Plötzlich Swinger – Kapitel 1-6 (von 19)

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Worum geht es?

 

Zwei Zelte, eine versteckte Waldlichtung und ein abgelegener See – für Max und Lena ist es nur ein entspannter Wandertrip mit ihren Freunden Lisa und Tim. Doch als die Nacht hereinbricht, der Vollmond den Wald in silbernes Licht taucht und der See schwarzglänzend vor ihnen liegt, kippt die Stimmung von harmlos zu gefährlich prickelnd. Lisa gesteht, dass sie und Tim Swinger sind – und plötzlich steht mehr als nur die Freundschaft im Raum. Zwischen aufgestauter Neugier, nackter Haut und aufkeimender Eifersucht müssen Max und Lena entscheiden, wie weit sie wirklich gehen können, ohne ihren moralischen Kompass über Bord zu werfen.

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

1.

Tausende Punkte. Weiß und strahlend, wie Tupfer auf einer dunkelblauen Leinwand. Sie sind so unglaublich hell. Zumindest die meisten. Einige dagegen kann ich kaum erkennen, so weit weg sind sie. Sie sind ruhig, elegant und erhaben, während sie auf mich

heruntersehen.
Ich lege meinen Kopf in den Nacken und betrachte die Sterne über mir, die an einem wolkenlosen Himmel hängen. Ich überlege, kann mich aber nicht daran erinnern, wann ich zuletzt einen derart klaren Blick in die Tiefen des Nachthimmels erhaschen konnte. Eine seltsam melancholische Stimmung sowie der Wunsch, selbst einmal andere Sternensysteme besuchen zu können, überkommt mich. Dabei weiß ich ganz genau, dass dies niemals möglich sein wird.
»Ist der Mond nicht wundervoll?«, zieht das Flüstern meiner Frau Lena mich aus den Gedanken. Sie hat sich dicht an meine Seite geschmiegt und ich spüre deutlich die Wärme ihrer Hände, mit denen sie meinen Arm umklammert. Mein Blick wandert nach rechts und ich entdecke den Mond, der wie eine riesige, mit Kratern und dunklen Flecken versehene Scheibe, den Nachthimmel regiert. Ich nicke stumm.
Ein lautes Knacken reißt mich aus meiner Trance. Mein Herz macht einen erschrockenen Satz und ich blicke hastig zu dem Feuer, das vor uns prasselt. Funken steigen in die Luft und einige der aufgestapelten Holzscheite fallen in sich zusammen.
»Oh, wie Glühwürmchen«, schwärmt Lisa, die mit ihrem Mann Tim – sein Arm liegt lässig auf ihrer Schulter – mir und Lena gegenübersitzt. Gebannt beobachten wir, wie die orange leuchtenden Funken aufsteigen und stumm verlöschen.
Ein sanfter Luftzug kräuselt meine Nackenhaare und ich bekomme Gänsehaut. Die beinahe unsichtbaren Rauchschwaden, die von unserem Feuer aufstreben, werden in Richtung See verweht, auf dessen glatter Oberfläche sich der Mond und einige der besonders hellen Sterne spiegeln.
Ich atme tief ein. Die Luft ist angenehm kühl, aber nicht so kalt, dass ich mehr als ein T-Shirt tragen muss. Sie ist rein. So sauber kenne ich es aus Hamburg nicht. Und noch etwas unterscheidet den Ort, an dem wir unser Lager aufgeschlagen haben, von der überfüllten Großstadt: die Ruhe. So sehr ich auch lausche, ich höre nichts. Nur das leise Prasseln und Knacken des Feuers und das gelegentliche Zirpen von Grillen lassen mich wissen, dass mit meinem Gehör alles in Ordnung ist.
Lena und ich verlassen die Stadt so oft es uns möglich ist. Nicht, weil wir sie nicht mögen. So schlimm ist es dann doch nicht. Aber wir haben beide den innerlichen Drang, der uns regelmäßig in die Natur lockt. Wenn es mal wieder so weit ist, packen wir unsere Rucksäcke, decken uns mit Proviant ein und gehen mit einem uralten Zweimannzelt, in das wir mit Mühe und Not zwei Luftmatratzen sowie etwas Stauraum unterbringen können, auf Reisen.
So auch an diesem Sommerwochenende. Nur gibt es heute eine Ausnahme: Wir sind nicht allein. Lisa, die beste Freundin meiner Frau und ihr Mann Tim sind mit von der Partie. Gemeinsam haben wir dieses Stück Freiheit gefunden, an dem wir unsere Zelte aufgeschlagen haben. Ja, an besagtem Ort ist das Zelten verboten – und nein, wir haben uns nicht daran gehalten, was mir, um ehrlich zu sein, nicht so gut gefällt. Wir haben Sommer – die Wälder sind trocken. Und was machen wir? Wir sitzen an einem Lagerfeuer, inmitten des Gehölzes, auf einer kleinen Lichtung, die gerade so groß ist, dass vier Personen auf ihr mit ihren Zelten campen können. Funkenflug? Wird ignoriert. Sicherheitsbedenken und das Risiko, erwischt zu werden? Ebenfalls. Doch liegt das nicht an mir. Ich habe mehrfach meine Vorbehalte geäußert, nur hat die keiner wahrgenommen.
Sorgenvoll werfe ich einen Blick auf einen Eimer voller Seewasser, den ich in weiser Voraussicht dicht neben mir und dem Feuer platziert habe. Wenn etwas passiert, will ich zumindest den Bruchteil einer Chance haben, einen Waldbrand zu verhindern. Zudem sind die Flammen von einem Steinkreis umgeben, den ich vor dem Entzünden improvisiert habe.
Tim hat mich dafür ausgelacht. Er ist ein Draufgänger, einer von der Sorte, die kaum weiter als bis zur nächsten Ecke denken kann. Dabei ist er nicht dumm, ganz im Gegenteil. Er ist an der Börse tätig und hat mit dem Aktienhandel im Luftfahrtsektor ein nettes Sümmchen angehäuft. Zudem ist er kräftig, hat markante Gesichtskonturen, die Frauen attraktiv finden könnten. Sein dunkelbraunes, fast schwarzes Haar ist kurz geschnitten und zur Seite gegelt. In seinem Gesicht steht der Anflug von Arroganz – und Trunkenheit. Wieder fällt mein Blick auf den Wassereimer, was ihm nicht verborgen bleibt.
»Nun mach dir nicht ins Hemd«, piesackt er mich und grinst. »Vielleicht solltest du mal etwas mehr trinken, bevor du uns noch zum Feuerwehrmann mutierst.«
Ich schenke ihm einen grimmigen Blick und wende mich wieder dem See zu. Er ist wie eine langgezogene Niere geformt und vollständig von Kiefern umgeben. Möchte man ihn erreichen, so muss der Interessent, genau wie wir, stundenlang zu Fuß über Stock und Stein marschieren, denn die nächste Straße ist weit weg.
»Gibt es hier eigentlich Wölfe?«, höre ich Lisa fragen.
»Nein«, antwortet Lena und kichert. »Du immer mit deinen Wölfen. Du brauchst keine Angst zu haben.«
»Ich habe keine Angst«, empört sich Lisa. »Ich wollte es doch nur wissen. Das Letzte, was ich will, ist nachts von Wolfsgeheul geweckt zu werden.«
»Wenn hier einer heult, dann ist es Max«, mischt sich Tim ein. »Wenn wieder ein Funke in Richtung der Bäume fliegt.«
Er legt seinen Kopf in den Nacken und stößt ein wehleidiges Heulen aus.
»Wichser«, schimpfe ich und muss grinsen. Ja – Tim ist anstrengend. Und trotzdem mag ich ihn, zumindest ein bisschen. Nicht so, wie einen Freund. Eher so, wie einen Bekannten, den man leider viel zu oft zu ertragen hat, weil er einfach dazugehört. Er und Lisa – sie passen zusammen. Auch wenn es mir schwerfällt, dies zuzugeben. Sie ergänzen sich optisch und im Gegensatz zu dem, wie er mit mir umgeht, behandelt er sie ganz gut. Glaube ich zumindest.
Ich seufze. Mustere die beste Freundin meiner Frau, wie schon so oft an diesem Tag und überhaupt in der Zeit, seitdem wir uns kennen. Hätte ich einst Lena nicht gedatet, so wäre meine Wahl wahrscheinlich auf Lisa gefallen. Sie ist optisch voll mein Ding. Schlank, zierlich, umgänglich und immer gut drauf. Selbstbewusst und verspielt. Sie hat nackenlanges, braunes Haar, das sie meist zu einem Pferdeschwanz gebunden hat, so wie in diesem Moment. Zarte Lippen, eine schmale Taille und die Art Apfel-Po, der in einer Jeans einfach fantastisch aussieht, sind ihre Aushängeschilder. Ihre Brüste sind klein, ja, das stimmt, aber das ist okay. Sie passen perfekt zu ihrer Figur. Nicht zu groß, nicht zu mickrig. Zusammengefasst: eine Traumfrau.
»Hast du immer noch Angst davor, erwischt zu werden?«, lenkt mich Tim von seiner Frau ab. »Oder ist deine Hose inzwischen wieder trocken?«
Ich rolle mit den Augen und bezweifle zeitgleich, dass er es in der Dunkelheit sieht.
»Ich wiederhole mich: Du bist ein Wichser!«, sage ich und zeige ihm den Mittelfinger. Den sollte er gesehen haben.
Wie oft habe ich mir diese Frage heute schon anhören müssen? Genau. Sehr oft. Dabei habe ich, als wir den Zeltplatz eingerichtet hatten, nur meine Zweifel bezüglich der Platzwahl ausgesprochen. Erwähnt, dass es teuer werden könnte, wenn wir uns von Offiziellen beim illegalen Campen erwischen lassen. Und dass wir in diesem Fall alles abbauen und woanders wieder aufbauen müssten. Doppelte Arbeit also. Doch Argumente sind bei Tim fehl am Platz. Erst recht, wenn sie seinem Wagemut widersprechen.
Ich bin überstimmt worden. Drei gegen einen. Risiko siegte über Verstand. Also sitzen wir hier. Wir vier – und der Notwassereimer.
Am Seeufer quakt ein Frosch. Oder eine Kröte, ich weiß es nicht. Ich verliere mich abermals im Anblick des Mondes, der sich im See spiegelt – als mir ein Glas vor die Nase gehalten wird. Ich drehe meinen Kopf und entdecke Lisa, die lächelnd vor mir steht. »Gin-Tonic?«
Ich nicke und ergreife das Glas. Auch wenn mir nicht nach einem Besäufnis ist, kann Alkohol dabei helfen, Tim und das Risiko von Waldbränden etwas vergessen zu machen. Lisa lässt sich wieder auf ihrem Campingstuhl nieder, der zu meiner Enttäuschung viel zu weit von mir entfernt steht, und prostet uns zu.
