sie ihn bemerkt hatte. Tatsache war, dass sie ihm direkt ansah. Das Grün ihrer Augen bohrte sich in seine Seele. Irgendwas in seiner Magengegend zog sich krampfend zusammen und ein kalter Schauer kroch über seinen Nacken.
Das Lächeln, dass die Frau während ihres Tanzens getragen hatte, verwandelte sich in etwas Misstrauisches. Sie legte ihre Stirn in Falten und sah ihn fragend an.
»Ist was?«, rief sie und übertönte die Musik.
»Ähm«, stammelte Jonas, dem auffiel, dass er nicht mehr tanzte, sondern einfach nur dastand. Er bemerkte, dass ihm jegliche Körperspannung fehlte. »Ich wollte … nun, einfach hallo sagen.«
Sie legte den Kopf quer und runzelte die Stirn noch mehr. »Was hast du gesagt?«
Jonas wurde klar, dass er lauter sprechen musste. »Ich wollte einmal hallo sagen!«
Ein merkwürdiges Lächeln zeigte sich auf Dreamys Lippen.
»Na dann, hallo zurück!« Sie lächelte schief, blinzelte träge und schwankte leicht, während sie eine Strähne aus ihrem Gesicht wischte. »Was willst du?«
Jonas’ Magen zog sich zusammen. Sein Mut, der sich eben noch sicher angefühlt hatte, begann zu bröckeln. Sie war betrunken, ja. Aber nicht so sehr, dass sie seine Unsicherheit nicht bemerken würde.
»Wie heißt du?«, fragte er, bemüht, seine Stimme fest klingen zu lassen.
»Häh?« Sie beugte sich leicht zu ihm vor, als müsste sie ihn aus nächster Nähe verstehen. Ihr Atem roch nach Tequila und Zitronenschnitzen. »Sag nochmal.«
»Wie heißt du?«
»Michelle.«
Sie streckte das Wort in die Länge, als würde sie es selbst gerade erst herausfinden. »Und du?«
»Jo-jonas.«
»Jojonas?« Sie kicherte.
»Nein, nur Jonas.«
Das Gespräch war anstrengend. Kann nicht endlich jemand dem DJ sagen, dass er Feierabend hat und seine Anlage abstellen kann? Michelle torkelte einen halben Schritt nach rechts. Beinahe hätte Jonas seine Hand ausgestreckt, um sie zu halten, aber er war plötzlich wie gelähmt. Hätte er doch bloß noch einen Longdrink mehr getrunken.
»Und, was machst du hier?«, fragte er und bemerkte sofort, wie dämlich seine Frage doch war. Ertappt ließ er seinen Blick schweifen und tat so, als hätte er mit Absicht etwas Doofes gesagt.
»Meine verdammte Steuererklärung«, rief sie ihm zu. Sie roch nach Tequila. »Und meine Wäsche.«
Er grinste. »Du bist witzig.«
Sie lächelte gezwungen und wandte sich um, während sie ihre Hüften zur Musik kreisen ließ. Dann machte sie einen Schritt von ihm weg. Kein gutes Zeichen. Aber er gab nicht auf. Er folgte ihr und umrundete sie so, dass sie wieder voreinander standen.
»Was gibt es, Jojonas?«
Sie veräppelte ihn. Das spürte er sofort. Er kannte dieses Gefühl nur zu gut.
»Ich wollte dich fragen, ähm …«
Jonas spürte, wie sein Mund trocken wurde. »Ich … wollte dich fragen, ob du was trinken möchtest.«
Michelle schnaubte leise, verdrehte die Augen und deutete auf die leere Bar. »Alter, die ist seit einer Stunde zu.«
»Ich weiß … aber wir könnten bei mir weitertrinken. Ich habe Bier, Wodka, Tequila, Limes und noch viel mehr.«
Sie schwankte leicht, schüttelte dann den Kopf. »Ach süß. Willst du mich flachlegen?«
Sie grinste schief, doch ihr Blick blieb prüfend.
Jonas öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Ja! Das will ich!, schrie etwas in seinem Kopf. »Ähm … also …«
»Ich bin betrunken, ja, aber nicht bescheuert.«
Sie hob eine Hand und machte eine abwehrende Geste. »Sorry, Nerd. Ich steh nicht auf dich.«
Das Wort Nerd traf ihn wie eine Ohrfeige. Warum war diese Frau so verletzend?
»Verpiss dich bitte«, forderte Michelle mit Nachdruck. »Ich bin nicht interessiert.«
Sie verschränkte die Arme vor der Brust, wobei ihr Busen hochgedrückt wurde. Jonas heftete seine Augen auf ihren Vorbau, was ihr nicht entging.
»Das man nicht einmal in Ruhe tanzen gehen kann«, zeterte sie und Jonas war sich trotz der zuckenden Discobeleuchtung sicher, dass sich ihr Gesicht rot färbte. »Überall lauert ihr notgeilen Böcke und versaut einem den Abend!«
Mit diesen Worten machte sie auf den Absatz kehrt und ließ ihn stehen. Dieses Mal folgte Jonas nicht. Er hatte es verstanden. Zum gefühlt hundertsten Mal in diesem Jahr wurde er so abserviert. Und dennoch sah er ihr hinterher, in der Hoffnung, dass sie Erbarmen zeigen würde. Aber er hatte kein Glück. So wie immer.
