„Leni“ Eine sündige Nacht – Teil II von „Eine verhängnisvolle Nacht“
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Dieser Text beschreibt ein düsteres, postapokalyptisches Szenario und enthält explizite Darstellungen von körperlicher Gewalt, Traumata sowie den Nachwirkungen sexueller Gewalt. Darüber hinaus beinhaltet die Erzählung detaillierte, grafische Schilderungen einvernehmlicher, jedoch biologisch und emotional hochintensiver sexueller Handlungen. Der Inhalt richtet sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum und kann bei Personen mit entsprechenden Vorerfahrungen belastend wirken.
Prolog
Der Nord-Ostsee-Kanal war schon lange kein Seeweg mehr, sondern eine blutige Narbe im Fleisch der Welt. Als die Zivilisation in einem Strudel aus Terrorismus, Staatszerfall und roher Gewalt unterging, zogen die nordischen Staaten eine eiserne Grenze – ein Bollwerk aus Stacheldraht, Wachtürmen und eiskalter militärischer Härte. Wer südlich davon
zurückblieb, geriet in eine Niemandsland-Hölle, in der nur das Recht des Stärkeren galt.Leni hatte gelernt, in dieser Hölle zu überleben. Sie war keine Heldin; sie war eine Überlebende mit eisernem Willen und einer geladenen Waffe. Doch die schwersten Wunden trug sie nicht auf der Haut. Nach einer verhängnisvollen Nacht am Grenzwall, gezeichnet von Demütigung und dem Schmerz des Überlebens, blieb ihr nur die Flucht nach Norden durch die einsamen Marschgebiete Dithmarschens.
Es war eine Reise durch die Ruinen der Menschlichkeit – auf der Suche nach einem Ort, an dem die Geister der Vergangenheit schweigen und die Schatten der Nacht endlich zur Ruhe kommen konnten.
„Leni“ Eine sündige Nacht – Fortsetzung von „Eine verhängnisvolle Nacht“
Der Schuss war in der Explosion untergegangen, doch die fünf Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit waren lang. Das Gehöft glich in dieser Zeit einem glühenden Ofen aus Warten und Anspannung. Leni wusste, dass überstürzte Hektik sie das Leben kosten konnte. Sie nutzte die verbleibenden Stunden im Schutz des verfallenen Hauses, um das Gehöft und die angrenzenden Nebengebäude gründlich zu durchsuchen.
Die Ausbeute war mager – ein Stummfilm aus Staub, Verfall und verlassenen Träumen. Sämtliche vorgefundenen Lebensmittel waren seit Jahren verdorben, von Schimmel überzogen oder von Ungeziefer zernagt. Lediglich eine verschlossene Packung Spaghetti und eine halb volle Flasche Strohrum konnte sie in einem verstaubten Kellerregal aufspüren. Der Rum brannte wie flüssiges Feuer, doch er war hochprozentig genug, um Wunden zu desinfizieren. Im Badezimmer des Bauernhauses fand sie in einem Spiegelschrank ein noch verpacktes Stück Seife. In einem alten, aufgebockten Kombi in der Scheune machte sie schließlich einen wertvollen Materialfund: Einen noch erstaunlich gut ausgestatteten, versiegelten Verbandkasten.
Den eigentlichen Glückstreffer des Tages entdeckte sie in einer verschlissenen Seitentasche eines rostigen Fahrrades: Eine alte, zerknitterte Wanderkarte für die Region Dithmarschen und Teile Nordfrieslands. Im fahlen Licht, das durch die Ritzen der Bretterwand fiel, studierte Leni die Linien. Sie wählte akribisch eine Route, die fernab der Hauptverkehrsadern durch kaum bewohntes, ländliches Gebiet führte. Ein Bogen um die größeren Siedlungen, ein Schleichen durch die Schatten – sie wollte um keinen Preis auffallen.
Als das letzte Tageslicht schwand und der silberne Schein des Vollmondes über die weiten Marschgebiete Westdithmarschens zog, machte sich Leni auf den Weg.
Der Fußmarsch war eine Qual. Bei jedem Schritt brannte der dumpfe, ziehende Schmerz in ihrem Rektalbereich wie ein glühender Stempel. Sie spürte noch immer das feuchte, kalte Gefühlsrelikt ihres dänischen Peinigers, das langsam aus ihrem Arsch sickerte und den Stoff ihrer Hose an der Innenseite der Oberschenkel verklebte. Es war eine ständige, körperliche Erinnerung an die Schändung der vergangenen Nacht, die an ihren Nerven zehrte. Doch Leni biss die Zähne zusammen. Wenn sie
das Tempo hielt, konnte sie in dieser Nacht sechs bis sieben Stunden Fußmarsch bewältigen.In nördlicher Richtung ließ sie die Ruine hinter sich und erreichte kurz darauf die selten genutzte Trasse der alten Marschbahn. Die Gleise waren verwittert, der Beton der Schwellen spröde. Passagierzüge fuhren hier schon seit Jahren nicht mehr. Nur selten ratterte noch ein gepanzerter Versorgungszug über die Schienen – doch diese Nacht blieb die Trasse stumm. Die gesamte Region wirkte wie ausgestorben. Die wenigen Menschen, die das Chaos der letzten Jahre überlebt hatten, klammerten sich in den größeren Ortschaften aneinander.
Links und rechts ihres Pfades lagen verlassene landwirtschaftliche Betriebe wie schwarze Monolithen in der Nacht. Nachdem Leni die Schienen wieder verlassen hatte, folgte sie alten Feld- und Wirtschaftswegen. Sie passierte das nahezu verlassene Frestedt. Nur aus vereinzelt stehenden Häusern drang ein schwacher, flackernder Lichtschein – Anzeichen von Verschworenheit gegen die Dunkelheit. Keine Seelen auf den Wegen, kein Motorengeräusch. Nur das ferne, unheimliche Muhen einer Kuh und das verlassene Blöken eines Schafs schnitten gelegentlich durch die Stille.
Gegen Mitternacht ging Lenis Trinkwasser zur Neige. Ihre Zunge klebte am Gaumen, die Hitze der vergangenen Tage steckte ihr tief in den Knochen. Bei der kleinen Ortschaft Windbergen beschloss sie, das Risiko einzugehen und sich an die Ränder des Dorfes zu wagen.
Sie steuerte den Ortsfriedhof mit der alten Kirche zum Heiligen Kreuz an. Geduckt schlich sie an der Friedhofsmauer entlang, die Augen ständig auf das Dunkel gerichtet. An der Rückwand der Friedhofsgärtnerei blieb sie stehen. Ein metallischer Glanz im Mondlicht – ein Außenwasserhahn.