Nicht nur ich halte ein Glas in der Hand, auch Lena und Tim sind ausgestattet. Da ist es wieder, das Talent von Lisa. Wenn sie etwas in Perfektion beherrscht, dann das Organisieren und Nachfüllen von Alkohol. Auf ihren Partys steht nie jemand ohne Glas da.
»Prost«, stimmen wir ein und trinken. Der Gin-Tonic rinnt prickelnd meine Kehle herunter. Er ist zwar warm und ungekühlt, aber das macht mir nichts aus. Er schmeckt trotzdem. Genau wie die drei, die ich zuvor bereits vernichtet habe.
»Ist das Wasser eigentlich kalt?«, höre ich Lisa fragen.
»Wieso? Brauchst du Eiswürfel?«, scherzt ihr Mann und grinst aufgrund seines eigenen Witzes.
»Quatsch! Ich würde morgen gerne im See baden. Aber ich hasse kaltes Wasser.«
»Es kommt darauf an, was du erwartest«, beginne ich zu erklären. »So richtig warm ist ein Waldsee nie. Aber ich glaube, dass es gehen wird.«
»Hm«, überlegt sie und wirft einen sehnsüchtigen Blick in Richtung Uferböschung. »Es hätte doch irgendwie was. Wann ist man schon mal so tief und ungestört im Wald?«
»Also wir sind es regelmäßig«, mischt sich Lena ins Gespräch ein.
»Ja, ihr«, entgegnet ihre Freundin. »Wir aber nicht. Deshalb wäre es umso schlimmer, wenn wir uns das durch die Lappen gehen lassen würden.«
»Ich würde es auf jeden Fall machen«, sage ich, und das nicht nur, weil mir Lisas Erfahrungsschatz sonderlich am Herzen liegt. Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe mein eigenes Glück vor Augen. Lisa im Bikini – baden im Waldsee, direkt in meiner Gegenwart. Formen, Kurven, viel Haut. Das ist das, was ich sehen möchte. »Denk daran, so schnell kommst du hier nicht wieder her.«
Ich zwinkere ihr zu, sie lächelt zurück.
»Warum baden wir nicht jetzt?«, schlägt Tim plötzlich vor.
»Spinnst du?«, lacht seine Frau. »Es ist stockfinster!«
Er zuckt gleichgültig mit den Schultern. »Na und? Das ist doch umso spannender.«
Ich, der genau weiß, welches Risiko Gewässer haben können, die man nicht kennt und deren Gefahren man nachts nicht sehen kann, schweige. Plötzlich erhebt Tim sich und sieht herausfordernd in die Runde.
»Also ich mache es. Baden im Mondschein. Wer kommt mit?«
Wir schweigen. Funken steigen auf und lassen den Börsenvogel für den Bruchteil einer Sekunde heroisch wirken. Ich bemerke Lisas Blick. Sie sieht bewundernd zu ihm auf. In ihrem Gesicht liegt ein oh-du-bist-so-tapfer-Ausdruck.
»Keiner? Alles Warmduscher?«
Etwas kribbelt in mir. Obwohl ich es nicht nötig habe – aber sag das mal meinem kleingeistigen Hirn – regt mich der Gedanke an, Lisa, und ja, auch meiner Frau, etwas beweisen zu können. Der Alkohol trägt ebenfalls seinen Teil dazu bei.
»Also ich wäre dabei«, höre ich mich sagen, bevor ich mir der Tragweite meiner Worte bewusst werde. Die beiden Frauen kichern, aber ich komme nicht umher festzustellen, dass Lisa mich dabei staunend ansieht. Ich wittere meine Chance und setze einen obendrauf.
»Aber ich gehe nur, wenn wir alle gehen. Vier oder keiner – ist doch fair, oder?«
Das Lachen der Frauen erstirbt. Die Freundinnen sehen sich verunsichert an.
»Kommt schon«, setze ich nach. »Stellt euch doch mal vor, wie wundervoll es wäre, sich hinterher wieder am Feuer einzukuscheln und aufzuwärmen.«
Und wie toll deine feuchte Haut im Flammenschein aussehen würde, Lisa, doch das denke ich nur. Meine Frau beißt sich auf die Unterlippe, dann nickt sie. »Okay, ich komme mit.«
Alle Blicke ruhen auf Lisa. Sie sieht von Gesicht zu Gesicht. »Scheiß Gruppenzwang«, murmelt sie schließlich. Mein Herz macht einen freudigen Sprung. Das klingt gut. Sehr gut sogar. »Okay.«
Ich klatsche in die Hände, erhebe mich und mache Anstalten, zu dem Zelt von Lena und mir zu gehen, um mich umzuziehen.
»Wo willst du hin?«, erklingt Tims Stimme. Er lallt etwas. Auch er steht auf, schwankt leicht, und sieht herausfordernd zu mir herüber.
»Ähm«, beginne ich. »Umziehen?«
»Ach, du Warmduscher!«, winkt er ab und glotzt mich amüsiert an. »Wir gehen nackt schwimmen, du Muttersöhnchen.«
Die Frauen und ich runzeln die Stirn. »Wieso das?«, frage ich.
»Na, weil wir hier ungestört sind. Niemand ist da, der uns sehen kann.«
Nur sehen wir uns gegenseitig, denke ich. Und dich will ich nicht sehen.
»Aber trotzdem, das geht doch nicht …«
Mein Blick gleitet flüchtig zu Lisa. Die Idee, sie nicht nur im Bikini, sondern nackt zu sehen, ist zwar fantastisch, aber dazu wird es ohnehin nicht kommen. Erstens: Ich bin schüchtern. Mich vor ihr und Tim unverhüllt zu zeigen geht gar nicht. Und zweitens: Lena ist da ähnlich gestrickt.
»Du olle Pussy«, hetzt Tim. In seinem Blick liegt der vom Alkohol verstärkte Ausdruck von Herablassung. »Deinen Minidödel schaut dir hier schon keiner ab.«
»Als ob das jetzt an mir allein liegen würde«, meckere ich und fühle mich pikiert. »Die Mädels wollen es auch nicht.«
Ich sehe in die Runde. Mein Blick erstarrt, als ich in das Gesicht meiner Frau sehe.
»Ach, warum denn nicht?«, sagt sie zu meiner Überraschung. »Wir sind erwachsen und in der Sauna ist es für dich doch auch kein Problem.«
»Ich … natürlich nicht, aber das ist etwas-«.
»Vollkommen anderes«, beendet Tim meinen Satz. Und das in einem Tonfall, der mir gar nicht gefällt. Und während er lacht, zieht er sich bereits sein Shirt über den Kopf.
»Mir nach, Mädels!«, ruft er aus und setzt sich in Bewegung. »Max, pass auf das Feuer auf. Du weißt ja, Waldbrand und so.«
Meine Frau sieht mich entschuldigend an. »Wäre das okay für dich?«
Ich erwidere ihren Blick. Es passt mir ganz und gar nicht, dass sie nackt mit diesem Spinner baden geht. Sie scheint meine Sorge im Gesicht abzulesen. »Es ist dunkel. Er wird schon nicht zu viel von mir zu sehen bekommen.«
Der Vollmond über uns lässt allerdings anderes vermuten. Es ist alles andere als dunkel. Aber ich will nicht den sensiblen Mann geben. Muss Härte zeigen.
»Du kannst machen, was du möchtest.«
Sie lächelt und drückt mir einen flüchtigen Kuss auf die Lippen. Er schmeckt nach Gin. »Komm doch mit. Das wird sich so geil anfühlen. Freier wirst du niemals wieder in einem See schwimmen, das verspreche ich dir.«
»Hm.«
Lena zwinkert mir zu und folgt Tim. Er reißt sich die Hose in einer Bewegung von den Hüften, der Gürtel klappert, der Stoff rutscht an den Oberschenkeln hinab. Mondlicht betont seine Rückenmuskulatur, die so viel kräftiger ist, als meine.
Meine Frau zieht im Gehen ihr Top über den Kopf, Haare fallen auf den Nacken. Glatte Haut blitzt auf. Ihre Finger suchen die Knöpfe der Jeans; ich sehe, wie der Stoff an den Hüften spannt und dann nachgibt, bevor er über die Kurven ihres Pos gleitet.
Aus meinen Augenwinkeln bemerke ich, wie auch Lisa Anstalten macht, den beiden zu folgen. Ich sehe sie an und als ich feststelle, dass sie bereits in Unterwäsche neben mir steht, gefriert mir das Blut in den Adern. Ich keuche, was sie zum Glück nicht hört, da ihr Mann wieder ein Wolfsgeheule in den Nachthimmel stößt.
»Du auch?«, frage ich tölpelhaft unter dem Drang, irgendetwas von mir zu geben, um meine Verunsicherung zu überspielen.
»Uns sieht hier doch wirklich keiner.«
Ich beobachte, wie sie im Laufschritt zu den anderen aufschließt. Ihr Po, nur dürftig verdeckt vom dünnen Stoff des Stringtangas, übt dabei eine hypnotische Anziehungskraft auf mich aus. Ich schlucke abermals. Bin wie versteinert. Bin ich tatsächlich der einzige Spießer hier? Natürlich, ich habe mich in der Sauna schon des Öfteren vor Fremden ausgezogen. Das hat mich noch nie gekümmert. Trotz meiner Schüchternheit bin ich dort nur einer von vielen und niemand wirft mir irgendwelche Blicke zu. Doch Tim und Lisa kenne ich, und irgendwie … ist das dann etwas anderes. Hinzu kommt das machohafte Verhalten des Börsenvogels, das mich in meiner Rolle als Mann degradiert.
Als ich sehe, wie Tim – inzwischen nackt – den ersten Schritt ins Wasser macht, dicht gefolgt von Lena, die nur noch Tanga trägt, steigt Hitze in mein Gesicht. Diese verstärkt sich in dem Moment, als er sich umdreht und direkt auf ihre Oberweite starrt. Es sticht schmerzhaft in meinem Herzen. »Arschloch«, grummel ich und balle die Hände zu Fäusten. Die Situation droht, mich zu überfordern. Eifersucht verbündet sich mit dem Wunsch, sich der Gruppe anzuschließen, ins Wasser zu gehen, Spaß zu haben, Lisa zu beobachten.
Lisa. Auch sie ist am Wasser angekommen. Dort quiekt sie in dem Moment, als ihre Zehenspitze das für sie wohl doch sehr kalte Nass berührt. Aber sie kneift nicht, geht mutig weiter, löst dabei ihren BH, den sie im Anschluss in einem hohen Bogen zurück ans Ufer wirft. Ich sehe, wie ihre zarten Brüste dabei vom Mond beleuchtet werden. Das Licht betont ihre Form und hebt sie deutlich hervor. Spätestens jetzt weiß ich, dass das, was meine Frau zur Beruhigung zu mir gesagt hatte, keinen Wert hat. Er wird schon nicht zu viel von mir zu sehen bekommen.
Ich stöhne, als Lisas String dicht neben ihrem BH landet. Träume ich?
Alle drei sind nackt. Ohne, dass ich es bewusst verhindern kann, setze ich mich in Bewegung, von Eifersucht und pubertärer Neugier getrieben.
»Kommst du nun, du Warmduscher?«, höre ich Tim brüllen.
»Es ist vollkommen okay«, ruft meine Frau und deutet auf das Wasser.
»Ja ja!«, erwidere ich und spüre meine Hände, die sich an die Arbeit machen. Mein Gürtel löst sich. Der Saum meines abgenutzten Shirts kratzt auf der Haut, als ich es hochziehe.
Ich atme durch. Zähle stumm bis vier – und gehe los.