Niedergeschlagen verließ er den Club. Die Nacht war sommerlich warm und um ihn herum befanden sich amüsierte Partygänger, die wie er die hamburger Reeperbahn entlangschritten und allmählich nach Hause aufbrachen. Als er neben einem Schaufenster für Sexspielzeuge sein Spiegelbild bemerkte, blieb er stehen und betrachtete sich.
Seine Haare waren kraus, standen in diverse Richtungen ab und legten sich über seine Stirn. Sein blaues Seidenhemd mit dem asiatisch angehauchten Drachen glänzte verschwitzt, seine Billigjeans hatte auch schon bessere Tage gesehen.
Michelle hatte ihn als Nerd bezeichnet – und sie hatte recht. Genau das war er. Ein verdammter Nerd.
Ich werde für immer alleine bleiben, dachte er niedergeschlagen. Dann sah er sein Spiegelbild noch einmal an. Seine Haut war eigentlich makellos, sein Gesicht gut geschnitten. Seine Augen… Warum konnten Frauen ihn nicht sehen? Der Kloß in seinem Hals schien ihm die Luft abzuschnüren. Er fühlte sich plötzlich unendlich einsam.
Dabei war er realistisch gewesen. Daran, die Frau seines Lebens und spätere Mutter seiner kennenzulernen, hatte er an diesem Abend nicht gedacht. Nein. Solche Frauen lernte man nicht in Clubs kennen. Er wollte eine Frau für eine Nacht. Eine Frau, die seine lodernde Sehnsucht nach Körperkontakt erfüllen konnte. Die ihn ranließ und ihn den ersten richtigen Sex seines Lebens bescherte. Ohne Liebe, ohne Verpflichtung. Einfach nur Sex, damit er endlich wusste, wie dieser war, wie er sich anfühlte. Und vielleicht würde jener Sex die störenden Triebe töten, die seit Monaten wie ein Feuer in ihm brannten und ihn an jedem Wochenende in die Clubs der Stadt zogen, in der Hoffnung, endlich jemanden flachlegen zu können.
Alle seine Freunde hatten bereits Sex gehabt. Zugegeben, er auch, ein einziges Mal, als Sechzehnjähriger. Doch das zählte nicht. Dafür war es zu schlecht, zu verschwitzt, zu verkrampft gewesen. Und gekommen war er ebenfalls nicht. Und das musste er, damit er sich selbst nicht mehr als Jungfrau sah.
Er wollte weiche Haut berühren, Brüste anfassen, Pos massieren, Vaginas schmecken. Und nicht jeden Abend mit Pornos den Tag beenden, die ihn so unendlich wehmütig machten. Er sehnte sich nach Sex. Unbedingt. So sehr, dass er bereit war, die Frauen zu nehmen, die als letzte übrig blieben, die umnebelt vom Alkohol die niedrigsten Hemmschwellen hatten. Doch selbst diese gaben ihn immer einen Korb. Immer. Er konnte ihnen einfach nichts bieten. Nur sich selbst, einen Nerd. Und das reichte nicht.

2.

Am nächsten Morgen saß Jonas vor seinem Computer. Für einen Sonntag drang durch das geöffnete Fenster ungewöhnlich viel Verkehrslärm herein, doch das störte ihn nicht. Er trug ein Gamingheadset und war in ein Gespräch seiner Stammgruppe vertieft, während er per Tastatur und Maus eine virtuelle Figur über seinen Bildschirm steuerte. Es roch dezent nach warmen Blattwerk und Staub. Der Sommer war auch an diesem Tag erwacht und schickte sich an, Hamburg ein weiteres Mal zu rösten.
Er nippte an einer Tasse. Der Kaffee schmeckte gut. Er war herb, ungezuckert und schwarz – wie er ihn liebte.
»Ich bin gleich drin«, murmelte er ins Mikrofon und steuerte seinen Charakter durch einen mittelalterlichen Torbogen. »Wo seid ihr?«
»Gleich da«, gab PoOommes zurück.
»Schon drin«, antwortete MagicBagic.
»Brauche noch fünf Minuten«, ergänzte Blurrpp als Letzter.
Aus den Hörmuscheln drang genervtes Stöhnen an Jonas Ohren.
»Blurrpp, du Lahmarsch!«, fluchte PoOommes, der im echten Leben Sahin hieß. »Wieso brauchst du immer so abfucking lange?«
»Meine Freundin war gerade da und wollte wissen, ob ich einkaufen gehe.«
»Schließ dein Zimmer ab«, lachte MagicBagic, alias David. Jonas grinste amüsiert. Die Neuerung, sich beim gemeinsamen Spielen nur noch mit den Gamertags anzusprechen, gefiel ihm sehr.
»Als ob ich sie aussperren würde«, grummelte Maik, der ansonsten Blurrpp genannt wurde.
»Warum denn nicht?«, wollte Sahin wissen.
Eine kurze Stille entstand.
»Muss ich das wirklich beantworten?«
Die Jungs lachten.
»Ich habe wenigstens eine Freundin.«
»Sie ist in Wirklichkeit bestimmt deine Schwester«, witzelte David. »Ich kann es nämlich bis heute immer noch nicht glauben, das ausgerechnet du eine Abbekommen hast …«
»Pech im Spiel, Glück in der Liebe.«
Das stimmt, dachte Jonas, der Maiks Gamerfähigkeiten nur zu gut kannte und wusste, dass sein Freund das schwächste Glied ihres Quartetts war. Wieder erklang vielstimmiges Gelächter.
