Sex-Coaching – Wie ein Nerd das Ficken lernte (Teil 2)
Veröffentlicht amViel Spaß beim Lesen des zweiten Teils (Kapitel 4-6) meiner heißen Geschichte – es wird dirty!
4.
Jonas saß auf einer Parkbank und betrachtete seine Hände. Er drehte sie, musterte die Finger und die Nägel, die er sich am Vorabend feinsäuberlich geschnitten hatte. Passanten liefen an ihm vorbei, ohne sich um den jungen Mann zu kümmern, der auf jemanden zu warten schien.
Er warf einen nervösen Blick auf seine Uhr, die ihm verriet, dass sie gleich kommen würde. Sein Körper zitterte vor Aufregung. Er sah sich um. Versuchte herauszufinden, welche der Frauen, die in seine Richtung unterwegs waren, die Sexlehrerin sein könnte. Weil seine Nervosität ein Ventil brauchte, spielte er mit den Händen und strich sich über die Oberschenkel.
Seine Gedanken glitten zurück und er ließ die letzten Tage Revue passieren. Am Mittwoch hatte er sich rasiert. Nicht im Gesicht, da war er so gut wie haarlos. Nein. Er hatte den Säbel an seiner Brustbehaarung angesetzt, anschließend
Kurz bevor er in Richtung Park aufgebrochen war, hatte er gründlich geduscht und rekordverdächtig lange die Zähne geputzt. Er hatte seine beste Alltagskleidung rausgesucht, was nicht einfach gewesen war, da beinahe jede seiner Boxershorts und Socken löchrig waren. Den Kampf gegen seine widerspenstigen Haare hatte er allerdings verloren – sie ließen sich von ihm kaum in Form bringen und freche Strähnen ragten wirr zu allen Seiten ab. Hätte er doch bloß den Gang zum Frisör gewagt, aber dafür war es nun zu spät.
Ein kleiner Vogel landete unweit vor ihm auf dem Boden und pickte etwas auf. Das stetige Kopfnicken des Tieres zog ihn in seinen Bann. Sein Herzschlag beruhigte sich für einen Moment – dann fiel ein Schatten auf ihn.
Sein Magen zog sich zusammen. Er hob langsam den Blick und bemerkte die Frau, die vor ihm stand. Sein Mund wurde trocken. War sie das?
»Jonas?«, fragte sie und lächelte ihn mit knallroten Lippen an. Er schluckte. Das musste sie sein. Silvana.
»Ja, d-der bin ich«, antwortete er mit brüchiger Stimme, während er die Frau von oben bis unten musterte. Wow!
Ihr Körper war perfekt proportioniert – schlank, aber mit genau den passenden Rundungen an den richtigen Stellen. Lange, schwarze Haare fielen ihr glatt auf die Schultern, perlten von dieser ab und legten sich in einzelnen Strähnen auf ein weißes Top, das eng anlag und die Form ihrer Brüste betonte. Ihr Dekolleté hob und senkte sich sanft mit jedem Atemzug – ein hypnotischer Rhythmus, der ihn für einen Moment die Welt um sich herum vergessen ließ. Eine hautenge Dreivierteljeans umschloss eine schmale Hüfte und endete über schneeweißen Chucks. Er schätzte sie auf Mitte dreißig, etwas älter also, als er sie am Telefon empfunden hatte.
Wow!, dachte Jonas und bemerkte zu spät, dass ihm der Mund offen stand. Sofort schoss ihm eine brennende Röte ins Gesicht. Er erhob sich, was mit seinen zitternden Knien alles andere als einfach war und wurde bald von einem anziehenden Parfüm eingenommen. Wie würde es weitergehen? Gaben sie sich die Hände? Wie begrüßte man eine Frau, die noch am selben Tag Sex mit einem haben würde?
Sie schien seine Verunsicherung zu spüren und streckte eine Hand aus. Er ergriff sie und wurde sich sofort bewusst, wie verschwitzt seine Flosse im Vergleich zu ihrer doch war.
Silvanas Finger waren lang, beinahe zerbrechlich, ihre Haut weich. Und trotz alledem strahlte ihre Hand so unendlich viel Kraft aus, dass es Jonas die Sprache verschlug.
»Schön, dass es geklappt hat«, freute sie sich und offenbarte makellose Zähne. Mehrere Piercings an ihren Ohren glitzerten im Licht der Sommersonne. »Du glaubst gar nicht, wie viele Kerle nicht zu den Verabredungen erscheinen.«
Jonas nickte stumm, konnte die Männer aber verstehen. Für ihn grenzte es an ein Wunder, dass auch er kein Reißaus genommen hatte.
Von der Frau, die im Grunde so zierlich wirkte, ging eine enorme Aura aus und er war sich sicher, dass jeder Geigerzähler bei ihr eine mächtige Strahlung feststellen würde.
»Eine formale Sache, bevor wir beginnen.«
Silvana öffnete ihre Handtasche mit einer selbstbewussten, eleganten Bewegung, zog eine Geldbörse heraus und sah ihn mit ruhigen, aber bestimmten Augen an. Jonas verstand sofort. Sein Puls beschleunigte sich, als er nach dem dicken Geldbündel in seiner Hosentasche griff. Als er ihr die 1500 Euro überreichte, sah er sich verstohlen um. Er fühlte sich beinahe so, als würde er von der Frau etwas Verbotenes kaufen. Ob die Passanten, die sie passierten, ihnen fragende Blicke zuwarfen? Was würden sie über ihn denken, einen jungen Mann, der einer hübschen Dame Bargeld zusteckte? Oh Gott, dachte er, nicht, dass sie annehmen, dass ich eine Prostituierte …
»Ich bedanke mich herzlich«, sagte Silvanas, nachdem sie das Geld verstaut hatte. Dann legte sie den Kopf quer, schenkte ihm ein Lächeln und musterte ihn. In ihr Gesicht schlich sich etwas Kritisches, aber ihr Lächeln hielt stand.
»Wollen wir ein Stück gehen?«
Sie wies den Weg entlang. Jonas bejahte, und schon setzten sie sich in Bewegung. Silvanas Art sich fortzubewegen war lässig-elegant. Er dagegen fühlte sich wie ein greisenhafter Holzwurm, der nicht mehr dazu in der Lage war, einen geraden Schritt zu machen. Er ärgerte sich darüber, dass so etwas Banales wie gehen so schwer sein konnte.
»Du bist aufgeregt, nicht wahr?«, stellte sie fest und sah ihn gutmütig an.
»Und wie«, bestätigte er kleinlaut und senkte den Blick. Als ein Skater an ihnen vorbeidonnerte, sah Silvana diesem hinterher – und Jonas nutzte den Moment schamlos aus. Seine Augen glitten über ihre schmale Taille, tiefer zu den verdammt engen Jeans, die sich um ihren Po spannten wie eine zweite Haut.
Heilige Scheiße. Ihr Hintern war ein Kunstwerk – rund, knackig, wie gemacht dafür, ihn zu greifen, zu kneten, an sich zu ziehen. Ein brennendes Pochen durchzog seinen Unterleib, sein Körper reagierte, als hätte sie ihn berührt.