2.

Ich nähere mich dem Wasser. Mit jedem Schritt werden meine Knie weicher. Als die Frauen mein Kommen bemerken, kreischen und jubeln sie, wie man es aus Highschool-Filmen kennt. Ich lasse mein Shirt zu Boden fallen und versuche, mir Mut zuzureden. Es fällt dir schwer, das ist okay. Aber deine Belohnung wartet im Wasser – es wird sich lohnen!
Mein Blick trifft auf Lisa, die bereits bis zum Bauchnabel im See ist. Jetzt, als ich nur noch ein paar Meter von ihr entfernt bin, sehe ich deutlich, wie ihre Brustwarzen steif und verhärtet anzeigen, wie kalt das Wasser wirklich ist. Ich schlucke und erreiche die Wasserkante. Eine winzige Welle schwappt über meine Füße.
Japp – das Wasser ist frisch. Wie ich es erwartet habe. Aber ich werde nicht kneifen und beuge mich hinab, um die Hose auszuziehen. Als sie neben mir ins Gras fällt, johlt Tim und stößt abermals sein albernes Geheule aus. »Doch kein Warmduscher, was?«
Der See geht ihm schon bis zu den Knien. Ich komme nicht umhin, sein Glied kurz zu mustern. Ich habe bis zu diesem Moment der Erkenntnis gehofft, dass er neben seinem aufgeblasenen Machogehabe nur eine winzige Nudel hat. Dass seine Show nur von dem ablenken soll, was er in der Hose verbirgt. Doch leider ist er gut ausgestattet. Sein bestes Stück braucht sich für nichts zu schämen. Es ist lang, anständig breit und durch getrimmtes Schamhaar gekonnt in Szene gesetzt. Und ja, ich weiß, dass ein großer Penis nicht alles ist. Dass Riesendinger sogar mehr Unheil als Freude bereiten können. Und doch setze ich mich in diesem Moment dem uralten, männlichen Vergleichskomplex aus, so sehr ich auch versuche, mich dagegen zu wehren.
Als ein gewaltiger Schwall Wasser über mich hereinbricht, werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Tim hat meine Abwesenheit dazu genutzt, um mir eins auszuwischen. Ich stöhne und keuche, als das Seewasser auf mich trifft, an mir herunterläuft und eine Spur aus Gänsehaut hinterlässt. »Arschloch!«
Er stößt ein lautes Wiehern aus und taumelt vor explosiver Freude. Und genau das wird ihm zum Verhängnis. Er kippt nach hinten, rudert bei dem kläglichen Versuch, sein Gleichgewicht zu halten, mit den Armen – und fällt um. Wasser spritzt und trifft die Damen, die kreischen und zur Seite springen. Noch während er für den Bruchteil einer Sekunde unter der aufgewühlten Wasseroberfläche verschwindet, breche ich in schadenfrohes Gelächter aus und die Mädels stimmen ein.
Als Tim wieder auftaucht, stöhnt er und japst nach Luft. Er scheint zu bemerken, dass die volle Aufmerksamkeit auf ihm liegt. Ich sehe, wie schwer es ihm fällt, sich und seine Stimme zu kontrollieren.
»Ich wollte eh gleich reinspringen«, erklärt er mit einer Klangfarbe, die mindestens eine Tonlage höher ist als üblich.
»Warmduscher!«, lache ich und bin stolz auf die Retourkutsche. Wieder schleudert er einen Schwall Wasser in meine Richtung.
»Willst du die Unterhose anlassen, Schatz?«, fragt Lena. Ich sehe an mir herunter. Stimmt, denke ich. Ich hatte ja noch etwas vor.
Meine Unterhose ist klatschnass, eigentlich könnte ich sie tatsächlich anlassen. Mit dem Wissen, dass ich damit nicht davonkommen würde, atme ich durch. Zähle abermals bis vier, nehme all meinen Mut zusammen und ziehe sie herunter. Während ich dies tue, drehe ich das Becken ein wenig zur Seite, sodass die Frauen und Tim nicht direkt das sehen können, was ich auspacke. Ich schäme mich, weil ich mich verhalte wie ein Teenager. Aber ich kann es nicht ändern. So bin ich halt. Und hey – was ist schlimm daran, schüchtern zu sein?
Tölpelhaft hebe ich abwechselnd die Füße, um aus der Hose zu steigen. Dann knülle ich sie zusammen und werfe sie achtlos ans Ufer. Ich befürchte, dass noch immer alle Blicke auf mir liegen und zwinge mich dazu, mich diesen zu stellen. Als ich mich der Gruppe zuwende, stelle ich überrascht fest, dass ich nicht beobachtet werde.
Ich verstehe, dass das Entkleiden für die anderen etwas ganz Normales ist. Niemand bewertet mich, niemand lacht mich aus. Dazu gab es eigentlich auch keinen Grund, denn meine Maße liegen vollkommen im Durchschnitt, und doch hatte ich es erwartet. Sogar Tim hat sich abgewandt. Kein dummer Spruch, kein Spott, kein »mein Dödel ist doppelt so groß wie deiner«.
Diese Erkenntnis beflügelt mich. Macht mein Herz ein ganzes Stück leichter und lässt zu, dass so etwas wie Freude in mir aufkeimt. Ich bin nun voll dabei. Integriert in eine Gruppe nackter Nachtbader in einem See, weit ab der Zivilisation. Ich grinse glücklich. Besinne mich auf das, was mich eigentlich erst zum Baden motiviert hat: Auf den Körper meiner Flamme.
Und Gott, es lohnt sich. Lisa steht, einige Meter entfernt, mit dem Rücken zu mir. Das Wasser reicht ihr mittlerweile bis kurz unter die Schulterblätter. Der Mond wirft einen silbrigen Schimmer auf ihre Haut, auf der vereinzelte Tropfen perlen. Ich erkenne Gänsehaut auf ihren Oberarmen. Als sie sich zu Lena dreht, die direkt neben ihr steht, kommt ihre Brust ins Blickfeld, deren wahnsinnig erotische Kontur mich kaum mehr verzaubern könnte.
Ich spüre ein Kribbeln, das zwischen meinen Beinen entsteht. Ich werde mir der Gefahr einer Latte bewusst und zwinge mich dazu, meine Gedanken auf etwas anderes zu lenken. Ich erlaube mir zwar weiterhin, die Frau meiner feuchten Träume anzusehen, doch muss ich es dosierter machen. Ich bin mir sicher, dass der Abend eine unangenehme Wendung nehmen würde, wenn ich nun einen Ständer bekäme – die Sprüche von Tim will ich mir gar nicht erst vorstellen.
Also wate ich tiefer ins Wasser. Spüre, wie das kühle Nass an mir emporsteigt. Wie es über meine Knie gleitet, den Oberschenkel erklimmt und schließlich auf meinen Hodensack trifft, der sich spürbar zusammenzieht. Ich ziehe hörbar Luft ein – diese Zone ist bei Männern krass empfindlich.
»Einfach eintauchen!«, rät mir Tim, der mich beobachtet. »Ein kurzer Ruck, und der Dödel ist drin.«
Ich lache. »Du hast gut reden! Wärst du Trampel nicht ins Wasser gefallen, würdest du auch hier stehen und Teebeutel spielen.«
Er wiehert und ich frage mich, was an meinem Satz so witzig war. Plötzlich taucht Lena an meiner Seite auf. Bevor ich es verhindern kann, drückt sie mir einen Kuss auf die Lippen. Ich stöhne leise vor Überraschung und vermute, dass ich ziemlich perplex aus der Wäsche schaue.
»Wollen wir beide zusammen eintauchen?«, fragt sie mich und greift meine Hände. Ich bemerke, wie sie mich verliebt ansieht und vergesse für einen Moment Lisa, die sich höflich abwendet und uns diesen intimen Moment gewährt. Scham schießt in meinen Kopf. Ich fühle mich schlecht, weil ich in Gegenwart meiner Frau den Körper einer anderen begehre.
Ich liebe Lena. Daran besteht kein Zweifel. Ich will eine Zukunft mit ihr aufbauen, mit , Haus und Sicherheit. Meine Faszination zu ihrer besten Freundin ist rein sexueller Natur. Nur Lust, Gier … oder wie auch immer man es benennen kann.
Ich beschließe, mich in diesem Moment voll auf Lena zu konzentrieren. Also nicke ich, drücke ihr meinerseits einen Kuss auf die Lippen und umarme sie. Im Anschluss entfernen wir uns Hand in Hand weiter vom Ufer. Das Wasser wird schnell tiefer und schon nach knapp vier Metern reicht es mir bis zur Brust. Meine Frau, die ein gutes Stück kleiner ist als ich, lässt meine Hand los und beginnt, mit seichten Armbewegungen zu schwimmen. Ich gebe mir einen Ruck, folge ihr und spüre, wie der schlammige Grund unter mir verschwindet. Irgendwo neben uns höre ich, wie Lisa und Tim miteinander kabbeln und sich nassspritzen. Doch das ist mir egal. Ich besinne mich auf uns. Uns als Paar.
Sekunden später treiben wir auf dem Rücken. Dicht an dicht. Über uns der schwarze Nachthimmel mit mehr Sternen als ich jemals zählen kann. Eine seltsame Schwere überkommt mich. Genau diese, die man empfindet, wenn alles perfekt ist. Wenn man sich rundum wohl fühlt, wenn man sich sicher fühlt und keine Sorgen verspürt. Wir nehmen uns an der Hand und schweigen. Der Geruch des Feuers fällt sanft in unsere Nasen. Den Notwassereimer vergesse ich. Über uns hängt der gutmütige Mond mit seinen dunklen Ebenen und Kratern. Ich wünsche mir eine Sternschnuppe herbei. Oder irgendein anderes, kosmisches Ereignis, das diesen Moment unvergessen macht.
Stille breitet sich aus. Tim und Lisa sind verstummt. Vielleicht genießen sie auch einen romantischen Moment. Ich weiß es nicht. Und es ist mir egal. Ich drehe meinen Kopf und sehe Lena an, deren Brüste sich wie zarte Eisberge aus dem Wasser heben. Ihre Brustwarzen stehen steil und ich weiß, dass es bei mir kaum anders aussieht.
Ich sehe an mir herab. Der See schwappt über meinen Bauch. Mein Penis liegt einfach da, gelegentlich von winzigen Wellen bewegt. Plötzlich verstärkt Lena den Druck auf meine Hand. Ich sehe wieder zu ihr und stelle fest, dass sie den Blick erwidert. Ein verruchtes Lächeln hat sich auf ihre Lippen geschlichen.
»Ich will einen Kuss«, flüstert sie und zieht mich zu sich heran. Ich gehe mit. Unsere Ellenbogen berühren sich. Wie ferngesteuert verlassen wir die Rückenlage. Ich spüre Grund unter meinen Füßen und komme ins Stehen. Lena schafft dies nicht und legt stattdessen die Arme um meine Schultern, um sich über Wasser zu halten.
Wir sehen uns einen Moment lang an – dann küssen wir uns. Erst sind es nur unsere Lippen, die sich schmatzend begrüßen. Doch dann spüre ich ihre Zunge, die zaghaft um Einlass bittet. Ich lasse es geschehen. Zungenspitzen berühren einander und beginnen einen langsamen Tanz. Dann klammert meine Frau sich fester um mich. Brust an Brust, Bauch an Bauch. Ich bemerke deutlich ihre harten Brustwarzen. Lena schlingt ihre Beine um mein Becken. Nichts auf dieser Welt könnte uns jetzt voneinander trennen. Wieder spüre ich, wie es in meinem Unterleib kribbelt. Stärker als zuvor. Und ohne, dass ich es verhindern kann, beginnt etwas zu wachsen.
»Wären wir doch bloß alleine«, flüstere ich und versuche, meinem Glied das Expandieren zu verbieten. Dass das aber in direktem Kontakt zu einer nackten Frau unmöglich ist, weiß ich ganz genau. Lena scheint es zu bemerken und grinst teuflisch.
»Da ist jemand aufgewacht«, wispert sie und küsst mich wieder.
»Wie … wie sollte es … auch anders sein?«, antworte ich bemüht, während unsere Lippen sich kaum voneinander trennen können.
»Will er mal … nun, bei mir vorbeischauen?«
Ich reiße die Augen auf. Sex im See? Wow, der Gedanke daran hat etwas Wundervolles. Mehr als das. Etwas echt Obergeiles sogar! Und es wäre nicht schwer. Ich müsste nur zustechen. Nass ist es sowieso. Nur leider gab es da ein kleines Problem. Ich löse mich von ihren Lippen und drehe den Kopf ein klein wenig nach links, wo ich Lisa und Tim entdecke, die ebenfalls in einen heißen Kuss verfallen sind, gut zehn Meter entfernt.
»Die sehen das nicht«, scheint Lena meine Zweifel zu ahnen. »Die sind beschäftigt.«
»Ich weiß ja nicht«, nuschel ich. Ich bemerke, wie in mir die Scham wächst und den Kampf gegen die Lust aufnimmt. Doch leider, und das ist typisch für mich, sind meine negativen Empfindungen meist stärker als die positiven. Auch meine Frau weiß das. Und sie versteht mich. Wird mich nicht zum Sex zwingen, wenn es mir unangenehm ist. Was sie aber machen wird, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, ist mich zu triezen. Mich zu necken. Und genau das macht sie in diesem Moment, indem sie ihre Hand zwischen unsere Körper führt und meinen Penis berührt.
»Hey«, beschwere ich mich, wieder mit einem verunsicherten Blick zu dem anderen Pärchen. »Nicht hier.«
Im Gesicht Lenas steht der Ausdruck des Teufels geschrieben. Sie denkt nicht im Traum daran, von mir abzulassen. Ganz im Gegenteil. Sie verstärkt ihren Griff und ich stöhne unterdrückt. Provokativ presst sie ihre Brüste fest an meinen Oberkörper und beginnt, mein Glied zu massieren. Ich versuche, mich aus ihrem Griff zu lösen, doch mein Kampf ist nur halbherzig.
»Komm schon, nur einmal kurz rein und wieder raus.«
»Du bist ein Teufel!«
Sie lacht und frisst mich mit ihren Augen. »Kein Teufel. Ein Miststück.«
Ich stöhne und hadere mit mir. Wie gerne würde ich nachgeben. Meinen Penis in ihr versenken. Doch meine schamgetriebene Vernunft verhindert dies. Ich versuche, mich von ihr zu befreien, doch sie ist kräftig und lacht bei meinem kläglichen Versuch. Es ist irrwitzig. Ich kann nicht verhindern, dass auch ich lache.
Nun ist es Zeit für meine Geheimwaffe. Ich habe einen Trick, der sie zweifellos auf Abstand bringen wird. So wie immer in vergleichbaren Situationen. Einen Not-Aus sozusagen. Ich grinse. Lege eine Hand an ihren Hintern. Führe meinen Zeigefinger zwischen ihre Pobacken, ertaste den Eingang zu ihrer Hinterpforte und stoße zu. Lena kreischt erschrocken, als meine Fingerspitze sich ein winziges Stück in sie schiebt. Sofort stößt sie sich von mir weg und flucht.
»Du Arsch!«
»Du lässt mir halt keine andere Wahl!«
Ich lache laut. Sie sieht mich böse an, doch dann stimmt sie mit ein. Bravo! Ich habe mein Ziel erreicht: Die Hitze ist raus. Aber das Spiel beginnt. Sie prescht auf mich zu. Wir rangeln und kichern wie . Ohne, dass wir es merken, stoßen Tim und Lisa dazu. Bespritzen uns mit Wasser. Wir johlen und schreien vor Spaß in die Nacht hinaus. Jagen uns durch die Wellen, die wir selbst erzeugen. Meine Latte ist verschwunden – und das ist gut so. Auch in den Momenten, wenn Lisas Oberkörper aus dem Wasser ragt und ich einen Blick auf ihre Brüste erhaschen kann, behalte ich meine Kontrolle. Ich werde diese Bilder, die sich unlöschbar in mein Gedächtnis einbrennen, zu einem anderen Zeitpunkt wieder aufrufen und genießen. Doch jetzt zählt nur der Spaß.
Ich packe meine Frau, hebe sie auf den Armen ein Stück übers Wasser. Sie protestiert, ist aber chancenlos. Ich lasse uns nach hinten kippen, sodass wir beide ins kühle Schwarz eintauchen.