Leni hielt den Atem an. Ein feiner, silberner Tropfen löste sich langsam von der Öffnung und fiel lautlos ins Gras. Der Druck auf der Leitung war noch da. Als sie die Spindel vorsichtig drehte, schoss ein klarer, kalter Wasserstrahl heraus. Leni benetzte zuerst vorsichtig ihre spröden Lippen, kostete vorsichtig – es schmeckte frisch, rein und metallisch. Sie trank in gierigen, großen Schlucken, füllte ihre Wasserflaschen bis zum Rand und wusch sich hastig den Staub und den Schweiß von Händen und Gesicht.
Ein Blick auf das massive Kirchengebäude ließ sie innehalten. Die dicken Steinmauern der Kirche boten Schutz vor den Blicken möglicher Patrouillen. Hier könnte sie rasten. Hier könnte sie sich im Schutz der heiligen Hallen endlich gründlicher waschen, die Spuren ihres Peinigers abwaschen und ihren geschundenen Körper für ein paar Stunden zur Ruhe betten.
Leni schlich lautlos zur schweren Haupttür der Kirche. Ihre Finger legten sich um die kühle, schwere Messingklinke. Sie drückte sie mit aller gebotener Vorsicht nach unten. Das alte Holz knarrte leise, als die Tür einen Spalt weit aufschwang.
Augenblicklich kniff Leni die Augen zusammen. Ihre Rechte glitt mit traumwandlerischer Sicherheit an die Hüfte, zog die P13 aus dem Holster und entsicherte die Waffe stumm. Mit vorgehaltener Pistole, den Lauf starr auf die Finsternis gerichtet, blickte sie über den Kornsattel hinweg in das düstere Innere der Kirche.
Leni betrat den Innenraum des Langhauses, und die kühle, fast schon eisige Luft des alten Gemäuers strömte ihr entgegen. Während sich ihre Augen schrittweise an das dichte Dunkel gewöhnten, verharrte sie reglos und lauschte mit jeder Faser ihres Körpers in die Stille der Nacht. Das silberne Licht des Vollmondes brach sich durch die staubigen, verschmutzten Bleiglasfenster und warf geisterhafte, lange Schatten auf den Steinboden. Der Innenraum war völlig menschenleer und bot einen bemitleidenswerten Anblick. Viele der hölzernen Kirchenbänke waren umgestürzt oder zertrümmert, dicke Staubschichten bedeckten den Altar. Gottesdienste wurden hier schon seit Jahren nicht mehr gefeiert. Die Kirche war nur noch die Hülle einer längst vergangenen Ordnung.
Nachdem sie sicher war, dass sich niemand im Langhaus aufhielt, trat Leni wieder nach draußen in die drückende, schwüle Sommernacht. Sie ging zurück zur Rückseite der Friedhofsgärtnerei und stellte ihren schweren Rucksack ab. Mit routinierten, stummen Griffen öffnete sie das Hauptfach und holte eine Kulturtasche, ein Handtuch, einen Waschlappen und das neue Stück Seife hervor.
Bevor sie sich entblößte, schritt sie noch einmal vorsichtig um die Ecke auf die Straße und spähte einige Minuten akribisch die dunklen Häuserreihen von Windbergen entlang. Nichts Regendes war zu sehen, kein einziges Geräusch war zu hören.
Leni kehrte zu ihren Sachen zurück. Sie entledigte sich ihrer Waffen und zog sich komplett aus. Das kühle Mondlicht traf auf ihren entblößten Körper. Sie griff nach ihrem Haarband, löste den geflochtenen Zopf und drehte den Wasserhahn voll auf.
Zuerst beugte sie sich tief vor und hielt ihren Kopf direkt unter den kräftigen, kalten Wasserstrahl. Ein Keuchen entwich ihren Lippen, als die Kälte ihre Kopfhaut traf, doch es tat gut. Sie seifte ihre dichten, strohblonden Haare gründlich ein, schäumte sie auf und spülte den Staub und den Schweiß der letzten Tage vollständig aus. Danach wusch sie akribisch ihren restlichen Körper: Sie fuhr mit dem seifigen Waschlappen über ihren Hals und reinigte ihre prallen, festen Brüste, deren Knospen sich durch das erfrischend kalte Wasser augenblicklich verhärteten. Sie fuhr tiefer, wusch sorgfältig ihre mit wenig krausen blonden Haaren versehene Vagina und widmete sich schließlich mit aller Gründlichkeit ihrem geschändeten Analbereich.
Der Schmerz an ihrem überdehnten After brannte unter dem kalten Wasser und der Seife noch einmal scharf auf, doch das Gefühl, den Dreck der Schande und die klebrigen Spuren ihres Peinigers endlich restlos abzuspülen, schenkte ihr eine tiefe, innere Erleichterung.
Als sie sich gründlich abgetrocknet hatte, wandte sich ihr Blick zufällig dem gegenüberliegenden Pfarramt zu.
Leni erstarrte. Hatte sich dort eben nicht ein Vorhang hinter einem der dunklen Fenster im Erdgeschoss bewegt?
Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Ihre Reflexe übernahmen sofort wieder das Kommando. Hastig griff sie in ihren Rucksack und zog ihren letzten sauberen Slip an. Darüber schlüpfte sie in ein enganliegendes, frisches Top und eine knappe Hotpants, ehe sie sich die schweren Stiefel schnürte. Sie ließ den Rucksack im Schatten der Gärtnerei zurück, griff sich ihre P13 sowie eine Mini-Maglite und bewegte sich mit lautlosen, geschmeidigen Schritten hinüber zum Pfarramt.
Die Holztür des Pfarrhauses war nicht verschlossen. Sie wich auf leisen Druck nach innen.
Mit der Waffe im Anschlag, die Mündung starr nach vorne gerichtet, betrat Leni den düsteren Flur. Sie steuerte zuerst das Zimmer im Erdgeschoss an, an dessen Fenster sie die Bewegung vermutet hatte. Der Raum war leer, doch der süßliche, vertraute Geruch von frischem Kaffee lag in der Luft. Auf dem hölzernen Wohnzimmertisch stand eine einzelne Tasse. Leni trat heran und fasste das Porzellan an – die Tasse war noch deutlich warm. Ein Schluck dunkler Flüssigkeit stand noch darin. Hier lebte definitiv jemand, und diese Person war vor wenigen Augenblicken noch in diesem Raum gewesen.
Prüfend ging sie weiter durch die angrenzenden Räume im Erdgeschoss, doch sie traf auf niemanden. Plötzlich schnitt ein leises, trockenes Knirschen von Holzbohlen aus dem Dachgeschoss durch die Stille des Hauses.