Er schluckte schwer, riss sich los und zwang sich, nach vorne zu blicken. Aber sein Gehirn gehorchte ihm nicht. Er hielt die Luft an und mahlte sich aus, wie er mit der Hand über ihren Po …
Reiß dich zusammen, Mann!
»Das ist auch okay. Ich werde mir die größte Mühe geben, dir das Coaching so angenehm wie möglich zu gestalten.«
»Danke.«
»Also, Jonas. Bist du gut in den Tag gestartet? Hast du gut gefrühstückt?«
»Nicht wirklich«, gestand er. »Ich war zu aufgeregt.«
»Süß«, lächelte Silvana. Dann tat sie etwas, das er nicht erwartet hatte. Sie ergriff seine Hand und ließ sie nicht mehr los. Dabei sah sie ihn erwartungsvoll an.
»Hast du schon einmal Händchen gehalten?«
Er war sich sicher, dass sein Gesicht melonenrot glühte. Er schüttelte den Kopf.
»Und wie findest du es?«
Jonas spürte in sich hinein. Die Wärme ihrer Hand war anders, als er es sich vorgestellt hatte – sie war nicht nur angenehm, sie elektrisierte ihn. Ihre Finger waren schlank, aber kräftig, ihre Haut weich, aber mit einem festen Griff. Er fühlte sich gehalten, geführt – und er wollte diese Berührung nicht mehr loslassen.
Aber da war noch mehr. Ein Knistern, das ihm durch die Brust schoss und tiefer sank. Etwas in Watte Gepacktes, etwas Rosafarbenes, etwas … Schönes.
»Ich … mag es.«
Als eine Gruppe von Männern und Frauen an ihnen vorbeiging, verkrampfte er etwas. Sie schien es zu spüren.
»Ist es dir unangenehm, wenn uns jemand so sieht?«
»Das nicht. Nur ungewohnt.«
»Du hast gezuckt.«
Jonas dachte nach. »Irgendwie ist es komisch, mit jemanden an einer Hand zu gehen, den man nicht kennt.«
Sie nickte. »Im Grunde hast du recht. Ich will dir damit auch nur zeigen, wie schön das Händchenhalten sein kann, und dass es sich lohnt, sich ins Zeug zu werfen, damit man einen Partner bekommt, mit dem man es machen kann.«
Jonas nickte. Doch diese Art der Zärtlichkeit war ihm weniger wichtig als das, was im Verlauf des Tages passieren würde. Sie musterte ihn erneut.
»Also. Ich würde vorschlagen, dass wir zu allererst zum Frisör gehen. Ich kenne einen hier in der Nähe, der nicht nur gut schneidet, sondern auch fantastischen Kaffee serviert. Was hältst du davon?«
»Klingt super.«
»Und im Anschluss können wir mal ein paar fesche Klamotten für dich raussuchen. Verstehe es nicht falsch, aber mit diesem Hemd und dem Walfisch darauf bekommst du keine Dame aus ihrem Höschen.«
Er errötete. Und verstand. Er vertraute seiner Lehrerin.
*
Jonas sah in den Spiegel. Sein Ebenbild schaute zurück, während sich die Friseurin, eine kurvige Dame mit einem einnehmenden Lächeln, mit dem Kamm durch seine Mähne kämpfte. Auf dem Frisiercape hatten sich zahlreiche Haare gesammelt, nachdem sie mit der Maschine seine Seiten geschoren hatte. Er versuchte, sich zu erinnern, wann er zuletzt so kurze Haare hatte, aber es fiel ihm nicht ein. Auch der letzte Besuch bei einem Friseur lag so lange zurück, dass er nicht sagen konnte, ob es drei, vier oder fünf Jahre her war. In der Zwischenzeit waren seine Haare gewachsen und nur unregelmäßig von seiner Mutter halbwissend mit einer einfachen Schere gestutzt worden.
»Hast du ein Auto?«, fragte ihn Silvana, die sich auf einem Hocker unweit neben Jonas niedergelassen hatte. Seit gut zwanzig Minuten stellte sich ihn Fragen und lernte ihn kennen. Er empfand es als äußerst angenehm, so viel von sich erzählen zu können, ohne dass sein Gesprächspartner sich gelangweilt abwandte.
»So einen uralten Opel«, antwortete er. Er versuchte zwanghaft, seinen Kopf gerade zu halten, um der Friseurin das Arbeiten zu erleichtern. Jedoch kämpfte er gegen den Zwang, sich seiner Lehrerin zuzuwenden. Immer, wenn er sie ansah, flatterte sein Herz vor Vorfreude. Sie war wunderschön, hatte etwas Südländisches an sich, etwas Feuriges. Vielleicht hat sie spanische Wurzeln? Er mochte ihre Körperhaltung, den geraden, selbstbewusst aufgereckten Körper, die stolz präsentierte Brust. »Ein Cabrio.«
»Was heißt uralt? Astra G?«
»Nee, sogar ein Astra F.«
», aber cool, würde ich sagen.«
»Schon. Im Sommer macht die Karre einfach Spaß. Offen fahren, Musik hören … Nur die Benzinkosten fressen einen auf. Das Ding ist hungrig.«
»Für einen frisch ausgelernten Maler sicherlich nicht eben so zu stemmen.«
»Meine Eltern tragen die Kosten für das Auto. Also Versicherung und Steuern. Eigentlich kann ich nicht klagen. Ich musste ihnen lediglich versprechen, das Ding nicht kaputt zu fahren. In zwei Jahren bekommt er nämlich das Oldtimer Kennzeichen.«
Silvana lachte. Dann beobachtete sie für einen Moment, wie die Friseurin mit Zeige- und Mittelfinger eine Haarsträhne von ihm griff und hochzog.
»Länger oder kürzer?«, fragte sie und zu Jonas Überraschung galt diese Frage nicht ihm. Die Lehrerin überlegte einen Moment.
»Etwas länger. Zu kurz sollte es nicht werden.«
Die Dame nickte und machte sich an die Arbeit.
»Also, Jonas, ich muss mal was loswerden«, sagte Silvana und sah ihn im Spiegel direkt an. »Du hast echt ein hübsches Gesicht. Das kommt jetzt, da deine Haare in Form gebracht werden, erst richtig zur Geltung. Ich verstehe nicht, wie du dieses Werkzeug nie wirklich eingesetzt hast.«
Jonas errötete sichtlich, was ihm sehr unangenehm war.
Selbst die Friseurin nickte zustimmend. »Danke …«
Dabei hatte er es einfach nie gemocht, zum Friseur zu gehen. Nicht, weil er Angst vor der Schere hatte. Eher war es die Ratlosigkeit, was er sich hätte schneiden lassen sollen. Und irgendwie war ihm die Vorstellung unangenehm gewesen, mit wildfremden Menschen über sein Aussehen zu sprechen. Im Nachhinein sau dämlich. Das verstand er genau in dem Moment, als auch ihm klar wurde, dass es hässlichere Männer gab als ihn. Ein warmes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus.