3.

Nach einiger Zeit ebbt das Spiel ab. Wir kommen langsam zur Ruhe und waten ins flachere Wasser zurück, ohne jedoch das Kichern einzustellen. Der Alkohol sowie der Kick des Nacktbadens halten unsere Stimmung weiterhin hoch. Wir blödeln herum, während wir bauchnabeltief im See stehen, und werfen uns pubertäre Sprüche an den Kopf. Tim, der am unkontrolliertesten von uns allen zu sein scheint, fängt wieder an, mit Wasser zu spritzen, indem er seine Hände als Schaufeln einsetzt und Schwall um Schwall auf die Frauen und mich schleudert.
»Hör auf mit dem Mist!«, lacht Lena und hält sich schützend die Hand vor das Gesicht. Doch der Börsenheini kommt erst auf Touren. Lisa, die nach meiner Frau in seinen Fokus rückt, rennt wasserspritzend zu mir und versteckt sich hinter meinem Rücken. Während ich ihr als Schutzschild diene, packt sie mit beiden Händen meine Arme und macht sich klein. Ich spüre ihre kalten, nassen Haarsträhnen auf meinem Schulterblatt.
»Hey!«, pruste ich und spucke Seewasser aus, das so anders schmeckt als das, was ich aus dem Wasserhahn gewöhnt bin. Doch mein Protest ist nur gespielt. Irgendwie gefällt es mir, Lisa zu beschützen. Um meine Ambitionen zu untermauern, nehme ich den Kampf mit Tim auf und decke ihn ebenfalls mit Wassermassen ein. Dass ich dabei meine Frau erwische, bemerke ich erst, als sie lautstark protestiert.
»Lena und ich gegen euch Kaulquappen!«, bestimmt Tim, packt meine verwunderte Frau an der Hand und zieht sie zu sich. Sie versteht sofort und nur eine Sekunde später werden wir von zwei Gegenspielern angespritzt.
Meine Sicht verschwimmt und ich kann kaum noch etwas sehen. Ich strauchle einen halben Schritt zurück, während Lisa sich weiterhin fest an mich klammert. Plötzlich stolpert sie über irgendetwas am Seeboden, gerät ins Wanken und kippt. Da ihre Hände stark wie hydraulische Krallen sind, zieht sie mich glatt mit.
Schwarzes Wasser bricht über mich herein, während ich auf ihr lande und deutlich ihren weichen Körper unter mir spüre. Zum Glück ist das Wasser nicht tief und es gelingt mir schnell, mich wieder aufzurappeln.
Hinter mir höre ich, wie Tim und Lena in lautes Gelächter ausbrechen und sich schallend abklatschen.
»Eins zu null für uns!«, grölt er und lacht. Ich beuge mich hinab und biete Lisa, die aufrecht im See sitzt, meine Hand zur Hilfe an. Sie greift zu und ich ziehe. Als sie sich aus dem Wasser erhebt, muss ich schlucken. Ich beobachte verzaubert, wie ihre feuchten Brüste aus den Fluten auftauchen. Wie sie leicht in ihrer Bewegung wippen, wie das Mondlicht jede Kontur und die Brustwarzen betont. Ich schaffe es nicht, meinen Blick rechtzeitig abzuwenden. Sie bemerkt mein Starren.
»Na, na!«, grinst sie amüsiert, während mir eine brennende Röte ins Gesicht steigt. Ich drehe mich ertappt zur Seite. Mein Herz rast und ich rüge mich dafür, so plump gewesen zu sein. Doch zu weiteren Überlegungen bleibt kaum Zeit, denn meine Frau und Lisas Mann tuscheln miteinander. Kaum habe ich das bemerkt, stürmen sie auf uns zu. Abermals entsteht ein Gerangel, in dessen Gemengelage viel gelacht und gespritzt wird. Allmählich wird mir richtig warm und ich glaube, dass, wenn wir so weitermachen, der See bald kochen wird.
»Stopp«, keuche ich erschöpft und hebe ergeben die Hände. »Ich kapituliere. Es reicht.«
»Zwei zu null. Ihr Luschen.«
Tim reckt siegessicher die Hände in die Luft. Lena tritt neben ihn und zusammen posieren sie wie glorreiche Sieger. Dann wenden sie sich einander zu. Ob das, was folgt, am Adrenalin des Siegesrausches liegt, weiß ich nicht. Auf jeden Fall stoßen beide gorillagleiche Laute aus und geben sich einen Check – Brust an Brust statt Handfläche. Das Wasser spritzt, während es in meinem Herzen krampft und sticht. Der Mistkerl hat die Brüste meiner Frau berührt, zischt es durch meinen Kopf. Klar, es war nicht mit der Hand, aber irgendwie ist seine Brust doch auch ein sensorisches Körperteil, oder?
»Beim nächsten Mal sind wir vorbereitet«, erklingt Lisas Stimme. Sie schlingt kumpelhaft den Arm um mich und stemmt stolz eine Faust in ihre Taille. »Das drei zu null bekommt ihr nicht.«
Wieder kämpfen in mir zwei Dinge. Eifersucht und Erotik. Es tut gut, wie Lisa mich hält, und es schmerzt, was Tim mit Lena gemacht hat. Ich seufze und versuche, mich abzulenken. Am Ende ist doch alles nur ein Spaß, denke ich und zähle erneut bis vier. Kaum habe ich damit begonnen, sehe ich, wie Tim den Körper meiner Frau abcheckt. Wie er noch nicht einmal versucht, es heimlich zu tun.
Mir bleibt die Spucke weg. Spinnt der? Die Eifersucht versteinert mich. Auch Lisas Gegenwart kann daran nichts ändern. Und dann passiert das Unfassbare: Er klatscht meiner Frau, die sich gerade in Richtung Ufer aufgemacht hat, mit flacher Hand auf den Po, der gerade so aus dem Wasser schaut.
Das Blut in meinen Adern gefriert, nur um einen Moment später direkt zu kochen. Es kommt noch schlimmer. Anstatt Tim anzupöbeln, lacht Lena. Sie lacht! Das ist das Gegenteil dessen, was ich mir als Reaktion erhoffe. Ich balle meine Hände zu Fäusten. Auch der Rest meines Körpers spannt sich an.
»Hey, das ist nur Spaß«, höre ich ein Flüstern neben mir. Lisa. In meiner Fassungslosigkeit habe ich glatt vergessen, dass sie bei mir ist. Und im Gegensatz zu meiner Frau scheint sie bemerkt zu haben, dass mir die Szene ganz und gar nicht gefallen hat.
Tim schließt sich Lena an und beide verlassen das Wasser. Während sie zum Ufer waten, erzeugen sie Wellen, die schnell bei uns ankommen und an unsere Körper schwappen.
»Ist er immer so?«, stammel ich. Lisa antwortet etwas, doch ich höre nicht zu. Stattdessen versuche ich, zu verstehen, warum meine Frau so und nicht anders reagiert hat. Okay, sie ist mit mehreren Brüdern und ohne Schwester aufgewachsen, überlege ich. Eine gewisse Härte liegt daher in ihrer Natur. Sie musste sich stets gegen Männer behaupten und war es wahrscheinlich gewohnt, wie einer behandelt zu werden. Dass sie manchmal burschikose Züge an sich hat, war mir nichts Neues. Auch nicht, dass sie in der Regel schnell mit anderen Männern eine Art Kumpelbeziehung aufbaut. Das könnte erklären, warum sie das mit dem Brustcheck mitgemacht hat. Und das mit ihrem Po … Auch dafür wird es eine solide Begründung geben. Ich muss sie nur finden.
Ich atme durch. Halte mir vor Augen, dass sie meine Frau ist. Dass sie mich liebt und vor wenigen Minuten noch Sex mit mir im See haben wollte. Dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche. Wieder schäme ich mich. Fühle mich wie ein eifersüchtiger Teenager und bin gleichzeitig wütend auf Tim. Nicht nur wegen der Berührungen. Sondern auch, weil er Lena mit Blicken verschlungen hat. Ihre Brüste, ihren Po. Die schmale Taille, ihre vollen Lippen. Und das, während ich direkt daneben stehe.
»Nun komm«, fordert mich Lisa auf und reißt mich aus meinen Gedanken. In ihrer Stimme liegt etwas Ungeduldiges und ich vermute, dass sie mich nicht zum ersten Mal darum bittet. Plötzlich passiert etwas in mir. Tu es auch!, flüstert mir eine Stimme ins Ohr, die nur von meinem kleinen Teufelchen kommen kann. Gleiches wird mit Gleichem vergolten! Ich schüttle den Kopf.
»Sorry, ich war in Gedanken«, sage ich schließlich. Wir setzen uns in Bewegung. Das Teufelchen auf meiner Schulter tippt mich an und als wäre das mein Zeichen, lege ich im Gehen einen Arm um Lisas Schulter. Bange Sekunden vergehen, in denen ich mich frage, ob sie diese Art der Berührung zulässt. Aber mein Arm bleibt an Ort und Stelle und sie macht keine Anstalten, daran etwas zu ändern. Ich beschließe, es ein wenig auf die Spitze zu treiben. Natürlich so, dass man mir hinterher nichts vorwerfen kann.
Ich ziehe sie dichter an mich heran. Tue so, als würde ich auf Kumpel machen. Unsere Becken stoßen aneinander. Ich fühle die Wärme, die sich unter ihrer Haut verbirgt. Wieder wehrt sie sich nicht. Lässt es einfach geschehen. In meinem Glied kribbelt es und ich muss aufpassen, dass ich nicht die Kontrolle über den Speer verliere.
Als wir an Land sind, sind Tim und Lena uns bereits einige Schritte voraus. Ich beobachte, wie sie auf das Feuer zugehen und sich dabei die kühlen Hände reiben. Dann passiert etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe. Lisa legt eine Hand auf meine Pobacke und greift forsch zu. Mein Kopf schnellt herum und ich sehe sie schockiert an. Sie beißt sich kokett auf die Lippe und zwinkert mir zu. Ich schlucke und bin nicht dazu in der Lage, einen Ton herauszubringen. Da mein Mund ausfällt, reagiere ich mit den Augen. Ohne, dass ich es verhindern kann, fliegt mein Blick ungefiltert über ihren Körper. Fresse sie mit den Augen, betrachte unverhohlen ihre Brüste, gleite hinab zu ihrem Bauch, dem tiefen Bauchnabel, dem glänzenden Venushügel und den Schamlippen darunter, die sich mir weiß im Mondlicht präsentieren.
»Nicht das erste Mal, dass du mich beobachtest«, flüstert sie, packt mich am Kinn und drückt es sanft nach oben, sodass ich in ihr Gesicht sehe. Sie lächelt. Aber nicht so, wie sie es immer tat, wenn ich in ihrer Nähe war. Nein, etwas in ihren Gesichtszügen hatte sich verändert und ich kann schwören, ein gewisses Prickeln zwischen uns zu spüren.
Sie wendet sich wortlos ab und geht los. Dabei legt sie einen Gang an den Tag, der mir bei ihr zuvor nicht aufgefallen ist. Sie bewegt sich wie ein Model und legt den Fokus ihres Hüftschwungs auf den Po, der sich elegant hebt und senkt. Ich stehe einfach nur da und beobachte sie mit offenem Mund und frage mich, was gerade passiert. Spinnen hier heute alle? frage ich mich und seufze. Ist etwas in diesem Wasser, das die Leute durchdrehen lässt?
Einer jähen Vorahnung folgend sehe ich an mir herunter. Schockiert stelle ich fest, dass ich einen ordentlichen Ständer habe. Schneller als der Schall drehe ich mich um. Vor mir liegt der riesige Waldsee, dessen Oberfläche bereits wieder vollkommen glatt ist, umgeben von schwarzen Bäumen. Der Mond über mir interessiert mich gerade nicht. Stattdessen geistert eine Frage in mir herum: Hat sie meine Latte gesehen?

4.