Leni sicherte den Bereich hinter sich und begann, die alte Holztreppe zum Obergeschoss hinaufzuschleichen. Sie versuchte, ihr Gewicht zu verlagern, doch die ausgetrockneten Trittstufen knarrten leise unter ihren Stiefeln.
Oben angelangt, fand sie einen kleinen, engen Flur mit drei geschlossenen Türen vor.
Sie schob die erste Tür mit dem Stiefel auf: Ein Schlafzimmer. Das Doppelbett war sauber und ordentlich gemacht, niemand war hier. Sie wandte sich der gegenüberliegenden Tür zu: Ein leeres Arbeitszimmer, vollgestopft mit alten Büchern und Papierstapeln.
Schließlich blieb nur noch die mittlere Tür. Leni drückte die Klinke herab und stieß die Tür auf. Ein einfaches Badezimmer kam zum Vorschein. In der hinteren Ecke stand eine Duschkabine, deren undurchsichtiger, gemusterter Duschvorhang den direkten Blick versperrte.
Leni hob die P13, fixierte das Zentrum des Vorhangs und sagte mit fester, eiskalter Stimme: »Wer immer auch hinter dem Vorhang steht, sollte jetzt lieber ganz langsam den Vorhang beiseite schieben und mit erhobenen Händen vortreten!«
Die darauffolgenden Sekunden schienen sich wie klebriges Kaugummi in die Länge zu ziehen. Die Stille im Raum war greifbar. Dann bewegte sich der Stoff. Langsam und ohne hektische Bewegungen glitt der Duschvorhang zur Seite. Leni riss die Maglite hoch und blendete die Gestalt in der Dusche mit dem grellen, weißen Lichtkegel.
Ein Mann Anfang fünfzig trat vorsichtig aus der Kabine. Er trug eine einfache schwarze Hose und ein hellblaues Collarhemd, dessen weißer Stehkragen im Licht der Lampe leuchtete. Sein linker Arm war oberhalb des Ellenbogens abgetrennt; die Narben am Stumpf war dick und verblasst. Auch seine linke Gesichtshälfte erzählte von alter, schwerer Gewalt – tiefes Narbengewebe zog sich über die Wange bis zum Haaransatz, und vor dem linken Auge trug er eine schlichte, schwarze Augenklappe.
Es war der Pfarrer der ehemaligen Dorfgemeinde.
Trotz der geladenen Waffe, die auf seine Brust gerichtet war, und des grellen Lichts in seinen Augen verzog der Mann keine Miene. Stattdessen bildete sich ein milde lächelnder Zug um seine Lippen. Er blickte Leni aus seinem verbliebenen, gesunden Auge mit einem außergewöhnlich sanften und ruhigen Blick an.
»Du musst keine Angst haben, mein_Kind. Ich werde dir nichts Böses tun«, sagte er mit einer tiefen, warmen Stimme, die eine erstaunliche Seelenruhe ausstrahlte.
Leni senkte die Mündung der P13 keinen Zentimeter. Das Visier blieb starr auf die Brust des Pfarrers gerichtet, ihre Muskeln waren unter der Anspannung wie Drahtseile gespannt. Nach den Schrecken der vergangenen Nacht verließ sie sich auf niemanden mehr – schon gar nicht auf freundliche Worte im Dunkeln.
»Kommen Sie langsam aus der Dusche raus«, befahl Leni, ihre Stimme eiskalt und scharf wie eine Klinge. »Und verraten Sie mir, warum Sie nicht draußen zu mir gekommen sind. Von mir geht keine Gefahr aus, aber ich bin extrem vorsichtig, was Fremde angeht.«
Der Pfarrer hob die rechte Hand noch etwas höher und trat mit bedächtigen, hinkenden Schritten über den Rand der Duschkabine auf den Fliesenboden des Badezimmers.
»Mein Name ist Kai. Kai Hansen, ich bin… , ich war der Pfarrer dieser Gemeinde«, sagte er ruhig und ohne jede Spur von Aggression. Sein einziges Sehelement fixierte sie sanft. »Ich wollte dich nicht erschrecken, mein_Kind. Wir sind hier im freien Dithmarschen, aber dieser Frieden ist mit großer Vorsicht zu genießen. Es leben nur noch wenige Seelen hier im Dorf. Wenn man mitten in der Nacht Schritte hört, versteckt man sich lieber. Wie heißt du? Und was führt dich in diese verlassene Ecke?«
Leni behielt die P13 im Anschlag, musterte den vernarbten Mann noch einmal eingehend und fasste einen Entschluss. »Leni«, sagte sie knapp. »Ich habe Verwandte in Tönning und ich denke, es wäre besser, wenn wir nach unten in die Küche gehen. Dort können wir uns in Ruhe unterhalten – mit etwas Abstand.«
Kai nickte zustimmend. Geduckt ging er voran die knarrenden Holzstufen hinab ins Erdgeschoss, während Leni ihm mit sicherem Abstand und entsicherter Waffe folgte.
In der schlichten Küche setzte sich Kai an den rustikalen Esstisch, während Leni sich mit dem Rücken zur Wand positionierte. Das ferne, sanfte Ticken einer Wanduhr erfüllte den Raum. Während sie sich gegenübersaßen und sprachen, spürte Leni, wie die extreme Anspannung langsam von ihr abfiel. Dieser Mann strahlte weder Bedrohung noch triebhafte Gier aus – aus den Zügen seines entstellten Gesichts sprach lediglich eine tiefe, fast melancholische Müdigkeit.
Ein freches, leicht bitteres Lächeln stahl sich auf Lenis Lippen, während das Vertrauen in ihren Gegenüber langsam wuchs. Sie legte die P13 vor sich auf den Tisch.
»Sag mal, Herr Pfarrer…«, begann sie schnippisch und neigte leicht den Kopf, während sie leise auflachte. »Hat es dir denn gefallen, was du vorhin draußen beim Waschen am Wasserhahn gesehen hast?«
Kai hielt kurz inne, ein leises, ehrliches Schmunzeln glitt über seine vernarbte Wange. »Ich bin ein Mann Gottes, Leni. Aber ich bin nicht blind – zumindest auf einem Auge nicht. Du bist eine sehr schöne junge Frau. Doch du musst keine Sorge haben. Mein Interesse gilt dem Schutz der Lebenden, nicht dem Begehren.«
Das Eis zwischen ihnen war gebrochen. Leni verließ kurz das Haus, um ihren Rucksack und ihre verbliebene Ausrüstung aus dem Schatten der Friedhofsgärtnerei zu holen. Als sie zurückkehrte, hatte Kai die Küche bereits verwandelt. Auf dem Tisch dampfte frisch aufgebrühter Instantkaffee, ein Krug mit frischer Landmilch stand bereit und auf einem Holzbrett lagen mehrere dick bestrichene Brote.