»Du hattest angedeutet, dass dein erstes Mal schlecht war«, wechselte Silvana abrupt das Thema. Jonas errötete abermals. Sein Blick glitt für den Bruchteil einer Sekunde zur Friseurin, die interessiert die Augenbrauen hochgezogen hatte. Seine Lehrerin hatte offenbar keine Probleme damit, gewisse Details direkt und schonungslos anzusprechen. Am liebsten würde er schweigen und es ihr erzählen, wenn sie wieder zu zweit waren – aber ihr auffordernder Blick verriet ihm, dass er sich öffnen musste.
»Na ja«, begann er zögerlich und kaute nervös auf seiner Unterlippe. »Es war halt einfach schlecht. Wirklich schlecht.«
»Aber was genau heißt schlecht? Hattest du Erektionsprobleme? Oder hat sie abgebrochen?«
Jonas trat der Schweiß auf die Stirn. Sowas hatte ihn noch nie jemand gefragt. Selbst seine Kumpels aus der Gamerbande nicht – und denen hatte er schon viel mehr erzählt, als den meisten Menschen, die er kannte.
»Nein«, wiegelte er ab. »Das waren nicht die Probleme. Ich glaube einfach, dass wir beide keine Ahnung hatten, wie wir das anstellen sollten. Sie war auch nicht erfahren, weißt du?«
Silvana nickte verständnisvoll. »Erzähl doch bitte etwas mehr. Das hilft mir, dich besser zu verstehen.«
Jonas zögerte, gab sich jedoch einen Ruck. Während er berichtete, versuchte er krampfhaft, die Friseurin auszublenden, die jedes seiner Worte mithörte.
»Wir haben uns zuerst geküsst. Das war noch okay. Ohne den Kuss wäre es wohl nie zum … Akt gekommen.«
Er sprach das Wort Akt vor Verlegenheit beinahe lautlos aus. Die Frauen grinsten schelmisch, was ihn triggerte. »Wir haben angefangen, rumzufummeln. Und dann haben wir uns ausgezogen. Besser gesagt, ich habe uns ausgezogen. Irgendwie musste ich die ganze Arbeit machen. Das fand ich schon komisch. Und als wir dann nackt waren und ich loslegen wollte … nun, ich bekam ihn kaum rein.«
Den letzten Satz flüsterte er fast.
»Warum das?«, hakte Silvana nach. »War sie nicht feucht genug?«
Sein Gesicht explodierte vor heißglühender Scham. Er fühlte sich schmerzhaft in die peinliche Situation zurückversetzt, in der er versuchte, sein steifes Glied in die Vagina seiner Partnerin einzuführen. Wie er es nicht hinbekam, wie er einfach keinen Weg hinein fand. Wie sich die Zeit dehnte, wie es zog und klemmte, wie sein Herz vor Verzweiflung immer schneller zu rasen begann.
»Ich weiß es nicht«, antwortete er ehrlich. »Sie hat dann nie mit mir darüber gesprochen. Danach haben wir uns auch nie wieder wirklich berührt und es war bald aus zwischen uns.«
»Hattest ihr ein Vorspiel?«, ignorierte Silvana die traurige Bemerkung seiner Trennung. »Habt ihr euch Zeit dafür genommen?«
»Na ja, wir haben uns geküsst.«
»Küssen allein ist kein Vorspiel«, belehrte sie ihn. »Es ist eine Kombination aus Küssen, Berührungen, sinnlichen Momenten und wachsender Lust.«
Die Friseurin nickte zustimmend.
»Und falls das Vorspiel das Problem gewesen sein sollte, erklärt das auch, warum du es so schwer hattest, in sie einzudringen. Trockensex funktioniert einfach nicht.«
Jonas dachte nach. Das Ereignis lag zwar gut vier Jahre zurück, aber er schätzte, dass er sich tatsächlich mehr Mühe hätte geben können. »Es war halt mein erstes Mal. Ich wusste es nicht besser.«
»Das ist auch nicht schlimm, ich meinte das nicht als Vorwurf. Aber insgesamt hat uns das einen Schritt weiter gebracht. Wir haben einen Punkt, an dem wir den Hebel ansetzen können.«
»Okay.«
»Möchtest du eigentlich gar nichts über mich wissen?«, wechselte sie das Thema. »Das ist auch etwas, das du dir unbedingt merken musst. Dating funktioniert nicht nur in eine Richtung. Wenn es fluppen soll, gebe deiner Flamme das Gefühl, dass sie interessant ist, dass du dich für sie interessierst.«
Jonas nickte. In der Tat hatte er Silvana kaum etwas gefragt. Ein schlechtes Gewissen überkam ihn. Dabei hatte er es so genossen, von ihr interviewt zu werden. Aber er verstand, dass auch andere Menschen dieses Gefühl schätzten.
»Tut mir leid, du hast recht.«
»Wenn man euch beiden so zuhört, könnte man fast meinen, dass es sich bei euch um Mentor und Schüler handelt.«
Die Frisörin sah Jonas und Silvana im Wechsel interessiert an.
»Er hat mich für ein Datecoaching gebucht«, antwortete sie und er war froh, dass sie das Wort Sex für sich behielt. Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu. Während die Frauen die eine oder andere Information diesbezüglich austauschten, versuchte er zwanghaft, sich Fragen einfallen zu lassen, die er Silvana stellen konnte.
»Machst du das mit dem Coachen eigentlich hauptberuflich?«, fragte er schließlich und hoffte, dass seine Erkundigung von offenem Interesse zeugte. Sie schüttelte den Kopf.
»Ne, das ist nur so ein Nebending. Quasi ein erweitertes Hobby. Den Großteil meiner Zeit verbringe ich mit meinem Onlineshop für Schmuck. Na ja, und ich drehe ab und zu Pornos.«
Bumm.
Es fühlte sich an, als hätte ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Sein Magen zog sich zusammen, sein Herz hämmerte gegen seine Rippen. Sie drehte Pornos. Echte. Richtige. Mit ihr in voller Aktion.
In seiner Hose regte sich etwas. Zum Glück war die Stelle von dem Friseurcape verdeckt. Verdammt. Er konnte nicht anders – sein Kopf malte sich Bilder aus. Silvana, nackt auf einem Bett, ein muskelbepackter Kerl zwischen ihren Beinen. Ihr Blick, direkt in die Kamera, direkt in seine Seele.
»Pornos? Ähm … Das hätte ich nicht ge- …«
»Das denken die wenigstens. Aber es stimmt. Und es macht unendlich viel Spaß.«
Jonas Stirn brannte und er schrieb sich eine gedankliche Notiz, am Ende des Tages nach ihren Filmen zu suchen.
Wie sollte er mit dieser Aussage umgehen? Sollte er weiter fragen? Erwartete sie dies sogar, oder war das Thema zu intim, um weiter behandelt zu werden? Er dachte krampfhaft nach. Silvana war ein sehr direkter und offener Mensch. Das hatte er schnell verstanden. Wenn sie also nicht wollte, dass er sie zu diesem Thema weiter ausfragte, hätte sie es nicht erwähnt. Er schluckte und nahm seinen Mut zusammen.