»Da wir nun warten müssen, bis Mister Lover-Lover zu uns stößt«, begann David, »könnte uns Smash2727 die Zeit mit Anekdoten seiner Partynacht versüßen.«
»Oh ja!«, stimmte Sahin ein.
»Ich renne und höre gleichermaßen«, stimmte Maik zu und auch Sahin gab sein Interesse zum Ausdruck.
Jonas, alias Smash2727, hatte eigentlich gehofft, dass seine Jungs ihn nicht auf dieses Thema ansprechen würden. Er seufzte. Die Erlebnisse des letzten Anmachversuchs hatten eine tiefe Wunde in ihm gerissen, was er seltsam fand. Denn es war bei weitem nicht das erste Mal gewesen, dass ihn jemand als Nerd betitelt hatte. Ganz und gar nicht. Und trotzdem hatte Michelles Abfuhr ihn heftiger verletzt, als er es für möglich gehalten hatte.
Woran das wohl gelegen hatte? Diese Frage hatte seine Nacht beherrscht und war ihm bis in seine Träume gefolgt. Eine Antwort darauf hatte er nicht gefunden – dafür aber eine Menge Frust.
»Pennst du, Smash2727?«, hakte Blurrpp nach.
Jonas riss sich aus seinen Gedanken. »Nein, ich war nur abgelenkt.«
»Also? Partynacht? Girls?«
Er seufzte. Und dann erzählte er seinen Freunden von dem, was im Club passiert war.
»Fotze«, bewertete Sahin das Erlebte trocken.
»Sie ist es nicht wert«, tröstete David.
»Weiber sind scheiße«, fügte Maik hinzu.
»Du hast ne Freundin, Mann!«
»Sie ist da eine Ausnahme.«
Die Jungs lachten verhalten, nur Jonas schwieg. Er grübelte. Überlegte. Sann darüber nach, ob er, wie geplant, Donnerstag Abend wieder losziehen würde, um einen neuen Versuch zu starten. Oder ob er einfach zu Hause bleiben und sich für die Arbeit schonen würde – denn mit einem Erfolg, besser gesagt, mit Sex rechnete er nach der letzten Nacht schon gar nicht mehr. Auch davon berichtete er seinen Jungs, die, obwohl Maik inzwischen ingame zur Gruppe aufgeschlossen hatte, in mitfühlendes Schweigen verfallen waren.
»Das ist hart, Mann«, brachte es Sahin schließlich auf den Punkt. »Abgefuckt hart.«
»Hm«, antwortete Jonas, während er nachdenklich aus dem Fenster in die Wolken blickte. Plötzlich rastete ein Gedanke in seinem Kopf ein.
»Wisst ihr was?«, begann er schließlich mit Wut in der Stimme zu erzählen. »Dann bin ich eben ein Nerd. Na und? Ich stehe auf Games, auf Pokèmon, auf dämliche Hemdmotive und Fantasy. Macht mich das zu einem nicht liebenswerten Menschen? Bin ich dadurch weniger wert?«
Ihm entgegnete Schweigen. »Ganz im Gegenteil. Auch ich habe meine Qualitäten. Guckt euch Blurrpp an. Er hat eine Freundin. Und er ist genau so viel Nerd, wie ich es bin. Warum sollte ich es nicht schaffen, eine Partnerin zu finden?«
»Blurrpps Freundin ist selber eine Gamerin«, fügte Sahin hinzu. »Das zählt nicht.«
»Hey!« entgegnete Maik wütend. »Sag so was nicht! Freundin ist Freundin.«
Die Jungs lachten verhalten, selbst Jonas grinste. Dabei meinte er das, was er zuvor gesagt hatte, vollkommen ernst. Er war ein Nerd, das stimmte. Und er war gerne einer. Er mochte sein Leben, das er sich bewusst so ausgesucht und eingerichtet hatte. Er schätzte seine Gewohnheiten, seine Hobbys, seinen Tagesablauf. Wäre da nur nicht das Problem mit der körperlichen Nähe, die ihm kein Videospiel simulieren konnte. Bilder von Brüsten, Ärschen und Vaginas flogen vor seinem Kopf umher. Er spürte deutlich, wie seine Hormone kickten, wie sein zweites Gehirn das Denken übernahm. Verdammt, ich will ein Nerd sein. Aber ein Nerd, der Sex hat! Ein Nerd, wie Maik einer war.
Davids Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. »Smash2727, nimm meine Einladung an!«
Jonas starrte verwundert auf seinen Monitor. Tatsächlich hatte sich ein neues Chatfenster geöffnet. Eines mit einer privaten Gestaltung. Nur er und David befanden sich darin, er musste dem Gespräch nur zustimmen.
»Was soll das?«, fragte er und runzelte die Stirn.
»Nimm schon an«, drängte ihn David abermals. »Ich habe einen klasse Tipp für dich.«
»Und diesen dürfen wir nicht hören?«, beschwerte sich Sahin.