»Wo warst du so lange?«, fragt mich Lena, als ich zum Feuer zurückkehre. Sie sieht mich mit einer Mischung aus Neugier und Sorge an. »Ist alles okay?«
Ich nicke und überlege mir eine Ausrede dafür, dass ich erst fünf Minuten nach Lisa zur Gruppe aufgeschlossen habe. »Ich wollte noch einen Moment die Ruhe genießen. Die Aussicht auf den See ist einfach fantastisch.«
Doch das ist eine Lüge. In Wirklichkeit galt meine Abwesenheit dem Kampf mit meinem Penis. Das olle Ding weigerte sich, partout zu schrumpfen. Egal, wie sehr ich es versucht habe, die Gedanken an das, was Lisa getan hat, halten ihn aufrecht. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich es geschafft, sie aus meinem Kopf zu verbannen und stattdessen an Nichtigkeiten zu denken. Zum Glück nimmt mir Lena die Ausrede ab.
»Das hätte ich auch machen sollen. Dieser Anblick ist einmalig.«
Ich ringe mich zu einem Lächeln durch und drücke meiner Frau ein Küsschen auf die Wange. Ihre Haut ist kalt, zum Glück hat sie sich bereits ein Handtuch umgelegt.
Ich sehe mich um. Tim sitzt am Feuer. Auf seinem Schoß liegt ein Badetuch. Seine Haut leuchtet orange. Das Licht betont seine ausgeprägte Brustmuskulatur. Er hat die Augen genießerisch geschlossen. Hinter ihm, mit dem Rücken zu mir, trocknet sich Lisa ab. Ich ertappe mich dabei, dass ich wieder anfange, sie anzustarren, und zwinge mich dazu, woanders hinzusehen. Ich habe keine Lust, abermals einen Kampf mit meinem Glied auszutragen. Plötzlich hält Lena mir ein Tuch hin.
»Danke«, sage ich und nehme es dankbar an. Hastig wickle ich es wie einen Rock um meine Hüften und bin froh über den Sichtschutz, den es mir gewährt.
»Kommt ans Feuer«, ruft Tim und winkt uns zu sich. »Es strahlt so viel Wärme ab, dass man ohne Klamotten hier sitzen kann.«
Ja, ja, denke ich und weiß genau, weshalb er das vorschlägt. Zu gut erinnere ich mich daran, wie er meine Frau im Wasser abgecheckt hat, und wieder sticht es in meinem Herzen. Dabei ist mir bewusst, was für ein Trottel ich bin. Einerseits kämpfe ich gegen meine Eifersucht und fühle mich in die Rolle des Opfers gedrängt, andererseits bin ich kein bisschen besser als er. Denn auch ich habe jemanden angestarrt, sobald ich die Gelegenheit dazu erkannt habe. Und ich kenne mich – ich werde es wieder tun. Vielleicht sollte ich ihn vom Haken lassen. Meinen Zorn herunterschlucken. Denn am Ende ist er wie ich ein Mann – und Männer gucken. Frauen übrigens auch. Das hat mir Lisa deutlich gemacht. Mehr als das. Sie hat nicht nur geguckt – sie hat mich angefasst. Nicht aus Versehen. Nicht auf Kumpelbasis. Nein. Der Griff an meinen Po war gewollt und anrüchig gewesen. Da bin ich mir sicher.
»Nun komm«, erklingt Lenas Stimme neben mir. Sie nimmt mich an der Hand und zieht mich sanft zum Feuer. Wir kehren auf unsere vorherigen Campingstühle neben dem Wassereimer zurück und setzen uns. Eines muss ich Tim lassen – er hat recht. Das Feuer hat tatsächlich genug Kraft, jeden Gedanken an Kälte aus meinem Kopf zu vertreiben.
Auf meiner Haut prickelt es angenehm. Ich lehne mich zur Seite, greife ein paar handgelenkdicke Äste, die wir am Tag gesammelt haben, und werfe sie in die Flammen. Funken steigen auf und wirbeln umher. Beinahe glaube ich, in ihnen Glühwürmchen zu sehen, aber das ist ein Trugschluss.
Auch Lisa, die zu meinem Leidwesen ihr Handtuch um den Körper gebunden hat und dadurch alles Interessante verbirgt, lässt sich nieder. Somit ist unsere Runde wieder komplett.
»Wir dürfen morgen nicht die Klamotten vergessen«, höre ich sie zu Tim sagen. Mein Blick schwenkt in Richtung See und tatsächlich, keiner von uns hat sich die Mühe gemacht, die abgelegte Kleidung aufzusammeln. Egal. Lisa hat recht; das ist eine Aufgabe für morgen.
Einen Moment später steht sie vor uns. Wieder kommt ihr Talent zum Vorschein und eine Sekunde später halten wir gefüllte Gläser in der Hand. Wieder ist es Gin-Tonic – und wieder lauwarm. Wir prosten uns zu und trinken. Ich leere das Glas fast in einem Zug.
»Warum so gierig?«, höre ich Lena flüstern, die sich dicht zu mir gebeugt hat. Da das Pärchen auf der anderen Seite des Feuers in ein Gespräch vertieft ist, beschließe ich, meiner Frau reinen Wein einzuschenken.
»Ich muss mir Mut antrinken.«
Sie sieht mich verwundert an. »Mut wofür?«
Ich zögere kurz. Dann atme ich durch und beginne zu sprechen. »Ich hab’ Kopffick.«
Sie legt den Kopf schief und sieht mich mitfühlend an. »Dann habe ich mich doch nicht geirrt. Irgendetwas passt dir gerade nicht und ich möchte gerne wissen, was es ist.«
Dafür liebe ich meine Frau. In ihrer Stimme schwingt nicht die Spur eines Vorwurfes mit. Ganz im Gegenteil. Sie klingt warm und fürsorglich. Und das hat die Wahrheit verdient. Zumindest einen Teil davon.
»Es war … irgendwie komisch für mich zu sehen, wie ihr … wie er mit dir umgegangen ist.«
Ich nicke vorsichtig in Tims Richtung, der es nicht bemerkt.
»Was genau meinst du?«
»Nun. Wie er dich berührt hat. Am Hintern. Du weißt schon.«
»Du meinst, als wir im Wasser waren?«
Ich nicke. Sie atmet ruhig ein und aus. »Es tut mir leid, dass dich das belastet. Ich glaube, dass die Pferde mit ihm durchgegangen sind. Ich wette, dass nichts dahinter steckt. Er ist halt ein Macho. Du kannst dich beruhigen. Wirklich.«
»Und er hat dich verdammt lange abgecheckt«, füge ich hinzu. »Von oben bis unten.«
Sie grinst. »Er ist halt ein Mann. Das liegt in seiner Natur. In deiner übrigens auch.«
Mein Herz macht einen Satz.
»Ich habe gesehen, wie du Lisa angesehen hast. Wie ein Ausgehungerter am Buffettisch.«
Mist. Ertappt. Diese verfluchte Auffassungsgabe der Frauen.
»Aber das ist nicht schlimm«, beginnt Lena zu erklären. »Kein Ding. Gucken ist erlaubt. Jeder tut es. Tim checkt mich. Du checkst Lisa. Und ja – ich checke Tim.«
Auf meinen entgeisterten Blick setzt sie fort: »Aber das ist okay. Es ist nur gucken. Mehr nicht.«
»Das sagst du so leicht.«
»Und weißt du was?«, scheint sie meinen letzten Satz zu ignorieren. »Lisa checkt dich. Und das mehr als nur einmal.«
Hitze schießt in mein Gesicht. Etwas flattert in meiner Brust. In mir kämpft das Gefühl, einerseits ertappt worden zu sein mit der Tatsache, dass mein Schwarm anscheinend Interesse an mir hat – welcher Art auch immer.
»Ich habe kein Problem damit. Guck ruhig. Das ist nicht schlimm. Lass uns bitte nicht anfangen, die Messlatte für Eifersucht so tief anzulegen.«
Ich denke über ihre Worte nach. Dann nicke ich. Sie hat recht. »Ich werde es versuchen.«
Sie zwinkert mir zu. Und tatsächlich fühle ich mich nun etwas leichter. Zusammengefasst lerne ich zu verstehen, dass das, was passiert ist, im Rahmen dessen bleibt, was man gut und gerne Leben nennen kann. Vor Erleichterung leere ich mein Glas vollständig. Ich genieße das Gefühl, wie sich das Getränk seinen Weg in meinen Magen bahnt und hoffe, dass es mir eine angenehme Schwere bescheren wird, wie nur Alkohol es schafft.
Nur einen Moment später füllt Lisa mein Glas wieder auf.

5.