»Was denn für Pornos? Falls du das erzählen magst.«
»Klar, ich habe damit kein Problem. Die Filme gehören zu mir und meinem Leben dazu. Würde ich sie verheimlichen, würde ich einen Teil von mir verleugnen.«
Sie sah ihn gutmütig an. Dann fuhr sie fort. »Ich drehe hauptsächlich Girl-on-Girl Filme. Und Solos, also Szenen mit Sexspielzeug und Masturbation.«
Jonas Herz flatterte vor Erregung. Er musste diese Filme unbedingt finden, koste es, was es wolle.
»Und mit Männern?«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Mit Männern drehe ich nicht. Diese hebe ich mir für meine eigenen vier Wände auf.«
Sie grinste verrucht.
»Warum das?«
»Hm. Das ist halt einfach mein Ding. Jede Darstellerin hat eine Richtung, die ihr am liebsten ist und am besten zu ihr passt. Mir passen Lesben und Toys. Männer nicht.«
Jonas nickte. Diese Frau war der Inbegriff von Erotik. Nein. Sie war eine Sexbombe. Und wenn er es nicht vergeigte, würde er schon in wenigen Stunden kennenlernen, was es hieß, mit einer Darstellerin zu schlafen. Er dachte nach. Wollte noch mehr wissen. Doch die Friseurin, die ebenfalls eine leichte Röte auf den Wangen hatte, öffnete das Cape. »Fertig, junger Mann.«
Jonas blickte in den Spiegel. Ein neuer Haarschnitt, eine neue Erkenntnis – und eine Frau neben ihm, die ihn in eine Welt führte, in die er sich so sehr gewünscht hatte.
Eine Pornodarstellerin. Eine Sexlehrerin. Und bald seine erste richtige Liebhaberin. Scheiß aufs Geld!
Sein Magen zog sich zusammen. Er konnte kaum glauben, dass das alles wirklich geschah.
5.
»Halt das mal bitte«, sagte Silvana und legte Jonas eine Jeans auf den Kleiderstapel, den er mit beiden Händen trug. Der Hose folgte eine weitere. Sie befanden sich in einem Geschäft für Männermode. Es handelte sich dabei um einen der Läden, die er allein niemals betreten hätte. Das lag nicht nur daran, dass die Preisschilder an den Kleidungsstücken weit außerhalb seiner üblichen Investitionsspielräume lagen. Es war zudem ein feines Warenhaus, mit elegant gekleideten Angestellten und Kunden, die es ihrem Aussehen nach zu urteilen gewohnt waren, des Öfteren viel Geld für hübsche Stoffe auszugeben.
Silvana ging regelrecht in ihrer Rolle als Shoppingsassistentin auf, durchstreifte Gang für Gang und blieb an fast jedem Ständer oder Regalfach stehen. Jonas taten allmählich die Füße weh, aber er wollte sich seinen Schmerz nicht anmerken lassen. Es ging um seine Zukunft – in Anbetracht dessen war ein gewisses Leiden zu verkraften.
Eine Verkäuferin, gekleidet in einem schwarzen Jumpsuit, erschien an ihrer Seite. Sie lächelte und legte den Kopf quer, als sie die unzähligen Kleidungsstücke auf seinem Arm entdeckte. »Kann ich helfen? Haben Sie etwas Bestimmtes im Blick?«
»Puh«, antwortete Silvana nachdenklich. »Wir brauchen alles. Sehen Sie sich den Jungen einmal an.«
Die Verkäuferin, auf ihrem Namensschild stand Lucy geschrieben, nickte verständnisvoll. Sie musterte Jonas von oben bis unten, was ihm mehr als nur unangenehm war. Ihr Blick verweilte einen Moment zu lange auf seinem Hemd und dem Wal, der als Motiv darauf gestickt war. »Sind Sie seine Schwester?«
Silvana lachte und schüttelte ihren Kopf. »Nein. Eine Bekannte. Ich helfe ihm dabei, einen neuen Stil für sich zu entdecken.«
»Wie ich sehe, haben Sie sich schon den einen oder anderen Gedanken gemacht.«
Sie deutete zu dem Stapel in Jonas Armen. Die Lehrerin nickte nachdenklich.
»Wir versuchen es mit einem etwas enger geschnittenen Typ Jeans, als er es jetzt trägt. Und mit Hemden, die zum Sommer passen, die er mit dem richtigen Shirt in Kombination offen tragen kann. Dazu weiße Sneaker.«
Lucy nickte zustimmend. »Ich glaube, ich bin hier überflüssig. Das klingt doch insgesamt schon ziemlich rund. Wenn Sie es mit Chinos probieren wollen, kann ich ihnen unseren zweiten Stock empfehlen.«
Sie lächelte. Jonas, der ein wenig gekränkt war, weil keiner mit ihm, sondern nur über ihn redete, erwiderte artig das Lächeln. Dann ging sie weiter. Auch Silvana setzte ihren Streifzug fort.
»Hast du eigentlich italienische Wurzeln?«, fragte er und versuchte, die konzentrierte Stille ein wenig aufzulockern. Seine Lehrerin, die gebückt in einem der unteren Auslagefächer stöberte, antwortete, ohne ihn anzusehen.
»Eine spanische Mutter. Mein Vater ist deutscher. Daher auch mein deutscher Nachname.«
»Oh, tut mir leid.«
»Das ich einen deutschen Namen habe?«
Jonas lächelte verlegen. »Nein. Dass ich dich für eine Italienerin gehalten habe.«
»Das muss dir doch nicht leidtun«, entgegnete sie und sah kurz zu ihm hoch. »Du konntest es ja nicht wissen.«
Sie widmete sich wieder ihrer Suche. Jonas hingegen sah sich verstohlen um. Als er sich sicher war, dass niemand, auch nicht Lucy, ihn beobachtete, heftete er seinen Blick auf Silvanas Po. Er erforschte jedes Detail ihrer jeansumspannten Rundungen, die durch ihre gebückte Position noch weiter hervorstachen.
Ihr Hintern war ein verdammtes Meisterwerk. Straff, rund, ein Kunstwerk aus Form und Verführung. Ihm lief sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammen. Wie konnte eine Frau nur so verführerisch sein?
»Ach ja, eine Sache noch«, sagte sie plötzlich und sah zu ihm hoch. Er schluckte ertappt, heiße Scham brannte in seinem Gesicht. »Etwas, das du unbedingt lernen musst.«
Sie stand auf, legte eine weitere Hose auf den Stapel. Das dunkle Feuer in ihren Augen fesselte ihn. »In der Regel bekommen Frauen es mit, wenn man sie anstarrt. Nenne es einen sechsten Sinn. Wir wissen es einfach. Wir spüren es. Hinzu kommt, dass die meisten Männer unheimlich schlecht darin sind, ihre Blicke zu verbergen. Und nein, das ist nicht nur ein stumpfes Klischee. Und du machst es sogar besonders auffällig.«
Jonas nickte verlegen.