»Nein. Der ist nur für Jonas.«
»Und was ist mit unserer Quest?«, mischte sich Maik ein. »Wir sind jetzt vollzählig.«
»Drauf geschissen«, zeterte David. »Das kann warten. Fangt ohne uns an.«
»Hey!«
Doch Jonas war neugierig geworden. Was hatte er ihm zu erzählen? Kurzerhand klickte er auf bestätigen und sogleich verstummten die empörten Rufe seines Teams automatisch. Sie waren nun zu zweit im neuen Chat.
»Was ist los?«, fragte er zögerlich in die Stille. Sein Freund antwortete nicht sofort, was seine Neugier noch verschärfte.
»Mein Cousin«, begann David schließlich, »hat mir neulich etwas erzählt.«
»Sowas machen Cousins manchmal«, antwortete Jonas ungeduldig. »Um was geht es?«
»Um dein Problem. Besser gesagt, um eine Lösung für dein Problem.«
»Jetzt bin ich dir hörig«, witzelte er und lehnte sich zurück. Seine Neugier wich der Erkenntnis, dass David, der ohnehin für seinen herausfordernden Humor bekannt war, ihn nach Strich und Faden verarschen würde.
»Ich meine es ernst. Schieben wir mal allen Spaß beiseite. Jetzt ist Realtalk angesagt.«
»Realtalk?«
»Jepp. So unter Männern.«
Jonas überlegte, ob er jemals mit David ein ernstes Gespräch geführt hatte. Ja, sie hatten sich oft bei ein oder zwei Bier über die Mühen des Lebens ausgetauscht, doch war dies stets oberflächlich geblieben. Was hatte sein Kumpel ihm zu sagen?
»Schieß los.«
»Also. Mein Cousin. Wie du weißt, ist er ganz lange single gewesen und mittlerweile vergeben.«
»Ist mir bekannt.«
»Er war einer von uns, richtig nerdig, richtig … nun, Dauersingle.«
»Auch bekannt.«
»Aber das hatte sich plötzlich geändert. Weißt du noch, wie wir uns darüber alle gewundert hatten?«
Jonas bejahte. Er konnte sich gut an die Euphorie erinnern, nachdem Davids Cousin Michi bekanntgegeben hatte, endlich eine Frau für sich gefunden zu haben.
»Und weißt du noch, wie wir uns alle gefragt haben, wie er das geschafft hatte?«
»Ja.«
»Nun, letzte Woche hat er es mir erzählt.«
Jonas lachte. »Na, jetzt bin ich aber mal gespannt. Du wirst es mit sicherlich erzählen. Mal sehen, wie lange es dann dauert, bis mir die Frauen die Türe einrennen.«
»Zieh das Ganze nicht ins Lächerliche«, meckerte David säuerlich. »Sonst lasse ich es bleiben.«
»Ist ja schon gut. Also, wie hat er es geschafft?«
»Mit einem Datingcoach. Einer Coachin, oder wie man das in weiblicher Form eben nennt.«
Jonas lachte los. »Er hat Datingunterricht genommen?«
Er erwartete, dass auch David in sein Gelächter einstieg und endlich den Witz auflöste. Doch er tat es nicht. Stattdessen antwortete der Mann, der den sinnlosen und kaum ernstzunehmenden Gamertag MagicBagic trug, mit einer für ihn ungewohnt ernsten Stimme.
»Sie ist viel mehr als nur eine Tippgeberin für Dates. Sie bringt dir bei, wie man eine Frau anspricht, wie man sie verführt und schließlich, wie man mit ihr schläft. Und zwar so, dass sie immer mehr will, dass sie bei dir bleiben will.«
»Du verarscht mich doch.«
In Jonas stieg eine kribbelnde Wut empor. Nach dem, was er gestern Abend erlebt hatte, hatte er es nicht verdient, veräppelt zu werden. Er führte den Mauscursor zur Schaltfläche, die den Voicechat beenden würde.
»Nein!«, rief David energisch. »Verdammt, er hat es mir bis ins kleinste Detail erzählt. Diese Frau gibt es wirklich!«
»Und selbst wenn es sie geben würde, erwartest du, dass ich mich coachen lasse?«
»Warum nicht? Bei ihm hat es doch auch geklappt.«
Eine kurze Stille entstand. Dutzende Fragen flogen durch Jonas Kopf. Erzählte David die Wahrheit? Konnte man tatsächlich lernen, wie man datet? Wie man verführte? Jonas hielt diese Fähigkeiten stets für gottgegeben, einfach angeboren. Entweder war man ein Frauenheld, ober eben nicht. Er hingegen war keiner. Und trotzdem versuchte er es immer wieder – mit bekanntem Erfolg.
»Wie macht sie das?«
»Hm. Also zuerst trifft sie sich mit dem Kunden. Sie möbelt ihn auf. Gibt ihm Tipps, stärkt sein Selbstvertrauen. Und dann, dann schläft sie mit ihm.«
Jonas Mund wurde plötzlich ganz trocken. Sein Herz machte einen Satz.