Sie setzten sich zusammen und aßen. Leni gierig und hungrig, Kai besonnen. Er begann zu erzählen. Das Treffen in der Küche dehnten die beiden rasch auf eine lange, intensive Unterhaltung aus, die schließlich die gesamte verbleibende Nacht andauern sollte. In dem schwachen Schein einer Petroleumlampe tauschten sie die düsteren Berichte über die zerfallene Welt aus.
Leni begann zu erzählen, und ihre Stimme spiegelte die absolute Härte des Überlebenskampfes wider. Sie berichtete von den Verhältnissen südlich des Kanals und im Rest der Republik. In weiten Teilen Deutschlands herrsche nur noch rohe Anarchie auf den Straßen. Wer irgendwie noch die Kraft dazu habe, versuche nach Norden, über die Grenzen nach Polen oder in die Alpenregionen nach Österreich und in die Schweiz zu gelangen. Doch Wege gebe es kaum noch; es gehe überall nur noch ums nackte Überleben. Die gesamte zivile Infrastruktur sei flächendeckend zusammengebrochen.
Besonders in den großen Städten sei die Hölle ausgebrochen: Kein Wasser, kein Strom, überall Müll, Bandenkriege um die letzten Vorräte und Hungerkatastrophen. Nur noch vereinzelte, versprengte Militäreinheiten versuchten verzweifelt und oft vergebens, kritische Infrastrukturen wie Kraftwerke oder verbliebene Depots zu sichern. Auf den Straßen gelte ausnahmslos das Gesetz des Stärkeren. »Es ist schlimm, Kai«, flüsterte Leni und starrte in ihre Kaffeetasse. »Richtig schlimm. Es gibt keine Regeln mehr, nur noch Fressen oder gefressen werden.«
Kai lauschte schweigend, ehe er schwer seufzte und ihr die Verhältnisse hier im Norden schilderte. Nördlich des Nord-Ostsee-Kanals, in der sogenannten „Freien Republik Nordland“, herrsche zwar ein trügerischer Frieden, doch auch dieser stehe auf tönernen Füßen. Der Strom sei streng rationiert und werde nur für wenige Stunden am Tag zugeschaltet. Die Lebensmittelversorgung klappe ganz passabel, doch Mangel sei an der Tagesordnung. Eine freie Berichterstattung gebe es längst nicht mehr; Informationen würden kontrolliert und gefiltert.
Er erzählte, dass im gesamten Gebiet der „Freien Republik Nordland“ nur noch drei mehr oder weniger gut funktionierende Krankenhäuser betrieben werden könnten, die völlig überlastet seien. Treibstoffe wie Benzin und Diesel seien so gut wie gar nicht mehr für Zivilisten zu bekommen und würden fast ausschließlich vom verbliebenen Militär beschlagnahmt und genutzt. Junge Männer würden systematisch von den Straßen aufgegriffen und zum Militärdienst eingezogen. Ein funktionierendes Mobilfunknetz gebe es schon seit Ewigkeiten nicht mehr, Weshalb Gerüchte und Mundpropaganda die Hauptinformationsquellen seien.
»Man muss extrem aufpassen, mit wem man redet, Leni«, warnte Kai mit eindringlicher Stimme. »Das Denunziantentum blüht. Die Menschen verraten ihren Nachbarn für ein Paar Stiefel oder ein paar Kilo Kartoffeln.«
Er fügte hinzu, dass Gerüchten zufolge ab der dänischen Grenze das Leben fast wie früher verlaufen solle – mit funktionierenden Städten und Wohlstand. Doch es sei ein unerschwingliches, fast unmögliches Privileg, überhaupt nach Skandinavien reisen zu dürfen. Die Grenzen seien dichtgemacht worden. Und was den Rest der Welt anging, sickerte kaum etwas durch, doch man munkelte, dass es global keineswegs besser aussah.
Er berichtete schlussendlich auch von seinem eigenen, schmerzhaften Schicksal. Kai erzählte vom mühsamen Überleben im freien Dithmarschen und von seinem früheren Leben als Gemeindepfarrer. Mit leuchtendem Blick sprach er von seiner Frau und seiner kleinen , von seiner tiefen Liebe zu Gott und seiner ehemaligen Gemeinde. Doch dann verdunkelte sich sein Blick.
»Es war im Mai 2027«, raunte Kai, und seine Stimme zitterte leicht. »Wir waren auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf. Ein Fest des Glaubens… bis zum 9. Mai.“ Er schluckte schwer. „Salafistische Extremisten schlugen zu. Die erste Explosion riss die Menschen um uns herum in Stücke. Als die Hilfskräfte eintrafen und das Chaos perfekt war, folgten die nächsten Detonationen. Terroristen gingen mit Maschinengewehren durch die Reihen der Überlebenden. Sie schossen auf alles, was sich bewegte, riefen Allāhu Akbar und sprengten sich schließlich selbst in die Luft.«
Kai griff unwillkürlich an den stumpfen Ansatz seines linken Armes. »Ich verlor an diesem Tag meinen Arm, mein linkes Auge, habe noch einige Splitter in meinem linken Bein… und das Kostbarste, was ich hatte: meine Frau und meine . Seitdem bin ich so hübsch im Gesicht.“ grinste er und zeigte dabei auf seine linke Gesichtshälfte. „Aber den Glauben an das Gute und an Gott habe ich trotz der Narben nie verloren.«
Leni lauschte stumm. Die Tragödie des Mannes spiegelte den Niedergang des ganzen Landes wider. Kai schilderte, wie sich die Ereignisse danach überschlagen hatten: Die große Leere, der Zerfall der Staatsgewalt, das Entzweien des Volkes und die Einkehr der rohen Gewalt. Wer konnte, war nach Norden geflohen. Schließlich kam es zum Militärbündnis „NORDEFOR (Nordic Defence Force)“ und Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island errichteten mit militärischer Präzision den gewaltigen Schutzwall am Nord-Ostsee-Kanal.