»Wenn du eine Frau datest, vermassel es dir nicht dadurch, dass du sie anglotzt. Viele Frauen empfinden das als unangenehm. Im schlimmsten Fall verschreckst du sie damit.«
»Okay.«
»Ich will nicht sagen, dass du grundsätzlich nicht gucken darfst. Aber wenn du es tust, gebe dich mit kleinen Häppchen zufrieden. Nimm nicht das ganze Schwein, wenn du verstehst. Du wirst schon auf deine Kosten kommen.«
»Ich habe es kapiert. Es tut mir leid.«
»Und noch etwas. Hör auf, dich wegen jeder Kleinigkeit zu entschuldigen. Das schwächt deine Position. Und das möchtest du doch nicht, oder?«
Er war kurz davor, sich wieder für seinen Fehler zu entschuldigen – doch er biss sich auf die Zunge und hielt inne. »Ist notiert.«
Silvana lächelte verständnisvoll. »Ich denke, wir haben genug Klamotten fürs Erste. Wir gehen am besten zur Anprobe.«
Jonas folgte ihr auf Schritt und Tritt. Über ihnen drang elegante Kaufhausmusik aus einem Lautsprecher. Wieder ertappte er sich dabei, wie er ihren Po angaffte, der sich rhythmisch bewegte. Eilig wandte er seinen Blick ab. Er wollte sich nicht noch einmal von ihr erwischen lassen.
Er betrat eine Umkleidekabine, die mit einem schweren Vorhang aus Leder geschlossen wurde. Mit nervösen Fingern zog er sich die Schuhe aus, während seine Lehrerin draußen wartete. Den Schuhen folgten seine ausbeulte, verwaschene Jeans, die er schon seit vielen Jahren trug, und sein Walfischhemd.
»Was soll ich zuerst anprobieren?«
»Nimm eine Hose vom Stapel. Wir arbeiten uns von oben nach unten durch. Dazu das weiße Shirt und das karierte Hemd. Denk an die Sneaker.«
Er nickte und tat, wie ihm geheißen und begann mit dem Shirt. Es roch so fantastisch nach hochwertiger, neuer Kleidung. Nicht so muffig wie das, was einstweilen aus seinem Kleiderschrank kam. Im Anschluss legte er sich das Hemd an. Er zögerte.
»Das Hemd soll aufgeknöpft bleiben?«
»Unbedingt. Das wirkt lässig. Lass mich mal sehen.«
Bevor Jonas sich versah, wurde der Vorhang zur Seite gezogen und Silvana trat ein. Sofort schoss ihm der Scham ins Gesicht, als er nur am Oberkörper bekleidet vor ihr stand. Ihr Blick verweilte für einen Moment auf seinen Beinen und der Unterwäsche.
»Wir müssen auch noch nach Shorts für dich gucken. Diese da geht gar nicht.«
Sie grinste amüsiert und deutete auf seinen Schlüpper. »Ein waschechter Liebestöter.«
Mit nervösen Fingern griff er ein weiteres Shirt vom Stapel und hielt es schützend vor seinen Unterleib. Silvana sah ihn frech an.
»Meinst du nicht, dass du dich daran gewöhnen solltest, dich vor einer Frau zu zeigen? Erst recht dann, wenn du erwartest, mit ihr zu schlafen?«
Jonas wusste, dass sein Verhalten albern war. Die Tatsache, dass er garantiert mit der Spanierin Sex haben würde, untermauerte ihre Aussage.
»Nutzen wir das Ganze doch für eine weitere Übung«, hauchte sie schelmisch und schob den Vorhang zu. Dann trat sie so dicht an ihn heran, dass er ihr Parfüm deutlich riechen konnte. Jonas schluckte, sein Herz beschleunigte seinen Schlag. Sie legte ihre Hände auf seine Schulter und drückte ihr Becken sanft gegen das seine. Sofort spürte er, wie etwas in seiner Hose erwachte. Er konnte nicht verhindern, dass Blut umgeleitet wurde. Silvana sah ihm direkt in die Augen. Ihr Braun zog sie in seinen Bann. Sie war ihm so nah, dass er jede Pore ihres Gesichtes erkennen konnte.
»Wie würdest du reagieren, wenn dein Date sich so an dich heranschmeißt?«
Jonas bemerkte, wie seine Hände nutzlos an ihm herunterhingen. Bemerkte, wie seine Arme leicht zitterten, wie sich ein Knoten in seinem Magen bildete.
»Ich … Ich weiß nicht.«
»Wie wäre es mit einer sanften Erwiderung meiner Berührungen?«
Er nickte wie ferngesteuert. Dann hob er die Arme mit den nutzlos daran befestigten Händen und führte sie langsam zu ihrer Schulter. Als sie auf das weiße Top trafen, spürte er die Wärme, die von der Frau ausging und ihn sofort zu erobern schien. Sie rückte noch ein wenig dichter heran. Mehr war kaum möglich. Dann fuhr sie mit den Händen seinen Arm herunter. Er versuchte, ihr Verhalten zu spiegeln. Als sie seine Hüfte berührte, legte auch er seine Hände auf der ihren ab.
»Du wirkst so verkrampft«, hauchte sie und schenkte ihn ein kraftspendendes Lächeln. Das kräftige Rot ihrer Lippen sprach Bände.
Weil du geile Sau mich fertig machst!, schrie es in seinem Kopf. Wie soll ich dabei nicht verkrampfen?
Er versuchte, seinem Handeln mehr Lockerheit zu geben, aber im Grunde wusste er nicht, wie er das anstellen sollte.
»Jetzt wäre der Moment gekommen, in dem du mich etwas erforschen könntest.«
Ihre Stimme war kaum mehr als ein zarter Hauch. Ihre Augen blitzten. Er verstand plötzlich, dass dies nicht nur eine Lektion war. Sondern das sie mit ihm spielte. Das auch sie auf ihre Kosten kam. Sie war ein Raubtier. Eine Löwin. Und er die Beute, die für ihre Erlegung sogar bezahlt hatte.
Seine Hände zitterten leicht, als er sie über ihre Taille gleiten ließ – er spürte die schlanke, feste Form ihrer Hüften unter dem Stoff. Sein Herz pochte bis in seine Fingerspitzen.
Mit einer Mischung aus Gier und Ehrfurcht wanderte er tiefer. Ihr Po war ein verdammtes Meisterwerk. Straff, rund, aber dennoch weich. Er drückte leicht zu und fühlte, wie sie daraufhin ihre Hüften ein Stück näher an ihn schob. Seine Finger sanken sanft in das Fleisch, sein Körper kribbelte vor Verlangen. Dieses Mal war sie es, die es ihm nachtat.
Er stöhnte leise, als sich ihre kräftigen Finger in seine Gesäßbacken gruben. In seiner Shorts presste sich ein strammer Speer gegen den einhüllenden Stoff. Jonas war sich sicher, dass sie seine Erektion spürte. Spüren musste!