»Also ist sie eine Prostituierte?«
»Ich glaube nicht, dass sie so genannt werden möchte.«
»Nimmt sie Geld dafür?«
»Na klar. Nicht wenig sogar.«
»Dann ist sie eine.«
David stöhnte genervt. »Nein. Sie ist eine Lehrerin. Sie bringt dir all das bei, was du brauchst, um endlich von deinem Bildschirm wegzukommen und ins Leben zu starten.«
»So ein Quatsch.«
»Warum?«
»Ich gebe doch kein Geld dafür aus, um mir Datingtipps anzuhören und dann mit der Lehrerin zu schlafen. Das ist … irgendwie billig.«
»Und jedes Wochenende aufs Neue auf eine erfolglose Restefickentour zu gehen nicht?«
Jonas schwieg einen Moment. »Touchè.«
»Siehst du. Sie soll sehr gut sein, in dem, was sie tut. Mein Cousin hat den Tipp von einem Kumpel bekommen, der auch sehr zufrieden ist. Und jener Kumpel hat ebenfalls nen Tipp von einem Kumpel bekommen. Und so weiter. Die Frau kann was, davon bin ich überzeugt.«
»Hast du sie auch angerufen?«
David lachte. »Nein, Mann. Ich bin pleite. Keine Chance.«
»Wie viel nimmt sie denn?«
»Keine Ahnung. Michi meinte, ich solle sie erst anrufen, wenn ich etwas angespart habe.«
Jonas dachte nach. Wäre ein Sexcoaching, beziehungsweise, ein Datecoaching das, was er brauchte? Etwas in seiner Magengegend kribbelte aufgeregt. Sie würde mit ihm schlafen. Dabei hatte er es stets abgelehnt, Sex durch Bezahlung zu haben. Er fand das nicht richtig. Aber in diesem Fall … War es mehr, als die bloße Lust. Vielleicht hatte ein Treffen mit der Frau tatsächlich einen Mehrwert für ihn. Manchmal schmiss das Leben einem die Chancen direkt vor die Füße. Man musste diese nur selbstständig erkennen und aufheben. Wer eine solche Möglichkeit nie annahm, würde niemals weiterkommen und auf der Stelle treten. War dieses Coaching die Chance, seine Chance, die ihm das Leben vor die Füße gelegt hatte?
Eine andere Frage drängte sich ihm auf. Würde er sich das überhaupt trauen? Eine Frau, die genau wusste, was sie tat. Eine Frau, die ihm beibringen konnte, wie es sich anfühlen konnte. Weiche Lippen auf seiner Haut. Sanfte, aber fordernde Hände, die ihn lenkten. Ihre Stimme, leise, heiß, direkt an seinem Ohr.
Sein Herz raste. Eine Prostituierte – pardon, eine Sexlehrerin – war sicherlich sehr selbstbewusst und erfahren. Er dagegen war … ein Nerd. Nichts im Vergleich zu ihr.
Wenn du alleine in einen Club gehen und Frauen ansprechen kannst, dann kannst du auch das!
Seine innere Stimme hatte mit Energie gesprochen. Und Jonas fühlte, dass sie recht hatte.
»Und du verarscht mich wirklich nicht?«
»Nein, Mann.«
Werde ich das tatsächlich machen? Verdammt, das würde bedeuten, dass ich endlich Sex …
»Soll ich dir die Nummer besorgen oder nicht?!«
Jonas spürte, wie sein Bauch kribbelte, als hätte jemand eine heiße Hand auf ihn gelegt. Sein Unterleib zog sich zusammen, seine Lenden prickelten, ein dumpfes Pochen breitete sich aus. Der Gedanke, dass eine erfahrene Frau ihn berühren, führen, ihn in diese verlockende Welt einweihen würde – sein Penis regte sich.
Er drückte die Beine aneinander. Fuck! Die Vorstellung allein brachte ihn schon an den Rand der Kontrolle. Er würde Sex haben. Echten, richtigen Sex. Und verdammt, vielleicht verhalf ihm dieser zu noch mehr Sex. Und noch mehr!
»Besorge sie mir!«

3.

Seit beinahe einer halben Stunde tigerte Jonas in seiner Wohnung auf und ab, das Smartphone dabei stets in seiner Hand. Er durchquerte das Schlafzimmer, das gleichzeitig sein Gamerzimmer war, den kurzen Flur, der nach alten Schuhen roch, die Küche, das Wohnzimmer. Das ein oder andere Mal betrat er das winzige Bad, nur um es im Anschluss direkt wieder zu verlassen. Er war, nachdem er von David die Telefonnummer der Sexlehrerin bekommen hatte, äußerst nervös. Und diese Nervosität bekämpfte er mit Bewegung.
Wähl einfach die beschissene Nummer, spornte er sich selbst an. So schwer ist das doch nicht!
Nein – so schwer war es nicht. Das wusste er. Es war sogar noch viel schwerer. Der Wunsch nach Intimität kämpfte gegen die Scheu vor fremden, selbstbewussten Menschen. Und genau ein solcher würde am anderen Ende der Leitung auf ihn warten – daran bestand kein Zweifel.
Im Club schaffe ich es auch, schimpfte er im Stillen. Ich habe so oft Frauen angesprochen. Wie habe ich das geschafft?
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Alkohol. Auf der Jagd nach dem weiblichen Geschlecht hatte er sich stets Mut angetrunken. Er blickte auf die Uhr. Es war noch nicht einmal Mittag. Für Sprit eindeutig zu früh. Aber heiligte der Zweck nicht die Mittel?