Das Flackern der Flammen zieht mich in seinen Bann. Ich bin mit meinem Stuhl etwas näher ans Feuer gerückt und halte einen dünnen Stock in der Hand, an dessen Spitze ein weißer Klumpen vor sich hin röstet. Der Geruch von Zucker breitet sich aus und ich kann den ersten, heißen Bissen von meinem Marshmallow kaum erwarten.
Während wir so dasitzen – alle mit einem Stock im Feuer – schweigen wir. Ich habe das Gefühl, dass uns die besondere Wirkung des Ortes verstummen lässt. Nicht, weil es langweilig ist oder weil wir uns nichts mehr zu sagen haben. Nein. Das undurchdringliche Schwarze, das unsere Lichtung umgibt und nur an der Seeseite geöffnet ist, hervorgerufen von dichtstehenden Kiefern und Sträuchern, legt sich wie ein Mantel um uns. Die Baumstämme flackern orange. Irgendwo weit hinter uns schreit eine Eule. Über uns leuchtet und funkelt ein ganzes Universum. Sterne, die auf uns herabsehen und auf uns aufpassen, während wir Zwerge an unseren Leckereien knabbern.
»Ahh, heif, heif!«, erklingt es von der Seite und ich sehe, wie Tim mit einem Marshmallow kämpft, der in einem langen, geschmolzenen Faden zwischen seinem Mund und der Stockspitze hängt.
»Das kommt davon, wenn man so gierig ist!«, lacht Lisa, die ihrem Mann das Holz abnimmt, damit dieser die Hitze in seinem Mund bändigen kann.
»Daf if nicht wipfig!«, meckert er, greift nach einem Glas und trinkt hastig. Ich bin schon der Meinung, dass es witzig ist, und ziehe meinen Zuckerklumpen aus dem Feuer. Da ich lernfähig bin und mir Tims Schicksal eine Warnung ist, kühle ich den Marshmallow mit Pusten etwas herunter, bevor ich abbeiße. Und was soll ich sagen? Er schmeckt fantastisch. Der Grad der Röstung sitzt. On Point, sozusagen. Lena, die ihre Portion bereits verschlungen hat und sich aus der Plastiktüte eine zweite greift, seufzt zufrieden.
Unterdessen wirft Tim frustriert seine Nascherei samt Stock ins Feuer. »Das ist doch kacke«, schimpft er, greift einen weiteren Spieß, der neben seinem Stuhl liegt, und steht auf. Dabei fällt das Handtuch, das er lose auf dem Schoß platziert hat, herunter und bleibt dicht vor dem Steinkreis liegen.
Nackt und unverhüllt stapft er zu Lena und mir.
»Tim!«, lache ich und deute auf seinen Penis, der im Takt seiner energischen Bewegung munter hin und her schwingt. »Du hast etwas vergessen.«
Er winkt ab und holt sich einen Marshmallow aus der Tüte. »Ist doch wurscht. Das habt ihr am See doch schon gesehen, oder nicht?«
Er weist mit dem Finger auf seinen Körper, um das Gesagte zu untermauern. Ich lege die Stirn in Falten, als ich feststelle, dass er seine Vorderseite auffallend lange meiner Frau präsentiert, als würde er sie dazu zwingen wollen, sich jedes Detail von ihm einzuprägen. Am liebsten würde ich ihm einen Tritt geben und ihn zu seinem Platz zurückscheuchen, aber ich besinne mich eines Besseren und warte brav, bis er von selbst den Rückweg antreten wird.
Mir fällt auf, dass meine Frau seine Starreinladung angenommen hat. Deutlich sehe ich, wie sie den Mann ihrer besten Freundin von oben bis unten mustert. Als Tim endlich geht, treffen sich Lenas und meine Blicke. Sie grinst und zwinkert mir zu. Ich beantworte dies mit einem grimmigen Gesichtsausdruck.
»Was denn?«, flüstert sie kaum hörbar. In diesem Moment erinnert mich ihre rebellische Miene an einen schwer zu bändigenden Teenager. »Ich gucke doch nur!«
»Du guckst nicht. Du starrst!«
»Wo liegt da der Unterschied?«
Darauf fällt mir keine Antwort ein. Stattdessen hauche ich: »Ich dachte immer, dass du ihn nicht ausstehen kannst.«
»Das ist so nicht richtig«, erwidert sie. »Ich habe gesagt, dass er niemals ein potenzieller Partner für mich wäre. Also im Sinne eines Ehemannes oder dergleichen. Dafür ist er mir zu stumpf.«
»Und du sagtest, dass er dir nicht gefällt.«
»Auch das stimmt nur halb. Ich mag seine Haare nicht. Sein Gesicht ist mir zu kantig und seine Machoallüren passen mir nicht. Aber das war es dann auch schon.«
Ich ziehe perplex die Augenbrauen hoch. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Meine Eifersucht erwacht. »Findest du ihn hübscher als mich?«
Lena rollt mit den Augen. »Maaax«, zischt sie gedehnt. »Du musst dir keine Sorgen machen. Wirklich! Ich gucke doch nur! Denk an das, was wir vorhin besprochen haben. Denk an die Messlatte.«
»Schon gut«, sage ich und werfe erneut einen Blick auf Tim, der gerade dabei ist, sich niederzulassen. Ich beiße mir auf die Lippen, als mir abermals sein Muskeltonus auffällt. Damit kann ich nicht mithalten. Ich bin zwar ebenfalls trainiert und habe einen verdammt niedrigen Körperfettanteil, doch bin ich der Läufertyp. Das bedeutet, dass ich definierte Konturen habe. Keine aufgepumpten Muskeln, so wie es bei Tim der Fall ist. Bei ihm ist es reine Energie und Kraft, bei mir liegt der Fokus auf Athletik.
Mein Blick fliegt über seinen Bauch, an dem sich im orangefarbenen Flackern ein solides Sixpack abzeichnet. Sein Bizeps ist prall, von seiner Brustpartie ganz zu schweigen.
»Du sagtest mal, dass dir zu viele Muskeln nicht gefallen.«
Lena nickt. Auch ihr Blick klebt an ihm. »Bei Tim geht es gerade noch. Mehr dürften es aber nicht sein.«
Ich grummele etwas. Sie schenkt mir ein mitfühlendes Lächeln.
»Maxi«, flüstert sie und streicht mir mit der Hand über den Arm. »Ich liebe dich. Und nur dich. Und daran wird sich nichts ändern. Erinnere dich bitte eine Stunde zurück. Was wollte ich da im Wasser mit dir tun?«
Ich erinnere mich und nuschel etwas Unverständliches.
»Und wessen Ring trage ich am Finger?«
Ich zögere die Antwort heraus. Aber ich muss sie geben, da sie den Blick, in dem eine gewisse Strenge aufleuchtet, nicht von mir abwendet. »Meinen.«
»Genau. Wir sind ein Paar. Und wir werden nicht auseinandergehen, nur weil ich wen anderen angucke. Okay?«
»Okay. Es kam mir nur so vor, als hätte er sich mit Absicht so vor dir aufgebaut.«
Lena zuckt mit den Schultern. »Und? Lass ihn doch. Er ist halt ein Macho.«
Sie drückt mir einen Kuss auf die Wange und schenkt mir ein aufrichtiges Lächeln. Damit ist das Gespräch beendet.
Ich verspeise meinen zweiten Marshmallow. Und dann den dritten. Ich trinke weiter. Lisa sei Dank. Ich sehe in die Sterne und nach einer gewissen Zeit zerfällt unsere andächtige Stimmung. Gespräche flammen auf. Wir reißen Witze, einer schlechter als der andere. Mein Vater, König der Dad-Jokes, wäre stolz auf mich. Aus Tims Handy dringt gedämpfte Musik.
Ich fühle mich gut. Irgendwann werden meine Beine schwer und ich stehe auf, gehe ein paar Schritte, erreiche den Rand unserer Lichtung und sehe zwischen den Baumstämmen hindurch, hinter denen sich das Licht des Feuers verliert.
»Irgendwie gruselig, oder?«, höre ich Lisa, die neben mir erscheint. Ich fahre leicht zusammen, denn ich habe ihr Kommen nicht gehört.
»Es geht«, antworte ich. »Wenn du so oft im Wald campst wie ich, verfliegt der Horror irgendwann.«