»Jetzt würde ich als Frau von dir erwarten, dass du mich küsst«, flüsterte sie und sah ihn erwartungsvoll an. Sein Hirn ratterte. Sein Puls hämmerte in seinen Ohren. Jeder einzelne Nerv in seinem Körper brannte, sein Verstand war ausgelöscht, sein Instinkt übernahm. „Okay“, hauchte er, seine Stimme ein Zittern aus Lust und Unsicherheit. Er beugte sich langsam vor, und je näher er kam, desto deutlicher nahm er ihre Wärme wahr.
Silvana schloss die Augen, die Spannung zwischen ihnen knisterte elektrisierend. Sein Blick glitt über ihren Mund – diese vollen, rot glänzenden Lippen, leicht geöffnet, erwartungsvoll. Dann berührten sich sanft ihre Nasen, ein federleichter Hauch. Sein Herz setzte für einen Moment aus, bevor ihre Lippen aufeinandertrafen.
Ihre Weichheit raubte ihm den Verstand. Silvana schmeckte süßlich – eine Mischung aus ihrem Parfüm, ihrem Lippenstift und etwas, das einfach nur sie war. Als sie leicht gegen seinen Körper drückte, spürte er ihre Brüste an seiner Brust, den zarten, elastischen Widerstand ihres Leibes. Sein Blut rauschte.
Etwas unglaublich Wohltuendes brach aus seinem Herzen heraus und flutete seinen Körper. Plötzlich spürte er, wie ihre Zunge sanft um Einlass bat. Er öffnete zaghaft seinen Mund. Dann trafen sie aufeinander, Spitze auf Spitze. Die Spanierin gab den Ton an und begann einen leise schmatzenden Tanz, den er etwas verkrampft, aber sehr bemüht, mitgestaltete.
Alles an und in ihm war warm. Sein Penis so hart wie nie zuvor. Von einem unerwarteten Impuls getrieben schob er eine Hand über ihre Taille nach oben und legte sich auf ihre Brust. Wieder etwas, das er noch nie gefühlt hatte. Nachdem er dachte, dass ihr Po der Inbegriff von Perfektion war, musste er sich eingestehen, dass ihre Brüste viel mehr waren als das. Er befand sich im siebten Himmel. Im Paradies. Und sie war bei ihm. Er drückte sanft zu.
»Ist da drin alles okay?«, erklang die misstrauische Stimme von Lucy auf der Außenseite. Jonas Herz sackte ihm in die Hose. Ertappt ließ er von Silvanas Lippen ab und schoss heiße Pfeile der Wut in Richtung der Verkäuferin, die ihn das Schönste, was er jemals erlebt hatte, ruinierte. Aber Silvana dachte nicht im Traum daran, das Spiel zu beenden, und küsste ihn abermals. In ihren Augen stand der absolute Nervenkitzel geschrieben.
»Kann ich irgendwie helfen?«
»Ähm, nein«, gab Jonas in einer kurzen Kusspause zurück. »Danke.«
Ein Moment der Stille folgte, in dem nur das leise Schmatzen zweier Münder zu hören war.
»Ich muss leider anmerken, dass sich nur eine Person zur gleichen Zeit in unseren Kabinen aufhalten darf.«, erklang es von außerhalb, dieses Mal strenger, als ahnte Lucy, was hinter dem Leder passierte. »Nur für den Fall, dass …«
»Ich bin allein«, log Jonas. »D-danke. Wenn ich etwas brauche … dann rufe ich Sie.«
Er wusste genau, dass die Verkäuferin ihn nicht glaubte. Das sie am liebsten reinkommen und nach dem Rechten sehen wollte. Aber sie hielt sich an die Regeln und ließ den Vorhang unberührt.
Er suchte panisch nach einem Ausweg – doch seine Lehrerin hatte andere Pläne. Und anstatt ihm zu helfen, tat sie etwas, dass ihn noch weiter in die Problemzone manövrierte: Sie ließ ihre Hand langsam zwischen sie gleiten und berührte ihn am Gemächt.
Er keuchte überrascht. Sie grinste diabolisch und leckte sich über die Lippen.
»Okay. Ich werde später wiederkommen«, erklang es von draußen. Doch das war ihm egal. Er konzentrierte sich nur noch auf das, was unter seiner Gürtellinie passierte.
„Gefällt es dir?“, hauchte sie, während ihre Finger sich langsam über den gespannten Stoff seiner Hose bewegten. Ihre Handfläche streifte die deutliche Wölbung, die sich unter ihrer Berührung noch weiter verhärtete. Ein tiefer Schauder lief durch seinen Rücken, als ihr Druck fester wurde.
Jonas sog scharf die Luft ein, sein ganzer Körper brannte. Er hatte schon unzählige Male von diesem Moment geträumt, aber nichts – absolut nichts – hätte ihn darauf vorbereiten können, wie es sich anfühlte, wenn eine Frau wie Silvana ihn so berührte.
Sie neckte ihn spielerisch durch den Stoff hindurch, ließ ihre Fingerspitzen entlang der Länge seines Glieds wandern, bis sie sich oben an der Spitze verharrte. Ein tiefes Zittern breitete sich in ihm aus, sein Bauch vibrierte, und er musste sich krampfhaft zusammenreißen, nicht einfach loszustöhnen.
Er legte seine Hände wieder an ihren Po und drückte zu. Sie stöhnte kaum hörbar. Dann nahm er all seinen Mut zusammen und führte eine Hand zu dem Zentrum ihrer Weiblichkeit. Hitze empfing ihn. Silvana glühte förmlich. Und obwohl der feste Stoff ihrer Jeans es zu verhindern versuchte, spürte er die Konturen ihrer Schamlippen, als er seine Hand zwischen ihre Beine schob.
Ein heftiges Kribbeln schoss durch seinen Unterleib. Ein Funke entzündete sich. Er war so erregte, wie noch nie zuvor in seinem Leben. Weg waren all die Gedanken über Hohn und Spott, den die Frauen ihn bis zu diesem Moment entgegengebracht hatten. Weg war das depressive Bewusstsein über sein unvollkommenes Bestehen.
»Gar nicht mal so schlecht«, flüsterte Silvana, die zu seinem Leidwesen von ihm abließ und einen Schritt zurücktrat. »Wirklich, gar nicht schlecht! Du kannst besser küssen und bist neugieriger, als ich angenommen hatte.«
Jonas keuchte enttäuscht. Er fühlte sich belämmert, wie er dastand, hektisch atmend und mit der Latte seines Lebens. Wieder blitzte es in Silvanas Augen. Sie spielte noch immer mit ihm.
»Appetit haben wir uns nun geholt … aber du musst dich noch ein wenig gedulden.«
Ihr Atem streifte sein Ohr, warm und voller dunkler Versprechungen. Dann, ohne Vorwarnung, biss sie spielerisch in sein Ohrläppchen und ließ ihre Zähne sanft über seine Haut gleiten. Jonas zuckte zusammen, während eine brennende Welle durch seinen Körper schoss. Sie trat einen Schritt zurück, ließ ihn mit pochendem Herz und pulsierender Härte stehen. Ihr Blick war pures Feuer.