»Du willst tatsächlich nach Tönning?«, fragte Kai plötzlich und blickte Leni besorgt an. Leni nickte stumm. Kai schüttelte langsam den Kopf. »Bleib hier, Leni. Zumindest für eine Weile. Tönning ist kein sicherer Ort mehr. Es herrscht das furchtbare Gerücht, dass bewaffnete Milizen junge, hübsche Frauen gezielt verschleppen. Sie bringen sie auf das ehemalige Northvolt-Gelände – heute die größte Militäranlage der Region. Auf der „Nordlys Base“ werden Militärbordelle betrieben. Dort werden die verschleppten Frauen dann den Soldaten als Prostituierte zur Verfügung gestellt. Du würdest dort in der Hölle landen.«
Leni schluckte schwer. Das Bild der Grenznacht stieg vor ihrem inneren Auge auf. Schließlich nickte sie langsam und willigte ein, ein paar Tage zu bleiben. In der Geborgenheit der Küche öffnete sie sich Kai und erzählte ihm alles: Von der schändlichen Nacht am Grenzwall, der Demütigung durch den dänischen Soldaten – und von dem eiskalten, tödlichen Schuss aus ihrem G95, mit dem sie ihren Peiniger auf 700 Meter Strecke aus der Ruine heraus exekutiert hatte. Kai urteilte nicht. Er hörte nur zu, spendete stummen Trost und legte seine verbliebene Hand sanft auf die Ihrige.
Leni blieb bei Kai und aus Tagen wurden Wochen, und aus Wochen wurden schließlich Monate.
Der dichte, eisige Winter des Jahres 2038 brach über Dithmarschen herein und hüllte die flache Marschlandschaft unter eine dicke, weiße Decke aus Schnee und Frost. Das Pfarrhaus in Windbergen wurde für Leni zu einer Oase der Zuflucht – einem echten Zuhause, wie sie es seit dem Zusammenbruch nicht mehr gekannt hatte.
In den ersten Wochen heilten langsam ihre körperlichen Wunden. Der stechende Schmerz an ihrem geschändeten Unterleib klang ab, die verletzte Haut regenerierte sich, und die ständige, krampfartige Anspannung in ihren Muskeln wich einer wohltuenden Kraft. Doch weit bedeutsamer war die seelische Heilung, die vollkommen lautlos einsetzte.
Die dunklen Schatten der verhängnisvollen Nacht am Nord-Ostsee-Kanal, das Gefühl der hilflosen Ausgeliefertheit und die bitteren Geister der Vergangenheit verloren im Schutz des Pfarrhauses ihren Schrecken.
Leni fühlte sich bei Kai vollkommen sicher. Zum ersten Mal seit Jahren musste sie nachts nicht mehr mit einem offenen Auge schlafen oder bei jedem Knacken der Dielen mit gezogener Waffe hochschrecken.
Die verbliebenen Dorfbewohner von Windbergen begegneten der jungen Frau anfangs mit verhaltener Neugier, doch schnell schlossen sie Leni in ihre Gemeinschaft ein. Sie unterstützte beim Verteilen der Vorräte, half beim Vieh und sicherte gemeinsam mit den Männern des Dorfes die Außengrenzen ab. Zum ersten Mal spürte Leni so etwas wie Heimat – ein tiefes Gefühl von Zugehörigkeit und Schutz.
Sie nutzte die lange Zeit der Ruhe auch, um ihre Ausrüstung peinlich genau auf Vordermann zu bringen. Wenn draußen der Schneesturm gegen die Fensterscheiben peitschte, saß sie am warmen Kachelofen, zerlegte ihr G95KA1 und die P13 immer wieder, ölte die Mechanik, reinigte die Läufe und wartete die Präzisionsoptik.
Zwischen Leni und Kai wuchs in dieser Zeit ein tiefes, unerschütterliches Band heran. Es war keine romantische Liebe, sondern eine reine, bedingungslose Beziehung wie zwischen einem liebevollen Vater und einer . Kai lehrte sie Gelassenheit, schenkte ihr ihr verlorenes Vertrauen in die Menschen zurück und gab ihr den ersehnten Seelenfrieden; Leni half dem einarmigen Pfarrer bei den Arbeiten im Haus, beim Holzhacken und räumte das Innere der Kirche nach und nach auf.
Schließlich schmolz der Schnee. Die eisigen Winde wichen der kühlen, frischen Frühlingsluft.
Es war Mitte Mai 2039, es war zu warm für diese Jahreszeit,. Die Wiesen rund um Windbergen standen in blühendem Grün, und die Vögel sangen in den alten Bäumen des Friedhofs.
Leni saß auf der kleinen Holzbank vor dem Pfarramt und reinigte im warmen Sonnenlicht das Magazin ihrer Pistole, als Kai langsam aus dem Haus trat. Er trug eine schwarze Hose und ein schwarzes Collarhemd, doch seine Schritte waren schwerer geworden als sonst. Seine Haut wirkte blasser und das gesunde Auge lag tief in der Augenhöhle.
Er setzte sich neben sie auf die Bank. Leni spürte sofort, dass etwas nicht stimmte, und legte das Werkzeug zur Seite. »Kai? Was ist los?«, fragte sie besorgt und strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht.
Kai blickte hinaus auf die verwitterten Gräber des Friedhofs. Er schwieg einen langen Moment, ehe er ihre Hand fasste und sie sanft drückte.
»Leni, mein_Kind…«, begann er leise, seine Stimme brüchig, aber vollkommen gefasst. »Gott hat mir hier mit dir eine wundervolle Zeit geschenkt. Mehr, als ich nach all den Jahren zu hoffen gewagt hatte. Aber meine Zeit auf dieser Erde neigt sich dem Ende zu.«
Leni sah ihn erschrocken an. »Was meinst du damit?«
Kai lächelte matt und strich über seine Narben im Gesicht. »Der Krebs frisst mich von innen auf. Ich weiß es schon seit einigen Wochen. Ich spüre es, nein, ich weiß es. Mein Großvater und mein Vater hatten dieselben Symptome. Ich brauche keine ärztliche Diagnose. Es ist gewiss. Als Mann Gottes spüre ich es: Meine Zeit ist gekommen, mich mit meiner Frau und meiner kleinen wieder zu vereinen. Der Krebs hat sich ausgebreitet und ich werde sterben, Leni. Ich werde diesen Herbst nicht überleben.«
Kais Geständnis traf Leni wie ein physischer Schlag. Die Worte »unheilbar« und »diesen Herbst nicht überleben« hallten in ihrem Kopf nach, vermischten sich mit dem friedlichen Vogelgezwitscher und dem Duft von frischem Gras zu einer surrealen, bedrohlichen Melange. Sie starrte ihn an, sah die müde Resignation in seinem gesunden Auge, die bläuliche Färbung unter seiner Haut. Die Welt, die sich gerade erst stabilisiert hatte, begann wieder zu wanken.
Sie sagte nichts. Sie konnte nichts sagen. Sie stand nur auf, legte eine Hand auf seine Schulter – eine zittrige, tröstende Geste – und ging dann wortlos ins Haus. Den Rest des Tages verbrachte sie in einem Nebel aus stummem Schmerz. Sie tat ihre Arbeiten mechanisch, aß kaum, starrte oft einfach nur ins Leere. Die Waffe in ihrer Hand fühlte sich plötzlich wieder schwer und fremd an, ein Symbol einer Welt, in der alles, was gut war, sterben musste.