Er ging ins Wohnzimmer und öffnete die Vitrine neben dem Fernseher. In dieser erwartete ihn ein Sammelsurium aus diversen Flaschen, einige geöffnet, andere unangetastet. Verunsichert ließ er seinen Blick über die Mutmacher schweifen. »Hm …«
Nein, das war nichts für ihn. Auf warmen Schnaps hatte er zu dieser Tageszeit keine Lust. Sein Magen rumorte bestätigend. Er schloss die Vitrine, steckte das Handy in die Hosentasche und ging in die Küche zum Kühlschrank. In diesem schlug ihn gähnende Leere entgegen. Nur in einem der unteren Fächer lagen lose Bierflaschen. Er nahm eine heraus und betrachtete das Etikett seiner Lieblingssorte. Kurzerhand zog er seinen Haustürschlüssel aus der Tasche und setzte diesen am Kronkorken an. Er zögerte.
»Was verdammt noch mal mache ich hier eigentlich?«, schimpfte er und legte die Flasche in den Kühlschrank zurück. Wenn ich mich nicht traue, nüchtern mit einer Frau zu telefonieren, wird sich mein Leben niemals ändern! Er schmiss die Tür so kräftig zu, dass der spärliche Inhalt des Kühlmöbels wütend klirrte. Dann zog er sein Smartphone hervor, entsperrte es und klickte auf die Nummer, die die Kraft hatte, sein Leben in neue Bahnen zu lenken.
Das Gerät tutete leise. Er aktivierte den Lautsprecher, legte es auf den Küchentisch und setzte sich davor. Es tutete und tutete. Die Lehrerin nahm nicht ab. Sein Herz, das vor Aufregung raste, rutschte ihm enttäuscht in die Hose. Nervös trommelte er mit den Fingern auf die Tischplatte. Als er auflegen wollte, endete das Tuten und eine Frauenstimme erklang.
»Silvana Martens.«
Jonas schluckte, ein kalter Schauer schoss durch seinen Körper. Ihm wurde schwindlig, sein Sichtfeld verschwomm. Blanke Panik nahm von ihm Besitz.
»Hallo?«
Die Stimme der Frau klang gestresst. So, als wäre sie voller Eifer zu einem entfernt liegend klingelnden Telefon gerannt. »Hallo?«!
»Ähm«, stotterte Jonas, dessen Sichtfeld sich langsam klärte. »Ja, hallo. Hier ist Smash2727.«
Er biss sich in die Hand, bis der Schmerz fast unerträglich wurde. Hatte er ihr gerade allen Ernstes seinen Gamertag genannt?
»Smash … was?«
»Ähm nein, tschuldigung. Ich heiße Jonas. Jonas Schubert.«
Die Frau, sie hatte sich, wenn er sich richtig erinnerte, als Silvana vorgestellt, lachte verunsichert. »Hast du dich verwählt?«
»Ähm nein, ich glaube nicht. Ich habe Ihre Nummer von einem Freund bekommen.«
»Okay. So was passiert. Und weswegen rufst du an?«
Sie duzte ihn. Durfte er das auch?
»Also … ich …«
»Okay, ich kann es mir schon denken. Du scheinst nervös zu sein. Sowas erlebe ich häufiger, wenn es sich um ein ganz spezielles Anliegen handelt.«
Jonas nickte bestätigend, was seine Gesprächspartnerin natürlich nicht sehen konnte. Wieder ärgerte er sich über seine eigene Unfähigkeit. Er war so tollpatschig!
»Du möchtest ein Coaching?«
Seine Kehle war plötzlich staubtrocken. So, als hätte der Hamburger Sommer alle Feuchtigkeit aus der Luft und den lebenden Organismen gebrannt.
»J-ja.«
»Okay. Damit sind wir schon einen Schritt weiter. Und bevor wir fortfahren, steck das Sie bitte in eine Schublade, die du abschließt. So möchte ich nicht angesprochen werden.«
Silvanas Stimme war sympathisch, jung, und gleichzeitig dominant streng. Jonas nickte erneut.
»Also, Jonas«, sagte sie. Der Klang seines Namens aus ihrem Mund hatte etwas Magisches. Ohne, dass er sie jemals gesehen hatte, spürte er, wie er sich zu ihr hingezogen fühlte. »Was genau führt dich zu mir? Erzähle mir etwas darüber und wir besprechen dann, welches Coaching zu dir passt.«
»Ähm«, presste der Nerd, und eben so fühlte er sich in diesem Moment, aus seinem ausgetrockneten Mund hervor. »Ich habe Probleme.«
Die Frau lachte verhalten. Aber es war ein freundliches, wertfreies Lachen. Nicht so wie das spöttische Lachen der Ladys in den Clubs, wenn sie ihn abservierten.
»Das haben alle, die mich anrufen. Kannst du es besser beschreiben?«
»Ich … versuche es.«
Jonas zögerte und überlegte, wie er beginnen sollte. All das, was er sich in der letzten halben Stunde während seiner Tour durch die Wohnung zurechtgelegt hatte, war verschwunden. »Ich möchte endlich eine Frau kennenlernen«, begann er schließlich.
Und Sex haben!
»Ich weiß nicht, wie ich sie anspreche und von mir überzeuge.«
Und wie ich sie flachlegen kann!
»Gut, damit kann ich schon mal etwas anfangen«, überlegte Silvana. »Du suchst also Datingtipps. Beziehungsweise, du möchtest Dating erlernen.«
»Ja, genau.«
»Noch etwas? Etwas, das daran anschließt?«
Ja! Ich will Sex haben!
Jonas zögerte verlegen. Sekunden der Stille vergingen.
»Du musst es schon aussprechen«, kam es streng aus dem Lautsprecher. Diese Frau hatte ihn offensichtlich direkt durchschaut.