»Und vorher probierst du noch die Klamotten an.«
6.
»Wie wohnst du eigentlich?«, fragte Silvana. Sie und Jonas hatten das Einkaufszentrum verlassen und durchquerten den Park, in dem sie sich getroffen hatten.
»Na ja«, begann er zu erklären, während er in seiner linken Hand eine Tüte mit gekaufter Kleidung trug. Mit der rechten hielt er die Spanierin, die ihn interessiert ansah. »Ich lebe zur Miete in einer Zweizimmerwohnung. Und da ich so gut wie nichts verdiene, tragen meine Eltern einen Teil der Miete.«
Sie nickte. »Die Mieten heutzutage sind ein Graus.«
Jonas genoss das Gefühl ihrer Haut auf der seinen. Jede Zelle seines Körpers sog ihre Körperwärme auf und er hoffte, dass der Weg, den sie zusammen bestritten, lang sein würde.
»Alleine zu leben kann sich ein Großteil der Leute kaum noch leisten. Und du brauchst ohnehin eine Frau an deiner Seite, Jonas.«
Ihre Stimme war warm, fast verführerisch nachsichtig – als würde sie bereits wissen, dass er genau das wollte. Ihre Nägel strichen langsam über seinen Handrücken, ihr Daumen kreiste ganz leicht über seine Haut. »Eine, die sich um dich kümmert. Die dich nimmt, wie du bist. Und der du zeigen kannst, was wirklich in dir steckt.«
Dann ließ sie eine süffisante Pause entstehen, in der Jonas nur schlucken konnte.
»Und natürlich eine, die sich die Miete mit dir teilt. Falls deine Eltern irgendwann genug von deinem Junggesellendasein haben.«
Jonas nickte verstehend. Er hatte zwar einen guten Draht zu seinen Alten, aber er hatte oft erlebt, wie ähnlich enge Banden in anderen Familien binnen kürzester Zeit zerbrechen konnten.
»Hast du Deko? Oder Pflanzen?«
Er schüttelte den Kopf.
»Irgendwelche schönen Farben an den Wänden?«
»Nein. Nur Weiß.«
»Also, das wäre auch etwas, an dem du ansetzen könntest. Wenn die ersten Dates gut laufen, wird es zweifellos irgendwann dazu kommen, dass du eine Frau mit nach Hause bringst. Du würdest erhebliche Pluspunkte sammeln, wenn sie von einer gemütlichen Atmosphäre empfangen wird. Damit meine ich lebendige, gut platzierte Pflanzen, Kerzen, ein paar Bilder von deiner Familie oder Freunden. Irgendeine sinnliche Farbe im Wohnzimmer, heimelige Bettwäsche im Schlafzimmer. Verstehst du?«
»Schon«, antwortete er nachdenklich. »Nur habe ich für sowas kein Auge.«
»Hast du eine Schwester? Oder eine gute Freundin?«
»Die Mädchen, die ich kenne, sind alle insgesamt dekofaul.«
»Sind sie auch so … nerdig wie du? Verzeih mir bitte meine Wortwahl.«
Jonas lachte. »Da gibt es nichts zu verzeihen. Mein gesamtes Umfeld ist wie ich – von meiner Fam abgesehen.«
»Nennst du die Frauen deshalb Mädchen?«
Darüber hatte er noch nie nachgedacht. Aber jetzt, als Silvana es aussprach, kam es ihm in den Sinn. Die Mädchen, mit denen er verkehrte, waren tatsächlich das – Mädchen. Nicht, weil sie jung und waren, sondern weil sie sich einfach nicht als erwachsene, aufreizende Frauen präsentierten.
»Vielleicht, ja. Darüber habe ich noch nie Gedanken gemacht.«
»Irgendwann ist immer das erste Mal.«
»Meine Schwester könnte mir beim Dekorieren helfen, denke ich. Sie wohnt ziemlich modern.«
»Ist sie älter als du?«
Er nickte. »Fünf Jahre. Verheiratet und mit einer gesegnet.«
Seine Lehrerin lächelte. » sind etwas Tolles. Möchtest du welche?«
»Eines Tages schon. Aber das hat Zeit. Und du?«
»Ich habe keine. Und ich glaube, dabei wird es bleiben. Ich liebe es, Tante zu sein – aber ein eigenes ? Das ist einfach nicht mein Weg. Außerdem gehe ich stramm auf die Vierzig zu. Und die biologische Uhr ist kein Mythos.«
Jonas sah Silvana an und versuchte, in ihrem Blick eine Emotion zu erkennen. Aber sie hatte ein Pokerface aufgelegt. »Vielleicht mit dem richtigen Partner?«
Sie lachte. »Von denen gab es viele. Also Partner. Nur hat mich keiner dazu gebracht, meine Einstellung zu ändern.«
Schwang in ihrer Stimme ein Anflug von Trauer mit? Oder hatte er es sich nur eingebildet? Für einen kurzen, absolut absurden Moment, sah er sich an ihrer Seite – mit einem zwischen ihnen. Er schüttelte dieses Bild ab – er spielte nicht in ihrer Liga.
»Also du und deine Schwester. Eine wichtige Mission. Nicht vergessen. Deko kaufen.«
Jonas nickte und bemerkte die Blicke, die andere Passanten ihnen zuwarfen. Er genoss es, dass die Leute sie zusammen sahen und zumindest für den heutigen Tag annahmen, dass sie ein Paar waren. Dass er es geschafft hatte, eine zehn von zehn an Land zu ziehen.
»Wie wohnst du?«, fragte er und stellte fest, dass er in Gegenwart dieser gefährlichen Löwin erstaunlich frei und offen reden konnte. Woran das lag, konnte er sich nicht erklären. Vielleicht war das so mit einer Frau, die erotisches Biest und Weggefährtin zugleich sein konnte.
»Das wirst du bald sehen«, antwortete sie knapp. »Dein neuer Look gefällt mir übrigens sehr gut. Eigenlob stinkt, aber dich habe ich gut hinbekommen. Das waren die Rückenschmerzen, das lange Knien und Durchwühlen der Regale wert.«
»Danke«, sagte Jonas und errötete. Zufrieden ließ er den Blick sinken und betrachtete seine neue Jeans, das Shirt, das karierte Hemd und die weißen Sneaker, die er im Laden direkt angelassen und bezahlt hatte. Zwar waren mit dem ganzen drum und dran mehr als die geschätzten fünfhundert Euro Zusatzkosten im Einkaufszentrum geblieben, aber das war es wert gewesen. Er lächelte.
»Hast du Kondome zuhause?«
Silvanas Stimme war lässig – zu lässig. Sie wusste genau, was sie tat.