Die Nacht brach an, eine klare, kühle Frühlingsnacht. Leni lag in ihrem schmalen Bett im ehemaligen Arbeitszimmer, das Kai für sie hergerichtet hatte. Die Decke fühlte sich plötzlich erdrückend an, die Stille im Haus war nicht mehr friedlich, sondern bedrohlich leer. Jedes Knacken des alten Fachwerks klang wie ein Vorbote des Verlustes. Die Bilder der Nacht am Kanal, die sie so mühsam verdrängt hatte, kehrten mit brutaler Klarheit zurück – nicht die Gewalt selbst, sondern die absolute, eiskalte Einsamkeit danach. Die Vorstellung, wieder allein zu sein, war unerträglicher als jede Erinnerung an Schmerz.
Sie brauchte Wärme. Sie brauchte Berührung. Sie brauchte den lebendigen Beweis, dass sie nicht schon wieder verlassen werden würde.
Ohne nachzudenken, schwang sie ihre nackten Beine aus dem Bett. Sie trug nur ein hauchdünnes, kurz geschnittenes Baumwollnachthemd, das kaum bis zu den Oberschenkeln reichte. Es war durchscheinend in der Dunkelheit, und ihre Brustwarzen zeichneten sich spitz vor Kälte und Anspannung darunter ab. Sie schlich auf bloßen Füßen über die kalten Dielen des Flurs, ihr Herz schlug bis zum Hals.
Vor seiner Tür zögerte sie einen Moment. Dann klopfte sie leise, fast schüchtern.
Von drinnen kam ein erschrockenes, aber waches: »Ja, bitte?« Leni öffnete die Tür einen Spalt und lugte hinein. Kai lag in seinem großen Doppelbett, die Decke bis zur Brust hochgezogen. Im schwachen Mondlicht, das durch das Fenster fiel, sah sie sein blasses, nachdenkliches Gesicht.
»Kai«, flüsterte sie, ihre Stimme war rau von unterdrückten Emotionen. »Ich kann nicht schlafen. Die Gedanken schwirren in meinem Kopf rum… und ich möchte heute Nacht nicht alleine sein. Darf ich… zu dir kommen?«
Kai sah sie an. Überraschung, Verwirrung und dann ein tiefer, trauriger Schatten zogen über sein Gesicht. Er war ein Mann Gottes, ein Witwer, der seine Gelübde ernst nahm. Doch er war auch ein sterbender Mann, und vor ihm stand ein junges, verletztes Mädchen, das Trost suchte. Die Einsamkeit in ihren blauen Augen spiegelte seine eigene wider.
Er nickte langsam. »Komm herein, mein_Kind.«
Leni huschte ins Zimmer, schloss leise die Tür hinter sich und glitt unter die schwere Wolldecke auf die freie Seite des Bettes. Sie legte sich eng an seine Seite, spürte die Wärme seines schmalen, aber noch kräftigen Körpers durch sein Shirt hindurch. Sie legte einen Arm über seine Brust, schmiegte ihr Gesicht an seine Schulter. Ihr Mund war nah an seinem Ohr.
»Kai«, hauchte sie, ihr warmer Atem streifte seine Haut. »Ich möchte nicht, dass du stirbst. Du gibst mir Geborgenheit. Bei dir fühle ich mich… gut.« Sie bewegte ihren Kopf leicht und ihre Lippen berührten sanft sein Ohrläppchen, ein zärtlicher, fast unmerklicher Kuss.
Die Berührung war wie ein elektrischer Funke. Kai zuckte leicht zusammen. Jahre der Abstinenz, der Trauer, der Konzentration auf Geistliches brachen in diesem Moment zusammen unter der einfachen, menschlichen Wärme dieses jungen Körpers. Er spürte eine Welle der Zuneigung, der Dankbarkeit – und etwas Archaischeres, Körperlicheres.
Er drehte sich zur Seite, um ihr ins Gesicht zu sehen. Im Mondlicht sah ihr Gesicht aus wie das eines Engels, doch ihre Augen brannten mit einer irdischen, flehentlichen Intensität.
Ohne ein Wort zu sagen, beugte er sich vor und küsste sie. Es war kein gieriger Kuss, sondern sanft, suchend, fragend. Leni erwiderte ihn sofort, ihre Lippen öffneten sich, ihre Zunge berührte vorsichtig die seine. Es war eine Explosion von Sinnlichkeit, die alle Barrieren zwischen Pfarrer und Flüchtling, zwischen Alter und Jugend, zwischen Leben und Tod niederbrannte.
Und dann spürte sie es: Gegen ihren Unterleib, durch die dünnen Stoffe hindurch, schob sich ein deutliches, hartes Drücken. Kais Schwanz, nach Jahren des Ruhens erwacht, schwoll zu einer beachtlichen, eindrucksvollen Größe an. Ein tiefes, befriedigtes Juchzen entfuhr Leni. Das war es. Das war der lebendige Beweis, den sie brauchte.
Ihre Hand glitt unter die Decke, über seinen flachen Bauch hinab, bis sie den Stoff seiner Shorts erreichte. Sie umfasste die deutliche Beule darin, spürte die Länge, die Härte, die pulsierende Lebenskraft durch den Baumwollstoff hindurch. Ein Lächeln, das erste seit Stunden, zuckte um ihre Lippen.
»Oh, Kai…«, murmelte sie und begann, die Shorts über seine Hüften zu schieben. Er half ihr wortlos, hob sein Becken an, bis das Kleidungsstück frei war und sie seinen warmen Schwanz in der Hand hielt.
Er war beeindruckend. Lang, dick, mit einer prominenten, dunkelroten Eichel, die bereits von Lustfeuchtigkeit glänzte. Die Adern traten pulsierend unter der weichen Haut hervor. Leni beugte sich hinab, ihre langen blonden Haare fielen wie ein Vorhang über seine Hüften, und ohne weitere Vorwarnung nahm sie die Spitze seines Penis in ihren Mund.
Ein tiefes, raues Stöhnen entrang sich Kais Kehle. Seine gesunde Hand griff in ihr Haar, nicht um sie zu führen, sondern um die Berührung zu verankern. »Mein Gott…«, keuchte er, mehr ein Gebet als ein Fluch.