»Hm«, gibt sie leise zurück. Sie tritt näher, sodass sich unsere Arme berühren. Als sie ihren Kopf auf meine Schulter legt, sauge ich verwundert Luft durch die Nase und erinnere mich an ihren Griff an meinen Po, der kaum zwei Stunden zurückliegt. Ich drehe den Kopf ein Stück zur Seite und sehe die Kurven ihrer Brüste, die sich unter ihrem Handtuch abzeichnen. Mein Herz flattert vor Aufregung und trotz aller Bedenken und der Gefahr, dabei von Lena gesehen zu werden, wünsche ich mir, dass sie mich wieder dort berührt, wo es sonst nur Partner tun. Und entgegen aller Wahrscheinlichkeit kommt sie meinem Wunsch nach, als hätte sie meine Gedanken gelesen, und legt eine Hand auf meine Pobacke.
Auch durch mein Handtuch spüre ich deutlich ihre Fingernägel, die sich wie die Krallen eines Greifvogels in ihre Beute schlagen. Ich schlucke nervös und zucke leicht zusammen. Ich werfe einen verunsicherten Blick über die Schulter und atme erleichtert aus, als ich entdecke, dass Lena mit dem Rücken zu mir steht und in ein Gespräch mit Tim vertieft ist.
»Sag mal«, flüstert Lisa plötzlich. Ihre Stimme ist unergründlich und geheimnisumwoben. »Weißt du eigentlich, dass Tim und ich Swinger sind?«
Bumm!
Die Bombe zündet. Mein Herz droht zu explodieren und ich frage mich, ob ich mich verhört habe. »Bitte, was?!«
Ich stöhne, als sie den Griff an meiner Pobacke verstärkt. »Jepp, Swinger. Du hast das schon richtig verstanden.«
Aus der Unfähigkeit heraus, etwas Gescheites zu antworten, spreche ich plump das Erstbeste aus, das mir einfällt. »Woher sollte ich das denn wissen?«
Sie kichert und sieht mich interessiert an. »Die Frage war rhetorisch, mein Lieber. Das kannst du nicht wissen. Wir haben es dir nie gesagt.«
Ich schweige und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Warum erzählt sie mir das? Will sie … mit mir …? Ich überlege krampfhaft, was ich sagen soll. Doch dummerweise gibt es keinen Leitfaden für diese Art von Gespräch und ich bin auf mich allein gestellt. Als mir bewusst wird, dass ich Lisa und Tim so lange kenne, wie meine Frau – also knapp sieben Jahre – formen sich endlich Worte in meinem Mund.
»Weiß Lena das?«
Lisa schüttelt sanft den Kopf. »Das ist so ziemlich das letzte Geheimnis, das sie von mir noch nicht kennt.«
Die Art, wie sie das noch betont, macht mich hellhörig. Plötzlich setzen sich in meinem Kopf Dutzende Puzzleteile zusammen und ich sehe den Campingausflug schlagartig mit ganz anderen Augen. Zudem verstehe ich, warum das Paar zum ersten Mal in diesen sieben Jahren das Interesse aufbringt, mit uns zelten zu gehen. Mein Blick fliegt zum Feuer zurück, wo Tim und Lena noch immer in einen munteren Plausch verfallen sind. Mit der Ausnahme, dass er … seine Hand auf ihren Oberarm gelegt hat und diesen sanft streichelt. Ich schlucke, während Hitze in mir aufsteigt.
Plötzlich steht Lisa direkt vor mir. Unsere Blicke verhaken sich. In ihren Augen lodert ein Feuer, das nicht mit dem unserer Lagerstätte verglichen werden kann.
»Ich sehe doch, wie du mich die ganze Zeit anstarrst«, flüstert sie wie eine Löwin, die ihre Beute vor Augen hat. »Wie du mich mit deinen Augen verschlingst.«
»Es ist doch nur gucken«, stammel ich und weiß, dass meine Lüge leicht zu durchschauen ist. Denn das, was ich tue, ist kein Gucken. Es ist der Ausdruck von Gier. Lisa schüttelt sanft den Kopf. »Nein. Es ist mehr.«
Sie greift sich an den Knoten, der ihr Handtuch an Ort und Stelle hält. Mit einem geübten Griff löst sie ihn und breitet die Arme aus, als wäre sie ein Schmetterling und der Stoff ihre Flügel. Mit aufgerissenen Augen sehe ich ihre Brüste, so wahnsinnig geil und wunderschön. Ihre Brustwarzen stehen hart, umgeben von einem im Mondlicht blassen Hof. Ich sehe winzige Punkte auf den Hügeln, die mich an Sommersprossen erinnern. Ihre Brust hebt und senkt sich langsam im Takt der Atmung. Darunter erstreckt sich ein glatter Bauch, ein tiefer Nabel … und Schamlippen, glatt und unwiderstehlich …
Da ich nicht weiß, wie ich reagieren soll und ob Lisa etwas von mir erwartet, starre ich einfach weiter und versuche, dabei nicht allzu plump aus der Wäsche zu gucken. Zu meinem Leidwesen schließt sie das Handtuch wieder und knotet es zusammen.
»Willst du mehr davon?«, haucht sie und tritt näher an mich heran. Sie legt ihre Hände an meine Hüfte. Zwischen uns knistert es und ich kann schwören, die Funken zu sehen, die uns umgeben.
Eine ihrer Hände wandert von meiner Hüfte am Handtuch entlang zu meiner Körpermitte. Als sie mit der Fingerspitze meinen Penis berührt – oh Gott, ich habe einen fetten Ständer – japse ich nach Luft.
»Du musst nur ja sagen«, flüstert sie verführerisch. »Dann kann das eine ganz, ganz besondere Nacht mit uns werden.«
Meine Gedanken rasen. Ich denke an ihre Brüste, ihren Po, ihre Muschi, an Lena …
Lena!
Herrje, sie habe ich ganz vergessen. Mein Kopf schnellt herum und entdecke sie und Tim, die noch immer an Ort und Stelle stehen. Nur mit dem Unterschied, dass seine Hand tiefer, sehr viel tiefer gewandert ist und nun auf ihrem Po liegt, nur eine dünne Lage Stoff zwischen sich und ihrer Haut. Und ich sehe, wie sie sich nicht dagegen wehrt, wie sie ihrerseits eine Hand auf seine Hüfte legt.
Eine Erkenntnis, klar wie der Sternenhimmel, bahnt sich einen Weg in meinen Kopf. Wenn Lisa eine Swingerin ist, ist Tim natürlich auch einer. Wenn sie etwas von mir will, will er … etwas von meiner Frau.
Also doch Absicht, denke ich und erinnere mich daran, wie er vor Minuten meiner Frau seinen Penis präsentiert hat. Bilder vom Brustcheck und seines Po-Klatschers tauchen vor mir auf.
Wieder kämpfen in mir tausend Gefühle. Eifersucht, Neugier, Zweifel, Lust, Verlustängste und Geilheit bilden einen absurden Cocktail aus Emotionen. Ich zucke zusammen, als Lisa meine Hände ergreift. Ich sehe sie wieder an.
»Ich kann gut verstehen, dass dich das gerade überrumpelt. Und das du mit dir haderst. Aber mein Angebot steht. Ich will dich und ich wette, dass du mich auch willst.«
Mein Ständer zuckt gierig bei jedem ihrer Worte.
»Aber ich kann verstehen, wenn es dir, wenn es euch als Paar, alles zu viel ist und zu weit geht. Wenn dem so ist, belassen wir es bei dem Angebot und machen so weiter, wie bisher. Wenn ihr euch aber dazu entscheiden könnt, Lust und Vertrauen über eure Ängste und Sorgen zu stellen …«
Sie lässt mich los, dreht sich um und geht langsam in Richtung See. »… dann warte ich im Wasser auf dich.«
»Im Wasser?«, stottere ich unfähig, etwas Gescheiteres zu antworten.
»Im Wasser«, bestätigt sie im Gehen. »Ich würde gerne Zeit mit dir allein verbringen. Der See ist so romantisch.«
Sie ist schon drei Meter entfernt, als sie sich wieder zu mir umdreht. »Ich warte dort auf dich. Eine Viertelstunde. Entweder, du kommst – oder du kommst nicht. Auf jeden Fall werde ich dann wissen, wie ihr euch entschieden habt.«
Sie deutet zu Lena, die sanft vom Schein des Feuers angeleuchtet wird. Meine Frau sieht mich an, genau wie Tim, bevor er sich abwendet und wieder auf seinem Stuhl Platz nimmt. Ich verstehe sofort, dass auch sie ein verruchtes Angebot erhalten hat. Dass auch sie fünfzehn Minuten bekommen hat, um eine Entscheidung zu treffen.
»Ich«, sage ich, doch Lisa ist schon zu weit weg. Sie nähert sich dem Ufer eines Sees, der wieder das Potenzial hat, zum Kochen gebracht zu werden.