»Ich … brauche Hilfe bei dem … was sich an ein erfolgreiches Date anschließen könnte.«
»Es auf den Punkt zu bringen und auszusprechen ist der erste Schritt, mein Lieber. Sei mutig, ich beiße nicht.«
Er wusste, was sie hören wollte. Er zögerte. Die Zeit zog sich unangenehm in die Länge. Ob Michi auch, so wie er, herumgedruckst hatte, bevor er es aussprechen konnte? »Ich … Ich will … Sex. Und ich weiß nicht, ob ich es … kann.«
»Jeder kann Sex.«, antwortete Silvana prompt. »Das ist uns angeboren. Mache dir da keine Sorgen. Guter Sex hingegen ist etwas anderes. Sex, der nicht nur einem selbst, sondern auch dem Partner gefällt. Normalerweise kommt das von allein, wenn man es das eine oder andere Mal gemacht hat und offen für die Wünsche des Gegenübers ist. Aber manchmal … muss man etwas nachhelfen. Ist es das, was du möchtest?«
Er schwieg. Dachte über ihre Frage nach. Dann kam es aus seinem Mund, schonungslos und ehrlich. »Ich weiß nicht, ob ich es kann. Ich bin quasi …«
Es fiel ihm schwer, das Wort auszusprechen. Sie kam ihm entgegen. »Jungfrau?«
»Zum einen ja, zum anderen nein.«
»Das musst du erklären.«
»Ich hatte schon einmal Sex. Das ist aber ein paar Jahre her. Und es war … schlecht. So schlecht, dass es eigentlich nicht zählt.«
»Okay, ich verstehe. Und davon abgesehen kein weiteres Mal?«
»Nein.«
»Hm. Also ein Coaching mit dem Schwerpunkt Dating und Sex? Ich biete noch ein drittes Paket an. Dieses enthält Beziehungstipps. Quasi all das, was wichtig wird, wenn das Date und euer erstes Mal gesessen haben. Möchtest du das auch?«
Jonas überlegte. Doch seine Antwort war ihm direkt klar. Er wollte vor der Frau aber zumindest aus Höflichkeit so tun, als dachte er über ihr Angebot nach. »Nein. Die ersten beiden reichen.«
Die Dame fürs Leben kommt später – aber ich will mir jetzt meine verfluchten Hörner abstoßen!
»Okay, ich verstehe. Das kriegen wir hin, Casanova.«
Obwohl er nicht wusste, wie genau er diese Betitelung einordnen sollte, freute er sich über die Zuversicht, die in Silvanas Stimme lag.
»Also, du bist technisch keine Jungfrau mehr, praktisch aber schon. Wir müssen also ganz von vorne anfangen.«
Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. »Ja«, antwortete er kleinlaut.
»Wie bist du?«
»Zwanzig.«
»Und du wohnst in Hamburg?«
»Ja.«
»Gut. Das hätte ich vielleicht zuerst fragen sollen. Anfragen aus anderen Städten lehne ich nämlich prinzipiell ab.«
»Okay.«
»Hast du einen Job? Eine Wohnung?«
»Ja, beides. Ich bin Malergeselle und habe eine Zwei-Zimmer-Unterkunft.«
»Ist sie aufgeräumt?«
Jonas ließ einen verunsicherten Blick durch die Küche schweifen. Ja, die Arbeitsflächen waren relativ sauber und er hatte sie vor ein paar Tagen gewischt. Aber er wusste nicht, wie sehr Frau sich an dem Geschirrberg stören würde, der sich an und in der Spüle auftürmte. Er beschloss, dieses Problem direkt nach dem Telefonat anzugehen.
»So lala.«
»Okay. Also bist du etwas chaotisch?«
Diese Frage hatte er sich noch nie gestellt. Was würde sie aus seiner Antwort schließen?
»Das würde ich nicht sagen. Aber ich bin wohl auch nicht das, was meine Mutter sich damals von mir gewünscht hätte.«
»Junggeselle halt«, antwortete Silvana. »Und Körperpflege?«
Diese Frau ist direkt, schluckte Jonas, während sein Magen gekränkt rumorte.
»Ich glaube, die ist normal.«
»Also, wenn wir uns zu dem Coaching verabreden, setze ich eine gewisse Pflege voraus. Immerhin werde ich mit dir schlafen und das soll auch für mich ein angenehmes Erlebnis werden. Verstehst du?«
Jonas hatte bei den Worten immerhin werde ich mit der schlafen direkt abgeschaltet. Den Not-aus gedrückt. Sein Kopf war eingefroren, sein Denken ausgestoppt. Es dauerte einen Moment, bis er sich fangen konnte.
»Klar, ich verstehe«, sagte er mechanisch.