Leni war gnadenlos in ihrer Hingabe. Sie umschloss seine Eichel fest mit ihren Lippen, saugte sie ein, ließ dann ihre Zunge über die empfindliche Unterseite gleiten. Dann nahm sie ihn tiefer, ließ seinen dicken Schaft in ihren Rachen gleiten, bis ihre Nase in sein dunkles Schamhaar tauchte. Sie würgte nicht, sie atmete durch die Nase ein und nahm ihn ganz, mit einer Geschicklichkeit und Gier, die von einer tiefen, verzweifelten Dankbarkeit getrieben war. Ihre freie Hand streichelte seine behaarte vernarbte Brust, kratzte sanft über seine Brustwarzen.
Doch Kai wollte nicht nur nehmen. Die sinnliche Überwältigung, der Anblick dieser jungen Frau, die ihn so leidenschaftlich verwöhnte, entfachte in ihm eine lange vergessene Lust. Er schob sie sanft, aber bestimmt zur Seite.
»Leni… komm her«, flüsterte er heiser.
Verstehend drehte Leni sich um und positionierte sich über ihm in der 69er-Stellung. Ihr dünnes Nachthemd hatte sie längst abgestreift und über die Bettkante geworfen. Jetzt kniete sie über seinem Gesicht, ihr perfekt geformter, runder Hintern und ihre bereits triefend nasse Möse waren direkt über ihm. Und er, der Pfarrer, vergrub sein Gesicht ohne Zögern zwischen ihren Schenkeln.
Ein lauter, kehliger Schrei entfuhr Leni, als seine Zunge zum ersten Mal über ihre geschwollene Klitoris strich. Er war kein Unerfahrener. Seine Zunge war breit und stark, sie leckte nicht nur, sie erforschte. Er öffnete ihre Schamlippen mit den Fingern seiner rechten Hand und tauchte dann tief in sie ein, schmeckte ihren leicht süßen, säuerlichen intensiven Saft, saugte an ihren inneren Lippen, kreiste dann wieder um den harten, empfindlichen Knoten ihrer Klitoris.
Leni war außer sich. Sie saugte weiter an seinem Schwanz, aber ihr Rhythmus wurde unregelmäßig, unterbrochen von ihren eigenen stöhnenden Ausrufen. »Ja… ja, Kai, genau da… bitte…«
Die Kombination aus ihrer geschickten Mundarbeit und den überwältigenden Empfindungen an ihrer eigenen Möse trieb Kai rasend schnell an den Rand. Die Jahre der Enthaltsamkeit machten ihn hypersensibel. »Leni… ich… ich kann nicht…«, stammelte er warnend, aber es war schon zu spät.
Ein heftiger, krampfartiger Orgasmus überrollte ihn. Sein Körper bäumte sich auf, seine Hüften stießen unwillkürlich nach oben, während heiße Ströme seines Samens in Lenis wartenden Mund schossen. Er kam in dicken, reichlichen Pulsen, eine Ladung, die von jahrelanger Zurückhaltung zeugte. Leni schluckte gierig, so viel sie konnte, aber die Menge war überwältigend. Weiße Tropfen liefen aus den Mundwinkeln, tropften auf seine Brust und ihren eigenen Körper.
Als die letzten Zuckungen verebbten, lag er keuchend da. Doch Leni war noch lange nicht befriedigt. Ihre eigene Erregung war ein brodelnder Vulkan. Sie drehte sich um, ihr Mund und Kinn glänzten feucht von seinem Sperma, und setzte sich breitbeinig auf seinen Unterleib. Sie beugte sich vor, küsste ihn tief und leidenschaftlich, ließ ihn den gemischten Geschmack von ihr und sich selbst schmecken. Und während sie ihn küsste, spürte sie, wie sein erschlaffter Schwanz unter ihr wieder zu neuem Leben erwachte, hart und fordernd gegen ihre nass schimmernde Vulva drückte.
Ohne jedes weitere Vorspiel hob sie ihre Hüften an, positionierte seine pralle Eichel an ihrem Eingang und ließ sich dann mit einem tiefen, gutturalen Stöhnen auf ihn herabsinken.
Die feuchtwarme Enge ihrer Vagina umschloss seinen wiedererstarkten Penis perfekt. Sie war eng, unglaublich eng, und die absolute Füllung ließ sie für einen Moment den Atem anhalten. Dann begann sie zu reiten. Langsam zuerst, dann immer heftiger, ihre Hüften kreisten und stampften auf ihm auf und ab. Ihre festen Brüste wippten wild im Takt ihrer Bewegungen, ihre Nippel waren zu steilen, harten Perlen erstarrt.
Kai, neu belebt durch ihre ungestüme Lust, streckte seinen gesunden Arm aus. Seine große Hand umfasste eine ihrer Brüste, knetete das weiche, doch feste Fleisch, zwirbelte und zog an der harten Brustwarze, bis sie vor Lust und leichtem Schmerz aufschrie.
»Fick mich!«, rief Leni, ihre Stimme war heiser und vulgär, eine Befreiung all ihrer unterdrückten Ängste und Begierden. »Fick mich! Kai, bums mich bitte durch!«
Diese Worte, diese rohe, ungefilterte Lust entfesselten etwas in Kai. Mit einer überraschenden Kraft drehte er sie um, schob sie auf alle viere. Er kniete sich hinter ihren prachtvollen, dargebotenen Hintern. Sein Blick trank den Anblick aus: Ihre glatten Pobacken, gespreizt, dazwischen das rosa, zuckende Zentrum ihrer triefenden Möse und der dunklere, enge Ring ihres Anus.
Er packte ihre Hüften und rammte sich ohne Gnade von hinten in sie. Sein Schwanz glitt dank ihrer reichlichen Lubrikation leicht in ihre gierige Tiefe. Jetzt war er der Antreibende. Seine Stöße waren hart, rhythmisch, animalisch. Seine Hoden klatschten bei jedem Vorstoß laut und feucht gegen ihre Schamlippen und ihre Klitoris, was jedes Mal einen neuen Schauer der Lust durch sie jagte.
Doch kurz bevor ihn der nächste Orgasmus übermannen konnte, beherrschte er sich. Mit einem lauten, nassen Schmatzen zog er seinen prallen Penis aus ihrer extrem nassen Möse.
»Jesus, nicht jetzt… noch nicht…«, keuchte er.
Er schob sie nach vorne, bis ihr Oberkörper auf dem Bett lag und ihr Hintern ihm hoch entgegengestreckt war. Dann vergrub er sein Gesicht erneut zwischen ihren Pobacken. Aber diesmal nicht in ihrer Möse. Seine Zunge, noch feucht von ihrem Saft, fuhr den Spalt zwischen ihren Backen entlang nach oben, bis sie den winzigen, pulsierenden Ring ihres Anus erreichte.