6.

»Ist das ein Traum?«, frage ich, als Lena und ich uns auf halbem Weg zum Feuer treffen. Ich frage sie gar nicht erst, was sie mit Tim besprochen hat, und setze voraus, dass wir beide genau wissen, worum es geht. Ihr teils geschockter, teils berührter Gesichtsausdruck bestärkt mich in meiner Annahme.
»Keineswegs«, flüstert sie. Wir nehmen uns an den Händen und schweigen einen Moment, bis ein besonders lautes Knistern in der Glut die Stille bricht.
»Ich weiß nicht, ob ich meine Messlatte derart hoch hängen kann«, beginne ich und beiße mir auf die Unterlippe. Meine Stimme zittert ein wenig, was meinem aufgewühlten Zustand geschuldet ist. Ich sehe zum See, an dessen Ufer Lisa steht und auf das Wasser sieht. Tim ist uns zwar deutlich näher, doch weit genug weg, um ungestört miteinander reden zu können. Zudem scrollt er in seinem Smartphone und macht keine Anstalten, uns in unserer Entscheidung zu manipulieren.
»Ich weiß das auch nicht«, stimmt mir Lena zu und wippt nervös hin und her. »Willst du es denn?«
Ich zögere mit meiner Antwort. Ich weiß, dass ich als guter Ehemann ein klares Nein formulieren muss. Vom Tag unserer Hochzeit bis zum Ende meines Lebens dürfte eigentlich nur eine Frau in meinem Kopf Platz haben. Aber ich bin kein Lügner. Und ich denke wieder an die Kurven meiner Flamme und die Art, wie Lisa mich zuletzt berührt hat. Mein Penis kribbelt und zuckt bei den Gedanken an das, was ihm bevorstehen könnte.
»Irgendwie schon«, antworte ich schließlich halblaut. »Aber ich weiß, dass es falsch ist. Und du? Willst du es auch?«
Ich erwarte eine längere Unterbrechung, doch Lena antwortet direkt. »Ich will es.«
Bumm. Mein Herz macht einen krampfhaften Schlag und mir stockt für einen Moment der Atem.
»Bevor du etwas sagst«, fährt sie fort, »will ich es dir erklären.«
Ich mache Anstalten, etwas zu erwidern, aber sie legt mir den Zeigefinger auf die Lippen. Ich halte inne.
»Es geht mir nicht um ihn. Nicht um Tim, nicht um etwas, das seine Persönlichkeit betrifft. Ich kann voller Aufrichtigkeit sagen, dass mein Interesse an dem, was passieren könnte, rein körperlicher Natur ist. Keine Emotionen. Nur Lust. Als wäre er jemand Anonymes. Jemand Fremdes. Ich empfinde nichts für ihn. Ich will nicht mit ihm zusammen sein. Also nach der Sache, meine ich. Ich will einfach nur seinen Körper. Als wäre er ein Spielzeug. Verstehst du, was ich dir damit sagen möchte?«
Ich überlege und versuche krampfhaft, Lenas Stimme zu deuten. Aber ich kann nichts Falsches in dieser erkennen. Keine Lüge, keine List. Sie klingt aufrichtig. So wie immer, wenn es ernst wird. Ich tendiere klar dazu, ihr zu vertrauen.
Vielleicht ist es vergleichbar damit, sich einen Porno anzusehen, überlege ich. Man genießt den Anblick der Darstellerin, ohne sich Gedanken über ihren Charakter abseits der Kamera zu machen. Ich schaue keine Schmuddelfilme, um mir im Nachhinein eine Zukunft mit der Hauptdarstellerin auszumalen. Nein. Es geht um den Moment der Lust, den Moment der Trieberfüllung. Wobei … Pornos sind das eine, physischer Sex etwas anderes.
»Ich verstehe dich ja«, antworte ich endlich. Sie lächelt flüchtig. »Der Gedanke daran, wie er etwas mit dir macht, ist trotzdem nur schwer zu ertragen.«
»Das verstehe ich. Und das ist okay. Es zeigt mir, wie viel du für mich empfindest. Aber könnte sich dieses Experiment nicht trotzdem gut anfühlen? Wer weiß, vielleicht gefällt es uns sogar so gut, dass wir hinterher zu richtigen Swingern werden.«
Wir lachen beide verhalten auf. »Nein, im Ernst. Wenn wir morgen früh ein Problem mit dem haben, was zuvor mit Tim und Lisa passiert ist, werden wir es nie wieder tun. Es ist dann eine einmalige Sache. Eine besondere Erfahrung – vielleicht sogar eine schöne. Wir machen einfach weiter. Keiner muss sich dem anderen gegenüber schämen oder erklären.«
Mein Zögern bröckelt allmählich.
»Ich weiß nicht …«
Lena überlegt kurz und blickt mich herausfordernd an. »Dann versuche ich es jetzt mal anders.« Sie küsst mich sanft. Aber nur kurz. Im Anschluss sieht sie mir tief in die Augen. »Ich will, dass du es Lisa so richtig besorgst.«
Ich weiche ein Stück zurück und schlucke. Der Gesichtsausdruck meiner Frau ist so ernst, dass ich lachen muss. »Du spinnst doch!«
Sie stimmt in das Gelächter mit ein. Wir beruhigen uns nur langsam.
»Also?«, fragt sie nach einer Weile. »Machen wir es?«
Ich denke an Lisa. An ihren Körper und ihr unmoralisches Angebot. An das, was ich mit ihr machen könnte. In diesem Moment wird mir klar, dass ich sie will. Und zwar unbedingt. Und das bedeutet, dass ich auch Lena das ermöglichen muss, wonach es ihr verlangt. Unsere Liebe wird das aushalten – das spüre ich. Lisa und Tim sind auch noch zusammen, und das, obwohl sie wahrscheinlich regelmäßig ihre Partner tauschen. Es kann funktionieren. Es kann geil sein.
»Okay«, sage ich. »Wir machen es.«

 

Für mehr von mir und meinem Treiben als Autorin und Darstellerin, besuche meinen Blog auf www.kim-f-wolf.de :-*

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Gast
1 Monat vor

Toller Auftakt, super Schreibstil und ich bin auf die andere. Teile gespannt. 🥰

Kingpimp
Erfahren
4 Monate vor

Sehr gut geschrieben, langsame Steigerung mit dem direkten Ziel…..ergo weiterlesen 😍😎

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