»Das wäre dann schon mein erster Tipp. Präsentiere dich so, wie du es von einem anderen erwarten würdest. Denn du überzeugst nicht nur durch den primären Eindruck, wie zum Beispiel mit einer tollen Frisur und einem gepflegten Bart. Sondern auch mit einer gewissen Körperpflege, die sich erst später zeigt. Wenn du es tatsächlich schaffst, eine Dame zu dir ins Schlafzimmer zu verführen, wäre es doch äußerst ärgerlich, wenn sie durch etwas anderes, wie einem außer Kontrolle geratenden Sackhaar-Afro in die Flucht getrieben wird, oder?«
Jonas musste aufgrund ihrer Wortwahl schmunzeln. »Ich verstehe vollkommen.«
»Da bin ich mir sicher. Also, wenn du Interesse an dem Coaching hast, machst du dir zu dem zuletzt gesagten ein paar Gedanken. Alles andere Regeln wir beim Treffen.«
»Was meinst du damit?«
»Ganz einfach. Körperpflege ist dein Ding, aber bei deiner sonstigen Erscheinung kann ich dir gerne behilflich sein. Du willst eine neue Frisur, weißt aber nicht, welche zu dir passt? Kein Problem, ich helfe dir. Du willst einen neuen Kleidungsstil? Einen, der dir bei den Frauen weiterhilft? Ich übernehme das. Wir gehen shoppen.«
»Okay, klingt gut.«
»Kommen wir aber zunächst zu meinem Preis. Mein Coaching ist nicht von der Stange und kostet einiges. Weißt du darüber Bescheid?«
Jetzt kam der Knackpunkt. Dass Silvana teuer war, hatte David bereits angedeutet. Sein Herz ratterte unruhig. »Ich habe gehört, dass dein Service … das du dich nicht verramscht.«
Sie kicherte. »So kann man es auch ausdrücken. Also, Klartext. Das Coaching im Doppelpaket Dating plus Sex kostet 1500 Euro. Zahlbar in Bar direkt beim Treffen.«
Jonas wurde schwindelig. Das war beinahe die Hälfte dessen, was er auf seinem Konto hatte.
»Dazu kommen Spesen. Wie zum Beispiel Frisör, Shopping, Verpflegung. Denn der Tag wird lang und wir müssen auch etwas essen. In der Regel empfiehlt es sich, dafür mindestens weitere 500 Euro einzuplanen.«
Er schluckte. 2000 Piepen. Das war viel Geld. Für einmal Sex wirklich sehr, sehr viel. Etwas in ihm protestierte wütend. Es ist nicht nur Sex, es ist mehr. Ich bekomme eine Anleitung für viel, viel mehr Sex.
»Ich weiß, dass das eine harte Nuss ist. Du kannst gerne ein paar Nächte darüber schlafen und meldest dich dann, wenn du zusag-«
»Ich will es«, schnitt er ihr das Wort ab. »Ich habe das Geld.«
»Okay, prima«, frohlockte Silvana. »Ich verspreche dir, dass das Coaching jeden Cent wert ist.«
Da bin ich mir sicher, dachte sein zweites Gehirn. Er versuchte, sich die Frau am anderen Ende der Leitung vorzustellen. Wie mochte sie aussehen? War sie groß, mit endlos langen Beinen, die in High Heels noch verführerischer wirkten? Oder war sie eher klein und geschmeidig, mit einem Po, der sich unter enganliegenden Hosen perfekt abzeichnete? War ihre Haut sonnengeküsst, weich wie Satin? Hatte sie diesen hellen, reinen Ton, der sich gegen dunkle Dessous meisterhaft abhob?
Sein Blick verschwamm, während in seinem Kopf eigene Bilder entstanden. Er stellte sich vor, wie sie vor ihm stand, nur in zarter Spitze. Ihre Brüste waren fest, rund, die Art von Oberweite, die sich perfekt in seine Hände schmiegen würde. Die Art, die seine Lippen umfassen wollten, die unter seinen Küssen verhärteten.
Doch sein Fantasieblick wanderte tiefer. Ihr Bauch flach, geschwungen, vielleicht mit einem zarten Piercing über dem Bauchnabel. Und darunter – nackt? Oder rasiert mit einem schmalen Streifen, der seine Fantasie noch mehr befeuerte?
Wie mochte ihre Vagina aussehen? Er schluckte schwer. Würde sie feucht sein, wenn er seine Finger dort entlangstrich?
Sein ganzer Körper zog sich zusammen, während seine Hände in Gedanken über ihre Hüften glitten. Sein Griff wanderte tiefer, umfasste die Rundung ihres Pos, fest, prall, die perfekte Form, um sie in einem Moment der Begierde an sich zu ziehen.
»Wie wäre es mit nächsten Samstag?«, unterbrach Silvanas Stimme seine notgeile Gedankenspirale. »Gleich morgens gegen acht? Dann haben wir den ganzen Tag Zeit und können das Beste daraus machen.«
Samstag hatte er sich eigentlich bei seinen Eltern eingeladen. Auch seine Geschwister würden kommen, sogar die Tante, die er nur selten sah, war eingeplant. Aber das, was er gerade am Telefon verabredete, war wichtiger und er würde sicherlich eine gute Ausrede finden. Immerhin ging es um seine Zukunft. Und um seinen Penis. Und der hatte ein enorm gewichtiges Mitspracherecht.
»Samstag ist perfekt.«

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:-* Kim

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bengel07
Erfahren
8 Monate vor

So dann bin ich mal auf das coaching gespannt

CarstenWRSSG
Author
9 Monate vor

Mir persönlich gefällt die Story echt gut, ich bin auf die Fortsetzung gespannt. Deine Art zu schreiben gefällt mir echt gut!

Klawi1951
Erfahren
9 Monate vor

Das ist ein starker Anfang und bin jetzt gespannt, wie es weitergeht. Freue mich auf die Fortsetzung.

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