Leni erstarrte, dann stieß sie ein langes, seufzendes Stöhnen aus, als seine Zungenspitze gegen ihren äußeren Schließmuskel drückte, ihn umspielte und dann, mit beharrlichem Druck, in ihn eindrang. Die Empfindung war unglaublich intim, invasiv und unerträglich erregend. Seine Zunge drang flach in ihr Rektum ein, bewegte sich hin und her, während seine Nase tief in ihrer feuchten Spalte vergraben war.
»Herr Pfarrer… bitte…«, jammerte Leni, ihre Finger krallten sich in die Laken. »Fick meinen Arsch. Bitte, ich halte es nicht mehr aus.«
Gehorchend zog er seine Zunge zurück. Sein Gesicht war glänzend von ihren Säften. Er kniete sich aufrecht hinter ihr, seine Augen brannten mit einer dunklen, beinahe heiligen Inbrunst. Mit dem Daumen und Zeigefinger seiner einzigen Hand zog er die Pobacken auseinander, enthüllte das winzige, rosafarbene Loch, das vor Anspannung pulsierte.
Er setzte die breite, feuchte Eichel seines Schwanzes dagegen. »Ich danke dir Gott«, flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu ihr.
Dann drückte er. Langsam, unerbittlich. Der Widerstand war enorm. Leni schrie auf, ein Schrei aus Schmerz und ekstatischer Erwartung, als die Spitze seines massiven Gliedes ihren Schließmuskel dehnte und durchbrach. Er drückte weiter, Zentimeter für Zentimeter, bis sein ganzer, dicker Schaft in ihrem engen Darm verschwunden war und seine behaarten Schamknochen fest gegen ihre Vulva schlugen. Sie war vollständig ausgefüllt und ihre Erregung steigerte sich ins Grenzenlose.
…dann begann er sie zu hämmern.
Seine Stöße waren nicht mehr rhythmisch, sondern wild, verzweifelt, als wolle er sich selbst und sie in dieser Vereinigung auflösen. Jeder Stoß war eine Invasion, ein Brennen, eine unerträgliche Füllung. Leni schrie laut in das Kissen, ihre Schreie waren in der stillen Nacht bis auf die leere Straße zu hören. Ihr Körper reagierte mit einer Sintflut. Saft strömte aus ihrer überstimulierten Möse, tränkte die Bettlaken unter ihnen.
Kai griff mit seiner Hand nach vorne, unter ihrem Körper hindurch. Seine Finger fanden ihre klatschnasse Vulva, streichelten die geschwollene Klitoris, die wie eine , harte Erbse unter seiner Berührung pulsierte. Dann schob er zwei Finger tief in ihre feuchte Enge, bohrte sie in sie hinein, während sein Daumen unablässig auf ihrem nervösen Zentrum rieb.
Es war zu viel.
Die doppelte Penetration, der brutale Rhythmus in ihrem Arsch, die geschickte Stimulation ihrer Klitoris – all das trieb Leni an einen Ort jenseits von Vernunft oder Scham. Ihr Körper bäumte sich in einem wilden Bogen auf. Ein gellender Schrei, der aus der Tiefe ihrer Seele zu kommen schien, brach aus ihr heraus.
Ihr Orgasmus war gewaltig, fast gewalttätig. Ihre inneren Muskeln krampften sich wild um seine eindringenden Finger und seinen Schwanz in ihrem Arsch. Nicht nur Feuchtigkeit, sondern ein echter Schwall von Mösensaft spritzte aus ihr heraus, benetzte seine Hand und das Bett darunter. Es war eine pulsierende, herausspritzende Entladung biblischen Ausmaßes.
Der Anblick und das Gefühl ihrer absolut unkontrollierten Ekstase rissen Kai mit. Sein Atem stockte. Nach einem letzten, tiefen Stoß zog er seinen Schwanz aus ihrem zuckenden Arschloch. Er packte seinen eigenen, glänzenden, von ihren Säften und seinem eigenen Präejakulat schmierigen Penis und begann, sich heftig zu wichsen.
»Leni… oh Gott… Jesus… LENI!«
Mit einem Stöhnen, das wie das letzte Aufbäumen eines sterbenden Löwen klang, entlud er sich. Dicke, weiße Ströme seines Samens schossen aus seiner Eichel und landeten mit klatschenden Geräuschen auf ihrem durchgebogenem Rücken, ihren Nacken, auf ihren Pobacken, tropften in den Spalt dazwischen. Er wichste sich leer, bis jeder letzte Tropfen auf ihre Haut gespritzt war und sein Glied erschlafft in seiner Hand lag.
Dann sackte er neben ihr zusammen, sein Atem ein heiseres Rasseln in der Stille des Zimmers. Leni lag regungslos auf dem Bauch, zitternd, ihr Körper eine Landschaft aus Schweiß, Sperma und ihrem eigenen Saft. Die Luft roch nach Sex, Schweiß und einer seltsamen Art von Frieden.
Langsam drehte sie sich zu ihm um. Schweigend zog sie ihn an sich, wischte mit einem Zipfel der Decke sanft das Sperma von seinem Bauch und ihrem Rücken. Sie küsste sein geschlossenes Augenlid, dann seinen Mund.
Kein Wort wurde gesprochen. Keins war nötig. In dieser Nacht hatten sie sich nicht nur körperlich vereint. Sie hatten einander einen Teil ihrer Einsamkeit genommen, einen Funken lebendiger Wärme in die kalte Gewissheit des Todes getragen. Leni schlief schließlich ein, ihr Kopf auf seiner Brust, sein Arm um sie geschlungen. Und für diese Nacht war der Krebs vergessen, die Grenze vergessen, die vergangenen Schmerzen vergessen. Es gab nur diese Wärme, diese Nähe, diese verzweifelte, schöne Lebendigkeit im Angesicht des Endes.
Epilog
Der Schlaf nach jener Nacht war tief, traumlos und wärmer als alles, was Leni seit Jahren gespürt hatte. Als die ersten Sonnenstrahlen des Frühmorgens durch das Fenster des Pfarrhauses fielen und die Holzbohlen in ein warmes, goldenes Licht tauchten, erwachte sie langsam.
Ihr Körper fühlte sich schwer an, noch immer gezeichnet von der Erschöpfung und der intensiven Nähe der vergangenen Stunden. Sie lächelte leise im Halbschlaf, spürte die ruhige, vertraute Hülle des Bettes und drehte sich zur Seite, um ihr Gesicht an Kais Schulter zu schmiegen.
Doch der Platz im Bett neben ihr war leer.
Lenis Augen schreckten auf. Die Decke neben ihr war zurückgeschlagen. Die nächtliche Wärme war verflogen, ersetzt durch eine frische, kühle Brise, die durch den Flur zog.
»Kai?«, rief sie, ihre Stimme rau vom Schlaf. Aber Kai antwortete nicht…