Jonas‘ Kehle wurde trocken. Wie bitte? »Ähm … j-ja, klar. Ein paar.«
Ihre Augenbraue hob sich leicht, während sie ihn prüfend ansah. »Nur ein paar?«
Sein Magen zog sich zusammen. Oh verdammt. Sie machte sich über ihn lustig. »Also … vielleicht ein paar mehr.«
Ihr Lächeln wurde noch frecher. Dass es gut fünfzig Stück waren, verriet er ihr nicht. Die Pariser hatte er sich in der Hoffnung gekauft, diese in voller Leidenschaft und vor allem zügig aufbrauchen zu können. Dass er aus dem XXL-Riesenpacket kein einziges in einer Frau versenkt hatte, enttäuschte ihn sehr.
»Sind sie noch haltbar?«
»Die Dinger können ablaufen?«
»Klar. Das Material kann über die Zeit austrocknen und spröde werden. Und da es das wichtigste Verhütungsmittel ist und dich auch vor Krankheiten schützt, empfiehlt es sich, es regelmäßig auszutauschen.«
»Du hast recht.«
Er machte sich eine innere Notiz. Kondome checken und einhundert neue kaufen. Er war optimistisch, dass er dieses Mal Dutzende aufbrauchen würde.
»Hast du Massageöl?«
»Massageöl? Nö …«
Sie lächelte verschwörerisch. »Dann hör jetzt mal gut zu, der folgende Tipp kann dein Leben verändern und ist einer meiner Wertvollsten.«
Sie legte eine dramatische Pause ein. Er sah sie wissbegierig an.
»Es gibt kaum ein besseres Vorspiel als eine Massage. Wirklich.«
Jonas hob überrascht eine Augenbraue. »Oookay«, sagte er gedehnt. »Wieso das?«
Silvana grinste, ihre Stimme wurde fast ein Flüstern. »Weil du dabei jede Kurve ihres Körpers kennenlernst. Ihre Haut, warm und nachgiebig unter deinen Fingern. Ihr Atem, der sich vertieft, wenn du die richtigen Stellen triffst …«
Seine Gedanken explodierten. Er sah sich mit ihr in einem Zimmer … Seine Hände, die sich von den Schultern tiefer arbeiteten, sanft über ihre Seiten strichen, bis sie an ihren Hüften ruhten, kurz davor, das Tuch abzulegen …
Heilige Scheiße.
Jonas‘ Gedanken rasten. Sein Kopf lieferte ihm Bilder, die sich sofort in seinen Unterleib gruben. Seine Jeans spannte sich.
»Schön romantisch, bei Kerzenschein und mit Öl. Herrlich.«
»Aber ist es nicht aufdringlich, wenn ich plötzlich anfange, mein Date zu massieren?«
Silvana lachte und sah ihn mütterlich an. »Es muss natürlich passen, du Dödel.«
Er errötete. Und irgendwie wusste er nicht, wie er dazu stehen sollte, dass sie ihn einen Dödel genannt hatte. Aber das war scheinbar ihr Sprachgebrauch und wer war er schon, sie dafür zu rügen?
»Es gibt Frauen, die es nicht leiden können, massiert zu werden. Unglaublich, aber wahr. Andere hingegen mögen es zwar, möchten dies aber nicht in einem zu frühen Stadium einer Beziehung. Das Thema erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl.«
»Wie merke ich, dass sie zu einer Massage bereit ist?«
Silvana überlegte, ließ ihren Blick schweifen. »Du musst forschen«, begann sie zu erklären. »Wenn ihr euch näherkommt, könntest du sie sanft anfassen, ihren Nacken drücken, sie zärtlich streicheln. Sobald du merkst, dass es ihr gefällt, kannst du weiter gehen. Du wirst spüren, wenn sie sich dir und deinen Händen öffnet.«
»Soll ich sie nicht einfach danach fragen?«
»Nein, das wäre zu direkt«, gab sie schnell zurück und sprach mit absichtlich verdummter Stimme weiter. »Darf ich dich einmal massieren? Sabber, sabber.«
Sie lachte.
»Das wäre schon etwas creepy.«
Jonas stimmte ins Lachen mit ein.
»Nein, im Ernst. Es gibt keine Faustformel dazu. Du musst die Frau lesen. Und das ist etwas, das sich schwer über theoretische Grundlagen vermitteln lässt.«
Sie gingen an einer Wiese vorbei, die mit Löwenzahn und weißem Klee übersät war. Es roch sommerlich nach Leben. Irgendwo in der Nähe grillte jemand.
»Also Öl kaufen«, murmelte er fasziniert von dem Gedanken, eine Frau, und vor allem ihren Körper, durch eine Massage kennenlernen zu können. Seine Hose spannte sich bei der Vorstellung, nackte Haut unter seinen Fingern spüren zu können. Und während Silvana weitersprach, schweifte er ab und erinnerte sich an den Moment in der Umkleidekabine zurück. Erinnerte sich an das Gefühl, dass sie in und an ihm ausgelöst hatte. Er spürte ihre Hand an seinem Glied, die fordernd und großzügig zugleich seinen Schwanz erkundet hatte. Ob er ihr gefallen hatte? Ob er groß genug war? Unter seine Euphorie mischten sich Zweifel.
»Wir sind gleich da«, riss sie ihn aus seinen Gedanken.
Am Ende des Parks angekommen betraten sie ein Gewerbegebiet, das einen industriellen Charme ausstrahlte. Alte Gemäuer, rot geklinkert, zeugten von Gebäuden, die den Krieg überstanden und sich nur wenig verändert hatten. Und doch mischte sich in unregelmäßigen Abständen moderne Elemente unter sie. Glasfronten, neumodische Hipstercafes, Musikgeschäfte und Großstadtkindergärten reihten sich an Boutiquen, Schneidereien und Werkstätten. Vor einem hohen Bauwerk, das seiner Optik nach einst eine Fabrik gewesen war, blieben sie stehen.
»Da wären wir.«
Beeindruckt sah Jonas an der Hauswand hinauf. »Hier wohnst du?«
Sie nickte, ihr Lächeln geheimnisvoll. »Hier wohne, arbeite und liebe ich.«
Das Wort lieben brannte sich tief in seine Gedanken ein. Ein winziger, unvermeidbarer Stich der Ehrfurcht überkam ihn.
Hier drin wird es passieren. Er schluckte schwer. Sein Kopf wusste es. Sein Körper wusste es noch mehr. Sein Verstand versuchte, ihn zu beruhigen, doch sein Puls schoss in die Höhe.
Sie wird mich gleich hereinbitten …
Ich werde mit ihr allein sein …
Und dann …?
Er schluckte und spürte, wie seine Knie vor positiver Anspannung zitterten. Nun wurde es ernst. Und er war bereit dazu.
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:-* Kim

Ich persönlich finde neben der Story an sich Deinen Schreibstil einfach sehr gut. Man(n) kann die Situation fast spüren, so als wenn man dabei wäre … .
Oh man, ich bin so sehr gespannt wie es weitergeht. Bisher sehr sinnlich geschrieben, gefällt mir sehr…
Na, wird sie aus dem Nerd einen Casanova machen können, da bin ich gespannt wie das Coaching weiter geht 👍👍👍